23. Juni 2009

Struppi


Ich wollte diesen Post schon seit einiger Zeit schreiben, aber wann immer ich darüber nachdachte, dann fehlten mir die Worte und ich habe mir lieber ein paar Fotos herausgesucht... insofern, ganz einfach: Ich vermisse dich, Struppi... ich kann mich nicht an den Gedanken gewöhnen, dass ich nach Hause zurückkehre und du bist nicht mehr da, bellst nicht mehr, kommst nicht an den Zaun um dir eine Stange 'Wwuffs' abzuholen - unser Nachbarshund und immer mehr auch unser Hund, mit dem verfilzten struppig-dreckigen Fell, der nach Rassen nicht mehr definierbaren Dorfhundmischung und der tiefen Stimme, die stets die Leute einen weitaus größeren Hund vermuten ließ.

Dein Leben war vermutlich das komplette Gegenteil eines verwöhnten verhätschelten, kindergleichen Haushundes und doch wurdest du geliebt, wurdest du umsorgt und wirst nun ebenfalls betrauert.

Ich habe Erinnerungen an dich, als wir vor vielen Jahren auf die Insel Poel zogen und während der Bauarbeiten an unserem Haus kamst du zu unseren Nachbarn... dein Aussehen als junger Hund erinnerte verdächtig an einen Wischmop. Dann unsere ersten Laufversuche.. ohne Leine liefst du davon, mit Leine wolltest du keinen Schritt machen, später erinnere ich mich an stundenlange Wanderungen zum Strand zum Spülfeld, Schnee der sich so in deinem Fell verfing, dass du irgendwann keine Lust mehr hattest weiterzulaufen und dich lieber von mir nach Hause tragen liessest... die Begegnungen mit deiner Mutter, die ebenfalls Struppi hieß (der Name bot sich einfach an), wie du jeden Menschen den du sahst kennenlernen wolltest und wenn möglich anspringen...egal was wir versuchten dir das Abzugewöhnen (besonders Damen mit weißen Hosen waren deine Spezialität) und natürlich das alljährliche Schneiden aller im Winter notwendig-verfilzten Haare, was du immer schrecklich fandest. Der nachfolgende Hundewaschgang führte meist dazu, dass ich mindestens genauso nass war wie du ... Weißt du noch, wie ich Hundeshampoo als sinnlos ansah und lieber Nivea für strapaziertes Haar an dir versuchte? Du hast dich noch am gleichen Tag in Kuhdung wälzen müssen, denn der Geruch war sonst nicht auszuhalten...

Dann ging ich zum Studium nach Potsdam und eher unwillig übernahm meine Schwester die Spaziergänge mit dir (wir mussten sie überzeugen, dass es sich um Sport handelt und das ist gut) nun wurdest du militärisch erzogen, hörtest auf jeden Pfiff und brauchtest keine Belohnungen mehr... nur wenn ich für ein paar Tage wieder zu Hause war, wurdest du erneut von mir verwöhnt.. Dann ging auch meine Schwester um zu studieren und nach einiger Zeit übernahm meine Mutter die Hundepflege (gezwungener Maßen, wie sie immer fand)..
Nun begann deine beste Zeit, du durftest alles, die autoriäre Erziehung wurde vergessen und für die Störung durch jedes vorbeifahrende Auto gab es einen Extra-Hundekeks (keine Sorge, das waren nicht so viele, auf der Strecke Fährdorf-Dorf nach Fährdorf-Ausbau.) Bei wirklich jedem Wind und Wetter holte sie dich aus dem Zwinger um eine Runde spazieren zu gehen, das bedeutete im Winter, Monate lang Spaziergänge in der Dunkelheit, die nur durch eine kleine Taschenlampe erhellt wurde.


Mit den Jahren wurdest du alt, während du keine Probleme selbst mit bitterkalten Temperaturen hattest, machte dir warmes Sommerwetter immer häufiger zu schaffen... aber selbst wenn du auf der Hälfte der Strecke umkippen würdest, das hinderte dich nicht im Geringsten daran, täglich mit der gleichen Geschwindigkeit loszubrausen...nun, die sehr warmen Temperaturen im April und Mai diesen Jahres waren dann zu viel für dich, alten Hund und so starbst du friedlich in einer Donnerstags-Nacht nach ca. 14 erfüllten Jahren (wenn ich richtig gezählt habe, oder waren es schon 15?) und wie mir versichert wurde, bekamst du ein Ehrengrab im Garten von Frau Hadrian. :-)

Mit dir starben im letzten Jahr viele Tiere, die mich über die Jahre begleitet haben oder mit denen ich teilweise aufgewachsen bin, da war natürlich Tommy, der freieste Hund der Insel, der gerne vor dem Schild mit der Hundeanleinpflicht stand- das natürlich ohne Leine, der alte Schafsbock, der sich nicht mehr gegen seinen männlichen Nachwuchs durchsetzen konnte, die Nachbarskatze mit Kuhdesign Mohrli (und ihr Baby Milo), Struppis große Liebe Mary, ein Foxterrier aus dem Nachbardorf und ihr Sohn und natürlich Candy, wie alle Westhighlandterrier, niedlich, verwöhnt und mit eigenem Charakter... .
Ich freue mich dagegen, dass unser Sorgenkind, das von der Mutter verstossene und mit der Hand aufgezogene Kalb Fanta sich augenscheinlich endlich in der Kuh-Truppe einleben konnte und wie mir berichtet wurde, sogar eine Freundin gefunden hat...


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