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27. Juli 2011

Greyhound Busbahnhof, Montreal


Die Bilder sind alle schon fast ein Jahr alt, als ich nämlich im letzten September noch einmal nach Ottawa fahren musste um unser Bankkonto zu schließen, hatte ich auf der Rückfahrt anderthalb Stunden Wartezeit auf den Anschlußbus zu vertrödeln.
Da mir das zu wenig schien um Schließfach-Gebühren zu rechtfertigen, nahm ich mein Gepäck mit und setze mich in eben diesen Park, einer wahren Oase im Trubel der Innenstadt, und sah den Schachspielern zu.
Dieses Mal hatte ich leider zu wenig Zeit um in Montreal herumzutrödeln...

21. Juli 2011

Ottawa Anreise

 St.Lorenz Strom mit Blick auf Montreal

 Betonwüste

Es sind schon wieder ein paar Wochen ins Land gegangen und so wird es nun endlich an der Zeit über meinen Besuch in Ottawa zu schreiben bevor zuviel anderes passiert.
Das Dramatischste an dem Besuch war die Hinfahrt, denn ich sollte bei Ania übernachten, hatte aber ihre neue Adresse nicht und erreichte sie im Vorfeld weder per Telefon noch e-mail. Deswegen organisierten wir eine zweite Möglichkeit, aber wie immer ist es ohne Handy sehr schwer kurzfristige Veränderungen hinzubekommen, zum einen muß man eine Telefonzelle finden (und davon gibt es nicht mehr allzu viele) dann muß sie funktionieren und dann kosten außer Ort-Gespräche auch gerne mal 4,50 $ pro Minute (und das muß man als Kleingeld parat haben…)
Ich fuhr also bereits mit ungutem Gefühl los, die Kontrollen an der Grenze ließen mich nicht nur den ersten Anschlußbus nach Ottawa verpassen, sondern nur mit einem Sprint durch die Wartehalle schaffte ich es noch in den eine Stunde später startenden Bus um dann letztendlich Ottawa zu erreichen.
Nach dem Finden einer Telefonzelle im Rideau Center bekam ich zum ersten Mal Ania an die Strippe, sie sagte mir, daß sie dachte, daß ich am Dienstag statt Montag nach Ottawa kommen würde, gab mir ihre Adresse und dann ging ihr Handy nicht mehr. Das ist offenbar ein Problem ihres Anbieters und der Grund warum sie nie ans Telefon ging, es erklärte nur unzureichend warum sie auch nicht auf e-mails reagierte, aber nun gut, war mir in dem Augenblick schon fast egal. Ich rief Anand an und er suchte mir freundlicherweise die Adresse in google maps heraus und schickte mich auf den Weg. Leider habe ich keine Ahnung was er da gefunden hat, denn seine Angaben waren völlig falsch, ich lief die Straßen auf und ab ohne je zu dem Punkt zu kommen, den ich erreichen sollte. Keiner kannte die Straße nach der ich suchte, ich war mit meinen Nerven am Ende und sah mich schon auf einer Parkbank übernachten. Telefonzelle im Wohngebiet natürlich Fehlanzeige. Also lief ich mit meinem Gepäck (Rucksack, Isomatte, Tasche) bis zum nächsten Einkaufszentrum, fand eine Telefonzelle vor McDonalds, die war jedoch besetzt, aber böse Blicke konnten mich an dem Abend nicht mehr schocken, ich wartete. 


Für ein weiteres Telefonat mit Anand hatte ich weder Muße noch Geld, ein Anruf bei Ania verwies mich sofort zu ihrem Anrufbeantworter. Also rief ich einen gemeinsamen Freund an, der mir endlich helfen konnte. Er erklärte mir alle Straßen ab dem Punkt an dem ich stand, bis zu Anias Haus, welche Straßen ich passieren muß, wo ich rechts, wo ich links einbiegen muss (es war eine völlig andere Richtung, als nach Anands Infos, in der Nähe des Ottawa Rivers) und damit fand ich den Weg ohne Probleme.
(Notiz an mich selbst: Suche dir deine Wege in Zukunft immer, immer selbst heraus… )
Ania wohnt in einem kleinen Haus in der Nähe ihrer Arbeit und teilt sich dieses mit einer Mitbewohnerin und ihren zwei Hunden. Als ich ankam, hatte ihre Freundin gerade andere Mädchen zum Abendessen zu Besuch und es gab soviel, daß ich zum Mitessen genötigt wurde, aber das schien die Schüsseln kein bißchen zu leeren. Es gab Lobster, Muscheln und jede Menge Fleischspieße vom Griechen (denn ein Mädchen kam gerade aus Newfundland zurück und die andere hatte einen Freund mit griechischem Restaurant) dazu gab es Salate und eine Torte zum Schluß. Während des Essens wurde „The Bachelorette“ geschaut, professionell bewertet (die Mädchen sind Singles und gehen einmal die Woche zum Speed Dating) und dann landeten die 75 % des Mahls, die keiner beim besten Willen mehr schaffte im Kühlschrank.
Nach dem Abendessen lernte ich Anias derzeitigen Ex-Freund kennen (zwischen verschiedenen Beziehungen bleibt sie immer noch in Kontakt mit dem vorherigen Partner, vorallem wenn er ein Auto hat) und es wurde mir auch klar, warum er der Ex-Freund war. Er war nett, nahm Ania kein bißchen ernst (so was braucht sie) hatte aber leider nicht den nötigen hohen Bildungsstand, den sie sich bei einem Partner vorstellt (das braucht sie wohl auch.) Wir liefen zusammen zum Ottawa Fluß hinunter und in der dunklen Nacht sah ich zum ersten Mal in meinem Leben überall Glühwürmchen blinken. Wie Mini-Hubschrauber mit LED Lichtchen surrte es um uns herum. Ich weiß nicht, warum aber ich dachte immer, daß Glühwürmchen ein konstantes, warmes Licht erzeugen würden, während mir dieses kalte Bling-Bling fast schon unnatürlich vorkam.
Nach dem Spaziergang ging es für mich nur noch ins Bett und ich schlief überraschend gut, tief und traumlos.

6. Mai 2009

Montréal und die Expo'67 – Weltaustellung


Wie ich es bereits hier angekündigt hatte, ist das ein kleiner Extra-Artikel zur Weltausstellung vom 27.04.-29.10.1967 in Montréal.

Diese war die erfolgreichste Weltausstellung des 20. Jahrhunderts, mit 50 Millionen Besuchern und 62 ausstellenden Ländern und da ich mich generell ein wenig für die Architektur und Design-Ideen dieser Zeit interessiere, wollte ich den Besuch in Montréal auch nutzen, um ein wenig auf 'Spurensuche' zu gehen..
Eigentlich sollte die Expo zum 50-jährigen Jubiläum der Russischen Revolution in Moskau stattfinden, aber dazu kam es nicht und so bekam Montréal im Herbst 1962 den Zuschlag.
Damit hatte die Stadt nicht sehr viel Zeit zur Vorbereitung und auch die Bevölkerung selbst war der Meinung, dass es nicht zu schaffen sei. Der Bürgermeister Jean Drapeau war jedoch von dem Projekt äusserst überzeugt und konnte so auch viele andere motivieren.
Zum Festgelände wurde eine kleine Insel im St.Lorenzstrom erklärt, die Saint-Helene Insel, die künstlich erweitert wurde und eine kleine ebenfalls künstlich aufgeschüttete Schwester bekam, die Insel Notre-Dame.
Der Auffüllschutt kam dabei von dem gleichzeitig stattfindenden U-Bahn-Bau.



Nicht viele der Länder-Pavillons blieben erhalten, aber ein paar Beispiele der Expo sind nach wie vor im Stadtbild zu finden und drei davon möchte ich exemplarisch vorstellen:



Der Pavillon der USA bestand aus einer geodätischen Kuppel, dessen Stahlfertigteile mit Acrylwaben verkleidet wurden. Seit 1995 befindet sich in dem Gebäude, die Biosphère, das Wasser- und Umweltmuseum der Stadt.




Ein anderer Zeitzeuge ist die Wohnanlage Habitat '67. Diese wurde von dem Architekten Moshe Safdie erbaut und basierte auf seiner Masterarbeit an der Universität. Es lehnte sich thematisch an Antoine de Saint Exupérys Memoiren “Wind, Sand und Sterne” an und sollte ein Beispiel für günstiges Wohnen in der Stadt sein, abgegrenzt, aber jeder Würfel mit eigenem Garten, so stellte man sich das zukünftige Leben in den Städten vor. Ironischerweise zählt es heute zu eine sehr teuren Wohngegend in der Stadt. Der Name Habitat leitete sich dabei von der Habitat-Welle in den Stromschnellen neben der Wohnanlage ab.


Als drittes Expo-Zeugnis möchte ich die Metro-Station im 'Quartier de la Cité internationale' auf dem 'Victoria Square' vorstellen.
Der damalige Bürgermeister von Montréal fühlte immer eine besondere Verbundenheit zu Paris und so reiste er in die französische Hauptstadt mit der Bitte, sich den Eiffelturm, der zur Weltausstellung in Paris errichtet wurde, für die Dauer der eigenen Expo' auszuleihen. Nun, die genaue Antwort der Pariser ist nicht übermittelt, aber eine sorgfältig formulierte, vermutete Geisteskrankheit wird wohl darin vorgekommen sein.
Während dieser Tour, sah er auch den Abriß einer Pariser Jugendstil-U-Bahn-Station und da die Städte beim U-Bahnhof-Bau in Montréal zusammenarbeiteten, fragte er nach, ob es nicht möglich sei, zumindest diese Station mitzunehmen. Dem wurde zugestimmt (die Pariser waren wohl auch ganz froh, ihn mit dem bißchen Jugenstil-Schrott abspeisen zu können) und der Stadt Montréal wurde der Pariser U-Bahneingang geschenkt und so schmückt sie sorgfältig restauriert, den Victoria-Platz und gaukelt dem Besucher vor, eine viel ältere U-Bahn-Station vorzufinden, als aus den 1960er Jahren.

Das soll es für dieses Mal gewesen sein, wenn ich bei weiteren Besuchen mehr sehe, kann ich ja darauf zurückkommen oder ich schreibe etwas über die Gebäude der Olympischen Sommerspiele von 1976, da sollte so schnell keine Langweile aufkommen.

Endlich Montréal

Nachdem wir es lange Zeit geplant und auf Frühling und besseres Wetter verschoben hatten, war es an diesem Sonntag (26.04.2009) endlich so weit:
Mit dem Greyhound-Bus ging es hinaus zum Tagesausflug ins zwei Stunden entfernte Montréal.
Das Wetter spielte trotzdem nicht richtig mit (wie um uns zu zeigen, dass es nur mit Frühling nicht getan ist) am Samstag hatten wir 28°C und strahlenden Sonnenschein, am Montag hatten wir 32 °C und Sonne pur, aber am Sonntag bibberten wir bei 12°C etwas Sonne und teilweise stürmischen Regen.

Natürlich hatten wir uns gut auf den Besuch vorbereitet und wollten viel touristisches Montréal erleben.
Hier ein paar Daten und Historie: Montréal ist mit 1,6 Mio. Einwohnern, die zweitgrößte Stadt Kanadas und die größte in der Provinz Quebec. Der Name leitet sich von der Insel Montreal ab, auf der sich heute der größte Teil der Stadt befindet. Der Entdecker Jaques Cartier hatte das irokesische Dorf Hochelaga auf der Insel, im Jahre 1535 besucht und als er den Inselberg betrachtete, soll er ausgerufen haben: Mont Royal... welch königlicher Berg. (Heutzutage befindet sich um den Berg ein großer Park und kein Gebäude der Stadt darf höher als der Berg sein. Entgegen landläufiger Annahme handelt es sich bei diesem aber nicht um einen erloschenen Vulkan, auch wenn er aus Magmaströmen entstanden ist.)



Fast 100 Jahre danach fand man das Dorf verlassen vor, aufgrund von Streitigkeiten zwischen den St. Lorenz Stämmen und da der Siedlungsplatz gut in die französischen Pläne passte das Landesinnere zu erforschen und den Pelzhandel auszubauen, etablierte man am 17.05.1642 einen kleinen Aussenposten von Quebec unter der Leitung von Paul Chomedey, Sieur de Maisonneuve.
Der Bischof von Quebec drängte darauf, die neue Stadt nach streng katholischen Grundsätzen auszurichten und sich der Christianisierung der Ureinwohner zu verschreiben. Aus diesem Grund, wurde das Örtchen Ville-Marie (Marienstadt) benannt. Eines der ersten gebauten Steinhäuser, war dann auch gleich die Kirche.
Als die Irokesen nach Abschluss ihrer Stammeskriege in ihr Dorf zurückkehrten, waren sie jedoch nicht wirklich dazu bereit fromme Christen zu werden, sondern sie begannen die europäischen Eindringlinge zu bekämpfen. (Das zweite Haus aus Stein war folgerichtig das Krankenhaus- (ehrlich , das schreibe ich nicht, weil es gerade passt).. .)
Als die Stadt aufgrund der Kämpfe auf eine Einwohnerschaft von 50 Mann gesunken war, dachte man daran aufzugeben und wieder nach Quebec zurückzukehren, wo man den Siedlungsposten auf der Insel zwischen Ottawafluss und St.Lorenzstrom bereits seit langem 'malad enterprise' – verrücktes Unternehmen nannte. Da niemand mehr dort leben wollte, ging der Bürgermeister Sieur von Maisonneuve zurück nach Frankreich und wollte entweder 100 starke Leute für den Ort gewinnen oder nie mehr nach Amerika zurückkehren.
Nun, er fand seine Leute und konnte auch Ville-Marie wieder stabilisieren, aber die Angriffe der Irokesen bildeten noch ein Jahrhundert lang eine stete Gefahr für den Ort, bis ein Waffenstillstand geschlossen wurde und die Stadt und der Pelzhandel aufblühen konnten... Aber genug der Geschichtsstunde und zurück zum Bus.
Zu so früher Stunde war der Bus sehr leer und bald waren die zwei Stunden vorbei und wir erreichten den Montréaler-Busbahnhof, der glücklicherweise mitten in der Innenstadt liegt. Alsbald stolperten wir los, bewaffnet mit einem der kostenlosen Stadtpläne der Touristeninformation, um uns im Gewirr der Straßen einer echten Großstadt zurechtfindend. (Ottawa ist zwar großflächig, aber bei weitem keine Großstadt.) d.h. nur ich stolperte, denn durch ungünstige Schuhwahl hatte ich mir am Tag zuvor die Füße wundgelaufen und lief nun recht verpflastert in der Gegend umher. Dementsprechend mussten wir dann auch unsere Planungen anpassen und verschoben den Besuch der Aussichtsplattform auf dem Mont Royal auf nächstes Mal, wenn meine Füße gesund genug waren, um all die Stufen zu meistern.



Die Rue Berri brachte uns zum alten Hafen, wo wir uns als erstes die Bon Secours-Kapelle ansehen wollten, aber eine so riesige Ansammlung von Obdachlosen samt der üblichen Geldanfragen vertrieb uns schnell aus der Straße, denn wir waren uns plötzlich nicht mehr sicher, ob wir nicht nur bei der Stadtmission gelandet waren. Also liefen wir ein wenig in der Altstadt umher und ich genoss meine nostalgischen Gefühle, die die Pflasterstraßen und echten alten Häuser, in mir hervorriefen... wie in Wismar, wie in Rostock jubilierte mein Unterbewusstsein hin und wieder leise und ignorierte dabei den üblichen einschneidenen Wind (wie in Kanada...).
Dann liefen wir zu einem großen leeren Yachthafen und blickten herüber zur Saint-Helene Insel, die zusammen mit der Nachbarinsel Notre-Dame zur Weltausstellung Expo '67 erweitert bzw. komplett neu aufgeschüttet wurde. (Über die Expo werde ich in meinem nächsten Post noch etwas mehr schreiben.) Auf einem Holzsteg ging es entlang der Kaimauer zu den an sich mit Wasser gefüllten aber noch vom Winter leeren Wassergärten, dem Hauptquartier des Cirque du Soleil (einer weiteren Montrealer Institution) und plötzlich standen wir vor einem großen Hafenbecken und hatten die gesamte Skyline vor uns, die ziemlich organisch gewachsen aussah, alte und kleine Häuser nach vorne zum Gruppenbild, alle großen Glasbauten ab nach hinten.



Nun kamen wir zum echte Touristenviertel, mit dem Fußgängerboulevard, altem Rathaus und Pferdekutschen. Eine Straße war voller Künstler, die ihre Werke ausstellten, die auch vor Ort malten und Pariser Flair verbreiteten, aber auch in den weiteren Straßen luden zahlreiche Galerien, 'andere' Touristenläden und Spezialitätengeschäfte zum lohnenden Besuch ein.




Mitten in der Altstadt, der Vieux-Montréal befindet sich die Basilica Notre-Dame de Montréal. An der Basilika wurde von 1824 bis 1891 gebaut und das gesamte Innere leuchtet und erstrahlt förmlich in Blau. Das liegt daran, dass man sich beim Innendekor an der Saint-Chapelle Kirche in Paris orientiert hatte und die ist ebenfalls blau.



Der Effekt ist jedenfalls sehr hübsch anzusehen, auch wenn manche neumodischen Erfindungen, wie z.B. geschickt platzierte Glühbirnen um auch jedes Detail des Altars auszuleuchten manchmal eher stören und die Kirche nach Kulisse aussehen lassen. Die Glasfenster der Kirche zeigen untypischer Weise keine Geschichten aus der Bibel sondern erzählen von der religiösen Historie der Stadt.
Hinter dem Hauptkirchenschiff, gibt es noch eine kleine Kapelle, die 1978 abbrannte und im Jahr darauf neu und im Stil der Zeit aufgebaut wurde.

Vor der Kirche befindet sich der Place d'Armes- der Platz der Waffen, der eben genau an die Zeit der Irokesenkriege erinnert, die solange Zeit das Leben in der Stadt recht schwierig gestalteten.



Um den Platz herum und in den umliegenden Straßen kann man den Pariser Einfluss am ehesten spüren, die Häuser sind hohe, mit großen Fensterfronten versehende Stadtpaläste und doch braucht man nur einmal um das Haus laufen, um dahinter wieder die typisch nordamerikanischen Hinterhöfe samt schwarzer Notfalltreppe vorzufinden (aber wer ausser mir, will auch immer noch den Hinterhof besichtigen.... .)

Von der Altstadt, begaben wir uns nunmehr ins historische Stadtviertel, zurück in Hafennähe. Auf dem Weg sahen wir zwei Gebäude von denen ich dachte, dass es Kirchen wären, aber das eine war die Bank of Montréal und das andere, die ehemalige Börse... Die Häuser im historischen Ville-Marie waren allesamt klein und grau und historisch. Damit war der Teil auch erledigt und nun ging es die McGill-Straße hinauf in die Stadt.
Das Gute an dieser Stadt ist, dass Verlaufen im Ganzen recht schwierig ist. Entweder es geht den Berg hinunter, dann kommt man zum Hafen, oder es geht bergauf und dann kommt man immer näher zum Fuße des Mont Royal.


Die McGill Straße führte uns in die Glitzerwelt der Bürohochhäuser und nach einem kleinen Schwenk erreichten wir den St.Laurent Boulevard, der auch als The Main... die Hauptstraße bezeichnet wird.
Zuerst brachte uns die Straße ins China-Town der Stadt. So wanderten wir ein wenig in den kleinen Gassen umher, die für den Straßenverkehr geschlossen wurden, sahen Lampion-, Tee-, Bambusläden und Tempel und überlegten, ob es eigentlich auch ein franzöisches Wort für Fastfood gibt.
Wir wunderten uns ein wenig über die große Anzahl an chinesischen Konditoreien und da die Mittagszeit eh schon fast vorbei war, besuchten wir einen dieser Back-Shops. Das Angebot war toll, es gab soviele typisch französische Backwaren, allesamt verändert, durch Kokos, Mango und andere exotische Füllungen und es war vorallem sehr billig. Selbst ein großer Kokos-Hefestrauß war für 1 $ zu haben. Wir wählten uns ein bißchen wahllos durchs Programm und hatten dann Kurkuma-Mandel-Kekse, Kokoshefestrauß und Vanilleplunder zur Hand und bezahlten gerade mal 3,89 $ samt Steuern. Auf einem kleinen Parkplatz mit großen zum Hinsetzen einladenden Betonpollern, drängte ich dann auf ein sofortiges Vertilgen unserer Beute und ich mochte alles. Anand teilte mir zwar mit, dass die Preise okay sind, schließlich ist Hefe im Einkauf billig usw. außerdem sitzt man nicht auf Parkplätzen und er wollte sowieso nichts Süßes zum Mittag, aber das konnte meinen Enthusiasmus nur schwerlich stoppen, es war einfach lecker und wenn man in Ottawa ein Stück Kuchen kauft, dann bezahlt man schon alleine dafür 3 $ und hält nicht eine ganze Tüte voller Backwaren in der Hand.
Aber die Zielrichtung war klar, auf zu einem kleinen Restaurant, für echtes Mittag.


Nun ist Chinatown mit einer Vielzahl an Restaurants gesegnet, aber bei diesem Überangebot, konnte sich Anand nicht so recht entscheiden, Vietnamesische Küche, oder Suppentheke, Japanisch oder Hanun-, Szechuan- etc. Restaurant... nichts konnte ihn so recht überzeugen, so dass wir letztlich beschlossen, den St.Laurent Boulverard weiter bergauf zu laufen und so lange mit dem Mittag zu warten, bis wir ein einfaches Fastfood-Restaurant, das keine Burger serviert, finden würden.
Die Straße veränderte ihre Gesicht, aus den asiatischen Läden wurden Abrißbuden und alte Fotoaufnahmen, zeigten, dass hier einmal das jüdische Viertel beheimatet war. Stattdessen fanden wir nun einen Park voller junger Obdachloser samt Hunden, Damen, die verdächtig nach Prostutierten aussahen, ein Striptease-Lokal und ein Museum mit vielen davor geparkten Fernsehübertragungswagen. Da alle noch auf etwas zu warten schienen, liefen wir weiter, denn Hunger geht vor.
In einer Nebenstraße fanden wir eine einfache Pizzeria und mit meinen sehr eingerosteten Französisch-Kenntnissen, konnten wir uns dem türkischen Mitarbeiter (der tatsächlich kein Wort englisch verstand, nicht mal Zahlen... und er sah dabei so verzweifelt aus, dass ich es ihm sogar abnahm.. Anand natürlich nicht.. ;) auch irgendwie mitteilen und unsere Bestellung aufgeben.
Nach der Stärkung mit mexikanischer Chilipizza ging es weiter in die Stadt hinauf. Wir nahmen uns vor, bis zu der Straße 'Des Pins' zu laufen und dann so langsam den Rückweg in Richtung Busbahnhof anzutreten, denn dafür würden wir ebenfalls ca. eine Stunde benötigen.
Die Straße veränderte sich wieder, wurde nun Teil des Studentenviertels um die McGill-Universität und die Läden wandelten sich von anarchisch zum Kunstprojekt, zum Asterix-Sammelgeschäft und schönen Klamottenläden.
Trotz der vielen Baguettes in den Schaufenstern der Bäckereien, sprachen die Leute nun eher englisch.


Vor einem Imbiss befand sich eine große Warteschlange, was uns so langer verwunderte, bis wir “Schwartz's” lasen. Der jüdische Imbiss verkauft seit 1928 Montréals berühmtestes Räucherfleisch mit Weißbrot und angesichts der Schlange waren wir sehr froh, dass wir kein bißchen hungrig waren und fröhlich weiterlaufen konnten.
Es gab so viel zu sehen und zu entdecken, die Auslagen der Schaufenster, die Leute, den Berg, der immer wieder zwischen den Häusern hervorlugte, so dass wir letztlich die Straße an der wir umkehren wollten verpassten und viel weiter in den Stadtteil Plateau Mont Royal hineinliefen. Als wir das endlich bemerkten, war auch klar, dass wir den 17.00 Uhr-Bus nicht mehr erreichen würden und wir uns nun beeilen müssten, um den letzten Bus um 18.00 Uhr zu bekommen.
Auf dem Rückweg liefen wir durch das französische Viertel der Stadt und nach der Empfehlung eines Kollegen durch die Nebenstraßen der St.Denis-Straße. Dort bewunderten wir die typischen Häuser mit den offenen Treppenaufgängen.


Diese Häuser sind in jeder nur möglichen bunten Farbkombination gestrichen, haben Blumendesign in den Dachschindeln und erinnern gerne an kleine Burgen und Paläste... niedlich.
Da wir nunmehr bergab liefen, kamen wir eine halbe Stunde vor Abfahrt des nächsten Busses an und ließen den Tag in einem kleinen Café ausklingen, das Vienna hieß und damit gut zu den im Stadtbild omnipräsenten Pferdekutschen passte.
Am Busbahnhof bekamen wir noch einen kleinen Schreck, denn die Schlange vor dem Bus war so groß, dass unmöglich alle in einen Bus passen konnten. Offenbar waren nun alle Ottawa-Studenten auf dem Rückweg vom Heimaturlaub, aber es war alles kein Problem, ein zweiter Bus wurde bereit gestellt und jeder bekam seinen Sitzplatz... und zweieinhalb Stunden später, hatte uns die Haupt(klein)stadt der Nation wieder.

Fazit: Eine tolle Stadt, die unmöglich an einem Tag zu erkunden ist: weitere Ausflüge ins Kunstmuseum, der Untergrundstadt, dem zweitgrößten botanischen Garten Nordamerikas und natürlich dem Mont Royal-Park sind geplant und können hoffentlich bald in die Tat umgesetzt werden. Für mich bedeutete der Tag in der Folge auch eine Woche lang erkältet, denn ich war für 12 °C hoffnungslos unzureichend gekleidet, aber es war ein richtig schöner Tag. :-)
Zu weiteren Bildern einfach auf das untere Foto klicken:

Montréal

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