20. März 2010

Fernsehtag (Eingestellt am 20.03.2010)

Ich hatte diesen Post bereits am Donnerstag geschrieben. Jetzt ist schon Samstag und wenn es Anands Zahnschmerzen besser geht fahren wir heute in einen Ahornwald zum traditionellen Besuch der Ahornsirup - Kochhütte. Mittlerweile kann auch berichtet werden, dass die Hoffnung, die ich noch am Donnerstag auf einen kopfschmerzfreien Tag hatte, sich nicht erfüllt hatte... aber nun zurück zu meinem Bericht zu dem erhöhten Fernsehkonsum in dieser Woche:

Während ich dem lieblichen Hämmern der Klempner unter im Keller lausche, deren Schläge im ganzen Haus widerhallen, darüber nachdenke ob ich einen Bericht über den Garten von Las Pozas in meinen Deco-Blog aufnehme oder eher hier weitermache, werde ich gerade verhalten optimistisch, dass das heute der erste Tag seit einer Woche, ohne Kopfschmerzen werden könnte. :) Ich hatte seit Monaten nicht mehr über einen so langen Zeitraum mit Attacken zu kämpfen und bin nun doch etwas erschöpft.
Selbst den gestrigen St. Patricks Day, dem irischen Nationalheiligen, dessen Ehrentag in Amerika als fröhlichster Grund sich sinnlos zu betrinken gefeiert wird – während man ein grünes T-Shirt mit der Aufschrift: Kiss me, I’m Irish trägt – überstand ich tapfer mit Wasser und (Naan-) Brot, denn Ibuprofen verträgt sich einfach nicht so gut mit Alkohol.
Wie immer wenn der Kopf zu schwer zum Lesen ist und Tageslicht gemieden werden muss, ich aber auch nicht die ganze Zeit im Bett liegen will um mich selbst zu bemitleiden, steigt mein Fernsehkonsum an.
So habe ich mir am Montag und Dienstag „Die Grenze“ auf Sat.1 (im Livestream auf Justin.tv deswegen auch um 15.15 Uhr kanadische Zeit) angesehen.
Aufgeschreckt von all den Berichten der Ostsee-Zeitung und entsprechenden Leserbriefen, die von Imageverlust, Volksverhetzung, Geschichtsverzerrung bis schlichtweg Geldverschwendung sprachen, wollte ich mir den entsprechenden Film ebenfalls ansehen um dies nachzuvollziehen, mich aufzuregen und dann ggf. glühende Antiberichte zu dem Film zu verfassen.
In „Die Grenze“ geht es um mein Heimatbundesland Mecklenburg Vorpommern, das in Realität wie im Film, über die höchsten Arbeitslosenzahlen in Deutschland verfügt, das auch in der Realität über Rechtsradikale und Linksradikale verfügt, doch damit enden die Gemeinsamkeiten mit dem Film. Laut Film, der im Übrigen davon ausgeht, dass Rostock und nicht Schwerin die Landeshauptstadt sei, teilt sich Rostock nun in zwei Lager, einer Seite wählt und ist nur rechtsradikal, trägt weiße Anzüge, nennt sich DNS (!) und residiert im Stralsunder Ozeanum (was sich natürlich in Rostock befindet), die andere Seite ist eine linksradikale NVA-Guerillatruppe, die am Ende die Wahl in Rostock gewinnt und damit Mecklenburg Vorpommern, das laut Film auch nur aus Rostock und vielleicht 30 km um Rostock herum besteht, von der Bundesrepublik abspaltet und eine eigene Version einer Transnistrischen Republik gründet, durch Duldung und mit Geldern der Bundesrepublik. Dazu kommt natürlich noch die übliche dramatische Liebesgeschichte und diverse Verstickungen, sonst würde sich das ja keiner angucken und fertig war das Machwerk.
Ich muss sagen, ich habe mich zwar nicht sonderlich gut unterhalten gefühlt, aber ich konnte mich auch nicht aufregen, alles war so künstlich und unglaubwürdig (die verordnete Tristesse kommt einfach nicht so richtig auf in den frisch renovierten Fassaden der KTV und der Montagsdemonstration durchs malerische Seebad Warnemünde), das man nach einiger Zeit eher gelangweilt als erschrocken war: Laufen, Probleme da, weiter laufen,wichtiges Item erhalten, weiter laufen, neue Aufgabe lösen, dem Hauptgegner schwächen, laufen... wer außer mir findet noch, dass das eher nach Computerspiel klingt?
Ich mochte dagegen all die Referenzpunkte, die im Film verbraten wurden und da hat es zumindest ein bißchen Spaß gemacht diese auch alle zu finden, von G8-Archivaufnahmen, DNS, der Name des Hauptbösen, der statt Richter „Gnadenlos“ Schill nun Schnell hieß und aussah wie Jörg Haider, jeder Menge DDR-Geschichte und Witze. Eigentlich hätte daraus eine gute Komödie werden können, von den tapferen Mecklenburgern einer kleinen Stadt am Meer, die gegen die große Übermacht des globalen wirtschaftsrömischen Reichs ankämpfen...aber leider hatte Bully Herbig nichts mit diesem Film zu tun. So bleibt dann nur die Frage, war es wirklich notwendig einer komplett ersponnenen Geschichte reale Namen zu geben, war es notwendig das Bundesland M-V zu nennen, die Stadt Rostock. Sicher es reicht nicht zum so richtig darüber sauer sein, aber zumindest Rostock wurde doch wieder einmal als Rechtsradikalen-Hochburg bestätigt, die sie so schon seit Jahren nicht mehr ist. Im Gegenteil könnte man fast ketzerisch die Gesinnung der Filmemacher hinterfragen, dass in der Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil in MV nicht ein einziges Mal ein Nicht-Deutscher im Bild zu sehen war, geschweige denn irgendeine (Neben-) rolle gespielt hätte. 

Nach all dem Drama dachte ich mir könnte etwas Comedy nicht schaden und so schaltete ich um zum Saison-Finale von „Little Mosque in the Prairie“. Das ist eine kanadische Comedy-Serie um eine kleine muslimische Gemeinde inmitten eines Dorfes in der Provinz Saskatchewan, die sich bereits seit Jahren zu Recht großer Beliebtheit erfreut. Sämtliche Vorurteile und Probleme zwischen Christen, Muslimen und sonstigen zwischenmenschlichen Fragen werden auf wohltuend unaufgeregte Weise und unerschrocken respektlos durch den Kakao gezogen und so macht es immer wieder Spaß sich die Geschichten des Dorfes Mercy in dem sich Moschee und Kirche das Gebäude teilen, anzusehen. 

Zeit den Fernseher auszuschalten? Ja, das habe ich auch getan aber einen Tag später habe ich eine Dokumentation gesehen, die auf kreative Weise religiöse Probleme löste in der BBC-Dokumentation „Lost Kingdoms Of Africa – Ethopia“ (Teil I - VI in englisch auf youtube erhältlich.) 
Ich muss gestehen, dass ich vermutlich mehr theoretisches Wissen über die Arktik, Sibirien oder Azteken- und Mayakulturen besitze als über Europas nächsten Nachbarn Afrika. Äthopien, das als Wiege der Menschheit gilt, hat auch eine ebenso uralte Geschichte mit einem Herrscherhaus, das in ununterbrochener Folge 3000 Jahre bis 1974 herrschte. Die Äthopier beteten eigentlich die Sonne als Hauptgott an. Als dann jedoch König Solomon mit der Königin von Saba den Sohn Menelik gezeugt haben soll, der später die äthopische Königsdynastie begründete (und laut Sage auch die Bundelade samt der zehn Gebote erhielt), führte dieser das Judentum in Äthopien ein. Deswegen wurde in das runde Symbol der Sonne ein Davidstern eingefügt. Während der Zeit, als erste Teile der Bibel ins Griechische übersetzt wurden, trat Äthopien zum Christentum über und seitdem ist das Symbol der äthopischen Kirche ein Kreis mit einem Davidstern in dessen Mitte sich wiederum ein Kreuz befindet und zeigt damit so einfach auf, wie alles Teil einer religiösen Entwicklung ist. Als Jahrtausende später die Portugiesen in das Land einmarschierten, wollten sie die Äthopier zwingen zum katholischen Glauben überzutreten... tausende Jahre alte Tradtion gut und schön, aber der katholische Glaube ist nun mal der einzig Wahre, das konnten die Äthopier nicht so richtig einsehen und haben die Portugiesen dann mit Schimpf und Schande aus dem Land gejagt, gleiches Schicksal ereilte später alle anderen Eroberungsversuche, was Äthopien zum einzig unabhängigen Land während der Zeit der großen Kolonien machte. In den letzten Jahrzehnten hat der Islam einen größeren Einfluß im Land gewonnen, ein Einfluß mit dem die Kirche bisher noch nicht umgehen konnte, aber ich bin mir fast sicher, gebt ihnen 1000 Jahre und der Halbmond findet ebenfalls seinen Platz im Kreis mit Davidstern und Kreuz. 


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