Meine Mutter und ich im fast Frisuren Partnerlook (mit Teddy), auch wenn ihre Locken aus dem Wickler kamen und meine einfach so passierten. Und wie immer bin ich mit meinen schwer frisierbaren Naturwellen unzufrieden und sie mit ihrem gerade herunterhängendem Haar... Frauenprobleme :)
In dieser Woche bekam ich eine Facebook Freundschaftsanfrage von einem Jungen, den ich bereits als Baby kannte (also er war das Baby und ich 19 Jahre alt), erste Bilder mit ihm malte, zum Fußballtraining begleitete... nun ist er groß und beantwortet Facebook - Tests zum Thema: Wie Psycho bist du... - Aus Kindern werden Menschen...
Es ließ mich darüber nachdenken, daß meine Mutter in meinem Alter bereits zwei Kinder hatte und ich war schon 11 Jahre alt.
Ich wollte auch immer eine junge Mutter werden und wenn es so geklappt hätte, dann ginge mein Kind längst zur Schule. Aber Gott, das Leben, die Natur... meine chronischen Krankheiten, deren Medikamentation... ich weiß es nicht.... hatten andere Pläne mit mir und ich landete mit der Diagnose unfruchtbar in den Akten. Meine Unfruchtbarkeit ist unerklärbar, was genau das bedeutet: die Ärzte haben eigentlich keinen blassen Schimmer warum ich nicht in der Lage bin schwanger zu werden.
Ich durchlief alle entsprechenden Tests, ich hatte mitunter „schwanger“ als Diagnose und wurde vorsichtig darüber informiert, daß ich aufgrund der Hormonbehandlungen Zwillinge bekommen könnte... und dann wieder nichts, gesenkte Blicke und die Aussage, daß man sich wohl getäuscht hätte. Zum Schwanger werden gibt es mittlerweile viele Therapiemöglichkeiten, zum Schwanger bleiben eher wenige. Dann war das Kind wohl krank heißt es oder Sie waren wohl nicht bereit schwanger zu sein. Wenn Ärzte nicht mehr weiterwissen, ist immer der Patient schuld.
Nach einiger Zeit war mein Körper von der Hormontherapie so aufgedunsen, daß ich durchaus schwanger aussah und mit extremen Nebenwirkungen, wie Wassereinlagen und tiefen Depressionen zu kämpfen hatte. In manchen Wochen musste ich mich beinahe täglich zum Fertility Center der DRK Kliniken in Westend schleppen, da mein Blutbild Purzelbäume schlug.... ein Krampf bei ständigen Bauchschmerzen.
Irgendwann war ich völlig kaputt und musste eine Zwangspause in der Behandlung einlegen, die zusätzlichen Hormone wurden zu gefährlich für mich.... ‚Sie sind ja noch jung,' wurde ich getröstet... und ich kam nie wieder zurück. Das war vor gut zehn Jahren.
Meine Mutter kam damit zurecht, daß ich chronische Krankheiten wie Migräne und Asthma hatte, meine Unfruchtbarkeit nahm sie jedoch persönlich.. so etwas durfte ihrer Tochter nicht passieren... auch wenn der Schluß ziemlich nahe lag, daß es eine Folge eben dieser Krankheiten war.
Mit anderen Frauen sah ich, daß es zum Tabuthema wurde... wenn ich offenbarte nicht schwanger werden zu können, schien das eine Art Urangst wachzurütteln, daß ich ihre Kinder wegnehmen könnte, so daß ich sehr vorsichtig darin wurde, was ich wem erzählte.
Als darüber (und vieler anderer Punkte) meine damalige Beziehung letztlich zerbrach, wusste ich, daß jede neue Beziehung mit absoluter Offenheit in diesem Punkt beginnen musste.
Mein Mann war lange darüber informiert, ehe er zum ersten Mal meine Eltern sah und zum ersten Mal anfragte, ob ich mir eine Beziehung mit ihm vorstellen könnte, was ich mit einem, vielleicht sollten wir ersteinmal Freunde werden können, beantwortete.
Er stand dem Gedanken einer Adoption sehr positiv gegenüber, da man einst dachte, daß auch seine Mutter nicht in der Lage wäre eigene Kinder zu bekommen, so daß sein ältester Bruder eigentlich sein Cousin ist (dessen Mutter nach dem frühen Tod ihres Mannes nicht in der Lage war sich und das Kind durchzubringen). Danach bekam sie noch drei eigene Kinder.
Seine Familie durfte über diese Diagnose jedoch nichts erfahren, denn sonst hätten sie einer Heirat wesentlich mehr Steine in den Weg gelegt (Unfruchtbarkeit ist ein legitimer Scheidungsgrund).
Später erfuhr ich jedoch auch, daß A. sich auf das "unerklärbar" stützte und von Ärzten insgesamt keine hohe Meinung hatte, bzw. mein Verhalten als zu dramatisierend ansah. Als ihm nach ca. anderthalb Jahren aufging, daß ich in der Tat die Wahrheit gesagt hatte (wie ungewöhnlich bei Frauen), wurde es ungemütlich in unserer Beziehung.
Mittlerweile scheint er sich damit abgefunden zu haben... aber es gibt immer Zeiten, in denen es schwer für uns beide ist. Erst vor kurzem z.B. konnte ich ihm endlich abringen, daß er mir nicht jedes Mal die Fragen seiner Familie ausrichtet, ob ich denn endlich schwanger sei, jahrelang hieß es sonst jeden Samstag ... und sie würden sich wirklich so sehr über gute Nachrichten freuen... Danke!
Den Gedanken an die Adoption einen Babies habe ich schon lange aufgegeben. Ehe wir irgendwann in der Lage sein werden die Voraussetzungen einer Agentur zu erfüllen, permanenter Beruf, gewisses Einkommen, ein Haus usw. werden wir um die 40 Jahre alt sein und ich finde es einfach unfair, wenn Kinder alte Eltern bekommen - auch wenn es mittlerweile eine Art Mode geworden zu sein scheint.
Also richten sich unsere Hoffnungen darauf, daß wir einst ein Kind oder Geschwister aus einem indischen Waisenhaus adoptieren werden können, die dann bereits älter sind, was die Sache wesentlich komplizierter werden läßt :) Aber selbst wenn wir diese Kinder nur ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten können und vielleicht ihre Ausbildung ermöglichen, dann würde ich bereits mein Ziel als erreicht ansehen und solange stecke ich all diese Muttergefühle, über die ich aufgrund einer ironischen Laune der Natur im Übermaß zu verfügen scheine, hemmungslos in meine Katzen (=^_^=) und versuche natürlich eine vorbildliche Tante zu sein :)