9. Dezember 2009

Quebec-City I


Dieser Artikel ist zweigeteilt. Am Zweiten schreibe ich gerade, aber da alles schon wieder so lang wurde, dachte ich, dass es sinnvoll wäre, ihn zu unterteilen.
Ausserdem möchte ich noch einmal offiziell mitteilen, dass in und um unser Haus an den Telefonleitungen gearbeitet wird. Ich hatte gehofft, sie hören mit dem Wintereinbruch auf, aber es ist wohl noch nicht kalt genug.
Es kann also nachwievor passieren, dass wir kein Internet oder Kabelfernsehen haben, kein Freizeichen beim Telefonieren ertönt oder wenn uns jemand versucht zu erreichen, sich sofort der Anrufbeantworter von unserem Telefonanbieter einschaltet. Ich weiß leider nicht, wann die Bauarbeiten beendet werden und bitte die Störungen, die meist an meinem Morgen und damit zur Hauptanrufzeit nach Deutschland liegen, zu entschuldigen.
Und nun, zurück nach Quebec-Stadt:
Der erste Morgen in Quebec, nach einer eiskalten Nacht dank der nichtregulierbaren Klimaanlage begann mit der Erkenntnis, dass die Lampen in unserem Zimmer gemeingefährlich sind. Denn die Fassungen befanden sich herausgebrochen mit offenen Metalldrähten seitlich hängend in den Lampenschirmen. Da sich die Einschaltschrauben direkt neben den Fassungen befanden, musste man aufpassen, dass man nicht eine „gewischt“ bekam. Aber sie funktionierten, was man vom Lüfter im Bad nicht behaupten konnte, denn es gab keinen. So verwandelten sich Zimmer und Bad nach dem Duschen in ein kleines Dampfbad, was immerhin die Raumtemperatur etwas anhob. Dem Dampf konnten wir jedoch keine Abhilfe verschaffen, da die Fenster nicht zu Öffnen waren. Aber wir wollten den Tag nicht im Hotelzimmer verbringen und draußen herrschte strahlender, kalter Sonnenschein. Nach einem mehr als reichhaltigem amerikanischen Frühstück mit Rührei, Toast und Würstchen begannen wir unsere Erkundungstour.



Zuerst ging es in gewundenen Straßen hinauf in die Oberstadt innerhalb des Stadtmauerringes. Wir bewunderten die doppelten Mauern mit bis zu anderthalb Meter Durchmesser, sahen auf die Unterstadt und den Hafen hinunter und erfreuten uns sogar an all der Graffitti, die die historischen Mauern verunziert, denn es gibt keine Graffittis in Ottawa. „Ich liebe das Leben“ konnte man dort lesen und „Tod allen Menschen, die Angst vor Homosexuellen haben“ zur Verdeutlichung dieser Meinung, wurde das Ganze mit einer Reihe fliegender männlicher Geschlechtsorgane geschmückt. Entlang der Stadtmauer erreichten wir den Artilleriepark: Einem alten Militärstützpunkt, der Franzosen, Briten und Kanadier beherbergte und heute Teil des Weltkulturerbe ist. Dessen Kasernengebäude haben bisher keine neue Nutzung gefunden, weswegen sie leerstehen.
Der Park ist geschmückt mit einer großen Anzahl an Kanonen und einem weiteren schönen Ausblick auf die Stadt. Ein Gebäude mit riesigen Mauern hielt ich erst fälschlicherweise für eine Kirche, aber die Mauern waren nur so hoch um das Gefälle auszugleichen, es handelte sich stattdessen um das ehemalige Offiziersgebäude. Ausserdem schliefen noch einige Obdachlose in dem Park, während andere bereits ihre Schlafsäcke zusammengerollt hatte und sich mit der Morgentoilette beschäftigten (in der Nacht herrschten ca. – 5°C.)
Neben dem Park befand sich ein kleines Hotel mit wehender Regenbogenfahne, was die Hälfte der Graffitti an der Stadtmauer erklärte, sowie ein keltisches Kreuz, das als Geschenk aus Irland an die Hungerkatastrophe in den 1860ern erinnerte, als Millionen Iren verhungerten. Damals wurden irische Waisen von Quebecer Familien adoptiert.
Nun liefen wir weiter bergan, erreichten bald darauf die Hauptstraße Saint-Jean und erfreuten uns an dem historischen Straßenbild der französischen Stadt, deren strenge Gestaltungsrichtlinien selbst McDonalds zwangen statt dess üblichen Logos mit einem dezenten grün-goldenen Schild zu werben.


Auf dem Rathausplatz besuchten wir den Weihnachtsladen, der 365 Tage im Jahr Weihnachten feiert... aber das Angebot unterschied sich nicht von ähnlichen Plastikdekorationen in Ottawa, es war nur teurer. (Merke: Europäische Kulisse macht kein europäisches Angebot!)



Unsere Tour ging weiter, wir erreichten das historische Luxux-Hotel Chateau Frontenac, dessen Kulisse die Stadt beherrscht und überragt, machten die üblichen und erwarteten Fotos des „meistfotografierten“ Hotels der Welt... sahen über den St.Lorenz-Strom hin zum Stadtteil Lévis, in dem eine Vielzahl an Appartmentblocks darauf hinwies, dass dort offenbar mehr Quebecer Familien wohnten, als in Quebec und stiegen die Stufen zur Zitadelle und dem Schlachtfeld „Abraham’s Ebene“ hinauf .


Auf dieser Hochebene wurden die Quebecer 1759 in einer der vielen Schlachten mit den Engländern vernichtend geschlagen. Die Zitadelle ist bis zum heutigen Tag Militärstützpunkt und beherbergt auch die Sommerresidenz des Governor General von Kanada.. aber da Wachablösung, Regimentsshow usw. nur im Sommer stattfanden, sahen wir davon ab, die Zitadelle zu besichtigen. Es war nicht nur teuer, sondern da es ein Militärareal ist, darf man sich auch nicht ohne Führer irgendwo hinbegeben und das kam mir sehr umständlich vor.


Nach diesem Ausflug auf die Hochebene über der Stadt kehrten wir zurück zum Chateau Frontenac und fuhren mit der Zahnradbahn aus dem Jahre 1879 in die „Unterstadt“ am Hafen. Die untere Station der Zahnradbahn befindet sich in dem historischen Geburts- und Sterbehaus von Louis Jolliet (1645-1700). Monsier Jolliet war Pelzhändler und Entdecker und befuhr sowie kartographierte als erster Europäer den Mississippi, bis er in die Nähe der spanischen Kolonien am Golf von Mexiko kam. Da er wusste, dass Spanier mit anderen Europäern meist kurzen Prozeß machten um ihre Besitzansprüche auf Amerika zu sichern, kehrte er daraufhin zurück nach Quebec. Seine Karten bewirkten später, dass er als erster Quebecer in den amerikanischen Geschichtsbüchern auftauchte.
Die Unterstadt (Basse-ville) ist die eigentliche historische Stadt Quebec (Kebek bedeutet in Algonkin-Sprache: Engpass, da der St. Lorenz Strom dort schmaler ist) und damit auch der Geburtsplatz von Französisch-Amerika. Denn es war dort auf dem heutigen Place Royale, dass Samuel de Champlain im Jahre 1608 beschloss, nicht nur einen Handelstützpunkt zu errichten (so wie Jaques Cartier es bereits 1535 an gleicher Stelle tat) sondern eine feste Siedlung für die francophone Bevölkerung Nordamerikas. Dazu befestigte er das von Irokesen verlassene Dorf Stadacona und durch ein Missverständnis bestimmte er auch gleich den Namen „Kanada“ für die Region, denn als er die Eingeborenen fragte: Was ist das?.. dachten sie, er meint ihr Dorf. Den Namen für das Dorf wollte er nicht wissen.. er fragt weiter.. was ist das? Deswegen antworteten sie: „Kanata“...Dorf in Algonkin.


Im Jahre 1665 bestand die Stadt bereits aus 70 Häusern mit 550 Einwohnern, von denen 140 einem der katholischen Orden, der Jesuiten, Ursulinen oder dem Hotel-Dieu angehörten. Nachdem die Holzbauten 1687 einem verherrenden Feuer zum Opfer fielen, wurden in der Folgezeit nur noch Steinbauten errichtet und das erste steinerne Gebäude war die Notre-Dame-des-Victoires-Kirche an der Westseite des Place Royale.
In der Unterstadt waren die Straßen eng und gewunden und eine Vielzahl an kleinen Geschäften und Galerien versuchte die zahlreichen Touristen zum Kauf zu verlocken. Wir machten einen kleinen Rundgang durch die Straßen, waren im Ahornsirupladen, sahen uns das Wandgemälde am Ende der Rue du Petit-Champlain an und besichtigten die einzige Sackgasse, die Sackgasse heißt.


Dann zwang uns der einsetzende Regen sowie die leere Batterie meiner Fotokamera zur Rückkehr zum Hotel und damit zum Ladegerät... unserer Rückweg führte über das Hafengelände, entlang des ultramodernen Museums für Zivilsation und dann hatten wir unsere Pause im Hotel wohlverdient, denn wir hatten in fünf Stunden ‚laufend’ die Stadt erkundet und meine Füße wollte einfach nur ihre Ruhe.

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