17. November 2018

Radtour nach Alsdorf

Burg Alsdorf

Gestern habe ich eine kleine Fahrradtour in eine Nachbargemeinde unternommen. Ich möchte mich gerne schon aus gesundheitlichen Gründen, nur noch auf das Fahrrad als Fortbewegungsmittel beschränken, aber das ist hier gar nicht so einfach. 
Durch die Landschaft verlaufen tiefe Einschnitte, wie z.B. das Wurmtal, neben dem wir wohnen und selbst wenn man dieses ‚Loch‘ (wie die Anwohner es nennen) vermeidet, so sind ähnliche Täler bei jedem Bächlein vorhanden und machen mir das Bergauffahren (oder Schieben) gerade als Asthmatiker schwer.


Nach Alsdorf war die Strecke jedoch recht angenehm, es ging langsam und gemächlich nach unten, bis man die Talsohle und den Broicher Bach erreichte.
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Dieser wurde in verschiedenen gefälligen Weihern aufgestaut, um die sich die Gehege des Alsdorfer Tierparks gesellten. Eintritt bezahlt man nicht, dafür lässt man sein Geld am Futterautomaten, denn vom ‚aggressiven‘ Mufflonschaf-Widder (mit extra Warnschild) bis zur niedlichen Zwergziege, sind alle wahnsinnig hungrig :)
Die Stadt selbst ist eher schlicht, so wie auch die Gebäude in Würselen, wenngleich ein wenig städtischer. Eine typische Arbeiterstadt, in der das Geld sicher nicht zu Hause war.


Im Gegensatz zu Würselen versucht man in Alsdorf jedoch sehr viel stärker, die Bergbautraditionen im Gedächtnis zu behalten. Ein alter Förderturm der Grube Anna wurde nicht abgerissen, sondern steht unter Denkmalschutz und die riesigen Bergehalden hinter dem Annapark, geben der Stadt ohnehin ein unverwechselbares Aussehen.
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Langhaus - ehemalige Gasturbinenhalle, jetzt Kultur- und Bildungszentrum

Die Halde Anna I ist die älteste und höchste der Halden. An den Seiten ist sie mittlerweile stark bewachsen, im Innern sorgen eine Vielzahl an Schwelbränden für Probleme mit der Standsicherheit.

Vergessen werden soll auch nicht das größte Grubenunglück im Aachener Kohlerevier, denn 1930 starben bei einer Schlagwetterexplosion in der Grube Anna, 299 Menschen. 


Nach diesem Ausflug in die jüngere Vergangenheit und einem Besuch in der ‚Kohle‘-Bäckerei ging es weiter zum eigentlichen Ziel meines Ausflugs. 
In der Altstadt befindet sich nämlich eine kleine ehemalige Wasserburg, die heutzutage der Stadt gehört und in deren Park gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut wurde. 


Einst gehörte diese Burganlage samt Ländereien zum Herzogtum Brabant, was insofern erstaunlich ist, als alles in der Gegend sonst entweder ein Teil von Limburg oder Jülich war.
Im Gewölbekeller der Remise wurden im Jahre 1775, übrigens 12 der sog. Bockreiter gefangen gehalten und warteten auf ihre Verurteilung.
Bevor wir nach Aachen gezogen sind, habe ich nie etwas über die Folklore / Sagen der Bockreiter gehört, seitdem begegnet sie mir jedoch sehr häufig. Es ist eine Art der Hexenverfolgung: Menschen, die möglicherweise zu einer Diebesbande gehörten und deswegen beschuldigt wurden, nachts auf einem teuflischen Ziegenbock fliegend in die Gebäude ihrer Mitmenschen einzubrechen. 
Wie auch bei den Hexenverbrennungen wurden auf die Art in erster Linie unliebsame Nachbarn, Länderstreitigkeiten u.ä. ‚geregelt‘, insofern ist es schwer zu sagen, ob jemals eine Bande bestand oder Einzelpersonen zu den Bockreitern zusammengefasst wurden.
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Nach einem kleinen Rundgang durch den Burgpark und angrenzendem kleinem Friedhof, ging es dann für mich zurück nach Würselen. 
Noch lange Zeit im Blick hatte ich dabei die drei Bergehalden, bis ich sie hinter mir ließ. Diese unterstehen immer noch der Bergwerksaufsicht und dürfen daher nicht betreten werden.


Kommentare:

  1. Da habt ihr die Zeit auch noch gut genutzt. Ds sind sehr schöne Fotos, die mir etwas Erinnerung geben. In den späten 1980ern war ich mit meiner damaligen Lebensgefährtin Christina (+1997)Viel um Aachen, wo sie eine Verwandte hatte, und in der Eifel unterwegs. Je näher man zur Grenze kommt, etwa bei Herzogenrath, desto mehr verschwimmen nationale Eigenheiten bei den Menschen. Ihr habt euch eine gute Gegend zum leben ausgesucht.

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  2. Schön, also etwas nostalgisches für Dich :)
    Herzogenrath gefällt mir auch sehr gut/ es ist ja quasi eine Stadt zusammen mit Kerkrade auf der niederländischen Seite der Grenze. Es gibt jedoch ein finanzielles Gefälle zwischen den beiden Gemeinden, in Kerkrade ist alles in Ordnung, die Straßen neuwertig, es gibt Schnellstraßen für Fahrräder und man merkt wieviel Geld in den Strukturwandel der ehemaligen Bergbausiedlung hin zum Tourismus geflossen ist. In Herzogenrath gibt es dagegen höchstens mehr Supermärkte, in denen jedoch hauptsächlich die Belgier einkaufen. Allerdings verbindet der Bahnhof von Herzogenrath dann wiederum zur Schnellstrecke Amsterdam - Köln, während Aachen da eher etwas abgehängt ist. :)

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