24. September 2022

Ein 66. Geburtstag

 
Es gibt genau zwei Telefonnummern, die ich noch auswendig kann - und nein, meine eigene Nummer ist es nicht - sondern das ist einmal die Festnetz-Nummer meiner Oma und zum anderen die Handynummer meines Vaters. Beide sind mittlerweile gestorben, meine Oma vor Jahren, nachdem sie den brutalen Überfall auf sie in ihrem Haus nicht verarbeiten konnte, und mein Vater in diesem Mai an den Folgen einer offenbar mißglückten Blinddarmoperation.   
Heute ist sein Geburtstag, er wäre 66 Jahre alt geworden. Beide Tode kommen mir aus jeweils anderem Grund sinnlos vor und so wird auch der Geburtstag meines Vaters wohl noch für Jahre nicht die Erinnerung an bessere Zeiten, sondern eher an diese letzten Tage im Krankenhaus sein. Er hatte schon seit langem Probleme mit dem Blinddarm und auch bereits einen Blinddarmbruch überstanden: Dieses Mal bei einem erneuten Bruch sollte nun entgegen der heute üblichen Praxis zuerst operiert und nicht erst mit einem Antibiotikum gearbeitet werden. Nach der ersten Operation, erfolgte eine zweite Not-OP, nach der er nicht mehr selbständig atmen konnte, weswegen er im künstlichen Koma blieb. Sofort einen Luftröhrenschnitt machen, sonst bekommt er noch eine Lungenentzündung, riet meine Schwester, die selbst als Ärztin genau wusste, was in seinem Zustand notwendig war, aber er blieb im künstlichen Koma und bekam eine schwere Lungenentzündung mit hohem Fieber. 
Als dann noch die Beatmungsmachine blockierte, hatte er nur ein sehr kleines Zeitfenster, in dem man ihn noch retten konnte, bevor er zu lange ohne Sauerstoff war. Leider hatte die Intensivstation auf der er lag, keinen eigenen Arzt, sondern wurde von den Ärzten im OP mitbetreut. Nur kann man nicht mal eben aus einem OP stürzen, wenn es notwendig ist und so konnte er letztlich nicht mehr erfolgreich wiederbelebt werden. 
Das passierte mitten in der Nacht und sofort wurde meine Mutter angerufen, um die dreiviertel Stunde auf der Landstraße unterwegs zu sein, um das Drama zu quittieren, das nun mein toter Vater darstellte. Absolut unüblich meinte meine Schwester, die Ärztin, aber all das konnte eben an dem Ergebnis nichts mehr ändern, mein Vater war bevor es Zeit war, verstorben. 
Er hatte sich sehr darauf gefreut, endlich das Rentenalter zu erreichen, und nun müssen wir leider unseren eigenen Weg finden, um seinen Geburtstag - ohne ihn - zu begehen. 

 

 


14. Juli 2022

Eimer Bad


Seit mehr als einem Jahr ist die Warmwasserheizung im Haus nur eingeschränkt nutzbar. 
Die Systeme sind hier voneinander getrennt, die normale Heizung funktioniert, aber die zwei Warmwasserbereiter für die 7 Parteien im Haus haben schon bessere Zeiten gesehen. 
Der erste Warmwasserbereiter musste nach komplettem Ausfall (und Auslaufen) im Mai 2021 abgestellt werden, der zweite funktionierte mit viel gutem Zureden, mehrmals täglichem Neustart und stets geöffneten Feuerschutz-Türen, weil auch einmal ein - zum Glück kleines - Gasleck repariert werden musste. 
Danach hieß es warten, auf den Ersatzbehälter, der im November 2021 eingebaut werden sollte … aber dank Lieferengpässen und der Flutkatastrophe nebenan, die zu eingeschränkter Lieferung und enormen Bedarf führte, mussten wir weiter warten … bis jetzt ab Montag etwas passieren sollte. Gleich am Dienstag ging es dann tatsächlich los: Zuerst wurde das Wasser komplett abgeschaltet, seitdem nur noch sporadisch hin und wieder, während die Handwerker seit drei Tagen mit der Anlage beschäftigt sind.
Da wir seitdem kein warmes Wasser mehr haben und ziemliche Warmduscher sind, haben wir unsere Erfahrungen aus Indien zum ‚Bucket Bath‘ genutzt. Deswegen besorgte ich einen kleinen Meßbecher als Schöpfkelle und schon war das Eimerbad vorbereitet: Dazu muss man im Wasserkocher Wasser aufkochen, bei mir reichen die maximale Menge an 1,7 l für einmal Duschen aus. Das kochend heiße Wasser fülle ich in den Eimer, gehe damit in die Duschkabine und fülle nach eigenem Bedarf kaltes Wasser hinzu. Dann beginnt man sich mit dem Schöpfbecher Wasser überzugießen. Die Idee ist, daß das Wasser im Eimer nicht mit Seife u.ä. verunreinigt wird, sondern klar bleibt, so daß man Extra-Wasser weiterverwenden kann. Man benutzt den Schöpfbecher, seift sich ein, und spült sich ab, jeweils mit Hilfe des Bechers. 
Das funktioniert gut und man hat erstaunlicherweise immer noch extra Wasser übrig, das ich z.B. zum Abwaschen von Pfannen und Töpfen verwende, denn auch die werden mit warmen Wasser einfacher sauber. 
 
Falls es im Winter tatsächlich kein äußerst teureres, sondern schlichtweg gar kein Gas geben sollte, wäre das immerhin eine einfache Lösung um auf die warme Dusche nicht verzichten zu müssen, denn Warmwasserboiler kann man im Baumarkt, so wie auch mobile elektrische Heizgeräte jetzt schon fast gar nicht mehr bekommen. 

 

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