26. Mai 2012

Graduation


Am Sonntag musste Herr A. für ein paar Stunden arbeiten und so beschloss ich ihn zu begleiten, um ebenfalls zu arbeiten (massenweise Fotos sortieren) und dann könnten wir sofort zum Strand weiterlaufen.
An dem Tag fanden auch die größten Abschlußveranstaltungen der Universität statt und so wollte ich mir jede Menge schwarz gewandete Gestalten ansehen. Schon die ganze Woche lang fanden kleinere Abschluß-Zeremonien statt, doch an diesem Sonntag stand die Graduation der großen Masse der Bachelor und Masterstudiengänge der größten Colleges an. Nach alphabetischer Reihenfolge waren die Leute entweder am Morgen oder am frühen Nachmittag an der Reihe, während Religionswissenschaften in der Kapelle verabschiedet wurden; und die Mediziner nein, nicht im Krankenhaus waren in der Sporthalle untergebracht.

Die eigentliche Veranstaltung konnte ich mir nur aus weiter Ferne ansehen, da sie jeweils weiträumig abgesperrt wurde (okay, ich hätte mich wahrscheinlich einschmuggeln können), aber alles drumherum war ausreichend und die Lautsprecher-Durchsagen auf denen die jeweiligen Namen verlesen wurden, waren selbst in A.s Büro noch zu hören.

Diese beiden Bilder hat Anand vom vorgelagerten Dach seines Instituts gemacht... ich konnte gar nicht hinsehen, wie nahe er am Rand stand, denn auf dem Dach befinden sich kleine Kieselsteine als Abdeckung... perfekt um ins Rutschen zu kommen :o
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Für viele Leute war das Ende des Masterstudiengangs die vierte Graduation ihres Lebens, die erste kommt nach Beendiung der Junior High, dann High School, Bachelor und letzlich Master ... sie waren also Polyesterumhänge tragen und in der Sonne schwitzen schon gewohnt.
Einige kamen sogar gar nicht, denn Umhang mit Schärpe und viele weitere Einzelschritte der Zeremonie kosten Geld, sehr viel Geld und sind eindeutig die letzte Möglichkeit, wie die Universitäten Geld mit ihren Studenten (und der Sentimentalität ihrer Eltern) machen können - und Verweigerung ist cool. Den eigentlichen Abschluß bekommt man auf der Bühne eh nicht in die Hand gedrückt, sondern nur das leere Heft - danach musste man zum Universitätstheater laufen um sich sein jeweiliges Abschlußzertifikat abzuholen.


Vor eben diesem Theater standen wir dann auch mit Madalina, denn sie wollte die Physik Studenten fotografieren und zum Theater mussten eben alle irgendwann kommen.

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In der Masse der schwarzen Umhänge fielen eine wenige Umhänge mit schwarzem Samtstreifen auf, das waren die Doktoranden, sie bekamen außerdem die Universitätskapuze zum Umhang (sie müssen diese nicht bezahlen). Der nächste Schritt ist das Professorengewand - dieses besteht aus einem schwarzen Umhang und darüber getragenem farbigen (tagelang in der Sonne ... in zwei Umhängen *schauder*) wird von der Universität gestellt an der man tätig ist, hat aber die Farben der Uni an der man seinen Doktor gemacht hat.
So sah man die Professoren als mittelalterliche Gestalten über den Campus streifen mit blau-orangenen Samtmänteln, oder Rot-Grauen, oder Silber-Blauen usw. dazu wird eine Art Schlafmütze getragen, die Tam genannt wird. Es sind diese Tage, an denen die USA auf einmal wieder ganz wie 17.Jahrhundert aussehen, Bruderschaften und griechischen Gesellschaften inklusive ... seltsam.

Während wir in der Sonne vor dem Theater schwitzten, kamen irgendwann die neuen Physik Masters samt dem Dekan der Fakultät vorbei. Der Herr kann A. nicht ausstehen, was auf Gegenseitigkeit beruht. Leider müssen demnach sämtliche Professoren, die Karriere in diesem Department machen wollen A. ebenfalls meiden. Für A. ganz klar ein Fall von Rassismus für mich eher ein Verhaltensproblem. 
Der Dekan verlangt einen gewissen Respekt von seinen ‚Untergebenen’, er verlangt, daß wenn er eine Frage stellt, diese als besonders wichtig klassifiziert wird, gerne mit dem Zusatz ‚das ist eine sehr intelligente Frage’ daß man seine Meinungen schätzt und nicht offen als Blödsinn darstellt.. Auftritt Herr A. Wer immer ihn kennt, braucht keine weiteren Erklärungen - für alle anderen - A. stellt Meinungen als Blödsinn dar, wenn sie Blödsinn sind... egal von wem sie kommen - beneidenswert ehrlich und sehr unpraktisch. 
Nach diesem eher ernüchternden Ende des frohen Festes kamen wir endlich zum schönen Teil des Tages: Strand.

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Madalina fuhr mit uns (nach einem zu reichhaltigen Mittagessen im Olive Garden) zum Red Rocks Park. Das ist ein naturbelassener Park in South Burlington. Damit handelt es sich noch nicht um einen echten Wald, aber immerhin sind die Wege nicht geteert, wie sonst in allen anderen Parks.

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Ein Höhepunkt der kurzen Wanderung war eine Schlangensichtung. Ich lief sofort hinterher um ein Video zu machen, während A. und Madalina lieber auf Abstand gingen... mein Gefühl für potentiell gefährliche Situationen ist wie immer unterentwickelt. Ich war relativ überzeugt davon, daß Vermont gar keine Giftschlangen hat, eine Einstellung die sich später als falsch erwies, denn es gibt hier Waldklapperschlangen - die nicht sehr angenehm sind. 



Die Schlange an diesem Tag war jedoch eine ungefährliche Eastern Milksnake. Sie ernährt sich zumeist von Mäusen und größeren Insekten und ist aus diesem Grund ein gerngesehener Gast auf Bauernhöfen. Trotz des Namens Milchschlange mag sie jedoch keine Milch.
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Der Strand im Red Rocks Park ist ein wenig verwildert aber dennoch schön... viele alte Treppen und halbverrostete Grills zeugen von anderen Zeiten, doch mittlerweile konzentriert sich die Strandparty - hungrige Meute eher auf Oakledge und North Beach. 
Gerade als wir den Park wieder verließen, sahen wir ein Paar aus Massachusetts auf die Polizei warten. Offenbar hatte jemand ihr Beifahrerfenster eingeschlagen (und vermutlich etwas gestohlen) also selbst mitten am Tag, am Rande der Stadt, neben einem Parkeingang sollte man stets Vorsicht walten lassen...

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