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7. April 2018

Ein sonniger Nachmittag in Darmstadt


Von unserem S-Bahnhof ‚Louisa‘ aus, erreicht man in 19 Minuten mit der S3, die viertgrößte Großstadt Hessens: Darmstadt. Dennoch haben wir es jahrelang nicht dorthin geschafft. Wir wollten immer ins ‚Hessische Landesmuseum‘ und hatten uns das als ewige Schlechtwetter-Option vorgehalten, nur kam es leider nie zum Besuch.
Als wir an einem (sonnigen) Sonntag vor Ostern, endlich zur Stadterkundung aufbrachen, wussten wir nur das über die Stadt: Der zentrale Platz heißt Luisenplatz; es gibt ein Hundertwasserhaus namens Waldspirale; und die Mathildenhöhe war einst eine Keimzelle des deutschen Jugendstils.


31. Januar 2018

Strand und Lesen


Wie ich es in meinem letzten Artikel beschrieben habe, war ich für einige Zeit an der Ostsee, im Seebad Ahlbeck - und verbrachte meine Tage damit Bücher zu lesen und mit den Hunden am Strand entlangzuspazieren. 
Nebenbei wurde ich auch noch krank, aber eine Erkältung ist Anfang Januar sicher keine Besonderheit. Dieses Mal habe ich auch kaum sonstige Ausflüge auf der Insel unternommen, ich war weder am Stettiner Haff noch am Achterwasser.


Einmal nur waren wir in Wolgast, aber das war eher ein ernüchterndes Erlebnis: Es wurde leider nicht geschafft, die Touristenströme (und deren Kaufkraft) in irgendeiner Form auch in die Stadt vor der Insel Usedom zu lenken. 
Wolgast besteht mittlerweile aus leeren Geschäften, Häusern, geschlossenen Schulen, aufgegebenen Gaststätten...


Der Ahlbecker (und Heringsdorfer) Strand waren dagegen wie immer wunderschön und gut besucht, aber im Januar halten sich die Besucherzahlen doch in gewissen Grenzen. 
Ich hatte jedenfalls meine Nikon mitgenommen und suchte stets nach den schönsten Motiven - dank dem wechselnden Wetter präsentiert sich das Meer eben jeden Tag anders. Der große Sturm und die Kälte kamen dieses Mal erst als ich schon wieder in Frankfurt war, aber die relativ milden, sonnigen Tage fand ich nun wirklich nicht schlimm :)


Zum Lesen kam ich auch.
Zuerst beendete ich Margaret Atwoods ‚Der Bericht der Magd‘, der eine finstere Zukunft beschreibt, in der die USA in eine religiöse Terrorherrschaft verwandelt wurde und Frauen völlig rechtlos sind.
Ich habe das Buch leider auf Deutsch gelesen und musste mich durch den Text quälen, der in der deutschen Ausgabe offensichtlich auch zensiert wurde. So wurde z.B. der zentrale, und wichtige (pseudo)lateinische Ausspruch ‘Nolite te bastardes carborundorum‘ - ‚Lass Dich von den Bastarden nicht unterkriegen‘ durch ‚Hirundo maleficis evoltat‘ ersetzt, was entweder ‚das Täubchen entflieht den Bösewichtern‘ bedeutet oder etwas über die Freuden des F*ckens erzählt, aber in beiden Fällen eher gar nicht in den Text passt. 

Danach habe ich die zwei nächsten Fälle von Comissario Benussi aus Trieste gelesen (von Roberta de Falco, ein Pseudonym von Roberta Mazzoni).
Im letzten Jahr konnte ich häufig Bücher nicht beenden, selbst von Autoren, deren Reihen ich seit langem folge, war ich enttäuscht. Doch das erste Buch ‚Die trüben Wasser von Triest‘ las sich so flüssig und ich mochte die Schreibart, etwas aus der Vergangenheit den Auswirkungen auf die heutige Zeit gegenüberzustellen, daß ich meine Buchlese-Blockade endlich beenden konnte.
Der zweite Fall war ebenfalls gut geschrieben, der dritte etwas bemüht und zäh - in der Zwischenzeit bekam ich dann jedoch den vierten Band in die Hände, der sich wiederum gut las - aber möglicherweise bereits das Ende der Serie beschreibt. Ich hoffe, daß noch mal etwas nachkommt, aber es ist wohl nicht ganz klar. 

Zum vorläufigen Abschluß las ich dann ‚Black Out‘ von Marc Elsberg, wiederum eine finstere Zukunftsvision, das mir sehr empfohlen wurde. Es geht darum, daß das Stromnetz in Europa und später den USA von Terroristen gehackt und in der Folge zusammenbricht, und beschreibt minutiös, wie sehr das Leben davon betroffen ist, da wir so unglaublich abhängig von Strom sind.
Es ist erschütternd - man möchte sofort loslaufen, eine Notstromanlage kaufen, ein Radio zum Kurbeln und haltbares Essen / Trinkwasser für zwei Wochen - nur um auf der sicheren Seite zu sein. 
Im ZDF kam zu diesem Thema auch eine Dokumentation: Link - die ein bißchen Entwarnung gibt, aber auch viele der Probleme aus dem Buch aufgreift.



3. Januar 2018

Kleine Pause


Am 4. Januar fahre ich für einige Zeit an die Ostsee und lasse meinen Laptop einmal zu Hause. Stattdessen nehme ich meinen Stapel Bücher mit, der sonst doch nicht gelesen wird, weil irgendwie immer etwas dazwischen kommt.
Mein Smartphone kommt aber mit, so daß ich sicherlich noch so einige Bilder auf Instagram posten werde. Wer nachsehen möchte, was ich erlebe, kann gerne auf meinem Profil ‚teodeco‘ nachsehen :)


Apropos Instagram: Ich hatte bisher auf ‚Best of Nine‘ Bilder verzichtet, in diesem Jahr wollte ich es dann doch einmal wissen und sah mir die besten neun Bilder aus den vergangenen drei Jahren an. Offenbar sind es insgesamt die Natur- und Reisebilder, die gefallen.

16. Mai 2017

Steinau an der Straße

 Die empörten sieben Zwerge, nachdem der Prinz ihnen Schneewittchen geklaut hat ^^

Vor kurzem habe ich einmal gelesen, daß es nur an einem selbst liegt, wie man einen Ort wahrnimmt, und wie dieser Ort dann auf einen reagiert. 
Insofern war es also nur mein Problem, daß ich nicht so richtig zu Steinau fand, und nicht etwa die erfrischend seltsame Stadtumgehung, die zuerst in großem Bogen von der Innenstadt weglenkte; oder die absolut märchenhaft - unheimlichen Unmengen an Fliegen, die an diesem Tag überall herumsurrten. 


Das war der erste Ort, den ich mit der RheinMain Card besuchte. Das ist ein neues touristisches Angebot für den gesamten Rhein-Main Verbund (‚rmv‘ einem Großteil von Hessen, rund um Frankfurt). Man bezahlt 22 € pro Person (bzw. 46 € für fünf Leute) und kann damit nicht nur zwei Tage lang auf sämtlichen Strecken und Verkehrsmitteln im rmv Gebiet unterwegs sein, sondern bekommt auch Vergünstigungen in einigen Museen, Thermen usw.
Allerdings war dieses Angebot noch so neu, daß der Schaffner im Zug ersteinmal überzeugt werden musste, daß ich damit wirklich fahren darf - ihm fiel dann ein, daß er doch irgendwann mal davon gehört hatte; im Brüder Grimm Museum in Steinau musste erst der Leiter geholt werden, der mir ein Kinderticket ausstellte und später meinte, er hätte mir 50 Cent zu wenig berechnet - und mit einem Bus probierte ich es dann lieber erst gar nicht aus.
Mittlerweile ist das schon wieder einen Monat her, also vielleicht haben jetzt die meisten mehr Erfahrungen mit dieser Karte gemacht, so daß die Anlaufschwierigkeiten überwunden sind. Ansonsten rechnete sich der Preis jedoch schon auf dieser ersten Strecke und der zweite Tag war dann quasi von oben ^^.


Steinau liegt an der einst bedeutsamen ‚Via Regia‘, die dort die Messestädte Leipzig und Frankfurt miteinander verband. Dadurch passierten jede Menge bekannte Reisende den kleinen Ort; Armeen zogen allerdings ebenfalls in schöner Regelmäßigkeit durch. Am Bekanntesten machte jedoch die Familie Grimm den Ort, denn die Brüder (und eine Schwester) Grimm verbrachten einen Teil ihrer Jugend in Steinau.
Nachdem ich am Bahnhof ankam, führte mich jedenfalls ein ca. 2 km langer, ausgeschilderter Weg, (unter Umgehung der Innenstadt), direkt zum Schloss Steinau. Dieses Schloss wurde einst zur Sicherung der Via Regia erbaut und diente später häufig als Witwensitz der Gräfinnen von Hanau.


Nach einem kurzen Stadtrundgang durch Fachwerkgassen und vorbei an märchenhaften Szenen, wie einem bemaltem Fachwerkhaus; Märchenbrunnen; und Schneewittchen neben einem alten Wassermühlenkanal - erreichte ich dann das 'Brüder Grimm' Museum.
Draußen, direkt neben den Kutschen befand sich auch ein großer freier Bücherschrank und im Vorgarten sah man ein Stück Rekonstruktion der namensgebenden Straße von Steinau - denn direkt neben dem Grimm Haus befindet sich auch das Via Regia Museum (und die Eintrittskarte gilt für beide Museen).


Das Grimm Museum ist eines dieser modernen Museen, die mir bereits in Warschau so häufig begegnet sind, wo man nur noch selten Objekte mit Bildunterschriften studiert, sondern es gibt Flachbildschirme und Tonaufnahmen. Im oberen Geschoss können sich Kinder auch märchenhaft verkleiden und es gibt einen kleine Bühne. Dennoch herrscht im gesamten Museum Fotografierverbot, was nicht ganz nachvollziehbar erscheint.
Als Kind habe ich natürlich auch viele Grimm‘sche Märchen erzählt bekommen und selbst gelesen, von denen ich dachte, daß sie tatsächlich so oder so ähnlich abends vor dem Ofen in den Stuben der Spinnerinnen und Weberinnen erzählt wurden; später dachte ich, daß eh alles nur von Perrault abgeschrieben war. 
Die Wirklichkeit präsentierte sich da etwas komplizierter, denn die Brüder und Sprachforscher Grimm (sie selbst bezeichneten sich nie als ‚Gebrüder‘) hatten zu den meisten Märchen eine Vielzahl an europäischen Quellen, und manche Märchen wurden ihnen auch tatsächlich erzählt. 
Nach dem Besuch im Museum, lief ich zurück zum Bahnhof. Dieses Mal folgte ich einfach der Straße durch die Innenstadt. Mein nächster Stop war dann die Barbarossastadt Gelnhausen. 

9. März 2017

Alternativen zum Sperrmüll


Jeweils zur Monatsmitte ziehen in dem nächsten Wohngebiet mehr Leute aus, als zum Monatsende und so fällt dann regelmäßig jede Menge Sperrmüll an, der sich vor den Mülltonnen türmt. 
Da ich begeisterter ‚Schatzsucher‘ bin, sah ich mir also einmal mehr an, was regelmäßig weggeworfen wird - zumeist Kleiderschränke, Regale und Anbauwände, die offenbar zum reinen Wegwerfartikel mutiert sind aus Faserplatten mit Holzaufdruck: Ikea, Roller, Poco und co. lassen grüßen. 
Aber natürlich gibt es auch Stühle, Sofas usw. und selbstverständlich ‚musste‘ ich einige Sachen mitnehmen - nichts wirklich Großes, denn dafür haben wir keinen Platz, aber doch die ein oder andere Kleinigkeit.


Dazu gehörten heute: Zwei Terrakotta-Blumentöpfe; eine Buchstütze; ein Regal, das man zwischen andere einschieben kann; eine kleine Weinkiste aus der entweder ein Regal oder ein Tablett wird; eine Stuhllehne, die ich bemalen und als Gartendeko verwenden möchte; sowie ein kleines Kiefernholz-Tischchen mit Schublade, das mein neuer Nachttisch werden wird. 
Keinen Platz fand ich dagegen für zwei dunkle Bambusstühle, mit passendem Bambustisch; zwei Gartenstühlen aus Kunststoffgeflecht und dem traurigsten Fund: einem wunderschönen Kasperle-Theater. Das wollte ich natürlich trotzdem mitnehmen, aber nur mit dem Fahrrad war das eine etwas schwierige Angelegenheit. Warum nur wirft jemand so etwas weg? 

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Es gibt so viele Möglichkeiten in der Stadt seine noch benutzbaren Möbel und sonstigen Gegenstände wegzugeben oder zu verkaufen, da sollte der Sperrmüll die letzte Lösung sein.
Niemand zieht spontan morgen aus, und wird davon völlig überrascht - und alle wollen die Natur schützen, kaufen Biojoghurt, aber daß der Ikea-Kleiderschrank alle zwei Jahre bei Wohnungswechsel auf dem Sperrmüll landet ist keine Ressourcenverschwendung? 
Ich weiß natürlich, daß es viele Leute gibt, die ihre Möbel jahrelang benutzt haben, bis es einfach nicht mehr ging und Reparaturen sind in diesem Land leider häufig teurer als Neukäufe. Aber genauso vielen Leuten fällt es im Traum nicht ein, die Möbel, die sie nicht mehr nutzen wollen, jemand anderem zu überlassen. 
Dabei gäbe es so viele Alternativen, z.B. ebay-Kleinanzeigen; Verkaufs- oder Verschenkgruppen auf Facebook; Flohmärkte und Sozialkaufhäuser z.B. des DRK.

Speziell in Frankfurt und Umgebung gibt es auch diese Adressen zum Spenden, Verkaufen (und selber Stöbern): 

Spenden: Oxfam, Merianplatz 5, 60316 Frankfurt a.M.: Kleines Geschäft (es gibt noch andere in der Stadt) für Haushaltsgegenstände, Textilien und Bücher. Sachspenden werden direkt in den Laden gebracht. Link. 

Kostenlos: Bücher können auch in sämtliche öffentlichen Bücherschränke der Stadt gebracht werden. Eine Liste findet sich hier: Link.
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Das kleine, indische Tischchen habe ich im 'Neufundland' erstanden :)

Spenden: Neufundland, Lärchenstraße 135, 65933 Frankfurt a.M.: Riesiges Geschäft für gebrauchte Möbel, Haushalt, Bücher etc. Spenden werden bei Bedarf sogar kostenlos abgeholt. Link.
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Angebot im 'Brings Uns' im EKZ Mainspitze, Raunheim

Verkaufen: Brings Uns, darüber hatte ich bereits hier einmal geschrieben: Link. Mit zwei Filialen in der Region Frankfurt: In Langen und Raunheim. Link.
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Über 'Tisch & Teller' werde ich noch einen extra Blogpost schreiben.

Spenden: Tisch & Teller, Liebigstr. 6, 65439 Flörsheim a.M.: Riesiges Geschäft für gebrauchte Möbel, Haushalt, Bücher, Fahrräder usw. Link. Möbelspenden werden kostenlos abgeholt und abgebaut. 

Keines dieser Läden verlangt eine Sozialberechtigungskarte, d.h. jeder kann dort einkaufen. Für sozial Benachteiligte gibt es jedoch in den meisten Fällen Rabatte.
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Sperrmüll Tipps und Ettikette:

Rechtlich gesehen, darf man gar nichts vom Müll mitnehmen: Gerade wenn jemand einen Sperrmüll Abtransport bestellt hat, dann heißt das, daß er das Eigentum daran der Stadt übereignet hat, die dann für die geeignete Entsorgung aufkommen muss. Es liegt in der Natur der Sache, daß das selten vor Gericht landet, denn die Stadt freut sich natürlich über alles was sie eben nicht entsorgen muss und sie wissen auch gar nicht konkret, was entsorgt wird. 
Persönlich glaube ich, daß diese Regelung eher dazu dient, daß nicht jeder den Müll durchpflückt und ein Chaos auf den Straßen veranstaltet. ‚Moderne‘ Ideen zum Umweltschutz und Recycling spielten bei diesen Gesetzgebungen keine Rolle, wohl auch deshalb, weil man damals, bei Verabschiedung dieser Regelungen, seine Möbel eher noch 50 Jahre benutzt hatte, statt 5. 

Wenn man eine gesamte Wohnungseinrichtung auf der Straße sieht, von privaten Notizen, Kleidung usw. und es sieht nicht nach jemanden aus, der ins Altersheim gezogen bzw. gestorben ist: es könnte sich um eine Zwangsräumung handeln. Davon nimmt man lieber nichts mit und gibt so den eigentlichen Eigentümern die Möglichkeit ihren Besitz selbst zu sichern. 

Es sieht einfach zu gut aus um auf dem Sperrmüll zu landen? - Vorsicht, Schädlingsbefall könnte der Grund sein. Von Polstern, Kissen jeder Art würde ich in den meisten Fällen abraten. Holz sollte auf Wurmlöcher untersucht werden.
Nimm nichts mit, daß Du nicht sofort reinigen, abwaschen, in die Waschmaschine stecken usw. kannst. Ich stecke neue Möbelfunde z.B. regelmäßig in die Dusche ^^ 
Bücher kann man durchblättern, wenn tote Insekten, schwarze Punkte herausrieseln, dann lieber nicht mitnehmen. 
Das gilt so mit Einschränkungen auch für die meisten Gegenstände, die man anderswo gebraucht kauft. Manche Läden bieten eine Wärmebehandlung von Polstern an, dabei werden diese so erhitzt, daß Schädlinge nicht überleben. Also nachfragen!
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Was ich hier in der Stadt noch gar nicht entdeckt habe, ist ein Baumarkt für gebrauchte Baumaterialien. Ich bin mir relativ sicher, daß es das irgendwo gibt (und damit meine ich nicht nur den nächsten Werkstoffhof), vielleicht nicht für die Öffentlichkeit zugängig ... doch irgendwann finde ich es bestimmt :) 

Wenn Du noch mehr Adressen kennst, würde ich diese Liste auch sehr gerne erweitern.









24. Februar 2017

Nalini Singh - Der letzte Schwur


Es ist schon etwas länger her, daß ich den Großteil der Gestaltwander / Psy Romantik Serie von Nalini Singh las. Dann kamen einige Bücher, die ich mir nur in Amazon Auszügen ansah, bis ich diesem Buch, das den Übergang zu einer neuen Staffel darstellen soll, dann doch nicht widerstehen konnte (es ist auch das Erste, das ich in tatsächlicher Buchform erstand, und nicht nur als ebook - ein Beweis für den Spontankauf ^^). 
Es gibt natürlich viele ähnliche Serien, vor allem aus den USA und es wird sich kaum je um große Kunst handeln und doch fand ich diese Serie der neuseeländischen Autorin von Anfang an interessanter als andere.
Da ist zum Einen eine komplexe Gesellschaft, aus drei Gruppen von Menschen: Den gefühlsbetonen, starken ‚Tieren‘ die in engen Familienverbünden leben und sich sehr um den Umweltschutz bemühen; der fast schon ‚Alienrasse‘ die Gefühle völlig unterdrückt und deren Gehirne zu einem Netzwerk zusammengeschlossen sind am anderen Ende; und die ‚normalen‘ Menschen dazwischen. Im Laufe der Geschichte, müssen die ‚Aliens‘ lernen, daß sie doch nicht die höchst-entwickelte Rasse sind, die am Ende der Nahrungskette steht, was die Guten natürlich einsehen, während die Bösen sich auch hier von solch langweiligen Dingen wie Fakten nicht aufhalten lassen. 
Soweit klingt das vielleicht noch nicht einzigartig, denn die Formel findet sich so oder so ähnlich selbst in jedem Katastrophenfilm. 
Was ich aber sehr angenehm finde, ist, daß alle Leute völlig vermischten Nationalitäten angehören, seien es schottisch-koreanisch, peru-russisch usw. es gibt keinen einzigen ‚reinrassigen‘ Bewohner dieser Serie, so daß Hautfarbe in den Büchern in etwa so wichtig ist wie die Augenfarbe einer Person. Je vielfältiger das genetische Erbe einer Person, umso positivere Eigenschaften werden ihr sogar zugesprochen, etwas das man sich von ähnlichen Serien aus den USA beim besten Willen nicht einmal vorstellen könnte. Und so verzeihe ich die gelegenliche Spannungslosigkeit einer solchen Formel-Form-Serie und freue mich über die leider utopische, schöne neue Welt :)

14. November 2011

Sonntagsblumen

Einmal mehr hat es im Kleiderschrank geregnet.... ich wünschte der Hausmeister würde wahrlich lieber seine Arbeit machen und endlich den Abfluß der obrigen Wohnung reparieren als ständig nur Bäume zu zerstören.


Zum Glück ranken diese Blüten nicht in unserem Garten (sondern am Zaun eines kleinen Bauernhofs), sonst hätte er sicher schon einen Weg gefunden sich ihrer zu entledigen.
Vor zwei Wochen war ich jedenfalls recht erstaunt, daß diese fragilen Blüten der Prunkwinde, Schneeregen und Frostnächten trotzten und weiterhin fröhlich vor sich hin blühten. Wie die Situation derzeit aussieht weiß ich zwar nicht, aber da selbst die Chrysanthemen so langsam ihrem Ende entgegen gehen befürchte ich, daß es sich in dieser Saison auch für die stärkste Winde ausgeblüht hat.
Gestern habe ich außerdem ein wunderbares Buch gelesen, das viel mit Blüten, Kräutern und Rezepten zu tun hat. Es heißt „Garden Spells“ (auf deutsch „Mein zauberhafter Garten“) von Sarah Addison Allen. Ich hatte es im Sommer in diesen Kisten gefunden, die „Free Books“ auf einer Hausterrasse versprachen.


Ich war mir zuerst nicht sicher, ob ich ein Buch mitnehmen sollte, da das Haus einer Dame gehörte, die dort im letzten Jahr ermordet wurde... aber als die Bücher Woche für Woche abnahmen, nur „mein“ Buch war noch da, sah ich das als Zeichen, daß es wohl wirklich mir gehören sollte. Vielleicht gibt es aber auch einfach nicht soviele Leute, die sich für Kräuter- und Blütengeschichten interessieren. Dennoch oder wegen dieser Vorgeschichte lag das Buch eine längere Weile auf dem zu-lesen Stapel bis ich Freitag Abend anfing darin zu lesen und es fast nicht mehr aus der Hand legte.
Das Buch ist praktisch eine freie Nacherzählung von „Chocolat“ es gibt magische Rezepte, den schlagenden Ehemann, das Kind, den Künstler und die Frage nach wo ist zu Hause. Eine besondere Rolle spielt der Garten der Familie, der neben magischen Kräutern einen alten eigenwilligen Apfelbaum beherbergt. Der Baum benimmt sich ein bißchen wie ein alter Hund, der sich nicht genug geliebt fühlt, wenn er will, bewirft er Leute mit Äpfeln, er kann Holzmöbel nicht leiden, möchte unbedingt immer mit der Familie zusammensein, er reagiert auf strenge Blicke und mag Kinder. Ich weiß nicht, wie die deutsche Übersetzung ist, aber das englische Orginal war einfach nur toll. Ich habe mir auf amazon bereits sämtliche Folgebücher angesehen, deren Inhaltsangaben mir leider nicht so ganz zusagen, aber vielleicht liegt doch bald „The Sugar Queen“ auf meinem Tisch :)

24. Juni 2008

Lesen! – Fortsetzung

Mein letztes Buch „Light my fire“ von Jane Graves war das Schwächste in der ganzen Reihe. Es resultiert aus meiner jahrelangen Suche nach dem perfekten Buch zwischen Krimi und Liebesgeschichte. Wenn ich einen Krimi lese, ärgert mich, dass die Liebesgeschichte nur angedeutet wird, wenn ich eine Liebesgeschichte lese, ärgert mich die Unlogik des Kriminalfalls. Angeblich gibt es sogar eine Kategorie für die von mir gewünschten Bücher, namens „love suspense“, damit sind meistens die Bücher von Linda Howard gemeint.
Am Buchtitel konnte ich noch nicht einmal die deutsche Übersetzung verantwortlich machen, denn ich las in Englisch... also war das Buch immerhin als Sprachübung was wert. Es ging um einen Anwalt, der Lügner hasst, eine auf Mördersuche gehende Floristin (um ihren unschuldigen ehemals drogenabhängigen Mitarbeiter zu entlasten) und in der Nebenrolle, ihre drei Polizistenbrüder. Der Mörder wird erst in der Porno-Snuff-Filmproduktionsindustrie vermutet, entpuppt sich dann aber als altes fanatisches Nachbars-Ehepaar, die gerne Häuser anzünden und auch mal Leute erschlagen - um den Teufel auszutreiben natürlich, Hintergründe, Motive, Entwicklungen- Fehlanzeige, dafür heiratet zum Happy End der Anwalt die Floristin.
Wenn jetzt jemand glaubt, dass das alles ist, was man in anderthalb Wochen Erkältung lesen kann... nein, natürlich nicht. Außerdem lese ich täglich die Ostsee-Zeitung um wieder informiert zu sein, auch wenn die Regionalzeitungen hier nicht so ganz mit den indischen Zeitungen mithalten kann, wo man seine zwei bis drei Kriminalfälle sein eigen nannte und täglich die Schlagzeilen studierte, ob die Polizei denn nun endlich mit der Aufklärung weiter gekommen ist.
Meine Lieblingsfälle bevor ich abreiste und über die man debattierte, waren zum Einen der Mord an einem Filmproduzenten durch den Freund einer südindischen Schauspielerin, die auch in Bollywood Fuß fassen wollte und deswegen eine Affäre mit selbigen Produzenten anfing, später war sie aber am Zerteilen der Leiche mit beteiligt, aus Angst selbst umgebracht zu werden oder erleichtert von der Besetzungscouch wieder entkommen zu sein? Man weiß es nicht und kann wild spekulieren. ...
Der zweite Mord war noch unaufgeklärt. Es ging um einen bekannten Zahnarzt, der beschuldigt wird seine Tochter und einen Bediensteten der Familie auf dem Gewissen zu haben. Vor dem Finden der Leiche des Bediensteten wurde dieser selbst als Mörder der Tochter vermutet, danach stürzte sich die Polizei mehr auf die Art und Weise der Tötung, die durch besondere Schnitte medizinische Vorkenntnisse verlangte. Der Arzt soll eine Affäre gehabt haben und seine Tochter, die davon wusste, wollte die Mutter informieren – so die These der Polizei. Aber die Mutter ist felsenfest auf der Seite ihres Mannes und sagt, dass sie einen Mord doch mitbekommen hätte, schließlich ist das Zimmer der Tochter gleich gegenüber.
Wenn es nicht um Mord und Totschlag geht, kann man aber auch sehr viel über die Menschen erfahren. Sei es nun ein Interview mit einem Jungen, der gerade in Mumbai angekommen, noch den Traum vom schnellen Reichtum träumt, sei es ein Filmvorführer, der den langweiligsten Job der Welt hat, denn seit 1995 spielt in seinem Kino nur noch ein Film oder auch ein Bericht über ein kleines sauberes Dörfchen, in dem jeder zweite Bewohner in der Werbebranche in Mumbai arbeitet. Ein Mitarbeiter meinte, wenn das Dorf einmal streikt, liegt die gesamte Werbeindustrie am Boden.
Die Ostsee-Zeitung informiert mich dafür über neugeborene Babys in der Stadt, die Dorffeste vom Wochenende und dem Drehbeginn der neuen Staffel von SOKO Wismar, auch schön...
Außerdem konnte ich mich durch mehrere Monate Playboy lesen, die ich verpasst hatte, seit ich in Indien war. Wie jetzt...Playboy? Nun, wie ich mir erst vor kurzem ausrechnete, bin ich bereits seit sechzehn Jahren Playboy-Leser, denn das ist bei uns die einzige Zeitschrift im Abonnement. Seit ich aufhörte die Zeitschrift als eine Art Schmuddelblatt anzusehen (dafür ist sie eigentlich auch zu teuer) und anfing die Artikel zu lesen, bin ich ein begeisterter Playboy-Leser geworden. Wann immer ich „Spiegel“ oder „Stern“ las, hatte ich das Problem, dass sie selbst interessante Artikel so langweilig beschreiben konnten, dass man eigentlich nicht mehr weiter lesen möchte. Im Playboy war es genau umgedreht, auch Versuchsaufbauten eines Labors in den Schweizer Alpen waren so interessant beschrieben, dass ich alles las. Mein Wissen über Whiskeys, Zigarren, Autos, Design und auch Mode stammt fast nur aus dem Playboy. Unvergessen, der Artikel über eine mexikanische Grenzstadt, in der seit Jahrzehnten Frauen umgebracht werden. Ich hatte daraus einen Schulvortrag gemacht und bekam dann Punkteabzug, da ich in meiner Quellenangabe trotz vorhandener Grafiken und Bilder, nicht den „Spiegel“ mit Monat und Jahr angeben konnte und meine wahre Quelle wohlweislich verschwieg.
Natürlich machen einen Teil des Playboy nach wie vor die Fotostrecken aus. In den 90ern bis Anfang 2000er hatten die Mädchen nur noch das Aussehen von TV-Spielfilm-Titelmodellen, mit weiß ausgemalten Augen und Zähnen. Mittlerweile bemüht man sich wieder um ein etwas natürlicheres Aussehen, aber das ist vermutlich mit noch mehr Technik verbunden; Fotoprogrammen, die es schaffen wieder natürlicher auszusehen, dabei aber von der Duschwerbespot-Ästhetik noch nicht wegrücken möchten.

Hier ein kleiner Querschnitt durch die interessantesten Artikel seit März:

Ein Bericht über die Ausbildung an der amerikanischen Coast-Guard-Schule, die Offshore Rettungsschwimmer ausbildet, also Leute, die vom Hubschrauber in die sturmgepeitschte See springen um dort noch Menschen zu retten. Die Ausbildung ist in etwa so ähnlich, wie bei den Marines, nur das man am Ende immer noch zwei Menschen von A nach B durchs Wasser transportieren muss.

Eine baskische Bürgermeisterin, die ein spanisches Dorf verwalten muss, das eine Hochburg
der ETA ist - sie steht auf einer Todesliste... mitten in Europa.

Oliver Sacks, der bekannte Neuropsychiater (siehe der Film „Zeit des Erwachens“) berichtet über die Erforschung der Wirkung von Musik auf das menschliche Gehirn. Sei es, dass ein unmusikalischer Mann nachdem er von einem Blitz getroffen wurde plötzlich Konzerte geben kann, sei es, dass Autismus gemildert werden kann, Savanten alle Opern auswendig singen...Musik aktiviert alle Teile des Gehirns gleichzeitig und scheint für den Menschen existenziell zu sein ...

Eher Playboy-typisch sind die Artikel: wie lebt man mit einer 12.000,00 € teuren Sexpuppe, resultierend aus dem „Lars and the real girl“-Film ein Selbstversuch mit der 34 kg schweren Puppe beim Restaurantbesuch oder ganz romantisch beim Spaziergang im Park. Und nach dem Auffliegen des Escort-Rings in New York, die Frage, was macht eine Prostituierte so besonders, dass sie 135.000,00 $ für ihre Dienste verlangen kann?

Howard Varinsky, ein Psychologe, der Geschworene für amerikanische Gerichte aussucht und je nachdem, wer ihn bezahlt, den Prozessverlauf von vornherein in die eine oder andere Richtung lenkt.

Monsterwellen: viele Jahre wurde das Vorhandensein von über 15 m hohen Wellen aufgrund der Berechnung von linearen Wellenmodellen als Seemannsgarn abgetan, bis Messungen an Ölbohrinseln Wellen über 25 m sogar in der Nordsee nachwiesen. Seitdem weiß man, dass diese Wellen drei- bis viermal pro Woche und nicht nur einmal in tausend Jahren entstehen.

Die Liste könnte sich über Wölfe in Sachsen bis Nelson Mandelas Zellennachbar Theo Cholo noch endlos weiterführen, aber irgendwann wurde ich gesund und seitdem hat mein Lesekonsum erneut sehr nachgelassen. Ich habe wieder ein eigenes Leben, mit Gartenarbeit, Dorffesten und Spaziergängen mit dem Nachbarshund.... ;-)

Lesen!

Als ich noch sehr jung war (also damals) hatte ich häufig mehrere Bücher gleichzeitig gelesen, weil mich jene bereits in der Bibliothek so fesselten, dass ich nicht warten und sie nacheinander lesen konnte. Mein Schreibtisch war ein (geordnetes) Chaos aus zwei bis drei neuen Büchern, die ich parallel las, einem vierten, das ich schon kannte, aber nochmals las, weil es mir so gut gefiel und zwei Schulbüchern, die ich lesen musste und die demnach per se doof waren. Um neben der Schule noch möglichst viele Bücher konsumieren zu können, entwickelte ich mit der Zeit die Fähigkeit in jeder Lebenslage lesen zu können, sei es z.B. beim Bummel durch die Stadt (wie ein Schlafwandler kam ich immer heil am Ziel an, wusste aber beim besten Willen nicht auf welcher Route) oder auch im Straßenverkehrsrechtsseminar, dass ich 12-jährig mit meinem Vater besuchte, wo ich dem Redner „Lederstrumpf“ von J.F.Cooper entgegensetzte und dafür von einigen der anwesenden Anwälte ganz neidisch angesehen wurde. Mit den Jahren und wachsendem Zeitmangel ließ dieses Interesse am Buch langsam nach und als ich während des Studiums alle Semesterferien nur noch in Bibliotheken mit zentnerschweren Kommentaren und Gesetzesziegeln verbrachte, konnte ich mir fast schon nicht mehr vorstellen, jemals freiwillig ein Buch gelesen zu haben. Wenn jedoch Zwangspausen eintraten, in denen ich die Zeit zur Verfügung hatte, z.B. aus Langeweile im Urlaub oder eben wegen einer Erkrankung konnte diese Sucht schnell wieder aufflammen und Leute, die mich so noch nicht kannten, etwas verunsichern. Denn solange ich an einem Buch lese, lebe ich darin und bin nur bedingt ansprechbar. Erst wenn die letzte Seite beendet wurde und ich meine abschließenden Gedanken dazu formuliert habe, wache ich langsam wieder auf.
Als ich aus Indien zurückkam, hatte ich frei, mir war langweilig und ich war krank... genug Gründe um also wieder mit dem Lesen anzufangen.
Mein erstes Buch, das ich vorstellen möchte, habe ich eigentlich schon in Indien gelesen, aber da ich es so toll fand und der Vollständigkeit halber soll es hier einen Ehrenplatz bekommen. Es ist kein Geheimtip, sondern „Der Alchimist“ von Paulo Coelho. Ich hatte das Buch im Jahr 2006 von einer Freundin geschenkt bekommen und schleppte es nun seit zwei Jahren überall mit mir herum, in der Hoffnung es endlich einmal zu lesen, weil ich schon soviel von Paulo Coelho gehört hatte, weil das Buch bald verfilmt werden soll und ich es vorher noch schnell lesen wollte, weil mir das Bild auf dem Cover so gefiel, aber irgendwie kam es nie dazu. Als ich dann endlich damit anfing, war ich begeistert, gerührt und manchmal tieftraurig und viel zu schnell war das Ende dieses kleinen wunderbaren Buches erreicht.
Die Suche nach dem eigenen Weg im Leben und wie ihn der Schafshirte Santiago verfolgt, ist mit perfekten, einfachen Worten beschrieben, so dass sich wohl viele darin wieder finden können.
Natürlich hat dieses Buch sehr viel von einem „Der kleine Prinz“ für Erwachsene, denn wenn man nach dem Sinn des Lebens fragt und diese Fragen, der Kargheit und Schönheit der Wüste gegenüber stellt, landet man fast zwangsläufig bei Saint-Exupéry. Aber mich erinnerte es auch an andere Bücher, wie z.B. an „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“ von Fynn oder „Der alte Mann und Mister Smith“ von Peter Ustinov, der Gott und Teufel auf eine Tour durch die heutige Welt schickt. Verfilmt würde das wohl ein ziemlich schräges Roadmovie ergeben.
Wobei schräg auch gut auf das nächste Buch passt, dass ich gelesen habe: „Lange Zähne“ von Christopher Moore. Wie schon bei Coelho hatte ich von Moore bereits viel gehört, aber nie selbst ein Buch von ihm gelesen. Ich habe Moore-Bücher verschenkt und der Kater meiner Rostocker WG hieß Biff wegen des Moore-Bestsellers: „Die Bibel nach Biff.“ In „Lange Zähne“ ging es zwar nicht um Jesus, dafür um Vampire (wie der Name fast schon vermuten lässt...) Das Mädchen Jody wird zum Vampir und muss sich nun damit auseinandersetzen, dass der verursachende Vampir ihr ständig blutleere Leichen vor die Wohnung legt, was ja verwertungstechnisch gesehen schon mal ziemlicher Blödsinn ist, ihrem (menschlichem) Freund aber auch noch ziemliche Probleme mit der Polizei beschert. Trotz vieler guter Ideen und absurder Situationen war das alles eher unlustig beschrieben, so dass es sich zwar flüssig weg-las, aber keinen bleibenden Eindruck hinterließ. Anleihen aus „Interview mit einem Vampir“ und „Dracula“ wurden nicht einmal parodisiert.
Die Vampirkomödie besteht schon seit „Tanz der Vampire“ und offenbar ist seitdem nicht viel Neues im Schattenreich hinzugekommen.
Danach wollte ich eigentlich gar nichts mehr von Herrn Moore lesen, aber mein Vater schwärmte so sehr von „Flossen weg“ und er war genauso von Coelhos „Der Alchimist“ begeistert wie ich (das hat nun mittlerweile schon fast meine gesamte Familie gelesen, man ist allerdings auch in gut drei Stunden damit durch) , dass ich erneut ein Buch von ihm anfing. Und diesmal stimmte einfach alles. Vielleicht lag es daran, dass es noch kein Buch von Walgesängen in Verbindung mit Atlantissage und der Evolutionstheorie gab. Vielleicht lag es aber auch an dieser Mischung aus Comedy, Fakten und Fiktion, die mich begeisterte. ( Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie man als Schriftsteller seinem Verlag erklärt, dass man an einem lustigen Buch über die Erforschung der Gesänge von männlichen Buckelwalen schreibt...) Also ganz kurz zum Inhalt: Ein Walforscher versucht seit Jahrzehnten erfolglos ein System im Gesang der Buckelwale vor Hawaii zu finden, letztlich bestellt dann einer der Wale bei ihm telefonisch ein Pastrami-Sandwich mit Schweizer Käse und scharfem Senf und durch eine Verkettung unglücklicher Umstände landet der Walforscher in einer unterirdischen durch die Ursuppe erbauten Stadt, die von einem verrückten Colonel regiert wird, der zufälligerweise sein ehemaliger Professor ist. Wenn man den Inhalt dieser ganz alltäglichen Geschichte einmal außer Acht lässt, so hat man ein Buch, dem man anmerkt, mit wie viel (Spiel-)Freude es geschrieben wurde.
Danach las ich als Kontrastprogramm, das Buch „Glitter Baby“ von Susan Elizabeth Phillips, das vom deutschen Verlag kongenial mit „ Kein Mann für eine Nacht“ übersetzt wurde. Das Buch war seit vielen Jahren vergriffen und wurde nachdem es letztes Jahr von der Schriftstellerin neu bearbeitet wurde, erneut veröffentlicht.
Ich habe über die Jahre schon einige Bücher der Autorin gelesen und mag den leichten Mix aus Liebes- und Generationengeschichte, mit starken Frauenrollen, wenig Problemen und programmierten Happy End. Umso erstaunter war ich dann, dass eine der Hauptfiguren des Buches wegen unterlassener Hilfeleistung starb und es keinen so richtig störte. Bei manchen Büchern macht es vielleicht Sinn, wenn sie in der Versenkung verschwinden. Der Inhalt: Ein Model wird Managerin, ihr Freund ist Filmstar mit Vietnam-Syndrom, ihre Mutter Groupie und der Stiefvater erst böse und später tot.
Das nächste Buch „Anleitung zum Entlieben“ von Conni Lubek, wollte ich eigentlich überhaupt gar nicht lesen. Denn es ist aus dem gleichnamigen Blog entstanden, den ich sehr mag und ich hatte etwas Angst davor enttäuscht zu werden, wenn das Buch nicht so gut ist wie der Blog. Aber als mir im Buchladen Lpunkts alter ego ‚Curd Rock’ so nett entgegenlächelte und ich schon so ziemlich alles über die Entstehungsgeschichte des Buches gelesen hatte, von Schreibblockaden bis Korrekturlesen, erschien es mir plötzlich als das Natürlichste, dass ich das Buch nahm, zur Kasse ging und bezahlte. Der Einstieg in das Buch war dann auch etwas holprig und ich dachte mir wie nur Leser ohne das entsprechende Blog-Insiderwissen dem Geschehen folgen sollen, aber dann wurde es immer besser und zum Schluss konnte ich ihrem Verlag nur zustimmen: das Buch verlangt nach einer Fortsetzung. Inhaltlich geht es um das Leben einer Enddreißigerin, die eine Beziehung mit einem Mann führt, der sie nicht liebt, den sie aber sehr liebt weswegen diese Beziehung trotz seines „Ich liebe dich nicht“ jahrelang besteht. Sie wünscht sich eine Familie, er sich auch, aber wie er ihr sagt:“ Natürlich möchte ich Kinder, am liebsten drei- aber nicht mit dir!“ Also beginnt sie einen Blog, um das Nicht-lieben zu erlernen. Ihre Wege von Darmsanierung, Betrachten der Liebe als Sucht, Käsekuchenablenkung, Arbeitstheorie bis Finden neuer Partner sind komisch und tragisch zugleich und werden von der auf ihrer Couch residierenden „Ugly Doll“ Curd Rock sarkastisch kommentiert. Da Curd, als Plüschtier ein leichtes Problem mit Computertastaturen hat, verwechselt er stets „m“ mit „n“.
Mein Vater wurde jedenfalls zu einem spontanen Curd-Rock-Fan und geht nun auf „seim“ Sofa. Danach habe ich das Buch an meine Schwester weitergereicht, über manche Fähigkeiten und sei es die des Entliebens sollte man einfach informiert sein.

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