14. Oktober 2019

Amiya


Vor etwas mehr als zwei Wochen hat sich unser Leben ins Turbulentere verändert, denn wir haben unsere dritte Katze adoptiert. Sie ist jetzt vier Monate alt und ein zuckersüßes, lebhaftes Britisches Kurzhaar Kätzchen in der Fellfarbe: ‚Cream Tabby‘.


Nach dem Umzug von Frankfurt nach Würselen, hatten wir bereits mehr als ein Jahr über das ‚Für und Wider‘ einer dritten Katze debattiert, ohne so richtig zu einer Entscheidung zu gelangen.
Klar war, daß sich unser sozialer Kater Linus langweilte und dringend einen neuen Freund brauchte, nicht nur, weil er seine engste Freundin Fricka 2018 in Frankfurt zurücklassen musste, sondern auch sein etwas brummiger, schwerkranker Kumpel, der Nachbarskater Tassilo (hier in Würselen) leider verstarb.


Shweta gibt es selbstverständlich auch noch, die Schwester von Linus - doch ihr Leben ist mit den Jahren sehr statisch geworden, eigentlich verbringt sie ihre Tage am Liebsten auf der Couch, selbst im Garten hat sie ihre eine Ecke, in der sie herumsitzt - und Linus braucht mehr Action.
Eigentlich wollten wir eine ganz normale Hauskatze aus dem örtlichen Tierheim adoptieren, wir waren zum Tierheimfest vor Ort, an dem Tag durfte man aber nicht ins Katzenhaus und als wir zu den regulären Öffnungszeiten wiederkehrten, hieß es zweimal: Heute ausnahmsweise keine Besuchszeiten/Vermittlung. Natürlich waren das keine großen Probleme, aber es war schon etwas seltsam, daß dieser erste Schritt irgendwie nicht zustande kam.


Stattdessen rief mich meine Schwester an, in ihrer erweiterten Familie hatten sich Leute ein Kätzchen vom Züchter geholt und dann festgestellt, daß das mit dem Zusammenleben doch nicht klappte.
Wir zögerten erst, an ein junges Kätzchen hatten wir gar nicht gedacht, schließlich sind unsere Katzen auch schon 11 Jahre alt. Aber letztlich entschieden wir uns, daß diese Kleine bei uns eben doch ihr Zuhause finden sollte und waren überglücklich, als die Übergabe im zweiten Anlauf zustande kam.
Da sie noch keinen Namen hatte, entschieden wir uns für ‚Amiya‘ das heißt ‚anmutig‘. Eine Freundin von unserem Neffen heißt so, und wir fanden diesen Namen wunderbar :)


Das Zusammenleben mit Linus und Shweta war in der ersten Woche schwierig, Linus war so genervt von diesem ständig in sein Gesicht springenden Gummiball, daß er praktisch zu den Nachbarn umzog. Shweta verpasste dem noch ungeimpften Neuzugang erstmal eine, so daß es blutete und wir ständig beobachten und aufpassen mussten. 
A. schlief sogar auf der Couch, damit Amiya nicht allein war, aber wir trotzdem die Katzen in der Nacht getrennt hielten.
Mittlerweile hat die Kleine in zwei Tierarztbesuchen (in denen sie sich ganz fürchterlich aufgeregt hat) die ersten Impfungen überstanden, im November kommen noch weitere dazu und dann ist sie eigentlich bereit für die große Welt.


Das Leben mit unseren Senioren hat sich auch normalisiert, es wird sich nur noch ganz selten angefaucht und Linus erträgt mit stoischer Ruhe, daß jemand regelmäßig an seinem Hals hängt oder ihm gefährlich auflauert ^^
Amiya hat so viel Freude und Lachen in unser Leben gebracht, wir wussten gar nicht, wie sehr sie hier in unserer Familie gefehlt hat.


24. September 2019

Nach der Wanderung


Am Sonntag Abend kehrte ich von der Wanderung an der Mosel zurück und war noch ganz erfüllt von Weinbergen, Sonnenschein und der mäandernden Flußlandschaft.
Ich denke, daß das Mittelrheintal immer mein Favorit bleiben wird, aber die Mosel ist ebenfalls eine beeindruckende Kulturlandschaft.
Meine Bedenken bezüglich der Wanderung waren zum Glück unbegründet, ich konnte die Etappen gut bewältigen, und auch meine Beine haben durchgehalten. Es wurde jedoch auch immer kritischer, mit nächtlichen Kopfschmerzen, Blasen an den Füßen, Schulterschmerzen, so daß der gestrige Tag zum endlich Ausruhen und Ankommen sehr wichtig war. Vielleicht bin ich eher der ‚einen Tag wandern, einen Tag ausruhen‘ Typ (oder einfach nur untrainiert). 
Es begann am Donnerstag mit der Reise nach Trier, via Fernbus durch Belgien. 
In Liège hatte ich eine Stunde Aufenthalt und konnte mir etwas genauer ansehen, warum alle immer sagen, daß diese Stadt so häßlich ist. 


Nun, wenn man z.T. sanierungsbedürftige Plattenbauten mag, die quasi den Innenstadtkern bilden, wird man sicher auch an der Stadt seine Freude haben. Ansonsten war jedoch der Bahnhof ein zumindest beeindruckender, neuer Fremdkörper direkt neben dem Rotlichtviertel. 


Weiter ging es durch belgische Grenzlandschaften via Luxemburg nach Trier, wo ich meine Mitwanderer traf. 
Wir besuchten die römische Porta Negra, die Kirchen, standen vor der Karl Marx Statue und liefen ein Stück an der Mosel entlang - die sich erstaunlich weit weg von der Innenstadt befand.


Später lese ich, daß früher links und rechts der Mosel ausgedehnte Sumpfgebiete eine Ansiedlung erschwerten, diese wurden erst zum Straßenbau in den 1960er Jahren trockengelegt.


Am nächsten Tag beginnen wir unsere erste Etappe der Moselsteig-Wanderung, die 8. von Leiwen nach Neumagen-Dhron.
Der Anfang war etwas holprig, weil Schilder fehlten - aber letztlich ging es los, hinein in die Landschaft zwischen Wald und Weinberg. 
An der größten Flußbiegung befand sich außerdem eine Einkehrmöglichkeit, so daß wir nach diesem ersten Tag beschwingt unser Hotel mit Moselblick und direkt neben dem Nachbau des römischen Weinschiffes in Neumagen-Dhron erreichten.


Bald geht es hier weiter mit Etappe 9 und 10 :) 

18. September 2019

Ankommen mit Schwierigkeiten


In diesem Jahr klappt es mit dem Bloggen offenbar nicht so richtig bei mir, wann immer ich verreise, brauche ich danach Wochen- gar Monate um wieder ‚anzukommen‘ und jedes Mal ruhen danach auch meine Blogs. Derzeit befinde ich mich gedanklich zwischen dem Urlaub auf Usedom mit meiner Schwester, ihren Kindern sowie A. - und einer kleinen Wanderreise an die Mosel, die morgen beginnt. Die Fotos von Usedom habe ich bisher nur teilweise sortiert, dafür konnte ich jedoch ein Fotobuch beenden, an dem ich schon eine Weile gearbeitet hatte.
Zwischendurch haben wir auch ein Jahr seit dem Umzug nach Würselen gefeiert oder eher gedacht - und bereiten den Garten langsam auf Herbst und Winter vor: Die Wildtulpenzwiebeln sind gekauft - ich warte zum Einpflanzen auf den Oktober.
Aber zuerst geht es an die Mosel und nach Trier. Ich habe mein Gepäck so leicht wie möglich gemacht und verzichte u.a. auf meine Spiegelreflexkamera, was mich gleichzeitig stört, weil ich noch nie an der Mosel war - aber gesundheitlich bin ich derzeit nicht fit genug um dieses Extragewicht vier Tage lang mit durch die Gegend zu schleppen. Ohnehin habe ich seit Sonntag starke Schmerzen in den Beinen, von denen ich hoffe, daß sie bei der Wanderung auf magische Weise verschwinden ^^ Na ja, vielleicht eher wie ein stotternder Motor, der mit genügend Anschub wieder rund läuft.
Jedenfalls werden wir die Moselsteig Etappen 8-10 laufen und am Sonntag werde ich müde, aber hoffentlich schwer begeistert wieder nach Hause kommen :) 

17. August 2019

Milchzucker und ich sind keine Freunde mehr

Oh ja, ich weiß, daß das hier keine Milchkühe sind, sondern (vermutlich) Sterken.

Am Anfang dachte ich Bah, Humbug, als mir zum ersten Mal bewusst wurde, daß mir immer dann so furchtbar schlecht wurde, wenn ich Milch und Müsli zum Frühstück hatte oder Eiskaffee mit viel Milch, oder auch einfach nur ein Glas Milch (wir holen uns manchmal diese wirklich tolle Milch, vom Bauern, die haben einen Kühlautomat wo man Milch abfüllen kann).
Das ist bestimmt nur eine Phase, das geht von alleine wieder weg … mein Großvater hat bis ins hohe Alter sein Glas Milch zum Abendessen getrunken, meine Mutter ist gerade dabei genau das Gleiche zu tun… da kann ich doch nicht laktoseintolerant werden?
Nun, die gute Nachricht ist natürlich, bei Verstopfung brauche ich kein Abführmittel, Milch trinken reicht. Ansonsten stehen wohl einmal mehr Arztbesuche an (die ich im Zweifel noch eine Weile vor mir hinschieben werde, ich habe mein Arzt-Soll in diesem Jahr bereits übererfüllt). Nur Laktoseintoleranz ist dabei nicht das Problem, aber es gibt eben auch Darmerkrankungen, bei denen die Milchzuckeraufspaltung dann auch nicht funktioniert und das ist wichtig zu unterscheiden.

Als wir noch in Vermont gewohnt haben, habe ich häufig ein Milchersatzprodukt auf Kokosmilchbasis zum Müsli getrunken, nicht aus irgendeiner Notwendigkeit, sondern schlichtweg, weil es echt lecker war. Die deutschen Kokos/Reis-Getränke können da leider nicht mithalten, Soja- und Mandelmilch mag ich auch nicht, also habe ich mir jetzt eine Packung Hafermilch gekauft - Schaun mer mal, heute gibt es Müsli :)

2. August 2019

Luftpension

Da Marken- bzw. Ortsnamen sichtbar sind: Unbezahlte Werbung ohne Auftrag.

Seit 2011 benutzen wir airbnb als Möglichkeit um eine günstige Unterkunft zu finden, in diesem Jahr haben wir jedoch traditionellere Schlafplätze gewählt, waren in der Ferienwohnung und dem Hotel. Damals, als airbnb, also ‚Luft, Bett und Frühstück‘ noch eine ganz neue Angelegenheit war, war ich so neugierig darauf, wie andere Leute leben. Ich dachte mir, das wäre die perfekte Möglichkeit um z.B. in einem, sonst meist leerstehenden Gästezimmer bei einer Familie zu wohnen, morgens am Frühstückstisch Tipps für die Ausflüge des Tages zu bekommen, und so wirklich Land und Leute kennenzulernen, als dies mit der Distanz in einem Hotel möglich wäre. Ernüchtert muss ich feststellen: Das ist genau keinmal so passiert.
Zumeist waren es Zimmer in einer Wohnung, die alle ausschließlich auf dem Portal vermietet wurden, es gab kein Frühstücksangebot trotz des zweiten ‚b‘ im Namen, häufig war nicht einmal eine Küchennutzung vorgesehen. Nur ein einziges Mal gab es mehr als ein Bad, zumeist muss man sich das Bad mit den Gästen der anderen zwei bis drei Zimmer teilen. Das funktioniert halbwegs, wenn sich alle an die Regeln halten, aber wir haben auch Leute gehabt, die Stunden im Bad zugebracht haben, abgesehen von verstopften Toiletten und Wasserbecken, bis zum kompletten Ausfall des Wassers in Spanien. In Venedig setzte der Waschbecken-Abfluß regelmäßig das Bad unter Wasser und dabei kam die Lache einer Steckdose gefährlich nahe.
Dazu kommt die Wut der Bürger in den betroffenen Städten gegen die Touristen, seien es Aufkleber wie in San Sebastian oder ganze Banner wie in Venedig, die die Privatvermietung anprangern, denn dadurch können sich viele die dort leben keine Wohnungen mehr leisten, da diese zu teuer geworden sind oder dem Markt praktisch nicht mehr zur Verfügung stehen.
Als wir in diesem Jahr in Scheveningen nach den Preisen schauten, stellten wir zudem fest, daß Hotels in unmittelbarer Strandnähe nur unwesentlich teurer waren, als die Airbnb-Möglichkeiten, die sich häufig weiter vom Strand entfernt befanden - und das eigene Bad ist dabei immer garantiert :)

1. August 2019

Kurzbesuch in Frankfurt

Da Geschäfts- bzw. Ortsnamen sichtbar sind: Unbezahlte Werbung ohne Auftrag. 


Vor kurzem war ich für ein Wochenende in Frankfurt, um den Geburtstag unserer Freundin (und ehemaligen Vermieterin) zu feiern.
A. hatte eine Veranstaltung und konnte nicht mitkommen, also beschloß ich schon einen Tag eher in die große Stadt zu fahren und etwas mehr Zeit unter Menschen zu verbringen. 
Außerdem wollte ich in meinem Lieblingsladen am anderen Ende der Stadt nach einem Teppich für den Eßtisch gucken und ansonsten hatte ich eigentlich keine Pläne. Ich mag es auch nicht, wenn Leute so mit einer Liste anreisen, dessen was alles erledigt, gesehen, gegessen werden muss - nur daß mein Unterbewußtsein, das offenbar dieses Mal anders sah.


Nach einer wie immer ungenügenden Fernbusfahrt (nicht vorhandene Toilette), erreichte ich die Stadt, sparte mir aber den Samosateller bei Akmal’s und fuhr stattdessen sofort mit der nächsten Straßenbahn ‚nach Hause‘ um mein Gepäck abzuwerfen.
In den vielen Umzügen der letzten Jahre konnten wir nicht wieder in ein Haus, mitunter nicht einmal an den Ort zurückkehren, insofern ist Frankfurt schon einzigartig. 
Aber natürlich ist es nicht mehr richtig ‚zu Hause‘ weil wir mittlerweile fast ein ganzes Jahr Alltag an einem anderen Ort verbracht haben - und die Zeit nicht stillsteht.
Dennoch kennt man den gesamten Weg, mit der 17 bis Louisa, danach an der Buchscheer vorbei, beim Gartencenter nickt man dem alten Schäferhund zu, der wie immer am Eingang sitzt - bald darauf stolpert man über die großen Wurzeln der Bäume im Park am Briandring, eher man das Haus erreicht. 
Zwei Katzen begrüßen mich - Klio und Kali - sie führen mich sofort vorwurfsvoll zu ihren leeren Futternäpfen im Keller. 


Nach einiger Zeit geht es weiter, dank Tagesticket (das in Frankfurt weniger als die Hälfte vom Tagesticket in Aachen kostet) bin ich unabhängig und fahre zum Hessencenter. 
Leider kann man nicht mit der U-Bahn komplett durchfahren, sondern muss wegen Bauarbeiten ein Stück mit dem Bus fahren - genau dort wo immer Dauerstau ist - auf dem Rückweg laufe ich diese Strecke also zurück, jetzt geht es erst einmal in Fischer’s Lagerhaus. Die Teppiche sind nicht so schön, die langen Kissen für 60 € immer noch zu teuer, aber eine Blockprint-Decke aus Rajasthan gefällt mir und kommt mit. 
Danach besuche ich den TKMaxx im Hessencenter, der ruhigste (und vermutlich größte) dieser Kette in Frankfurt, wo ich einen Wasserspender (für Topfpflanzen) entdecke, den ich bisher nur online gesehen habe. Ich kaufe einen zum Ausprobieren, habe ein verspätetes Mittagessen (oder frühes Abendbrot) bei ‚meinem‘ Thai-Imbiss und weiter geht’s.
Zurück an der Konsti, stelle ich fest, daß Christopher Street Day gefeiert wird, überall sind Buden wie auf dem Weihnachtsmarkt aufgebaut, es gibt Popcorn, Reibekuchen und jede Menge Regenbogenfahnen. Der Primark daneben ist überfüllt wie immer, da lohnt sich nur in Köln einmal ein Besuch (und nein, ich kaufe dort im Normalfall keine Kleidung, aber Queen Size Bettwäsche - der Fluch der Sondergröße ^^). 


Ich fahre weiter - nächste Station Ostbahnhof. Die ganze Zeit hatte ich das Gefühl, immer noch mehr, schneller etwas sehen und erleben zu müssen, jetzt wusste ich, daß ich meinen letzten Tagespunkt erreichte. 
Eigentlich mochte ich den Westhafen immer sehr, aber der Osthafen ist dafür jung und lebendig. 


Ich lief an der EZB vorbei, sah hinunter auf den Main, umrundete den Skatepark und kehrte danach zurück 'nach Hause' auf den Lerchesberg, Katzen bespaßen - und langsam trudelten dann auch meine Gastgeber ein :)

Am Samstag dachte ich eigentlich, daß ich gar keine Zeit hatte, wenn ich bei den Party-Vorbereitungen helfen wollte, aber dann konnte ich mich doch beim Einkauf für eine Weile davonstehlen. 


Ab Zeil, lief ich zum Römer, über den gerade die Pride Parade rollte, dann ging es über den Eisernen Steg nach Sachsenhausen. 
An den Museen vorbei erreichte ich den Schweizer Platz, schaute kurz nach, was es im Oxfam gerade alles so gibt und kaufte in der einen Lieblingsbäckerei das was ich dort immer gekauft habe und in der zweiten, was ich sonst in dieser gekauft hatte - wenngleich sonst nicht beides an einem Tag ^^.


Im ‚HIT‘ holten mich die Partyeinkäufer wieder ein, und ich besorgte ein paar fränkische Biersorten, die es von alleine nicht bis NRW schaffen. Geschenke für A.
Dann ging es mit den Vorbereitungen für die große Feier los und ich versuchte mich nicht zu sehr in der Küche zu blamieren. Ich glaube, wenn ich eine ganze Woche mit der Familie kochen würde, könnte ich eine ziemlich steile Lernkurve hinlegen - so versuchte ich stattdessen meine bescheidenen Aufgaben zu erledigen und nicht im Weg zu stehen. 
Die Feier am Abend war dann sehr schön, weil ich Freunde wiedergesehen und mich gut unterhalten habe, ehe es viel zu spät ins Bett ging.


Der nächste Morgen war dementsprechend brutal und ich musste eine emotionale Krise bewältigen, bis ich es sicher mit meinem Gepäck zum Louisa Bahnhof schaffte.
Eigentlich perfekt um sich beim Hauptbahnhof irgendwo hinzusetzen und mit Tee und Schoko-Muffin in der Hand an Ort und Stelle zu versacken, bis meine Rückfahrt begänne. Leider war mein Unterbewußtsein, was mir das ganze Wochenende empfahl mehr Dinge in die Zeit hineinzustecken, immer noch am Zug und ich zu schwach um mich dagegen zu wehren.
Also brachte ich mein Gepäck in einem Bahnhof-Schließfach unter, und es ging zum Skyline - Garten auf dem Dach des gleichnamigen Einkaufszentrums. 

Wie cool ist eigentlich dieser rote Pickup Truck in dem Bild (links)?


Dieser Lieblingsplatz von mir war immer noch beeindruckend, man kommt den umliegenden Hochhäusern gefühlt so viel näher und befindet sich dazu auf einem Dachgarten. 
Aber leider wurden offenbar keine neuen Pflanzen mehr nachgepflanzt: Es war nicht ungepflegt oder zugemüllt, aber es gab sehr viele braune Stellen und die Leute hatten Trampelpfade in den Beeten hinterlassen. Schade.
Jetzt ging es schnell zurück in die Innenstadt, zum Saravanaa Bhavan. 
Diese südindische Restaurantkette im Bahnhofsviertel ist ein Muss eines jeden Frankfurt Besuches. Heute gab es zum Frühstück Idli, Chai und außerdem nahm ich Medhu Vada für A. mit. 
Der Gründer dieser Restaurants ist vor kurzem in Indien verstorben - kurz vor einer Gefängnisstrafe, die er antreten sollte. Ich hoffe das führt nicht zum Ende des Unternehmens, eine Expansion würde mir eher gefallen.


Am Bahnhof gab es dann noch einen Bagel mit Radieschen und Frischkäse vom Traffic Snack - für die vier-einhalbstündige Busfahrt zurück. Mein Mann würde dort nie mehr etwas kaufen, weil er sich ein paar Mal um sein Restgeld streiten musste - ich bin nicht so konsequent wenn es um gutes Essen geht, zähle mein Geld vorher ab und bezahle passend. 
Dann endlich ging es mit dem Fernbus zurück in die andere Krönungsstadt der dt. Kaiser. Die Fahrt war dieses Mal vermutlich gut, ich verbrachte sie im dämmrigen Halbschlaf und kann mich deswegen an keine Einzelheiten erinnern. 
Wieder zurück in Würselen ging ich früh zu Bett und selbst mein Unterbewußtsein, welches das ganze Wochenende gefühlt an der Seitenlinie stand um immer nur ‚höher, weiter, schneller, mehr‘ zu rufen - konnte sich endlich entspannen. 

18. Juli 2019

Aqua II: Fahrradtour zum Blausteinsee


In Aachen gibt es nicht sehr viel Wasser, in Würselen sieht es noch trauriger aus. Natürlich befindet sich neben der kleinen Stadt das Wurmtal mit dem Flüsschen Wurm, das manchmal sogar über die Ufer tritt, doch meistens plätschert es eher auf Durchwate-Höhe dahin.
Leider kommt man selten in direkten Kontakt mit der Wurm, denn die Wanderwege führen eher an Hochufern daran vorbei oder verschwinden ohnehin im Wald - meist bekommt man den Flußlauf nur auf den Brücken einmal zu Gesicht. 
Es gibt jedoch einen künstlich angelegten See, der sich in nur 14 km Entfernung befindet - heutzutage der größte See der Städteregion, davor der Braunkohle-Tagebau ‚Zukunft‘: Der Blausteinsee.


Dieser wurde nach einer ehemaligen Gemarkung und Wegkreuz benannt, und der Name stand bereits fest, bevor die Dörfer für den Kohleabbau abgetragen wurden. Selbst ein erster Segelclub entstand 1979, drei Jahre vor der Umsiedlung der Bevölkerung.
Ab 1994 wurde dann mit der Befüllung des Sees begonnen, der im Jahr 2000 als Sport-See für den Wasser- und Tauchsport eröffnet, in der Folge vor Wildbadern geschützt werden musste, bis man ab 2004 auch zähneknirschend einen kleinen Badebereich erlaubte. Ab 2008 wurde sehr viel an Infrastruktur erbaut: neben dem Segelclub entstand eine Seebühne, dahinter eine Brücke, die an einen Förderbagger erinnern soll, nebst Restaurant, Imbiss, Spielplatz u.a.
Der kleine Badebereich wirkt immer noch wie ein geradeso geduldeter Bestandteil, mit wenig Sand, ohne Badeaufsicht, was ich angesichts der vielen Kinder etwas kritisch fand. Andererseits heißt keine Organisation auch keine Regeln - so daß die Leute mit ihren Hunden an den Strand und ins Wasser dürfen - und Eintritt bezahlt man auch nicht.


Man kann die Strecke Würselen-Blausteinsee mit dem Bus befahren (zumindest annähernd), das dauert mit Umsteigen ungefähr eine Stunde oder so, wir wollten stattdessen mit dem Fahrrad fahren, denn die direkte Gesamt-Strecke betrug 2 x 14 km. Das war zwar länger als alles was ich mir in diesem Jahr bisher zugetraut habe, aber wann, wenn nicht jetzt? 
Auf der Hin-Strecke besuchten wir außerdem den Flugplatz Merzbrück, ehe wir über St. Jöris und entlang der Kinzweiler Burg, den See erreichten.


Auf dem See wurde gesegelt, Kayaker waren unterwegs, Enten schwammen mit ihrem Nachwuchs vorbei, für einen Sonntag im Juli war es insgesamt erstaunlich ruhig - und ich begeistert endlich einmal eine genügend große Wasserfläche gefunden zu haben. 


Wir beschlossen auf dem Rundweg einmal um den See zu laufen, zuerst auf einem kleinen Pfad direkt am Seeufer entlang, was aber in vielen Schleifen den Weg endlos werden ließ. Letztlich liefen wir dann auf dem ausgewiesenen Rundwanderweg und sahen den See erst wieder am Ende der Tour. Das fanden wir doch ein wenig unglaublich, ein Rundwanderweg um einen See herum, ohne ein einziges Mal den See zu sehen - wer plant denn sowas?

Nach einem Eis, fuhren wir dann die 14 km bei starkem Gegenwind zurück nach Würselen, was mich teilweise ans Ende meiner Kräfte brachte. 
Aber ich hielt durch und war dann auch ziemlich froh auf die 28 km Fahrrad und 6 km See-Rundweg, die über den Tag zustande gekommen waren - und Muskelkater gab es nicht :) 

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