3. Dezember 2009

Quebec- Ankunft


Wie auch schon nach Toronto, fuhren wir nach Quebec-Stadt mit dem Zug. Das hatte viele Vorteile, denn Zugfahren ist sehr bequem, wir hatten im Sommer die Streik bedingten 60 % reduzierten Tickets gekauft und man hat immer den Vorteil, dass Getränke und Snacks wie im Flugzeug direkt am Platz gekauft und verbracht werden.
Es hatte jedoch auch den Nachteil, dass man von Ottawa aus eine Stunde Wartezeit in Montreal in Kauf nehmen muss.




So kamen wir nach ca. sieben Stunden Fahrt durch kanadische Landschaften, vorbei an einzeln stehenden Farmen, Bergen und Wäldern im Hauptbahnhof von Quebec an.


Es dämmerte bereits und da der Stadtplan etwas von den eigentlichen Straßenverläufen abwich, dauerte es eine Weile, bis wir „unsere“ Straße fanden. Aber dann war alles kein Problem mehr und nach 15 Minuten erreichten wir das Hotel „Royal William“ unser Zuhause für zwei Nächte. Das Hotel war modern eingerichtet, was eines der Gründe war, warum Anand dieses ausgesucht hatte, denn der Historismus aller anderen Hotels, kam ihm doch etwas übertrieben vor. Unsere Zimmer war sehr groß und vorallem hoch und war für dessen Größe eher spärlich eingerichtet – modern eben.

Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf zu einem Rundgang um einen ersten Eindruck von der Stadt zu gewinnen. Wir liefen durch die Nachbarstraße St.Joseph und sahen die In-Kneipen des neuen Trendviertels um den Universitätsplatz, sahen in der gläsernen Bäckerei den Bäckern bei der Arbeit zu und wunderten uns über die hohe Anzahl an marrokanischen Restaurants, Cafés und Lebensmittelläden. Bald erreichten wir die Innenstadt und entschieden uns, nicht in die Oberstadt zu steigen, sondern die Straßen entlang des Hafens entlangzugehen. Die Häuser wurden historisch, die Restaurants - zwischen all den Antiquitätengeschäften – teuer und die Straßen waren leer.
Es gab nicht sehr viel Beleuchtung in diesem Teil der Altstadt und nach einiger Zeit waren wir (ich) es leid auf stockdunklen Straßen ins Nirgendwo zu stapfen. Auch wenn man die sieben Stunden im Zug nur gesessen hatte, war man doch erschöpft und sicher es war erst einige Zeit nach 6 Uhr, aber an diesem Tag würden wir schlichtweg nichts mehr erreichen und so kehrten wir um.
Bald erreichten wir wieder belebtere Straßen und erfreuten uns an den Verkehrregelungen... wenn irgendjemand die Ampeln in Quebec versteht, dann bitte bei mir melden, ich habe den Sinn, wann man als Fußgänger gehen kann, wenn man grün hat in drei Tagen nicht verstanden. Hin und wieder gab es „Weiß“-Phasen, das bedeutete, dass für alle Autos in alle Richtungen Rot war, was für Fußgänger den Vorteil hatte, dass man die Kreuzung „kreuzend“ überqueren konnte (ein langegehegter Kindheittraum von mir wurde dadurch wahr). Aber das passierte nur alle 5-10 Minuten einmal und wenn man einfach nur grün hat, dann können Autos trotzdem fahren – und das tun sie auch, denn Autofahrer in Quebec sind verrückt. Wie sie die Straßen der Altstadt hoch und runter schießen, sich ‚französisch’ in Parklücken mit kleinen Auffahrunfällen hineinschupsen, all das hat sicher seinen ganz eigenen ‚authentischen’ Reiz, aber die Unfallzahlen der Stadt möchte ich gar nicht wissen und ich hatte auch nicht vor Teil deren Statistik zu werden.
Wir beobachteten z.B. auch, wie die Polizei auf den Bürgersteig fuhr, sich die Polizisten Kaffee holten und dann auf dem Rückweg auf der Gegenfahrbahn ein anderes Fahrzeug zum Ausweichen zwangen und erst später mit einem eleganten Schlenker wieder auf ihre Spur wechselten... das alles natürlich bei entsprechendem Tempo.

Wir fanden eine kleine Kneipe, den Edward-Pub, der mit 100 Biersorten aus aller Welt warb und ausserdem einen lustlosen Sänger mit nicht störender Lifemusik beschäftigte. (Ich wusste bisher nicht, daß „Born in the USA“ und „Like a Rolling Stone“ auch als Schlaflieder gesungen werden können.) Von den 100 Biersorten kamen 70 aus Belgien, 10 aus Quebec, immerhin 5 aus Deutschland und die verbleibenden Biere verteilten sich irgendwie auf den Rest der Welt. Aber das Essen war in Ordnung und so kehrten wir nach einiger Zeit mit der wohl langsamsten jemals gespielten Version von Neil Youngs „Like a hurricane“ (und der Original-Song ist ja schon langsam) in unseren Ohren, zurück zum Hotel.
Dort erfuhren wir zum ersten Mal, was sich nun nach jedem Verlassen des Zimmers wiederholen sollte, dass die Magnetkarten zum Öffnen des Raumes nicht mehr funktionierten. Wir konnten es uns während unseres Aufenthaltes nicht erklären, die Karten wurden einzeln als auch zusammen aufbewahrt, nicht neben anderen Magnetkarten, in der Innentasche der Jacke um nicht kalt zu werden, dennoch war die Information auf beiden Karte jedes Mal gelöscht. Also hieß es, nochmals aus dem vierten Stock, zurück zur Rezeption zu gehen, die Information neu aufgespielt zu bekommen um die Tür öffnen zu können und dann jedes Mal mit bangem Herzen erleichtert aufzuatmen: Ja, die Tür ist offen. (Technik, die begeistert.)
Und so endete mit dem freudigen Ereignis unsere Hotelzimmertür geöffnet bekommen zu haben, Tag Eins.


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