13. Juli 2011

Lake George, NY


Ich komme derzeit zwar mit der zeitlichen Reihenfolge der Ausflüge durcheinander (die erste Woche mit tropischen Nächten macht mir wirklich zu schaffen), aber ich bin zuversichtlich bald auch über Ottawa und die folgenden Ausflüge in Vermont und New Hampshire berichten zu können und solange halte ich mich an den Ausflug vom letzten Wochenende an See und gleichnamige Stadt, Lake George, Staat New York.

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Wenn Lake Champlain auf der Landkarte wie eine dünne Nadel aussieht, die von Norden nach Süden reicht, so ist Lake George die nächst-südlichere, wenn auch leicht gekrümmte Nadel von einem See. Lake Champlain ist der größere See und mit dem weiten Champlain Tal herum, eignete es sich in früheren Zeiten perfekt für Besiedlung und Landwirtschaft.
Lake George hat kein solches Tal aufzuweisen und die Adirondack Berge ragen dramatisch von allen Seiten in den See hinein. Seit gut 150 Jahren ist das Gebiet Ferienort für genervte Großstädter und so kann man zumindest entlang des Seeufers wenig unberührte Natur entdecken, alles ist mit Bootshäusern, Hotels und Villen bebaut und nur kleinere Bereiche des Sees sind überhaupt öffentlich zugänglich.

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Unser Tag begann (zusammen mit den anderen teilnehmenden Mitgliedern der indischen Studentenvereinigung; wir waren 17 Personen) mit einer Fahrt ab 6:30 Uhr über die Dörfer, denn der Weg zum Highway führte über eine Fähre und da kann man an einem normalen Samstag in einem Urlaubsgebiet schon mal mit Staus rechnen. Manche unserer Fahrer glaubten damit aber dennoch schneller zu sein und so spaltete sich die Gruppe.
Wir erreichten pünktlich um 10:30 Uhr unseren Zielpunkt und begannen die Sighseeing-Tour auf dem Dampfboot „Mohican“ von 1907, die andere Gruppe war zu spät und machte eine kürzere Tour auf dem Schwesternschiff „Minne-Ha-Ha“ was soviel wie lachendes Wasser bedeutet.
Der Käpt’n erzählte uns die Geschichte aller Villen und Motels am Ufer und es ließen sich regelrecht Perioden und Besucher voneinander abgrenzen. In den 1920er Jahren kamen die Reichen aus Wirtschaft und Politik in ihre Sommervillen... diese wurden später verkauft und aus ihnen wurden häufig Motels mit ihren langen Reihen an ebenerdigen Zimmern mit Parkplatz davor in den 1960ern. Danach begann offenbar ein wenig der Niedergang von Lake George, bis zum Comeback Anfang der 1990er, seitdem mit Skihütten-Hotelbauten, wie man sie in vielen nordamerikanischen Bergregionen vorfindet. Das vorherrschende Dunkelbraun der neuen Camps und Hotels fügt sich aber recht harmonisch in die darüberliegenden Bergwälder ein.

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In der Mitte des Sees, so wurden wir vorher gewarnt ist es aufgrund irgendeiner Windkanal-Berg-Konstellation immer sehr kalt und windig und so waren wir froh, daß wir der Warnung folgend eine extra Jacke mitgebracht hatten, denn es wurde wirklich eisig. Wir beobachteten den Anfang einer Regatta und waren froh diesen Punkt alsbald verlassen zu können und durch die Inseln zu fahren. Einige der Inseln haben große Villen und sehen eher europäisch aus, aber die meisten sind einfache Campinginseln. Der Campingplatz wird vorher online bezahlt, wie man zur Insel kommt und zurück ist dann jedermanns eigenes Problem, dafür wird man aber mit einer spektakulären Aussicht belohnt und muß eher selten Bären im Camp befürchten.

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Nach der Bootstour trafen wir uns mit dem Rest der Gruppe in einem indischen Restaurant und danach trennten wir uns wieder. Ich habe immer meine Probleme mit großen Gruppen und dem Entscheidungsverhalten, endlosen Diskussionen über Punkt A zu B zu usw. deswegen war ich sehr froh, daß wir an diesem Tag nicht immer alle auf einem Fleck hockten. Eine Familie wollte ins Wachsmuseum und danach in einen Wasserpark, die meisten hatten bereits ein Hochseilgarten-Abenteuer geplannt und nur Anands und meine Rechnung lautete erst Stadt angucken und dann ab an den Strand.

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Natürlich wäre Anand ohne mich auch mit in den Hochseilgarten gefahren, aber selbst wenn ich gewollt hätte (was bedeuten würde, daß ich pro Person 47 $ für drei Stunden Klettern gut angelegt halte) so hätte ich nicht gedurft, denn die Firma schloß Menschen mit kürzlich gebrochenen Händen, Beinen, Füßen ausdrücklich von der Teilnahme aus.
So waren wir dann also alleine unterwegs und besichtigten die Stadt, die eigentlich keine war, sondern eine wilde Ansammlung von Motels, Minigolfanlagen (!) Restaurants und Bars und begaben uns danach an den Stadtstrand. Es gab noch einen weiteren Strand, der ein wenig Wandern erfordern würde, aber da zuviel Sonne faul macht, waren wir mit der Stadtstrand-Option sehr zufrieden (es war nur ein bißchen laut, da die meisten Bars Livemusiker beschäftigten, was sich zu einer Kakaphonie der unterschiedlichen Songs und Rythmen ausformte.) Das Wasser des Sees war wesentlich sauberer (und kälter) als von Lake Champlain und so kam ich zu meinem ersten Bad in diesem Jahr (am 9.Juli... ich war wahrscheinlich noch nie so spät dran...)
Während der Rest unserer Gruppe durch die Wälder turnte, bekam ich einen Sonnenbrand von zuvielem am Strand herumliegen und die Touristen begutachten. Die meisten schienen Stadtmenschen zu sein und hatten offenbar nicht viel Erfahrung mit Stränden und Seen. Aber sie schienen sich dennoch zu amüsieren. Ich stellte auch fest, daß nach Lake George jeder Hinz und Kunz in den Urlaub zu fahren schien, während Vermont wohl nur den reicheren, (weißen) älteren Anteil von Hinz und Kunz abzubekommen scheint.
Der frühe Abend verlangte alsbald nach einem Adirondack Bear Naked- Bier und einem Besuch in der ältesten Minigolfanlage der USA (von 1927 bzw. 1929) und wir verabschiedeten die ersten Gruppenmitglieder auf ihrer Heimfahrt. Mit den restlichen euphorischen Kletteren trafen wir uns in einem anderen indischen Restaurant zum Abendessen und dann ging es auf den späten Heimweg ins sommerheiße Vermont.


Das Picasa Album enthält viele Porträtfotos, die Anand gemacht hat... wahrscheinlich nicht so interessant, wenn man die Leute nicht kennt... aber es gibt auch genügend andere Bilder :) Link.

10. Juli 2011

Sonntagsblumen

In dieser Woche möchte ich einen blühenden Baum vorstellen: 


Catalpa speciosa (oder auch Prächtiger Trompetenbaum - nicht zu verwechseln mit der giftigen Engelstrompete.)
Der Baum ist eher in den südlichen Breiten der USA zu Hause und wurde früher vorallem für Bahnschwellen und Holzmasten verwendet, da er eine sehr geringe Anfälligkeit für Baumfäule aufweist. Leider führte diese Eigenschaft durch massive Fällungen zum Fast-Aussterben der Catalpawälder. Die Art konnte sich zwar erholen, aber da sie nur langsam wächst, gibt es derzeit kaum Bäume, die man holzwirtschaftlich nutzen könnte. Stattdessen machte der Baum als Parkbepflanzung Karriere und schaffte es so auch in die nördlichen Breiten des Landes.
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Ich bin mir nicht sicher, wie er die bitteren Winter übersteht, aber es scheint offenbar kein Problem zu sein und so kann man sich an zahlreichen Stellen in der Stadt an den großen Blättern erfreuen, die in der Sommerhitze Schatten spenden und den weißen Blüten, die ein wenig an Orchideen erinnern.

Mit ähnlichen Eigenschaften wie eine Rosskastanie, wäre dieser Baum vielleicht eine gute Idee um deutsche Biergärten zu bepflanzen und den Problemen der Miniermotte zu entgehen.

8. Juli 2011

Flashback Friday

Nachdem ich acht Tage lang mit Verreisen und Ankommen, Gäste haben und Ausflüge machen beschäftigt war, fällt es mir in dieser Woche schwer wieder in den gewohnten Rhythmus zu finden, auch wenn es nicht so richtig gewöhnlich wurde... der Montag war frei, zwei Tage war ich mit Wäsche, Saubermachen beschäftigt, außerdem brachte ich vier Plastiktüten voll Kleidung zum Second Hand Shop (was man dem Kleiderschrank kein bißchen ansehen kann), das Wetter ist so wie man es sich im Juli vorstellt, die Klimaanlagen surren mit den Grillen um die Wette und meine Nase ist verbrannt.
Gestern ging Anand gar nicht zur Arbeit, da an der Uni das Wasser abgestellt war und am Abend besuchten wir ein Freilicht-Konzert im Battery Park. Morgen geht es in großer (indischer) Gruppe an den Lake George, Staat New York ... ein bißchen fühlen wir uns derzeit als wenn wir im Sommer-Urlaub wären.


Wenn ich an Sommerurlaub denke, fällt mir immer dieser Ausflug auf die kleine, autolose Insel Hiddensee ein. Ich war zweimal auf Hiddensee (ja, Herr Kreibohm auch am Leuchtturm), das Bild stammt vom Urlaub mit der Familie... ein ebenfalls heißer Tag, den man nach kurzem Sightseeing in Vitte nur noch am Strand überstehen konnte. Dort fand ich einen großen, rötlich leuchtenden Bernstein :)

26. Juni 2011

Sonntagsblumen


Am letzten Sonntag habe ich hier Wildblumen und Wildkräuter versprochen und so war ich in dieser Woche unterwegs um unter vollem Körpereinsatz und in Kauf nehmen von Moskitostichen und Ameisenbissen im tiefen Gras liegend, die tollsten Wildblumen von unten oder im Gegenlicht zu fotografieren.
Wie immer stellte ich dabei fest, daß die meisten Wildblumen im Sommer gelb sind, während im Frühjahr noch die weißen Blüten mit Mini-Gelbanteil überwiegen. Gerade Klee und kleeähnliche Pflanzen brachten dann aber auch den rosa/violett Ausgleich im Wildblumenreich. 


Ich wundere mich noch, was für eine Pflanze das wohl ist. Als ich versucht habe es über google herauszubekommen (northeastern america, red wildflower, pink wildflower, dark pink wildflower vermont usw.) kamen nur Bilder von Mohn und Klee dabei heraus, möglich wäre eine Klematis-Unterart oder eine Beere. Es handelt sich jedenfalls nicht, wie ich erst vermutete um roten Trillium.

Indisches Leben in Burlington

Ich dachte, ich ergänze den vorherigen Artikel mit ein paar Bildern. Diese stammen vom indische Studentenvereinigung - Kennenlerntag im letzten Jahr am North Beach, einer Veranstaltung in Fort Ethan Allen und der Diwali Feier vom letzten Jahr, der größten Studentenveranstaltung, die die Universität jedes Jahr ausrichtet.

Nur weil sich alle anderen im Bikini in die Fluten stürzen, heißt das nicht, daß man sich selbst so schamlos in der Öffentlichkeit zeigen muss.

Wieviele Mädchen braucht man um ein Bhel Puri umzurühren?

Die Diwali Feier ist sicher ein besonderer Grund zum „Aufbretzeln“ :)

Es ist auch immer interessant, wenn Inder, die seit Jahrzehnten in den USA leben zu mir kommen und eine Eigenart amerikanischen Lebens von mir erklärt bekommen wollen... manchmal kann ich mich dann wirklich nur wundern. Ich bin weiß, ja... aber ich lebe in den USA seit weniger als einem Jahr und trotz meiner Hautfarbe, gibt es da durchaus gesellschaftliche und kulturelle Unterschiede zwischen Amerikanern und Deutschen.

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Heute haben Anand und ich Teile unseres sozialen Lebens getrennt. Zu den Veranstaltungen der indischen Studentenvereinigung geht er alleine, zu den Treffen des deutschen Stammtisches gehe ich alleine. Der Teufel liegt natürlich im Detail, denn während die Studentenveranstaltungen tagsüber bis früher Abend im Veranstaltungsraum des Studentendorfs Fort Ethan Allen stattfinden, werde ich nicht abends alleine durch die Innenstadt laufen können (und vor allem nicht durch Old North End) um von einem Stammtisch sicher nach Hause zurückkehren zu können. Was dazu führt, daß mein aber nicht sein gesellschaftliches Leben noch weiter eingeschränkt werden wird, was wiederum dazu führt, daß mir meine lieber Mann noch öfter vorwerfen wird, daß nur mein unsoziales Verhalten dazu führt, daß ich alleine bin.
Nun ja, aber diesmal habe ich ihm wirklich eine Steilvorlage geliefert. Die Studententreffen waren einfach schon seit langem untragbar geworden. Ich habe es oft genug versucht, aber in großen Gruppen, getrennt nach Männern und Frauen sich häufig nur in hindi bzw. bengali unterhaltend, kann ich mich nicht wohl fühlen. Selbst wenn die Unterhaltungen in englisch geführt werden, dann drehen sie sich um die Universität - ich bin nicht bei UVM, die Laborbedingungen - ich arbeite nicht im Labor, das Leben im Studentendorf - ich wohne dort nicht, was bedingt, daß man sich vielleicht fünf Minuten über das Wetter und meine Katzen unterhalten kann und dann sitze ich wieder alleine herum und in einer großen Gruppe alleine zu sein, tut weh. Es geht nicht um die Menschen dort, es sind sicher liebe nette Leute, aber ich finde auf solchen Festen keine Möglichkeit mit ihnen irgendeine Gemeinsamkeiten zu entdecken und privat trifft man sich eben nicht, denn zwischen Studentendorf und Innenstadt liegt eine halbstündige Busfahrt und ein Busplan der am Samstag mit einer Handvoll Bussen aufwartet (Samstag ist quasi ein normaler Arbeitstag in den Laboren) und am Sonntag gibt es gar keinen öffentlichen Busverkehr... gegenseitige Wochenendbesuche erübrigen sich da fast immer.
In der Vergangenheit habe ich das zwar völlig verstimmte, aber funktionsfähige Klavier im Veranstaltungsraum gespielt, seit meine Hand gebrochen war, habe ich die in einer Ecke gestapelten Kinderbücher gelesen. Vor kurzem las ich das letzte der Bücher, seitdem wusste ich gar nichts mehr mit mir anzufangen. Aufgeben schien meine einzig vernünftige Alternative. Anand hatte dagegen beim ersten deutschen Stammtisch Besuch eine schlechte Erfahrung gemacht, was sich in Folgebesuchen nie wiederholte, im Gegenteil er fand es jeweils besser als zuvor und dennoch kommt er dorthin mit mürrischem Gesichtsausdruck und verschränkten Armen, was besagt, ihr wollt mich hier sowieso nicht, also wagt es ja nicht mich anzusprechen und griff natürlich nach der ersten Möglichkeit sich der unliebsamen Pflicht in irgendeiner Weise mit der Sprache und Traditionen seiner Frau verbunden sein zu müssen, zu entledigen. Ich weiß natürlich auch, daß es keinen Sinn macht jemanden zu etwas zu zwingen, was er nicht will, ich fand es nur ein bißchen unverhältnismäßig, daß er zu dieser Entscheidung nach drei Besuchen kommt, während ich es immerhin schon seit fast einem Jahr mit der Studentengruppe versuche...
Doch in letzter Zeit hatten wir soviele Probleme und Mißverständnisse miteinander, daß ich nicht die Kraft habe bei jedem neuen überhaupt noch zu kämpfen, ich möchte einfach nur noch in Ruhe gelassen werden und ich hoffe sehr, daß mir der Besuch in Ottawa die dringend benötigte Verschnaufspause geben wird und danach geht es hoffentlich mit neuer Geduld, Mut und guter Laune zurück in unser verrücktes, multikulturelles Leben in einer ignoranten amerikanischen Kleinstadt.

25. Juni 2011

Licht aus


Am frühen Morgen erwachte ich und hörte ... gar nichts. Das normale Surren des Kühlschranks fehlte, die leisen Radiogeräusche des Frühaufsteher-Nachbarn über uns... nichts. Ich versuchte auf die Uhr zu sehen, aber der Radiowecker war dunkel, Licht ging nicht an. Stromausfall. Während Anand sich schlaftrunken daran versuchte zu erinnern, ob wir möglicherweise vergessen haben die Rechnung zu bezahlen (und dabei wieder einschlief), öffnete ich lieber das Fenster damit die Katzen mit der Vogelbeobachtung beschäftigt sind und legte mich auch wieder hin. 
Was soll man auch sonst tun? 
Duschen ohne warmes Wasser? Einen Tee trinken ohne Wasserkocher? Die Laptop-Batterie leer machen, jedoch ohne im Internet zu sein, denn der Reciever war natürlich auch tot. Telefonieren, Kochen, was immer im Kühlschrank verderben kann, Bügeln, Staubsaugen, ja sogar Lesen ist schwierig an einem regnerischen grauen Tag... manchmal ist es schon erstaunlich, wie die Menschheit in gerade einmal 100 Jahren dermaßen von einer Energieart abhängig werden konnte. 
Es ist fast genauso erstaunlich, wie wenig wir auf einen solchen Fall eingestellt sind und das in einem Land, in dem Stromausfälle wesentlich häufiger vorkommen als in Deutschland. Wir haben weder Propankocher noch Taschenlampe im Haus, von einer in Indien so üblichen Backup-Batterie (eine Art Autobatterie, die automatisch aufgeladen wird wenn Strom da ist und bei Stromabschaltung zumindest notwendige Haushaltsgeräte für ein paar Stunden betreiben kann, bis der Strom wiederkommt) braucht man gar nicht erst zu reden.
Während ich also hin und her überlegte (wenn man erstmal wach ist... ) und mit immer absurderen Methoden spielte, wie ich meiner Koffeinabhängigkeit Genüge tuen kann um mit Kerze und Topf bzw. einem kleinen Feuerchen vor der Haustür zum morgendlichen Tee zu kommen, gab ich den Gedanken an Restschlaf entgültig auf und beschloß eine Regenpause wenigstens zum Katzenspaziergang zu nutzen. Kaum schlüpfte ich etwas grimmig und unkonzentriert (ein paar der üblichen Entzugserscheinungen der legalen psychogenen Droge Koffein) in Schuhe und Pullover ging mit lautem Brrrrrmmm was in leises Surren überging, der Kühlschrank wieder an, der Radiowecker begann wild zu blinken, das Telefon verlangte neue Datumseinstellungen und die Internetbox strahlte wieder ihr beruhigendes gelbes Licht aus und für einen Augenblick hatte ich das Gefühl nicht mehr verloren zu sein... aber nein, halten wir uns an die Fakten: Der Strom war wieder da.
Ich hatte es den Katzen jedoch bereits versprochen, Linus stand schon an der Tür. Also gab es nur ein paar Stückchen dunkler Schokolade (86 % Kakao, das enthält, ja genau Koffein) und auf ging es nach draußen. Wochenend-Morgen sind die schönsten im Katzenland, denn dann sind nur sehr wenig Autos unterwegs, die den Frieden im Hinterhof stören könnten. Nach einiger Zeit begann es wieder zu regnen, Linus und Shweta machten demnach wenig Anstalten das Ende ihres Freigangs zu hinterfragen und liefen eilig mit mir zurück zum trockenen Flur, in die Wohnung wo dann alsbald der erste, frische, warme Tee des Tages auf mich wartete. Hmm, ... jetzt bin ich richtig da.

P.S. Bei einer kürzlichen Studie wollten Forscher wissen, ob man auch bei Koffein bewußtseinsverändernde Situationen erleben kann, nicht im Sinne von rosa LSD-Elefanten... aber vielleicht die kleinere Version davon rosa Mücken oder so. Sie stellten Menschen in einen Raum, die sich unterhalten sollten und fragten sie danach, was im Hintergrund für Musik lief. Während die Gruppe ohne Koffein problemlos erkannte, daß im Hintergrund gar keine Musik lief, konnten manche Mitglieder der Koffeingruppe nicht nur sagen welche Lieder liefen, sondern sogar zu welchen Zeiten sie begannen und endeten... und all das obwohl wie im ersten Fall, gar keine Musik im Hintergrund zu hören war.
Also traue deinen Ohren nicht, wenn du gerade schon „high auf Kaffee“ bist... ;)

24. Juni 2011

Flashback Friday


Heute habe ich ein altes schwarz-weiß Foto herausgekramt, was wohl nur unzureichend die Farben-und Musterexplosion zeigen kann, die in den auslaufenden 70er, beginnenden 80ern noch Gang und Gebe waren. Raufasertapeten waren noch nicht schick, Bettwäsche für Mädchen mussten nicht zwangsläufig Barbies Schloß oder Prinzessin Lillifee Aufdrucke haben und Kassettenrekorder sahen noch genau danach aus, kantig, funktionell und hoffentlich mit den Traumzauberbaum-Liedern bestückt.
Die Tapete war soweit ich mich daran erinnern kann orange-braun, die Bettwäsche rot-weiß, das Radio grau und der Schlafanzug mit den Bremer Stadtmusikanten wohl auch nicht nur einfarbig... was für eine bunte Welt. Ich bezweifle nur, daß ich bereits in der Lage war den Humor eines Henry Büttner „Der Mann mit dem runden Hut“ verstehen zu können... aber macht nichts, Bilderbuch bleibt Bilderbuch.

23. Juni 2011

Wunschbild

Heute haben wir erfahren, daß ab nächster Woche ein Sprinklersystem im Haus installiert werden wird. 
Zur Vorbereitung dessen wurde schon einmal ein Loch in unserem Schlafzimmer in die daruntergelegene Küche der 3-Mädchen WG gebohrt und ab 28. Juni werden überall Rohre und Sprinklerköpfe installiert. Hurra! Der Bauleiter versicherte uns sofort, daß die vielen Rohre kein bißchen den Raumeindruck stören würden, nein woher auch... aber richtigerweise merkte er auch an, daß so ein System natürlich das Leben in einem alten Haus sehr viel sicherer macht. In Zukunft muss man sich bei einem ausbrechenden Feuer nicht mehr darum sorgen ob man es noch lebend nach draußen schafft, sondern nur noch ob der Wasserschaden wirklich die gesamte Technik vernichtet hat. 
Ungünstigerweise bin ich nächste Woche jedoch in Ottawa und so wird es wohl an Anand liegen an manchen Tagen zumindest halbtäglich aufzupassen, daß die Katzen bei all dem Bohren, Hämmern und in der Wohnung arbeitender Handwerker nicht völlig in Panik geraten.


Einer Leseranfrage folgend habe ich mich am Wochenende an ein Bild von unserer 96jährigen (oder 94?) Nachbarin Doris gewagt. 
Ich dachte mir schon, daß sie einer direkten Foto-Anfrage eher ablehnend gegenüber stehen würde und so habe ich sie quasi „zufällig“ aufgenommen, als sie Anand gerade eine neue Aufgabe erteilte. Er sollte die Weinranken entfernen, so daß man mehr von dem häßlichen Zaun dahinter sehen kann, die Katzen einfacher durch die Zaunlöcher in Nachbars Garten entwischen können und laut Doris dann alles „ordentlich“ aussieht. 
Ich hatte diese Arbeit davor verweigert und konnte spontan kein englisch mehr sprechen bzw. verstehen, genauso stur verhielt ich mich gegenüber ihrem Befehl die Pfefferminze, die die Mädchen von unten gepflanzt hatten und die wirklich niemanden stört, wieder zu entfernen. Anand hatte an diesem Tag mehr Geduld mit ihr als ich und entfernte zumindest die Hälfte von Wein und Minze... als Kompromiss. Doris war damit zwar nicht zufrieden, ließ es aber durchgehen. Er fand außerdem meine Hinterhalt-Fotografie ziemlich fies und fragte sie direkt nach einem Foto. Wie bereits gedacht lehnte sie das jedoch rundheraus ab. 
Auch wenn es mitunter schwierig mit ihr ist, ihre Tarzan-ähnlichen: Juhuhuhuuuhuuu, Dorocia, are you there?-Rufe den Frieden im Hinterhof stören können, eigentlich bewundern wir sie ja (widerwillig). In dem Alter und nach einem schweren Sturz ist sie dennoch nicht kleinzukriegen, sie trainiert jeden Tag die Treppen auf und ab zu laufen, dafür hat sie gerade neue Turnschuhe gekauft (für 30$ ein Skandal diese Preise), sie ist sehr am Weltgeschehen und Wetterbericht interessiert und kennt die Namen und Lebensgeschichten aller umliegend wohnenden Nachbarn.


Erfreulicherweise kann Gutes aus dem Hinterhof berichtet werden. Der schwerst drogenabhängige Obdachlose konnte aus seiner gemütlichen Hausecke neben dem Parkplatz vertrieben werden. Nachdem Polizei, Vermieter und Sozialarbeiter erfolglos blieben, schaffte es letzlich ein anderer Obdachloser ihn mit Drohungen zu vertreiben. Er meinte zu uns, er hätte nur gesagt, daß er des anderen Gepäck in die Mülltonne werfen würde. So ganz nehmen wir es ihm nicht ab, aber es wirkte jedenfalls und außer Shweta findet das wohl auch niemand so richtig bedauerlich. Er wohnt jetzt wieder im Park neben der Kirche, dort wird ihn niemand vertreiben.


Außerdem nähern sich Rex und Linus immer mehr an. Wenn Rex die weißen Katzen im Hinterhof sieht, kommt er jedenfalls fröhlich seinen Baum hinuntergestiefelt und setzt sich zu Linus ins Gras. Nur mit Shweta gibt es immer noch Kommunikations-Schwierigkeiten.
Weniger erfreulich ist dagegen, daß der Klavierlehrer aus seinem kleinen Haus sofort ausziehen muss. Eine der tragenden Außenwände ist instabil und kann jeden Augenblick zusammenfallen. Der Vermieter nutzte die Möglichkeit sich des unliebsamen Mieters (laut, mit zumüllenden Eigenschaften, männlich) zu entledigen und nach der Reparatur des kleinen Hauses werden dort sicher - so wie in allen anderen Wohnungen - junge Mädchen einziehen.

21. Juni 2011

Wochenbilder

Wir hatten ein wunderschönes Wochenende voller Sonnenschein und guten Wetters, seit Montag hat sich bei mir jedoch eine leichte Sonnenmüdigkeit eingeschlichen. Soll ich wirklich jeden Tag in die Innenstadt gehen um mir die fröhlich-lärmenden Touristen anzusehen, soll ich stundenlang auf einem Stein am Seeufer sitzen und mir das Wasser ansehen in das ich nicht gehen darf ... ich weiß es nicht... Ein bißchen Unwillen ist schon dabei, wenn man neben einem großen See wohnt, das Wetter traumhaft ist und dennoch niemandem anzuraten ist Abkühlung im See zu suchen. Die Strände sind immer noch geschlossen und auch wenn die Wasserqualität trotz des hohen Phosphorgehaltes als unbedenklich eingestuft wurde, so macht die Masse an im Wasser schwimmenden Holz, Dreck und sonstigen Überflutungsmüll nicht wirklich Lust darauf es einfach trotzdem einmal zu versuchen und Alternativen sind rar. 

Nun denn, auf zu den Wochenbildern:

Den Anfang macht diese türkise Ei-Schale (Robin blue) die von der amerikanischen Wanderdrossel stammt. So und weit weg von irgendwelchen Bäumen habe ich es neben dem Fahrradweg liegend gefunden. Die Elternvögel haben offenbar viel Anstrengung darin investiert die Schalen weit fortzuschaffen. 

Ein Müllkontainer macht Werbung für die Brustkrebskampagne... ein besseres Bild kann man wohl gar nicht finden für diesen seit 30 Jahren andauernden Betrug in dem jedes Jahr Gelder in Milliardenhöhe gesammelt werden um in diversen Organisationsstrukturen zu versickern, welche mit Sicherheit nicht die Forschungsinstitute erreichen. Das hindert niemanden daran jedes Jahr mit viel Begeisterung bei Brustkrebsmärschen und Veranstaltungen überteuerte rosa Bleistifte, Schleifen und Teddies zu (ver)kaufen. Die Masche mit der Angst der Menschen Geld zu machen, funktioniert wie immer glänzend.(Ich war zu faul nach vernünftigen Links zu suchen... einfach in Google eingeben: breast cancer awareness scam und staunen...)

Ein Autoaufkleber, dem ich zwar zustimme aber keine Taten folgen ließ. Wir haben gar keinen Fernseher :D

Diese interessante Wandlampe befindet sich in einem meiner Lieblingsrestaurants, dem Sweetwaters in Burlington, egal ob Muschelsuppe, Lachs-Salat oder auch die einzigen Leute die Fleisch tatsächlich well-done servieren können, wenn man es so verlangt... all das ist in diesem Restaurant möglich. Und die Inneneinrichtung stimmt auch.

Ich überlege noch, wie dieses Bild zu verstehen ist. Spende ein Pint (Blut) und bekomme ein Pint... Blut oder Bier, Milch, Wasser?

Der Sommer läßt überall die Treppengärten sprießen.

Das Haus mit den meisten hängenden (Herren-)Schuhen auf der Stromleitung.

Spontane Selbsthilfe: Weil der Einkaufwagen zwar immerhin rollte, aber zwei lose Metallstäbe schepperten wie verrückt, umwickelte ich beide sorgfältig mit Plastiktüten. Meine Ohren dankten es mir und der nächste Kunde freut sich hoffentlich auch.

Und letztendlich: Ich bin offenbar nicht die Einzige, die Blumendiebstahl im Vorgarten zu beklagen hat.

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