16. August 2011

Von den grünen Bergen kommen wir...

... in den weißen Bergen wandern wir. ... ♪♫♫♪♪


Nachdem ich diese „blaue“ Volksweise in der letzte Woche beinahe täglich im Ohr hatte, veränderte und doch nicht dazu kam endlich einmal den Text aufzuschreiben, dachte ich mir den heutigen verregneten Montag wenigstens zu etwas Sinnvollem zu nutzen.

Am Thema vorbei: Nach dem letzten Stand mit unserem neuen Internetprovider Fairpoint bekommen wir nun Internet ab 12. September und ich bezweifle so langsam ob es dabei bleibt. Jedenfalls suche ich schon nach sämtlichen free wifi - Cafés und Waschsalons in der Gegend.

Aber zurück zu unserem Ausflug in den weißen Bergen von New Hampshire.
Wenn man sich Vermont und New Hampshire zusammen ansieht, dann ergeben sie ein Rechteck, das diagonal in zwei Hälften geschnitten wurde... die linke Hälfte heißt Vermont mit den grünen Bergen, die rechte ist New Hampshire. Die Berge in diesem Bundesstaat sind höher und schwieriger zu besteigen, da die Berggipfel aber in ständigen Wolkenbergen gehüllt sind, hat man seltener die Möglichkeit auf den freien Rundumblick von oben nach unten. Am Ausflugstag regnete es frühmorgens wie aus vollen Kübeln, so daß (trotz Regen-Endes) sämtliche schwierigere Trails von vornherein ausschieden (wir wollten kein Schlamm-Rutschen veranstalten)... stattdessen beschlossen wir nur im tiefsten Walde unterwegs zu sein.
Auf der Hinfahrt zum Franconia Notch Nationalpark fuhren wir durch viele Orte von Vermont von denen wir zwar schon gehört hatten, aber die wir selbst noch nie gesehen haben... wie z.B. der Miniatur-Hauptstadt von Vermont: Montpelier im Schattental neben dem Hunger Mountain (ich weiß nicht, ob ich neben einem Hungerberg wohnen wollen würde), oder auch Cabot (Käse), Danville, St.Johnsbury und anderen.
Nach einiger Zeit erreichten wir Littleton, New Hampshire, benannt nach Colonel Moses Little.
Die Kleinstadt sah so sehr nach Hollywood Film aus: Der Held der aus der Großstadt in diesem Ort vorbeifährt, alle schlecht behandelt, sich über die unfreundliche Bedienung im Diner aufregt, dann aber im Ort strandet, sich in die Diner-Bedienung verliebt, selbst im Diner arbeitet, es rettet... und unfreundlich wird, aber dafür viel glücklicher... Wir landeten ebenfalls im Diner, ärgerten uns über die unfreundliche Bedienung und hofften sehr, daß wir nicht im Ort stranden würden... leider landeten wir durch einige Schlenker und falsche Wege noch ein paar Mal an diesem Tag in Littleton und jedes Mal betete ich, daß das Auto nicht plötzlich stehen bleiben würde... 

Micro-Mili Erdbeeren :)


Wir entschieden uns für den bekannten Coppermine Trail zu den Bridal Veil Wasserfällen, da dieser wie von uns gewünscht auf einer Höhe am Fuße des Cannon Berges entlang des Coppermine Bachs durch den Wald führte. 


Dieser Wanderweg wurde durch die Hollywood Diva Bette Davis berühmt. Sie schaffte es dort 1939 im Winter (wohl absichtlich) verloren zu gehen, wurde von ihrem Hoteldirektor ge“rettet“ und heiratete ihn später.


Soweit Happy End, 1943 starb er dann aber nach einem Treppensturz, der Legende nach soll sie ihn während eines Streits wegen seiner Untreue (und unter erheblichen Alkoholeinfluß) hinunter gestossen haben.


Ihm zu Ehren brachte sie jedoch später dieses Schild an (das Bild stammt nicht von mir sondern von hier: Link. Wir haben uns unromantisch veranlagt wie wir nun mal sind, nicht auf die Suche danach gemacht...)
Der Weg war wirklich recht einfach und da viele andere offenbar mit den gleichen Gedanken echte Bergtouren absagten, begegneten wir trotz des Regentages vielen Mitwanderern, den meisten mit Hund. 


Eine sehr junge Cockerspaniel-Golden Retriever Dame fand es sogar so viel lustiger mit uns als mit ihren Besitzern, daß sie immer wieder zu uns zurücklief und letzlich, als der Abstand zu weit wurde von Anand zurückgebracht werden musste (was sind das für Besitzer...). 


Bald erreichten wir das Wetterschutz-Häuschen und hatten das Ende des Trails erreicht. 


Die Bridal Veils Wasserfälle plätscherten fröhlich im Sommerregen und eine Gruppe Jugendlicher rutschte in den unteren „Pool“ hinunter, offenbar mit dem festen Vorsatz sich irgendwo gehörig den Kopf zu stossen. Wir versuchten die eigentlichen Fälle auf der rechten Seite zu erreichen, aber die Steine waren zu glischig, als daß man das noch als „sicher“ hätte gutheißen können und ich wollte mir nicht die nächste Hand brechen.

Video in HD: Link.

Nach Beendigung des Trails stärkten wir uns im nächsten, leicht alternativen Café an etwas seltsamen Sandwiches und dann ging es auf den Rückweg nach Vermont. 


15. August 2011

Sonntags(un-)blumen



In der letzte Woche ist der Blog weitesgehend zum Erliegen gekommen, aber das lag nicht mehr an der außergewöhnlich langen und heißen Juli-Hitzewelle, die alle Menschen ohne Klimaanlage in einen 4-wöchigen Dämmerzustand versetzte, sondern daran daß man mit kühleren Temperaturen endlich überhaupt wieder etwas unternehmen konnte... und das habe ich getan. Ich war in Williston um dringend benötigten Holzfüller und Beize endlich zu kaufen (ja, das Leben mit Katzen und weichen Kiefernholzmöbeln kann ein schwieriges sein) Das stand schon seit Wochen auf meinem Aufgabenzettel, aber bei Temperaturen bis 40°C stand überleben an erster Stelle mit dem Notfallasthma-Spray zur Hand.
Nun aber sind die Temperaturen angenehm, die Nächte kühl und die bereits merklich kürzeren Tage geben einem ein dringendes Gefühl für die Endlichkeit der warmen Jahreszeit.
Im Einkaufszentrum in Williston erfreute ich mich an den vielen gelben Blumen/Gräsern, deren Namen ich schon einmal wusste, vermeidete den gefährlichen Riesen-Bärenklau und traute mich nicht tiefer ins Kraut, da ich immer wieder vergesse, wie Poison Ivy (Giftsumach) eigentlich aussieht. 
Ich überlegte, wie Menschen in hundert, fünfhundert Jahren die Bedeutung solcher Strip-Malls interpretieren würden, vielleicht als militärische Schutzeinrichtung? 


Der A.C.Moore Kunst- und Bastel-Supermarkt sieht jedenfalls auf manchen Bildern fast wie eine Festung über all dem Gelb aus... :) 


Apropos Festung; an einem anderen Tag der Woche machte ich mich auf zur ersten Farm des Staatsgründers Ethan Allen im Intervale (einem tieferliegenden, zu Überflutungen neigenden Gebiet neben der Stadt), seines Zeichens eifriger Festungsbauer und militärisch versiert. Das Museum war zwar für den Tag für ein Kinder-Camp Projekt geschlossen, aber ich konnte mir die bescheidenen Gebäude und den Küchengarten von außen ansehen. 

Danach besuchte ich den pompösen Ethan Allen Turm, der lange nach dem Tod des Staatsgründers von stolzen Stadtvätern auf einem ehemaligen Abenaki Aussichtsfelsen hoch über der Stadt errichtet wurde.
Ich fand den Turm nicht häßlich, aber deplatziert und war mir nicht sicher, ob Ethan Allen selbst ihn schlichtweg als nutzlos eingestuft hätte. 


14. August 2011

Konzert


Am Freitag abend besuchten wir das kostenlose Konzert der Pianistin Kawai Chan in der UU Kirche. Während sich am Seeufer die Menschenmassen prügelten um $35 pro Person für Damien Marley und andere Musiker zu bezahlen, erschien nur eine Handvoll älterer Herrschaften um sich eine Weltklasse-Pianistin anzuhören, die ohne Eintrittspreis auftrat. Anand und ich waren die Jüngsten im kleinen Publikum, mit Abstand.
Kawai erklärte jedes ihrer Stücke, bevor sie sie spielte, die wahrscheinliche Stimmung des Komponisten, als er das Stück schrieb, warum es für sie interssant war und machte den Zuhörer auf Besonderheiten aufmerksam. Das erinnerte mich sehr an ein ähnliches Konzert in Schwerin, wo der Dirigent auch jeweils zuerst erklärte was passieren würde und dann spielte. Das Resultat war, daß man selbst wenn man mit einer Sonate eben nicht vertraut war, sich dennoch freute die hervorgehobenen Besonderheiten tatsächlich heraushören zu können. Der Zuhörer sitzt nicht einfach nur da und konsumiert Musik, sondern er hat die Aufgabe konzentriert zuzuhören.
Kawai hatte eine besondere Art zu spielen, mit fast nicht sichtbaren Bewegungen der Hände an sich. Diese schienen ausgestreckt über dem Klavier zu ruhen, und nur Wellenbewegungen der Finger spielten. Ich habe das heimlich versucht nachzuahmen, aber ich kann keinen einzigen Finger bewegen ohne daß die Handknöchel nicht auch hochkommen. Sie spielte genauso „liquid“ routiniert, perfekt wie die Bewegung ihrer Finger... vielleicht etwas zu routiniert, fast schon gelangweilt von einmal mehr Beethoven und Chopin. Mit Ravels ‚Miroirs’ änderte sich das langsam, Alexander Scriabins erste Sonate war voller Gefühl, das Trauerthema zum Abschluß tieftraurig, aber das letzte Stück des Abends William Bolcoms „The Serpent Kiss“(Rag Fantasy) riß alle aus ihrer Zuhörer-Starre. 
Das Stück ist das Mittelstück der „Garten Eden“ Triologie und handelt vom Kampf Gut gegen Böse, den in diesem Fall Böse gewinnt. Es ist vierhändig, für zwei Klaviere geschrieben worden, die Bearbeitung für einen Pianisten ist extrem anspruchsvoll und daß man während des Stücks auch noch mit dem Fuß aufstampfen, manchmal Pfeifen und trommeln muß, macht es nicht einfacher. Sie jagte das Publikum in einem wahren Höllenritt durch Bolcoms Stück und schien zum ersten Mal wirklich Spaß am Spielen zu haben.
Am 9.September findet das nächste Klavierkonzert in der Kirche statt (Michael Arnowitt spielt), dann sicher wieder mit uns im Publikum :)

Ich habe versucht im Internet ein Video von Bolcoms Stück zu finden, aber alle Interpretationen mit einem Pianisten waren nicht gut genug. Frauen spielten alles so weich und lieblich, Männer alles zu energisch, letzlich habe ich diese vierhändige Interpretation gefunden, die ähnlich ist und die charakterische Frage-Antwort, Gut-Böse Geschichte ebenfalls hervorhebt:

13. August 2011

Flashback Friday

 Blick aus dem Fenster: Familienausflug... meine Mutter, Schwester im Kinderwagen, ich auf dem Dreirad...

Anläßlich des Gedenkens zum Mauerbau dachte ich, daß ich auch einmal zwei meiner Berlin-Fotos herauskrame, denn von meinem 1. bis zum 5. Lebensjahr wohnte ich (wenn ich nicht gerade wieder zur Frischluftkur an die Ostsee geschickt wurde) in der Kopenhagener Str. 38, Prenzlauer Berg. Das einzige Haus der Straße, das seit dem Krieg kein Vorderhaus mehr besaß.
Die Straße endete in der Mauer.
Das bedeutete, daß vor dem Eingang zu unserer Straße ein Schlagbaum mit Volkspolizist stand und daß man nur als Anwohner sich ausweisen und überhaupt passieren durfte (obwohl meine Mutter sich immer darüber beschwerte, daß die Kinder der Straße ungestört passieren konnten um ‚uffn Falker’ zu verschwinden...). Ja damals, dachte man sich überhaupt nichts dabei, daß 4-jährige Kinder alleine draußen spielten.
Vor der Mauer standen große Betonklötze, die man einst versucht hatte mit Blumen zu bepflanzen, aber da wir Kinder uns am liebsten dort trafen um Zündplätzchen von Spielpistolen-Munition zu knacken, befand sich dort nur noch nackte Erde. Manchmal versuchten wir durch das Gulli neben der Mauer zu gucken und hofften auf einen Einblick auf die andere Seite. In einem Nachbarshof auf der anderen Straßenseite befand sich ein Klettergerüst mit Pilzdach neben der Mauer (die an der Stelle auch als ganz profane Hofbegrenzung diente), leider war es nicht hoch genug, als daß man irgendetwas hätte sehen können. Was man „von drüben“ sah waren die Flugzeuge des nahen Tempelhofs und die Silvesterraketen zu Neujahr.
Obwohl die Bewohner der Straße sicher alle dreimal durchleuchtet und nachgewiesene Vaterlandstreue besaßen, gab es trotzdem einen Anreiz für sie nicht in Versuchung zu geraten, vielleicht auch eine Belohnung dafür nie mal spontan Freunde nach Hause einladen zu können... ein Laden. In diesem Laden gab es Dinge, die für den normalen DDR Bürger nicht erreichbar oder unmöglich zu kaufen waren und so wuchs ich während dieser Jahre mit dem fast schon westdeutschen Selbstverständnis auf, Bananen bekommt man, wenn man in einen Laden geht und diese kauft.... und nicht wenn ein Ration brauner Bananen an eine Stadt zugeteilt wurde und dann stellen sich alle in einer langen Schlange an und man gehört vielleicht zu den glücklichen Käufern.
Einmal war ich mit meinem besten Freund im letzten Hinterhaus auf unserer Straßenseite und wir sahen ein Loch in der Wand, wir waren neugierig und stiegen hindurch... aber wir landeten nur in einem weiteren Hinterhof und sahen dort einen orangenen Bauwagen stehen. Wir sahen niemanden, keine Bauarbeiter, keine Polizisten und die ganze Sache kam uns so gespenstisch vor, daß wir schnell wieder verschwanden. Ich habe jahrelang darüber nachgedacht, ob ich an dem Tag im Niemandsland zwischen den Mauern stand, aber heutzutage glaube ich eher, daß ich im Hinterhof eines Hauses der Schwedter Straße gelandet war. Die Straße war bereits Sperrgebiet und offenbar musste einmal etwas daran gebaut werden. 


Jahre später konnte ich dann endlich meinen historischen Schritt über die Mauer machen, als ich einen Wandertag schwänzte um stattdessen mit meinem Vater zum Gerichtstermin nach Berlin zu fahren und wir auch Prenzlauer Berg besuchten. 
Mein Spielplatz auf dem Falkplatz war verschwunden, der Kindergarten stand leer, die Häuser waren allesamt noch unsaniert und statt der Mauer erstreckte sich eine lange leere Einöde hinter der Schwedter Straße. Als ich während meines Studiums erneut nach Berlin kam, hatte sich das bereits verändert. Es gab neue Klettergerüste, die Häuser sahen alle schon teuer aus und anstelle der großen Freifläche des ehemaligen Mauerzwischenraums erstreckten sich dort nun die Gebäude der Jugendfarm Moritzhof.

11. August 2011

Jahrestag (verpasst)


Am vergangenen Freitag hätte sich hier ein ganz anderes Flashback Friday Foto angeboten, denn mir fiel erst hinterher ein, daß es der Jahrestag zum Wohnungseinzug war. Denn am Freitag vor einem Jahr und fast einer Woche sind wir mit Sack und Pack aus dem Green Mountain Suites - Hotel aus- und in unsere kleine Wohnung eingezogen... :) 

 Die Katzen mochten das Hotelleben sehr...  vorallem, daß man aus der Küche ins Bad direkt ins Schlafzimmer und wieder in die Küche kam, lud zu wilden im Kreis-Rennen ein...

Hieß es zu der Zeit eher...na schaun ’mer mal, das ist ja schon wesentlich kleiner als in Ottawa, ohne Keller ist Stauraum rar und das Viertel soll auch kein sonderlich Sicheres sein... so würde ich unsere gemütliche Mini-Dachwohnung mit schrägen Wänden, schrägen Fußböden und schrägen Nachbarn jetzt nicht mehr hergeben wollen und die Lage direkt neben der Innenstadt bewahrt auch in langen harten Wintern vor zuviel Langeweile und Lagerkoller ... :)

8. August 2011

Statt Sonntagsblumen...


... wollte ich heute ein paar der dicht mit spanischem Moos bewachsenen Bäume zeigen, die Anand in der letzten Woche in Tallahassee, Florida fotografiert hat. 


Spanisches Moos, welches zur Familie der Bromeliengewächse gehört, lebt ohne Ausbildung von Wurzeln auf Bäumen, Überlandleitungen, Felswänden usw. Die Nährstoffaufnahme erfolgt nur durch die Luft bzw. Regen. Einer Legende nach soll es sich um die Haare einer indianischen Prinzessin handeln. 

Die langen Baumbärte werden recht selten verwendet, ein bißchen in Verpackung und Polsterung und am ehesten findet man sie noch in Trockenblumen-Gestecken. Es handelt sich dabei jedoch auch um die traditionelle Füllung von Voodoo Puppen :o 


7. August 2011

Ein Samstag in Burlington

Es war ein wunderschöner sonniger Samstag, an dem wir Ania Burlington zeigen wollten.
Leider hatte Anand miesepetrige Laune und leider bewahrheitete sich meine Hoffnung nicht, daß er mich vor Besuch nicht wegen jeder Kleinigkeit, die ihm nicht passt anschreien würde. (Ich habe es sogar von ihm schriftlich nach einem Streit bekommen, daß er mich in Zukunft nicht mehr in der Öffentlichkeit anbrüllen wird. Vielleicht sollte ich es rahmen lassen und über seinem Schreibtisch aufhängen, denn manche Dinge prägen sich besser bei ständiger Wiederholung ein ...) Ania war auf ihn sauer und auf mich, daß ich mir das so alles gefallen lassen würde, aber ich wollte ihr den Tag nicht auch noch verderben.
Trotz diesem emotionalen Chaos zeigte sich Burlington von der besten, heiteren Seite... die Church Street war voller Passanten und Straßenmusikern, der Bauernmarkt war so dicht gedrängt und voller Leben, daß Ania beim besten Willen nicht verstehen konnte, wie ich jemals Ottawa diesem tollen Städtchen vorziehen konnte und dabei hatte sie das Seeufer noch gar nicht gesehen. 

 Sichtbarer ehemaliger Wasserpegel am Baum


Es ist einfach jedes Mal etwas Besonderes hinunter zum Lake Champlain zu gehen und die Adirondack - Berge fast holzschnitzartig und je nach Entfernung in helleren Blauabstufungen dahinter aufragen zu sehen. Wir schlenderten entlang des Perkins Pier und zeigten ihr, wo bis vor kurzem noch das Wasser des überfluteten Sees stand. 


Danach ging es weiter zum Bootshaus, der Seebrücke am Segel-Zentrum und wir besuchten mein Lieblingsstück ins Wasser ragender ehemaliger Kaianlage entlang des Sees. 


Ania und Anand beschlossen dabei zu einer steinernen Erhebung im Wasser zu waten, die sonst trocken liegt aber nun noch immer unter Wasser stand. 
Der Weg ist schon ohne Wasser recht schwierig, da zwischen den Steinen tiefe Löcher sind und man def. nicht danebentreten sollte, mit nunmehr glitschigen Algenbewuchs auf den Steinen wurde es zum Schnellweg für gebrochene Füße und Beine. Natürlich hörten die Beiden nicht auf mich und das erfolgreiche Erklimmen der Erhebung, sowie daß sie meinem Rat eben nicht folgten, versöhnte sie wieder miteinander und half den Rest der schlechten Stimmung aus dem Weg zu räumen. (Was immer hilft...)


Weiter ging es bis zum Nordstrand und dann war unser Ausflug für den Tag bereits beendet, denn für den Abend hatte Anand seinen Chef und Madalina eingeladen, sowie einen neuen indischen Studenten und wir mussten noch einkaufen und kochen.


Der Abend brachte ein paar der Mißstimmungen zurück, denn Madalina und Anands Boss kommen überhaupt nicht miteinander zurecht. Valeri mochte den (russischen) Salat, den Ania für den Abend zubereitet hatte, also musste Madalina sofort einhaken, was für ein einfacher Salat das doch sei und wieviel besser ihre französischen Tarts wären, davon war Ania nun wiederum beleidigt, Anand kommt zur Zeit auch mit seinem Chef nicht so richtig gut aus, da der seit Monaten seinen Artikel nicht durchschaut und so langsam kommen Leute mit den gleichen Ergebnissen auf. Kurzum es war schlechte Laune an allen Ecken und mir fielen schon keine Ablenkthemen, Komplimente irgendwas mehr ein, mit denen ich die Stimmung hätte beeinflussen können, denn das ist normalerweise Anands Aufgabe.
Nur Shashank, der neue Student schien sich klammheimlich ziemlich zu amüsieren und aus der Distanz heraus kann ich mittlerweile das Komikhafte der Situation erkennen - nur an dem Abend war es eher anstrengend.
Keiner war so richtig unfroh über das frühe Ende der kleinen Feier, da wir für den Sonntag jedoch alle zusammen eine Trekkingtour in den „Weißen Bergen“ von New Hampshire geplant hatten, fragte ich mich nur etwas besorgt, wie wir das ohne Mord- und Totschlag würdevoll über die Runden bringen würden.

5. August 2011

Flashback Friday

Zur Abwechslung gibt es heute einmal mehr ein Bild von Anand zu sehen. 


Das Foto stammt ca. aus dem Jahr 1986 und zeigt einen siebenjährigen Anand vor dem Auftritt seiner Tanzgruppe in der Schule. 
Die Schule hatte jedes Jahr zum Ende des Schuljahres eine Feier ausgerichtet in der die Leistungen der Schüler gewürdigt wurden, Auszeichnungen wurden vergeben und die zehnte Klasse verabschiedet, die nach Abschluß der Klasse zum Junior College wechseln würden. Das hat sich seitdem verändert, denn heutzutage hat die Schule ein integriertes Junior College.
Viele Klassen mussten anläßlich der Feier ein kleines Programm einstudieren und Anand damals in der zweiten Klasse, wurde einer Tanzgruppe zugeteilt: zehn Jungen und Mädchen, die zu einem Kinderlied tanzten. Das machte ihm sehr viel Spaß, trotzdessen daß er dazu weiße Schuhe und Strümpe tragen musste, das rosa Hemd war ebenfalls eher ungewollt. Vor dem Tanz wurde jeder der Teilnehmer fotografiert und da Anand dem Fotografen in lockerer Pose nicht gefiel, wurde er angefahren, er möge doch bitte gerade stehen... und so kam es dann zu diesem „Zinnsoldaten“- Foto.

4. August 2011

Ania in Vermont - Kanada Tag


Diese Überschrift steht nun schon seit zwei Wochen in meinem Blog doc. ohne, daß ich bisher weitergeschrieben habe. Dabei muss ich mich langsam sputen, denn ab 24. August habe ich kein Internet mehr. Unser Vertrag endet nämlich und egal wie sehr wir nach einem neuen Vertrag suchten der sofort weiterläuft, vor dem 1. September wird es hier kein Internet bzw. Telefon geben. 
Das ärgert mich etwas, da ich an meinem Geburtstag ebenfalls nicht erreichbar sein werde (ich werde Anand wohl einen längeren Besuch im Büro abstatten) aber dann war unser Geburtstag in den letzten Jahren eh immer ein Drama, so daß ich meine Ansprüche drastisch nach unten korrigiert habe. Statt der gemütlichen kleinen Geburtstagsfeier, die mir in den letzten drei Jahren verwehrt blieb da mein Mann den Tag noch jedes Mal nutzen musste um mich darüber zu belehren wie überflüssig er solche Tage mit westlichen Verfehlungen wie Geschenken, Blumen, Liebesbekundungen hält, träume ich stattdessen davon Chicken-Curry vom Lieblings-Thairestaurant mitzunehmen und mich irgendwo auf die Felsen an den Winooski Wasserfällen zu setzen, vielleicht kann ich noch ein paar andere Leute für die Idee begeistern ... :)


Aber nun zurück zu Anias Besuch in Burlington, der meinem Ottawa-Aufenthalt unmittelbar folgte.
Nach einer Nacht, die für mich wie immer mit den vereinten Aufweck-Bemühungen meiner Katzen irgendwo um 6 Uhr herum endete (nach ca. 2 Stunden Schlaf) fühlte ich mich fast noch müder als zuvor. Dennoch ging ich brav als erster das Bad blockieren und dann mit den Katzen nach draußen, die Hofkatzen warteten schon auf ihr Frühstück und danach schnappte ich mir noch eine Stunde Extraschlaf. Ania und Anand schliefen etwas länger, die Frage nach der Campus-Tour stellte sich dadurch gar nicht mehr.
Zum Mittag aßen wir das verschmähte Nacht-Essen als Brunch und dann begann unser Vermont-Besuchsprogramm. Madalina hatten sich freundlicherweise als Chauffeur zur Verfügung gestellt und so fuhren wir nach Stowe, tief in die Berge hinein. In der Nähe besuchten wir einmal mehr die Trapp Family Lodge. 


Die Familie ist durch „The Sound of Music“ so etwas wie amerikanisches Kulturgut, Ania hatte von dem Film jedoch noch nie etwas gehört und war dementsprechend völlig unbeeindruckt. Wir sahen uns das Hotel, Garten und den Familienfriedhof an, sahen die Schilder, daß man für solche Ausflüge eigentlich Geld bezahlen sollte, was wir ignorierten (ich habe noch nie ein Schild gesehen, das Eintritt für die Besichtigung eines Hotelgartens verlangte, also wirklich...) und in der dazugehörigen Bäckerei kauften wir uns belegte Stullen mit „echtem“ Sauerteigbrot und nahmen an einer kleinen Bierverkostung teil.


Sodann ging es weiter mit dem Auto und nach einem kurzen Zwischenstop an einer der charakteristischen überdachten Brücken, tief in die Berge des Smugglers Notch Nationalparks hinein. 

 Das Foto hat Madalina gemacht.

Vorbei an Mt. Mansfield, dem höchsten Berg in Vermont mit seinem nagelneuen Dorf-Resort und Gondeln am Fuße, fuhren wir über die enge Straße durch den Park, häufig musste man warten um entgegenkommende Fahrzeuge durchzulassen und Felsen und Berge ragten drohend über einem auf. Hier war im letzen Jahr meine Foto-Kamera zerbrochen. 
Letzlich erreichten wir das Smugglers Notch Resort, wo ich ein paar Kapuzinerblüten naschte und den wenigen gelangweilten Urlaubern bei ihren Ferien zusah. Das Hoteldorf wurde in den 1960er Jahren erbaut und hat sich seitdem kaum verändert. Die fehlenden Attraktionen versucht man offenbar durch geringere Preise und Werbung als „Familiendorf“ auszugleichen, der Erfolg war jedoch nicht überwältigend. Aber dann was ist ein Skiresort im Sommer auch schon groß wert. 


Auf dem Rückweg nach Burlington stoppten wir bei der Ben & Jerry’s Eisfabrik in Waterbury und Ania und ich buchten die komplette Fabriktour. Außer blanken Maschinen und blanken Laufbändern gab es nicht viel zu sehen und das absolute Fehlen irgendeines Geruchs überzeugte mich fast davon, daß in dieser Fabrik schon lange nichts mehr produziert wurde. Ich habe ähnliche Stätten besucht und weiß wie es aussieht und riecht, wenn diese Maschinen in Gebrauch sind. Die Fabrik war also nur noch eine Schaufabrik und kam mit solch toll Sprüchen des Tourleiters wie: Es ist so kalt in der Eisproduktion, daß nur Vermonter bei uns arbeiten und überleben können. Ja klar, denn Vermont liegt am Nordpol... Da Ania und ich zu Ehren des Kanada-Tages identische Kanada T-Shirts trugen, gab es noch ein paar gemurmelte Beleidigungen in unsere Richtung i.S.v. „und Kanadier wollen wir hier sowieso nicht“, was uns eher amüsierte, denn wir sind ja beide waschechte Europäer.
Wieder zu Hause endete der Tag unzeremoniell und früh, wir waren alle noch sehr müde... am nächsten Tag wollten wir dann einzig und in aller Ruhe Burlington erkunden... :) 


3. August 2011

Geburtstagsfeier

Gestern (am Montag) hatten wir eine Party mit insgesamt 12 Leuten in unserem kleinen Wohnzimmer.
Seit Anand Ishviene die Zusage gegeben hat, daß ihr Mann Harpreet seinen Geburtstag bei uns feiern könne, hatten wir mit etwas Besorgnis auf die immer länger werdene Gästeliste geschaut... 13 Leute sagten zu, 12 wurden es dann letztlich.
Wie es überhaupt dazu kam, daß Harpreet bei uns feierte? Nun, er arbeitet und wohnt eigentlich in New York und jedes Jahr ist seine Frau dorthin gefahren um mit ihm zu feiern. In diesem Jahr wollte er nach Vermont kommen, auch wenn das bedeutete, daß er mit den Freunden von ihr feiern würde. 
Ishviene selbst wohnt jedoch in einer Art Wohngemeinschaft mit einer über 80jährigen alten Dame. Das ist eine spezielles Sozialprogramm in South Burlington, wo ältere Menschen, die noch weitesgehend selbständig sind aber nicht alleine wohnen wollen, ihre Wohnung einem Mitbewohner zur Verfügung stellen, der auch mal für sie einkauft oder Essen kocht, ansonsten aber nicht zur Pflege angestellt wird und als Aufwandsentschädigung mietfrei wohnt. Parties sind nicht Teil des Programms und so kamen wir ins Spiel.
Unser Wohnzimmer ist meist schon mit vier Leuten recht gut gefüllt, acht wird kritisch und ich überlegte hin und her, wie man alle mit Sitzplatz versehen konnte. Das kürzliche Flohproblem der Katzen machte mir auch Sorgen und ich staubsaugte, insektenmittelvernichtete die Wohnung wahrscheinlich weit über das Erforderliche hinaus (die Katzen wurden stundenlang in den Hausflur ausquartiert). Danach probierte ich einige Möglichkeiten: alle Tische raus, funktioniert... aber dann gab es keinerlei Abstellflächen für Getränke, Essen usw. Tische halb zur Seite, quer, nebeneinander... letztlich blieb der kleine Tisch als Abstellfläche, während der Couchtisch verschwinden musste, Schreibtisch, Schuhregal und Bücherregal wurden von sämtlichen Staubfängern befreit und ebenfalls zu Abstellflächen erklärt. Nebenbei hieß es Bad putzen und ein bißchen nachstreichen, nebenbei Wäsche waschen, denn nur am Montag bin ich „dran“ die gemeinschaftlich genutzte Waschmaschine im Keller zu bestücken, nebenbei Kuchen backen für den Geburtstagsjungen ... ein Tag mit vielen Nebenbei’s und es half auch nicht sonderlich, daß nach einigen Tagen mit angenehmeren Temperaturen wiederum 33°C im Schatten herrschten. 


Letzlich musste ich noch schnell zum City Market hetzen um allerletze Kleinigkeiten einzukaufen und dann war auch schon Anand da. Zuerst wollte er die Tische alle umstellen, was ich verhinderte... also verschwand er wortlos wieder und kaufte Schnaps. Nunmehr mit besserer Laune half er mir und rührte die erste Schlagsahne seines Lebens zusammen, während ich mit der Guacamole beschäftigt war und dann war unser Teil der Partyvorbereitungen erledigt.
Ishviene und Harpreet brachten Unmengen an indischem Essen, Tacos, Alkohol, der Geburtstagstorte, sonstige Getränke und sogar ein Fensterventilator mit, sowie Plastikgeschirr- und Besteck. Ich weiß, so schrecklich umweltfeindlich aber Hurra! kaum Geschirrwaschen am Tag danach... 



Es hat jedenfalls für den Stress-Level erhebliche Vorteile, wenn man nur die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und andere sich darum sorgen müssen, ob das Essen auch gelingt und schmeckt. So war ich zwar als ständiger Helfer in der Küche angestellt, beaufsichtigte Blätterteig-Vorspeisen im Ofen und ob das Essen schon hinreichend (wieder)erwärmt war, kam dafür aber gar nicht dazu mich -wie sonst immer in großen Gruppen- unwohl zu fühlen. Das Essen war toll, die gekaufte Geburtstagstorte bestand aus Biskuitlagen mit Pudding dazwischen und roch so intensiv nach Vanille, daß es sich sogar Shweta aus dem sicheren Schlafzimmer mitten in die Menschenmenge wagte, während mein Biskuitboden beim Obstkuchen überhaupt nicht aufgegangen war und eher Keksqualitäten besaß. Eine ca. 2L Flasche Pinot Grigio wurde geöffnet, zwei Gläser daraus getrunken und der Rest steht jetzt im Kühlschrank (möchte irgendjemand Pinot Grigio? Ich glaube nicht, daß ich die Flasche leeren kann, bevor aus dem Wein Essig wird.) Ich konnte gestern eh keinen Wein trinken, denn zur Vorbereitung eines heutigen Bluttests in der Klinik hatte ich ein 24stündiges Alkoholverbot und fastete ab Mitternacht. 

(Retroversion ... =)

Gegen halb zwölf endete die Party mit einem obligatorischen Gruppenfoto, während der Geburtstagsjunge direkt zum Flughafen fuhr um mit dem Greyhound-Bus über Nacht nach New York zurückzufahren und bei Ankunft sofort arbeiten zu gehen.
Unsere Nacht verlief dagegen ungestörter, nach all der Hitze in der Küche, saßen wir eine Weile auf den Stufen des Hauses im leichten Nieselregen bis es angenehm kühl wurde :)

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