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10. März 2020

Monschau


Überall dort, wo wir in den letzten Jahren gelebt haben, hatten wir uns den einen Ort für eine kleine Alltagsflucht mit Wiederholungscharakter gesucht: Nur einen Tagesausflug ins touristische Gewusel einer kleinen, historisch-gut erhaltenen Stadt in schöner Umgebung, mit tollen Restaurants und Lädchen für das ein oder andere Stück, das man garantiert nicht braucht - und abends entkommt man dem Touri-Dorf wieder und fährt satt und zufrieden zurück nach Hause.
Hierher bringen wir Freunde und Bekannte, wenn sie uns besuchen, und nutzen den Ort als Ausgangs-/Endpunkt für Wanderungen.
Stowe war dieser Ort, als wir noch in Vermont gewohnt haben, Rüdesheim war es in Frankfurt und Monschau ist es hier in Aachen. Rüdesheim schaffte es trotz unserer regelmäßigen Besuche nicht in meinen Blog, Monschau soll nicht das Gleiche passieren ^^


Als wir nach Aachen gezogen sind, dachten wir eigentlich, daß Valkenburg in den Niederlanden ‚unser‘ Touri-Ort werden wird. Aber etwas Unveränderbares wie das Wetter spielt eben auch eine Rolle für den subjektiven 'Wohlfühlfaktor'.
Bei unserem ersten Besuch in Valkenburg, regnete es ununterbrochen, so daß wir nur eine der berühmten Mergelhöhlen besichtigten und mehr wollte man gar nicht unternehmen.

Winter und (früher) Herbst in Monschau

In Monschau hatten wir stattdessen bisher immer Glück mit dem Wetter, weswegen es dort viele Museen, Werkstätten usw. gibt, die wir noch nicht besichtigt haben - schlichtweg, weil es draußen immer viel zu schön und sonnig war. 
Das soll keine Aufforderung sein, daß es beim nächsten Besuch doch bitte in Strömen regnen mag ^^, aber selbst bei schlechtem Wetter hätten wir noch einiges zu erkunden.


Meistens fahren wir mit dem Bus von Aachen in den kleine Eifelort, laufen durch die verwinkelten Fachwerkhaus-Gassen, kaufen etwas von den Bäckern und dann geht es hinauf in die umgebenden Hänge, um sich Monschau von oben anzusehen. Zum Mittagessen sind wir wieder in der Stadt, danach steigen wir hinauf zur Burg, um die Stadt und das Flüsschen Rur auch von der anderen Seite zu bewundern - ehe es zurück nach Hause geht.
Monschau (Montjoie) war früher, als es durch die Feintuchmacher-Industrie zu einigem Reichtum gekommen war, sicher kein so idyllischer Ort, die Mühlenhäuser der Altstadt, wurden regelmäßig überschwemmt und mussten eben doch am Wasser bleiben, die Vorratslager befanden sich deswegen eher in Hanglage oder höheren Kontoren- doch das Leben in der ohnehin armen Eifelregion war wohl kein Einfaches.


Mit dem Beginn der Romantik, wurden dann Ausflügler auf den Eifelort in schöner Lage aufmerksam und es entwickelte sich eine erste Touristenindustrie mit Hotels und Gaststätten, die vielfach bis heute existieren. Dadurch entkam Monschau der Moderne nach den Weltkriegen, denn anderswo wurden selbst Innenstädte, die nicht im zweiten Weltkrieg zerstört wurden, gesprengt um Platz für eine schöne vierspurige Straße mittendurch zu machen.
Ein anderer wirklich schöner Ort in der Gegend ist Stolberg, zu dem wir sogar mit dem Fahrrad fahren können, doch dort ist der Strukturwandel von Industrie hin zu Tourismus und Aachener Vorstadt noch in vollem Gange. Schöne historische Gebäude kann man auch dort besichtigen, und das sogar völlig ohne Touristen - zur Alltagsflucht reicht es jedoch noch nicht so ganz :)


5. November 2019

Dunkler November


Es war ein grauer, leicht verregneter, mitunter für Augenblicke sonniger Novembertag und ich mit dem Fahrrad unterwegs im Wurmtal.
Auf einmal - neben mir war zwar der dunkle Waldrand, doch ich fuhr durch die offenen Flußniederungen - befiel mich ein lähmendes Gefühl der Angst und ich glaubte beobachtet zu werden - von einem Raubtier, bejagt?
Zuerst fuhr ich in persönlicher Bestzeit den nächsten Hügel hinauf, Raubtiere in Stadtnähe sind schließlich häufig eher menschlicher Natur. Dort musste ich kurz anhalten, weil mir Reiter auf dem schmalen Weg entgegenkamen, und Pferde reagieren nervös auf Gegenverkehr.
Während ich wartete, landete neben mir in ca. 10 m Entfernung ein riesiger Raubvogel. Ich kenne mich mit diesen Tieren nicht besonders gut aus, doch die Flügelspannweite war schon sehr groß. Hatte er mich etwa beobachtet? Ich warf ihm einen vorsichtig-verächtlichen Blick zu: Das war doch nicht dein Ernst? - Und gleichzeitig fragte ich mich: War das jetzt Einbildung oder Instinkt? 


24. September 2019

Nach der Wanderung


Am Sonntag Abend kehrte ich von der Wanderung an der Mosel zurück und war noch ganz erfüllt von Weinbergen, Sonnenschein und der mäandernden Flußlandschaft.
Ich denke, daß das Mittelrheintal immer mein Favorit bleiben wird, aber die Mosel ist ebenfalls eine beeindruckende Kulturlandschaft.
Meine Bedenken bezüglich der Wanderung waren zum Glück unbegründet, ich konnte die Etappen gut bewältigen, und auch meine Beine haben durchgehalten. Es wurde jedoch auch immer kritischer, mit nächtlichen Kopfschmerzen, Blasen an den Füßen, Schulterschmerzen, so daß der gestrige Tag zum endlich Ausruhen und Ankommen sehr wichtig war. Vielleicht bin ich eher der ‚einen Tag wandern, einen Tag ausruhen‘ Typ (oder einfach nur untrainiert). 
Es begann am Donnerstag mit der Reise nach Trier, via Fernbus durch Belgien. 
In Liège hatte ich eine Stunde Aufenthalt und konnte mir etwas genauer ansehen, warum alle immer sagen, daß diese Stadt so häßlich ist. 


Nun, wenn man z.T. sanierungsbedürftige Plattenbauten mag, die quasi den Innenstadtkern bilden, wird man sicher auch an der Stadt seine Freude haben. Ansonsten war jedoch der Bahnhof ein zumindest beeindruckender, neuer Fremdkörper direkt neben dem Rotlichtviertel. 


Weiter ging es durch belgische Grenzlandschaften via Luxemburg nach Trier, wo ich meine Mitwanderer traf. 
Wir besuchten die römische Porta Negra, die Kirchen, standen vor der Karl Marx Statue und liefen ein Stück an der Mosel entlang - die sich erstaunlich weit weg von der Innenstadt befand.


Später lese ich, daß früher links und rechts der Mosel ausgedehnte Sumpfgebiete eine Ansiedlung erschwerten, diese wurden erst zum Straßenbau in den 1960er Jahren trockengelegt.


Am nächsten Tag beginnen wir unsere erste Etappe der Moselsteig-Wanderung, die 8. von Leiwen nach Neumagen-Dhron.
Der Anfang war etwas holprig, weil Schilder fehlten - aber letztlich ging es los, hinein in die Landschaft zwischen Wald und Weinberg. 
An der größten Flußbiegung befand sich außerdem eine Einkehrmöglichkeit, so daß wir nach diesem ersten Tag beschwingt unser Hotel mit Moselblick und direkt neben dem Nachbau des römischen Weinschiffes in Neumagen-Dhron erreichten.


Bald geht es hier weiter mit Etappe 9 und 10 :) 

17. November 2018

Radtour nach Alsdorf

Burg Alsdorf

Gestern habe ich eine kleine Fahrradtour in eine Nachbargemeinde unternommen. Ich möchte mich gerne schon aus gesundheitlichen Gründen, nur noch auf das Fahrrad als Fortbewegungsmittel beschränken, aber das ist hier gar nicht so einfach. 
Durch die Landschaft verlaufen tiefe Einschnitte, wie z.B. das Wurmtal, neben dem wir wohnen und selbst wenn man dieses ‚Loch‘ (wie die Anwohner es nennen) vermeidet, so sind ähnliche Täler bei jedem Bächlein vorhanden und machen mir das Bergauffahren (oder Schieben) gerade als Asthmatiker schwer.


Nach Alsdorf war die Strecke jedoch recht angenehm, es ging langsam und gemächlich nach unten, bis man die Talsohle und den Broicher Bach erreichte.
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Dieser wurde in verschiedenen gefälligen Weihern aufgestaut, um die sich die Gehege des Alsdorfer Tierparks gesellten. Eintritt bezahlt man nicht, dafür lässt man sein Geld am Futterautomaten, denn vom ‚aggressiven‘ Mufflonschaf-Widder (mit extra Warnschild) bis zur niedlichen Zwergziege, sind alle wahnsinnig hungrig :)
Die Stadt selbst ist eher schlicht, so wie auch die Gebäude in Würselen, wenngleich ein wenig städtischer. Eine typische Arbeiterstadt, in der das Geld sicher nicht zu Hause war.


Im Gegensatz zu Würselen versucht man in Alsdorf jedoch sehr viel stärker, die Bergbautraditionen im Gedächtnis zu behalten. Ein alter Förderturm der Grube Anna wurde nicht abgerissen, sondern steht unter Denkmalschutz und die riesigen Bergehalden hinter dem Annapark, geben der Stadt ohnehin ein unverwechselbares Aussehen.
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Langhaus - ehemalige Gasturbinenhalle, jetzt Kultur- und Bildungszentrum

Die Halde Anna I ist die älteste und höchste der Halden. An den Seiten ist sie mittlerweile stark bewachsen, im Innern sorgen eine Vielzahl an Schwelbränden für Probleme mit der Standsicherheit.

Vergessen werden soll auch nicht das größte Grubenunglück im Aachener Kohlerevier, denn 1930 starben bei einer Schlagwetterexplosion in der Grube Anna, 299 Menschen. 


Nach diesem Ausflug in die jüngere Vergangenheit und einem Besuch in der ‚Kohle‘-Bäckerei ging es weiter zum eigentlichen Ziel meines Ausflugs. 
In der Altstadt befindet sich nämlich eine kleine ehemalige Wasserburg, die heutzutage der Stadt gehört und in deren Park gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut wurde. 


Einst gehörte diese Burganlage samt Ländereien zum Herzogtum Brabant, was insofern erstaunlich ist, als alles in der Gegend sonst entweder ein Teil von Limburg oder Jülich war.
Im Gewölbekeller der Remise wurden im Jahre 1775, übrigens 12 der sog. Bockreiter gefangen gehalten und warteten auf ihre Verurteilung.
Bevor wir nach Aachen gezogen sind, habe ich nie etwas über die Folklore / Sagen der Bockreiter gehört, seitdem begegnet sie mir jedoch sehr häufig. Es ist eine Art der Hexenverfolgung: Menschen, die möglicherweise zu einer Diebesbande gehörten und deswegen beschuldigt wurden, nachts auf einem teuflischen Ziegenbock fliegend in die Gebäude ihrer Mitmenschen einzubrechen. 
Wie auch bei den Hexenverbrennungen wurden auf die Art in erster Linie unliebsame Nachbarn, Länderstreitigkeiten u.ä. ‚geregelt‘, insofern ist es schwer zu sagen, ob jemals eine Bande bestand oder Einzelpersonen zu den Bockreitern zusammengefasst wurden.
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Nach einem kleinen Rundgang durch den Burgpark und angrenzendem kleinem Friedhof, ging es dann für mich zurück nach Würselen. 
Noch lange Zeit im Blick hatte ich dabei die drei Bergehalden, bis ich sie hinter mir ließ. Diese unterstehen immer noch der Bergwerksaufsicht und dürfen daher nicht betreten werden.


27. November 2017

Der Südfriedhof im Herbst


Als wir noch in Vermont lebten, war der Herbst eine Angelegenheit von zwei Wochen: im September war noch Sommer, dann kam der Herbst mit dem Höhepunkt um die Oktobermitte herum, zu dem alle Bäume zur gleichen Zeit in sämtlichen Farben zwischen Gelb und Rot leuchteten - und kurz danach begann die blattlose, verregnete ‚Stick season‘ bis der erste Schneesturm all die moddrigen Wege gnädig weiß überstrich.
In Frankfurt ist der Herbst dagegen eine Jahreszeit, die sich über zwei Monate hinwegzieht. Der September ist auch hier noch weitgehend grün, aber Oktober und November hindurch sind jeweils andere Bäume an der Reihe sich zu verfärben und letztlich ihre Blätter abzuwerfen. 
Dadurch hat man keinen großen Höhepunkt der Saison, sondern immer wieder eine kleine Freude, wenn die ersten Pappeln gelb werden, oder die Zierkirschen rot, wenn der Gingko strahlend gelb leuchtet (samt Stinkfrüchten, wenn man Pech hat) und die amerikanischen Eichen orange-rot.


Die Lindenallee, die den Südfriedhof durchquert ist jeweils Ende Oktober / Anfang November an der Reihe - und wenn vorher nicht schon ein paar Herbststürme die Blätter verweht haben, können auch später Ahorn und Buchen zum Gesamtkunstwerk gelber Park beitragen.
Der - im Vergleich zum Hauptfriedhof (oder irgendeinem der neuen Waldfriedhöfe) - kleine Südfriedhof, ist der nächstgelegene Friedhof von unserer Wohnung und verfügt über eine recht große Anzahl interessanter Statuen, Reliefe und Grabformen, von der Schlange, die sich an einem Stein schlängelt, bis zum Pyramideneingang.


Dieser Friedhof wurde 1868 eröffnet, um den alten Friedhof in der Brückenstraße zu ersetzen. Der stand der weiteren Entwicklung Sachsenhausens im Weg und versperrte u.a. den direkten Zugang zum Bahnhof. 
Die Trauerhalle wurde 1896 errichtet, im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, jedoch bereits in den 1950ern aufgebaut. Wenn man genau hinsieht, erkennt man die Originalsteine der Fassade an den Einschußlöchern.
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Bis vor kurzem war der Friedhof Teil einer schönen kleinen Tour, auf der ich entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs war: Durch den Stadtwald bis zum Goetheturm - mittlerweile dank Brandstiftung nicht mehr vorhanden :( dann über den Friedhof bis vor zur Darmstädter Landstraße und zum Schluß eine kleine Einkehr beim Bäcker im Tegut. 
Optional kann man auch Baufortschritte beim neuen Henninger Turm beobachten, oder einfach so einmal beim Willemer Häuschen auf dem Mühlberg vorbeischauen - bevor es zurück nach Hause geht.
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