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28. März 2008

Bilder

Ausblick auf die Berge

Das Haus der Großeltern

Nancy- das frechste Kind der Truppe

Kurkumaauftrage-Zeremonie

Henna-Hände (Mehndi)
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25. März 2008

Shanti, Shanti

Nach kurzer kalter Nacht wachte ich mit hämmernden Kopfschmerzen auf und nach dem Frühstück zogen Anand und ich um – in unser eigenes Haus.
Seine Verwandten wollten, dass auch ich mich so richtig bei ihnen wohlfühle und hatten uns deswegen zur (sehr netten, sehr alten) Nachbarin ausquartiert. Sie hatte ein weiteres Haus zur Verfügung, das nur aus einem Raum bestand und nun als Gästezimmer fungierte.
Das war sehr gut.
Endlich hatte ich einen Platz, an dem alle meine Sachen waren, ohne dass ich in verschiedenen Räumen suchen musste, bzw. Schlüssel organisieren, um die Räume überhaupt betreten zu können.
Endlich hatte ich einen Platz, den ich aufsuchen konnte, wenn ich allein sein wollte und hatte außerdem eine Möglichkeit, dem gesamten Hochzeitstrubel etwas zu entgehen.
Das Häuschen, war von zwei Seiten von der Straße umgeben, so dass es täglich ausgefegt werden musste, denn Straße = viel Staub und die anderen Seiten, sowie die Haustür führten in den von hohen Mauern umgebenen Garten der Nachbarin. Der Garten bestand ebenfalls fast nur aus Sand, aber dafür hatte er schon am frühen Morgen Sonnenlicht, so dass man sich aufwärmen konnte. Das Wasser befand sich in einem unterirdischen Tank im Garten und ebenfalls im Garten befanden sich Toilette und Bad. Nach unserem morgendlichen Bad mit immerhin lauwarmen Wasser, in der Hütte im Garten, wusch ich unsere Wäsche unter freiem Himmel und kam mir sehr authentisch vor.
Vor der Gartentür wartete ein wirklich netter Hund, der sehr verständig dreinblickte und keine Angst vor mir zu haben schien. Ich denke, wenn ich hier leben würde, hätte ich ziemlich schnell meinen eigenen Hund.
Solcherlei erfrischt, gingen wir hinüber zum anderen Haus und ich sah mir die Rituale des Tages an. Stundenlange Rituale über Rituale folgten, die mir niemand erklärte, bzw. teilweise hatte jeder eine andere Erklärung warum ein Ritual durchgeführt wurde. Unter anderem wurde Kurkumapampe auf Füße, Knie, Sari und Gesicht der Braut aufgetragen, das diente in früheren Zeiten dazu, ihrem Gesicht einem goldigen Schimmer zu verleihen. Anand war wiederum verschwunden, er stand dem Vorstand des rein männlichen Dekorationskomitees vor, welches den berufsmäßigen Zeltaufbauern unnötigerweise erklärte, wie sie ihre Arbeit zu machen hätten – also er war wichtig. Ich stahl mich derweil immer wieder davon und setzte mich auf das Dach des Hauses, so konnte ich mitverfolgen, was im Innenhof passierte und mich gleichzeitig etwas aufwärmen, denn im Innenhof, war es schattig. Ich genoß die Weite der Sicht, auf die umgebenen kargen Berge und das Dorf und war der Enge da unten – zumindest kurzfristig- entronnen. Dann hörte man wieder neuen Gesang und neue Leute kamen ins Haus. Es wurde nach einiger Zeit alles etwas langweilig, wenn es einfach nicht aufhört.
Am Nachmittag konnte sich Anand etwas freinehmen und so machten wir zusammen mit seiner Mutter und seinem Bruder eine Expedition, zu einem ganz besonderen Haus, dem Haus seines Großvaters (aka. ihrers Vaters.) Leider war das Haus unbewohnt, so dass es nur noch als Rumpelkammer für die Nachbarn diente und mittlerweile eine Ruine geworden war. Trotzdem, war Anands Mutter sehr gerührt und erinnerte sich an soviele Begebenheiten ihrer Kindheit. Danach stiegen wir in die Berge auf, um einen kleinen Durga-Tempel zu besuchen. Dorthin führte ein gut ausgebauter Treppenweg, so dass der Aufstieg zwar anstrengend war, man aber keine bergsteigerischen Fähigkeiten benötigte. Oben angekommen, entschädigte uns der herrliche Ausblick auf das Dorf, die umgebenen Bergketten und die Weite der Landschaft, wir ehrten auch die Göttin, die aus einer roten Ecke, mit drei Steinen bestand, aus denen man mit viel Fanatasie ein Gesicht erkennen konnte. Wieder beim Haus angekommen, sah man beachtliche Fortschritte beim Aufbau des Festzeltes, außerdem sperrte ein rotes Tuch über dem Innenhof nun auch die letzten Sonnenstrahlen aus und kreierte einen “Rotlichtbezirk” unten.
Mein Versuch mich in mein Häuschen zurückzuziehen und Tagebuch zu schreiben scheiterte, denn die Kinder hatten mich gesehen, schrieen und rüttelten an Fenstern und Türen (“Hey Aunty”, “How are you”, “HELLLOOO”, “Eh!”) ... Für sie war das ein großer Spaß, für mich leider wenig produktiv. Also flüchtete ich mich ins Haupthaus zurück, wo Anand ein störungsfreies Zimmer mit Licht für mich organisierte, sowie eine Decke, denn es war bereits wieder A****kalt.
Soweit zufrieden, dachte ich nur darüber nach, wie ich das Tanzprogramm am Abend umgehen konnte und nicht tanzen würde. Ich beschloss wieder aus Dach zu steigen und mir den Sternenhimmel anzusehen, der durch wenig Lichter gestört, besonders gut zu sehen war. Dann wurde ich aber vorher so müde, dass ich an Ort und Stelle einschlief und später mit Anand nur zum Häuschen zurückkehrte, um weiterzuschlafen. Ob an dem Tag getanzt wurde? Ich weiß es nicht, müsste ich nachfragen...

10.02.2008

10.02.2008
Nach kurzer Nacht wollten wir früh losfahren, um rechtzeitig in dem Dorf anzukommen. Durch die-gut hörbaren- Arbeiten des Hotelpersonals (wie Wäsche waschen), wurde man eh sehr früh geweckt. Zuerst musste aber ein Problem mit der unrichtigen Hotelrechnung gelöst werden und als es dann endlich losgehen sollte, war der Fahrer des Autos nicht aufzutreiben. Anands Bruder hatte ein Auto mit Fahrer für die Tage gemietet und selbiger Fahrer schlief noch. So verging einiges an Zeit in eisiger morgendlicher Kälte, ehe wir endlich losfuhren. Nachdem wir den Weg aus Jaipur herausgefunden hatten (Wegweiser gab es nicht) fuhren wir über eine Art Autobahn durch die umliegenden Dörfer, tiefer ins Herz Rajasthans. Kamele, Ziegen, weite Landschaften, Oasen und Karawansereien, so oder so ähnlich sah es wohl schon vor Jahrhunderten aus. In einem “Dhaba” genannten Straßenlokal, aßen wir Frühstück: “Aloo Parathas” (herzhafte Pfannkuchen mit Kartoffelfüllung) samt dem von mir ungliebten frischen Koriander und weiterging die Fahrt.
Nach einigen Stunden wurden die Straßen enger und von schlechterer Qualität, aber es gab immerhin Straßen und dafür musste man (nicht immer legale) Mautgebühren bezahlen. Gegen 13.00 Uhr erreichten wir das Dorf und das große Haus seiner Verwandten. Nun durfte ich viele, mir unbekannte Menschen begrüßen (d.h. bei allen Älteren, ihre Füße berühren) und Anand verschwand sofort, um mit allen männlichen Mitgliedern der Familie an einem Empfang bei der Familie des Bräutigams teilzunehmen. Sie sollten erst am Abend wiederkommen. So war ich also allein, mit all den Frauen, sowie zwei weißen Kaninchen. Manche fingen sogar an zu singen... nicht die Kaninchen, obwohl das vermutlich besser gewesen wäre...Die starken Temperaturunterschiede von ca. -1°C in der Nacht und fast +25 °C am Tag stellten mein Immunsystem auf eine ziemliche Probe und ich bezahlte mit ständigen Kopfschmerzen.
Zum ersten Mal bekam ich an diesem Tag, Hennamuster auf die Hände gemalt (Mehndi) und mir wurde erklärt, dass ich eine Stunde warten müsse, bis die Hennapaste getrocknet sei. Ich musste aber sehr viel länger warten, denn aufgrund der kühlen Räume, wollte und wollte es nicht trocknen. Letztlich wurden meine Hände über einer kleinen Feuerstelle, quasi ausgebacken und die Hennapaste konnte dann mit dem Messer abgeschabt werden. Die kleinen Feuerstellen befinden sich in allen Räumen und dienen als (in ihrer Wärmewirkung eher unwirksame) Heizung. Durch den Rauch und Qualm in den Räumen, konnte ich meine bereits vorhandenen Kopfschmerzen, zu einer handfesten Migräneattacke ausbauen. So verging der Tag mit herumsitzen und nichts tun und weiterm herumsitzen. Von den Damen kannte ich einzig Anands Mutter und nur zwei junge Frauen sprachen englisch. Eine davon war die Braut selbst, die dementsprechend beschäftigt war, mit den letzten Vorbereitungen: diverse Dinge organisieren, telefonieren und Sachen zusammenpacken – schließlich ist die Heirat auch gleichzeitig der Auszug aus dem Elternhaus und Umzug zur Familie des Bräutigams.

Am Abend wollte ich dann meine Schwester anrufen, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren. Aber erst musste ich noch lange auf Anand warten, dann hatte niemand ein Telefon mit dem man ins Ausland telefonieren konnte und als sich endlich eins fand, erfuhr ich, dass ihr Geburtstag nicht so verlaufen war, wie sie sich das vorgestellt hatte. Irgendwie wurde ich durch all das sehr traurig, die beißende Kälte, die starken Kopfschmerzen, die Mühe am Ende der Welt ein Telefon zu finden um mit der eigenen Schwester zu telefonieren, dazu Anands Belehrungen und Mißbilligungen, dass ich das überhaupt versuchte ...und ich offenbar überhaupt nicht weiß, wie man sich auf einem indischen Dorf zu benehmen hat, obwohl das doch die ganze Welt weiß..... alles war zu viel für mich und ich fing an zu weinen, ...auf einer Schlafstatt zusammen mit der Frau eines Cousins und ihrem Kind, weinte ich mich buchstäblich in den Schlaf und fühlte mich mutterseelenallein auf der ganzen Welt.

Babai (Rajasthan)


17. März 2008

Birla Mandir







Sightseeing in Jaipur



Das Frühstück hatten wir – wieder als einzige Gäste – im Hotelrestaurant und der- (selbe) Kellner erzählte uns, wie die Geschichte mit dem betrunkenen Franzosen weiterging. Er und die Rikshawfahrer versuchten bei einer ebenfalls französichen, alleinreisenden Dame im Hotel zu landen. Deswegen lud er sie auch zu dem Abendessen ein, was sie annahm, danach ging sie aber allein zu Bett, weswegen er erst enttäuscht aufgab, dann aber noch betrunkener nachts um zwei zurückkehrte, über das Hoteltor kletterte und an ihrer Tür hämmerte. Sie checkte am nächsten Tag in aller Frühe aus und reiste weiter nach Udaipur.
Da die Stromabschaltung an dem Tag nur eine halbe Stunde dauerte, konnte ich Toast und Marmelade zum Frühstück essen! Solcherlei gestärkt begann unser Sightseeing-Tag in Jaipur. Wir hatten uns am Vortag, die Handy-Nr. des Rikshawfahrers geben lassen und mieteten ihn als Fahrer und Guide für den gesamten Tag (das kostet ca. 10 €).
Birla Mandir
Zuerst besuchten wir einen aus weißem Mamor erbauten Tempel der Familie Birla mit deutlichen Kirchencharakter. Es gab nicht nur, für Hindu-Tempel untypische, wunderschöne Glasmalereien in den Fenstern, sondern auch Jesus- und Madonnenbilder als Teil der Säulenverzierungen.. zusammen mit Sokrates, Konfuzian usw. Leider war fotografieren nicht erlaubt und es waren auch keine Postkarten erhältlich. Auf dem Berg über dem Tempel befand sich eine Festungsruine, die aber für die Öffentlichkeit gesperrt war. Nur an einem Tag des Jahres ist sie geöffnet, um den Besuch des dortigen Tempels zu ermöglichen.
Hawa Mahal
Nach einem kurzen Fotostop am Albert Museum, ging es weiter zum Palast der Winde – “Hawa Mahal”, der berühmten Deko-Fassade im Stadtkern von Pink City. Alle Häuser sind dort in einem rosé-lehmbraun gestrichen. Wer sein Haus in einer anderen Farbe streicht, dem drohen Strafen bis zu sechs Monaten Gefängnis... . Die Straßen sind breit und nach dem Chaos in Mumbai, wo man allenthalben in das Wohnzimmer einer anderen gerade zugezogenen Familie tritt, regelrecht leer. Der Klima erlaubt es offenbar nicht, in größerem Stil obdachlos zu leben. Bald fuhren wir in einen Bezirk, voller Kuppeln, Innenhöfe und kleiner Stadtpaläste. Die Hawa Mahal selbst, ist nur ca. drei Meter breit, hat aber 5 Etagen. Mit ihren abgeschotteten Balkonen und Fensterchen diente sie einst dem weiblichen Hofstaat, um einen ungestörten Blick auf die Straße werfen zu können, ohne dabei selbst gesehen zu werden. Als wir uns das Gebäude ansahen, war alles etwas “under construction”, dennoch hatten wir einen tollen Blick über die Stadt..
Weiterging die Fahrt durch die Stadtpaläste und Innenhöfe, Villen, einem Marktplatz. In den geschichtsträchtigen Gebäuden befinden sich u.a. Autowerkstätten, Syntex-Shops (Wassertankverkaufsgeschäfte), öffentliche Toiletten, die wirklich nur aus einem Stück gekachelter Hauswand bestehen (öffentlich im wahrsten Sinne des Wortes) und ein Verkehrsstau.... nanu? Stau hier? Aber der Grund war einleuchtend, von Innenhof zu Innenhof durchfährt man ein enges Tor und diese Tore sind so schmal, dass es selbst für ein einzelnes Fahrzeug schwierig ist, sie zu durchqueren, und hier kommen viele Autos, Jeeps, Lkws, Rikshaws, Fahrräder und Fußgänger zusammen und das ständig von beiden Seiten, so dass wir eine Weile brauchten, um die Engstellen zu passieren.
Jantar Mantar Observatory
Dieser im 17. und 18. Jahrhundert entstandene Techonologiepark, bildete unseren dritten Programmpunkt. (Ausländer bezahlen vierfachen Eintritt zu dem was Inder bezahlen).
Er entstand aus der Leidenschaft des damaligen Maharaja für Mathematik, Astronomie und Astrologie, und diente u.a. dem Bestimmen der Zeit durch gigantische Sonnenuhren, Geräten zur Entfernungsbestimmung von Objekten und Sternen mittels Vergleichsweiten, sowie der Horoskoperstellung. In einem kleinen Nebenhaus waren Miniaturversionen mit Experimentsaufbauten zu besichtigen, der Wärter dort salutierte uns ausserdem unverständlicherweise und vor dem Park sah ich meine ersten Schlangenbeschwörer überhaupt, wenn auch ohne Schlangen.
Amber Fort
Die Amber-Festung befand sich außerhalb der Stadt auf einem Berg. als Teil eines Festungs- und Mauernkomplexes, der sich um die gesamte Stadt zog. Weil wir noch jung wären, empfahl uns unser Rikshawfahrer zu Fuß zu gehen, statt das Geld für den Jeep-Bus auszugeben und so machten wir uns auf den Weg, etliche Treppen hinaufzusteigen. Die Anlage war einfach wunderschön, mit Gärten, Türmen, etlichen Mauern , Eichhörnchen, Ziegen und auch die Sonne war warm genug, dass ich zum ersten Mal an diesem Tag nicht fror. Über dem Fort liegen noch zwei weitere Festungsruinen im Dornröschenschlaf. Auch im Fort waren Bauarbeiten im Gange und wir beobachteten im Innenhof, wie die braun-pinke Farbe und Bindemittel angemischt wurden. Diese Arbeiten wurden fast ausschließlich von Frauen getätigt. Im eigentlichen Schloß musste ich natürlich wieder den Ausländerpreis bezahlen, aber diesmal sah ich das auch ein, denn die riesige Anlage benötigt jede Rupie um Instand gehalten zu werden. Wir verfolgten keinen Plan beim Besichtigen, sondern verliefen uns in den Gängen, Treppen und Wegen, besichtigten unwichtige Zimmer, Dampfbäder, Prunkgemächer, eine Kunstgalerie und ein Spiegelkabinett und genossen immer wieder die Ausblicke zu den Dörfern der Umgebung und den Ruinen. Nach zwei Stunden waren meine Beine schlichtweg k.o. und wollten keine einzige Treppenstufe mehr steigen, so dass wir uns noch die Polizeiübung ansahen, die auch von vielen Affen beobachtet wurde.. (wirklich!) und stiegen dann langsam den Berg hinunter. Da wir so einen Hunger hatten, kauften wir beim Opfergaben-Händler Süßigkeiten (“Prasad”), die eigentlich zum Opfern im Tempel gedacht waren und aßen sie selbst. Auf dem Weg den Berg herunter, saß in einer Wegbiegung ein heiliger Mann und meditierte. Ich fragte Anand, ob der Herr sich dort so dekorativ für die Touristen aufgebaut hätte und er verstand die Frage als direkte Blasphemie, bis selbiger Heiliger uns nach “Bakschisch” fragte- vielleicht wollte er aber auch nur was von den Süßigkeiten abhaben.
Jetzt war es Zeit fürs Mittagessen. Das Restaurant zu dem uns unser umtriebiger Rikshawfahrer fuhr, war teuer, aber quasi auch das erste Restaurant am Platze in Reichweite aller Sehenswürdigkeiten, was den Preis meist rechtfertigt. Nachteilig war eher die traditionelle Musik dargeboten auf einer Art Laierflöte, vor der mein Gehörsystem kapitulierte und ich tatsächlich innerhalb einer Minute Kopfschmerzen bekam. Offenbar traf die Flöte genau diesen Punkt, der Schmerzen auslöst. Jedenfalls musste ich das Restaurant wieder verlassen, was etwas peinlich, aber letztlich unvermeidlich war. Das nächste Restaurant war genauso teuer, aber wenigstens ohne Musik und so teilten wir uns ein Gericht.
Danach fuhr uns der Fahrer (wohl auch unvermeidlich) zu einer Touristenfalle – fast schon wie aus dem Bilderbuch: einem Fabrikladen in einer finsteren Hintergasse.
Der Laden war eng und der Verkäufer unfreundlich, fordernd bis drohend. Solcherlei eingeschüchtert kauften wir zwei Dinge, die wir eigentlich nicht benötigten, zu einem Preis, der wesentlich teurer war, als beim Einzelhändler und nicht verhandelbar (eine Krawatte, die wir an seinen Bruder weitergaben und einen (eigentlich sehr schönen seidenen) Pashmina-Schal, den wir später in Babai verloren (oder er wurde gestohlen) ...um den Schal tuts mir leid, um die damit verbundenen Erinnerungen nicht).
Da der Rikshawfahrer Kommission bekam, beschlossen wir, diesen Teil von seinem Lohn abzuziehen, denn unsere Laune war ersteinmal dahin. Es lag nicht nur an dem Gefühl, sich bekauft zu haben, sondern dabei auch noch bedroht und verarscht worden zu sein.
(Indische Erklärung: Wenn wir das “Prasad” geopfert hätten, anstelle es selber zu essen, wäre das alles nicht passiert.., uns ereilte also die gerechte Strafe...)
Der nächste kurze Fotostop war am See, mit Blick auf den Wasserpalast- dieser war wegen Bauarbeit en geschlossen, so blieb es bei einzelnen Fotografien in der Abendsonne, vom kleinen Palast mitten im See und den nächstgrößeren zwei Festungen am Ufer.
Zum Schluß besuchten wir einen kleinen Mandir, der sich vor allem durch eine riesige Anzahl aufgmalter “Swastikas” (Hakenkreuze) auszeichnete. Aber die Menschen in dieser Umgebung waren nicht sehr vertrauenserweckend. Der Rikshawfahrer wollte uns außerdem zu einem Markt bringen (ich hätte gerne einen Handpuppenladen besucht), aber es war ein langer Tag und es wurde bereits dunkel und kalt, so wollten wir nur zurück zum Hotel. Dort erklärten wir, warum es neben der vereinbarten Vergütung kein Trinkgeld gab und organisierten uns dann einen elektrischen Heißlufterwärmer für das Zimmer (eine Art Riesenfön), den wir auf heiß stellten, so dass es im Zimmer einigermassen erträglich wurde. Am späten Abend kam Anands Bruder aus Delhi angereist, die beiden hatten sich seit gut 3 Jahren nicht mehr gesehen, Nach einigen Wiedersehensgefeiere (mit Whiskey) und der Aufbettung im Zimmer, konnten wir gegen 1.00 Uhr nachts endlich einschlafen.

07. – 08.02.2008


Nach allem Packen, Essen für die Reise vorbereiten, mit Anands frechem Neffen Kricket spielen und letzte Einkäufe tätigen, ging es gegen 16.00 Uhr endlich los. Heute würden Anands Mutter, Anand und ich, mit dem Zug nach Rajasthan fahren um an einer Hochzeit in dem Dorf Babai teilzunehmen und schon morgen mittag würden wir in Jaipur ankommen. Irgendwie hatten wir viel zu viel Gepäck und Anand war etwas fiebrig, aber nun gab es kein zurück mehr. Am Bahnhof Byculla angekommen, suchten wir ein Taxi um zum Bahnhof Mumbai-Central zu gelangen (das ist ein Bahnhof von dem hauptsächlich Fernzüge abfahren). Leider streikten die Taxis gerade, da während einer politischen Demonstration mehrere Taxis beschädigt wurden und die verursachende Partei nicht für den Schaden aufkommen wollte. Die Polizei half uns ein Taxi zu suchen und letztlich zwangen sie einen Taxifahrer, uns wenigstens in die Nähe des Fernbahnhofs zu bringen, denn die Zeit wurde knapp und mit unseren sieben Gepäckstücken, verteilt auf Anand, mich, seine Mutter und sein Bruder, der zum Tragen mitkam, war der Weg zum Bahnhof auch nicht so einfach. (Wenigstens waren aufgrund des Taxistreiks die Straßen recht leer.)
Aber wir erreichten den Bahnhof früh genug, ca 45 min vorher. Als der Zug (Mumbai-Jaipur Superfast Train...) den Bahnhof mit der üblichen Verspätung erreichte, suchten wir unser Schlafabteil auf und dann ging es los.
Dank der perfekten Vorbereitung von Anands Mutter hatten wir ein reichhaltiges Abendessen bestehend aus zwei verschiedenen Gemüsesorten, Pickle und mit Methi (so eine Art Mini-Spinat) sowie Paneerkäse gefüllte Parathas zur Verfügung, so dass es uns an nichts mangelte. Im Zug kauften wir nur Getränke (Wasser, Tee und Saft.)
Bald klappten wir unsere Betten auf (3-stöckig) und ließen uns vom Zug in den Schlaf wiegen, nicht ohne aufzuwachen, wenn in den Stationen Leute ein- und ausstiegen, bzw. ich aufpasste, dass niemand meine Handtasche klaut.
Am Morgen sahen wir den Sonnenaufgang in Rajasthan. Nun fuhren wir stundenlang durch die karge Steppen- und Wüstenlandschaft, sahen bewässerte Rapsfelder (das Bewässerungssystem ist z.T. ebenfalls Jahrhunderte alt), leere Flussbetten, hochaufragende Berge mit Festungsruinen und immer wieder kleine gepflegte Bahnstationen mit Wasserbecken in Kreuzform. Man sah wenig Menschen und wenn standen sie oft mutterseelenallein auf einem Feld herum und arbeiteten, weit und breit kein Haus in Sicht und man wunderte sich, wie sie dahin gekommen waren. Immer wieder sah ich Kamele, als Lasttiere, die Karren zogen, beim Grasen oder Schlafen. Ansonsten sah man gut ernährte Hunde (nicht wie die Straßenhunde in Mumbai- hier hatten sie Jobs), Schafe, Ziegen, Rinder, Erdmännchen-Kolonien am Bahndamm und in den Dörfern viele, viele Kinder. Die Berge stachen dabei förmlich aus der Landschaft heraus, die ansonsten eher flach, weitläufig und eben war.
Gegen 13.00 Uhr kamen wir in Jaipur an. Auf dem Bahnhof sah man auch einige andere westliche Reisende. Ein Cousin von Anand bildete das Empfangskomando. Anands Mutter und er fuhren mit dem meisten Gepäck weiter in das Dorf in dem die Hochzeit stattfinden sollte, während Anand und ich, für zwei Nächte in Jaipur blieben. Wir wollten uns mit der Motorrikshaw (hier gab es auch Fahradrikshaws) zu einem Hotel fahren lassen, was sein ältester Bruder empfohlen hatte, aber der Rikshawfahrer meinte, es läge in einem komplett muslimischen Viertel, ist muslimisch geführt und westlich gekleidete Menschen sind dort generell nicht gerne gesehen und westlich gekleidete Westler noch weniger. Wir waren zwar nicht überzeugt, er ließ sich aber auch partout nicht überreden uns zu dem Hotel zu fahren, so dass wir uns letztlich das Hotel seiner Wahl ansahen, in dem viele westliche Touristen übernachten. Die Zimmer waren in Ordnung, aber zu teuer für den
Standard. Also fuhr er uns zu einem weiteren Hotel. Dieses war sehr schön, aber es lag etwas abgelegen in Seitengassen und war ziemlich leer. Wir ließen uns zwei Zimmer zeigen, von denen eines sehr klein und das andere nach Zigarettenqualm stank. Außerdem war es noch teurer, als das erste Hotel. Ich wollte nicht weitersuchen, solcherlei Zimmersuche geht mir auf die Nerven; Kopfschmerzen, wenig Schlaf und eine lange Reise hinter sich, hatte ich wenig Lust auf einen ausgedehnten Hotel-such-Streß. Vielleicht hat es auch etwas von dieser Ur-Angst: Hilfe ich bin obdachlos, in sich und so etwas ertrage ich schlecht, vor allem, wenn ich müde bin. Also fuhren wir zurück zum ersten Hotel, was etwas peinlich war, schließlich hatten wir das Zimmer, das wir nun mieteten, erst 30 min vorher abgelehnt. Aber Anand konnte sogar noch den Preis etwas herunterhandeln und wir hatten endlich ein Zimmer im Hotel Bani Park Palace. Es hatte eine lokaltypische Malerei an der Wand, es war eiskalt, da es keine Heizung besaß und keine nennenswerten Fenster, aber es hatte ein (hartes) Bett und war unser. Zuerst ruhten wir uns etwas aus, um dann heiß zu duschen (hurra eine Dusche, hurra heißes Wasser einfach so aus dem Wasserhahn!).
Derart erfrischt versuchten wir uns an einem kleinen Einkaufsbummel in der Stadt. Die Straßen sind gut ausgebaut und sechsspurig, so dass Fahrzeuge schnell fahren können, was überqueren der Straße als Fußgänger zu einem Selbstmordversuch werden ließ.
Wir waren Fußgänger.
Wie immer war das Streß pur für mich, - mein Herz raste wie verrückt, während Anand diese Angst ebenfalls wie immer völlig übertrieben findet, wieso rege ich mich auch über die annähernd hundert Autos, Busse, Lkws, Motorräder etc. auf, die gerade auf uns zurasen, sie werden schon alle anhalten.. . Wir erreichten die andere Straßenseite in einem Stück und besuchten zwei Shopping Malls, die für Touristen erbaut wurden und sehr leer waren, da die Touristen aufgrund fehlender Bürgersteige einfach nicht kommen wollen. Indische Stadtplaner können sich nicht vorstellen, dass westliche Touristen, einen Weg nur zum Laufen benötigen. Außerdem bekommen die Touristen von jedem gesagt, dass in Jaipur nur Gauner unterwegs sind, vor allem von den Jaipurern selbst. Dafür werden einem allenthalben Drogen, Nutten und Diskothekenbesuche empfohlen, so dass ich eine Ahnung davon bekomme, wonach Touristen offenbar normalerweise verlangen. Ich werde auch wesentlich mehr angestarrt als in Dombivli, was mich insofern verwundert, als dass man hier an soviel mehr Ausländer gewöhnt ist. Offenbar haben die Menschen in Mumbai generell weniger Zeit. In der zweiten Mall landeten wir nur, weil sie eine Filiale von “Subway” beherbergte und mir nach Chicken-Sandwich war. Dort fanden wir Läden mit dem tollsten Kunsthandwerk überhaupt und kauften zwei kurze Baumwolltuniken für mich (handbestickt), sowie ein Bettüberwurf, der sich Sonntag/Montag nennt und eine mit Elefanten bedruckte Seite aus blauer Seide, sowie eine bedruckte Baumwollseite zum Wechseln besitzt (für 12 €). Die Händler ließen so bereitwillig mit sich handeln, obwohl ihre Produkte wirklich hochwertig waren. Wir vermuteten demnach, dass sie Geldprobleme hatten, denn die Ladenmieten werden nicht billig sein und Käufer von Kunsthandwerk in der Preisklasse, wird es in der dortigen Bevölkerung eher wenige geben.
Auf dem Rückweg kauften wir unser erstes Bier (Kingfisher) seit langem. Ein Polizist führte uns zu dem richtigen Laden, so dass wir nicht ausversehen Bier für 6 € statt 2 € pro Flasche bezahlten – manchmal heisst es eben auch in Indien... die Polizei, dein Freund und Helfer... Danach kehrten wir mit der Rikshaw ins Hotel zurück, ich erneuerte am Hotelrechner meinen Blog und freute mich über die schnelle Internetverbindung. Da wir zu müde zum Ausgehen waren, aßen wir im Hotelrestaurant, als einzige Gäste. Aber für 4 € bekamen wir ein sehr gutes Abendessen, inklusive aller Getränke und waren sehr satt und zufrieden mit unserer Wahl. Beim Verlassen des Restaurants hatten wir nur eine seltsame Begegnung mit einem französichen Besoffenen, der unbedingt mit seinen Rikshawfahrern im Restaurant essen wollte (“all my friends”) und uns fragte, ob wir die Eigentümer wären- jup, wat sonst ...und ich sah einen Lizzard, mitten durchs Restaurant huschen, so schnell, dass ich noch nicht mal sagen könnte, wie ein Lizzard aussah (vielleicht konnten die anderen auch nichts sehen, und immer wenn man nicht weiß, was es ist, ist es ein Lizzard..:-p) Wieder auf unserem Zimmer, tranken wir unser wohlverdientes Bier und schliefen sofort ein.

Aschermittwoch

Immer noch magenkrank, packe ich unsere Sachen für die Reise zusammen. Ich werde wohl das Meiste meiner westlichen Kleidung hier lassen und nur die Pullover und Wintersachen mitnehmen, denn in Rajasthan ist es kalt – eiskalt und die Häuser haben keine Heizungen.
Ansonsten ist auf den Dörferen traditionelle Kleidung angesagt und verhülltes Haar, um den Älteren Respekt zu erweisen. Vormittags kam eine Nachbarin vorbei, die mit niemandem sprach, mich nur anstarrte und anstrahlte und nach einiger Zeit wieder ging. Ich ueberlegte, ob ich irgendeinen Ritus vollziehen sollte, ob sich der Teil mit dem Glueckskram schon so weit verbreitet hat und fuehlte mich ziemlich unbehaglich.
Abends ging ich mit Anands Schwester und der Nachbarin noch dringend benötigte Dinge einkaufen. Das waren in erster Linie, ein Unterrock für meinen Saree in der passenden Farbe (die Bluse war mittlerweile auch fertig und so eng, dass das Atmen eine schwierige Angelegenheit darstellte-aber es soll wohl so, ich hoffe nur, sie platzt nicht im ungünstigsten Augenblick), ein Maxi-Nachthemd im Oma-Stil unter dem ich viele Schichten Nachtbekleidung drunter ziehen kann, sowie eine chinesische Fleece-Jacke vom Straßenhändler. Da gerade in Mumbai eine Kaltperiode herrschte, waren alle vernünftigen Jacken ausverkauft und auch die Straßenhändler machten ihr Geschäft des Jahres mit Winterjacken. Meine Jacke war dementsprechend, gold mit Rosen bedruckt und nur so ca. passend, aber recht warm und damit gut genug.

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