16. Oktober 2011

Sonntagsblumen


Meine Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Erkältung haben sich leider nicht erfüllt, Anands Geheimrezept von heißem Wasser mit Ingwer schmeckt angenehmer als es klingt, hilft nur leider nicht viel. So bin ich dann wieder beim freiverkäuflichen Chemikalien-Wahnsinn der Apotheken angelangt und tanze meinen Spagat zwischen Abhustsirups einerseits, die aber nicht zu effektiv sein dürfen, da sie sonst andererseits Asthma-Attacken auslösen könnten. 
Es ist ein Graus.
Während sich das Wochenende also mit endlosem Nichtstun dahinstreckte, war mit meinem Kopf nicht viel los. Zweimal pro Tag quäle ich mich mit Linus nach draußen (Shweta schnieft auch schon vor sich hin und bleibt lieber nur im Treppenhaus...)  


Dem Kater gefällt es jedoch sehr in dieser raschelnden, sich bewegenden Blätterwelt. Die Temperaturen sind angenehm kühl, die Sonne scheint nur selten und man kann so schön alle Eichhörnchen auf die Bäume jagen... 

 Nur Zuschauer... oder auch: Finde die Katze im oberen Bild... :)


14. Oktober 2011

Flashback Friday

Der Morgen begann einmal mehr damit, daß wir einen (Einbau-)Schrank in der Wohnung ausräumen mussten, denn ein Loch sollte aus dem Kleiderschrank in die untere Wohnung gebohrt werden... nun, es ist 12 Uhr und ich glaube nicht, daß die Herrn Bauarbeiter überhaupt noch eintreffen werden.
Gleichzeitig stört es mich aber nicht allzusehr, daß ich unnötig warten muß, denn seit gestern abend hat mich Anands Erkältung auch erwischt... Es ist ein seltsamer Virus, der bereits die halbe Stadt lahmgelegt hat und sich dadurch auszeichnet, daß es einem drei Tage lang wirklich schlecht geht, mit Heiserkeit, hohem Fieber und Gliederschmerzen und danach... nichts mehr. Kein Schnupfen, keine Kopfschmerzen, vielleicht noch ein bißchen trockener Husten, das wars. Ich hoffe natürlich sehr, daß mein Asthma mir nicht ins Handwerk pfuscht, ansonsten nehme ich Ibuprofen gegen das Fieber, ertrage den schmerzenden Hals und denke, daß es mir ab Sonntag/Montag wieder gut gehen wird. (Das einzig Überraschende ist vermutlich, daß Anand sich vor mir angesteckt hat.)
Insofern sehe ich mir den Herbst heute nur vom Fensterplatz aus an, trinke dabei warmen Tee, ein Spagetti-Kürbis köchelt vor sich hin (der reicht für Mittag und Abendessen) und die Eichhörnchen jagen sich draußen über gelbe Blätterberge.


Das Flashback Fotos handelt demnach vom Herbst.... meinem ersten richtig bunten Herbst, in Schweden.
Während in Deutschland die meisten Blätter grün zu Boden fallen, um zuerst matschig und dann braun zu werden, kann man in Schweden durchaus einen echten „Indian Summer“ erleben und da man in der Nachsaison fährt, hat man das Hinterland auch meist für sich alleine...
Das kleine gelbe Haus direkt zwischen den zwei großen Bäumen gelegen, war übrigens „unser“ Gästehaus, in das unsere Familie jahrelang ab ’95 in den Urlaub fuhr, zumeist im Frühjahr und Herbst.  Der exzentrische Eigentümer samt Dackel wohnte in dem Haus rechts daneben und besaß außer diesen Gebäuden noch eine Scheune für seine Autosammlung, sowie normale Ferienbungalows neben einem Fischteich. 

P.S. Shwetas Hautentzündungen sind allesamt verheilt und verschwunden :) 

13. Oktober 2011

Wochenbilder

Es sollte eigentlich den ganzen Tag regnen... stattdessen erfreuten wir uns einmal mehr an einem wunderschönen, zumeist sonnigen Herbsttag. Der Regen wird dann aber wohl ab morgen samt Gewitter eintreffen und das gesamte Wochenende durchregnen... ach Mann. Das Leben im Haus ist auch kein sonderlich Angenehmes, denn da die Bauarbeiten zum Einbau des Sprinklersystems in vollem Gange sind, hört man überall die Bohrmaschinen, die sich durch Wände und Decken fressen um formschön-rostige Rohre zu verlegen... auch unsere Decken werden bald so verziert sein ...

Ein Ben & Jerry's Eis-Truck vor dem ECHO- Champlain See Museum im Herbst, das ist wohl eine Quintessenz vom Touristendasein in Burlington. 


Diese Aufschrift haben ich kürzlich an der Kellertür gefunden und vom jahrzehnte-altem Dreck befreit... 
Ich glaube ebendieser Dreck hat die Farbe wohl auch so gut konserviert. Das Haus selbst soll aber noch gute 40 Jahre älter sein, als die Tür.

Ich frage mich nur, ob diejenigen die anrufen auch wirklich vorher das Schild lesen, daß sie nicht anrufen bzw. überhaupt rufen dürfen...

 Eichhörnchen futtern übrigens grüne Tannenzapfen auf, als wären es Maiskolben.
 
Miniäpfel!

In manchen Hinterhöfen findet man unvermutet gefährliche Raubtiere.

Die niedrigeren Wolken legen sich wie eine (löchrige) Decke über die Adirdondack Berge. Schön :)

Neulich an der Uni: (man könnte natürlich auch einfach nur Toilette schreiben, aber das wäre ja langweilig...)

Unsere Katzen benötigen immer besonders viel Zuwendung, wenn wir von einem Urlaub nach Hause zurückkehren. Für die ersten Tage, schläft die Minikatze zwischen uns und Linus folgt mir auf Schritt und Tritt. Man muß schließlich genau aufpassen, daß die Menschen nicht plötzlich wieder verschwinden. 

Eine im Erdgeschoß lebende Nachbarin hatte Cherry-Tomaten gepflanzt und war dann vor der Ernte ausgezogen. Ihre Nachmieterin mag keine Tomaten also suchten wir uns seitdem regelmäßig die Besten aus.

Ich befürchte jedoch, daß dieser Teller unsere letzte Ernte des Jahres sein wird. 


Und dann war da noch die Geschichte von dem Baum mit der Gabel:

Liebe fast schon Freitag Grüße und bis hoffentlich morgen ... Thea ... :)
P.S. Das ist mein 600. Blogeintrag für Bread Story! 

12. Oktober 2011

Banshee


Die letzten Tage war es ungewöhnlich warm und sonnig im Vermonter Herbst. Es war zwar nicht so warm wie in anderen Landesteilen, aber 25°C konnte man schon erreichen und einen kleinen Sonnenbrand gab es gratis dazu. Am Montag machte ich mich auf die Wasserfälle am Winooski Fluß zu besuchen und gestern ging es mit dem Fahrrad durch Wald und Wiesen des Intervale, einer tiefergelegenen Fluß-Aue neben der Stadt. 
Ich fahre und wandere gerne durch diese ländlichen Region zwischen den Stadtteilen Old und New North End, man kann den Bauern bei der Arbeit zusehen und Hundebesitzer kommen eher selten dorthin, denn sie bevorzugen die Radwege am Seeufer. 
Selbst Wochen nach dem Hurrikan ist man im Intervale immer noch damit beschäftigt die Schäden auszubessern. Die Straßen sind voller Löcher, Felder deren Ernte aufgrund verseuchten Flutwassers nicht verkauft werden darf, werden umgepflügt, zerstörte Treibhäuser entsorgt. 
Einige der Minifarmen werfen das Handtuch, denn nach vier Überflutungen in einem Jahr bleibt ihnen nichts anderes übrig. Vielleicht sollten die Menschen endlich einsehen, daß es Gebiete gibt, die trotz fruchtbaren Ackerbodens nicht landwirtschaftlich genutzt werden können... zumindest nicht i.S. eines Berufes, Privatgärten wären vielleicht eher bereit das Flut-Risiko einzugehen. Ich könnte mir aber auch einen großen Park vorstellen, der durch Schafsherden gepflegt wird. Die Schafe könnten bei Flut jeweils auf den Hängen weiden und bei trockenem Wetter innerhalb der Aue das Gras kurzhalten. (Mähähhh ;) 


Trotz all des menschlichen Dramas war der Tag jedoch wunderschön, die Bäume strahlten in Gold- und Rottönen um die Wette, die Frösche am kleinen Tümpel quakten und für Eichhörnchen und Streifenhörnchen hat jetzt die wichtigste Zeit des Jahres begonnen, denn es gilt die Wintervorräte anzulegen und sorgfältig zu verstecken. 
 Nach einiger Zeit erreichte der Weg das erste Mal den Winooski Fluß und während ich auf die schlammverkrusteten Ufer starrte, auf Inseln, die nur noch zur Hälfte vorhanden waren, änderte sich meine Stimmung. Trotz Sonne, offener Landschaft, Weite... fühlte ich mich bedroht, als wenn im nächsten Moment Etwas... ich wusste nicht was, passieren könnte und fast wie gejagt, eilte ich weiter. Das nächste Wäldchen wurde zur Qual, egal daß es nicht einmal dicht genug war und man von allen Seiten Fluß und Feld durchscheinen sehen konnte, ich fühlte mich beobachtet, in Gefahr, als hinge eine unsichtbare Drohung in der Luft. 


Nach einer wilden Fahrt erreichte ich das Ende des Waldes und der Weg führte direkt zum Fluß zurück. Nun konnte ich wieder frei atmen, machte sogar ein paar idyllische Fotos von Fluß und gelben Bäumen, doch beruhigen konnte ich mich nicht. Was wenn es, jemand, etwas mich einholen würde und wie jemand, der vor einem herannahenden Zug davoneilt, machte ich mich auf den Rest des Weges durchzurasen... mich hin und wieder umdrehend. Ich glaube wenn in dem Augenblick ein Jogger entlang gelaufen wäre, ich hätte einen Anfall bekommen. 


Schnell genug erreichte ich das Gelände des Ethan Allen Museums und jedes Gefühl der Bedrohung verschwand als wäre es nie dagewesen, stattdessen fühlte ich nun überwältigende Freude, Dankbarkeit und Glück gerade noch einmal davongekommen zu sein. 
Für die anderen Museumsgäste muss ich einen seltsamen Anblick geboten haben, mit hochrotem Kopf, Tränen und außer Atem hing ich über einem der Picknicktische gebeugt, bis ich einmal mehr das Gefühl hatte beobachtet zu werden... aber es waren die freundlichen Augen eines Eichhörnchen, das sich ganz nah an mich herangewagt hatte. Während ich meinen Kopf hob, begegneten sich unsere Blicke sekundenlang und ich wunderte mich einmal mehr, ob Tiere eigentlich mehr sehen können als Menschen. Wusste das Eichhörnchen was dieses Etwas war, daß mir solchen Schrecken versetzt hatte? 


Für einen Augenblick überlegte ich, ob ich ins Museum gehen sollte und nach den Geschichten über das Intervale von den lokalen Ureinwohnern fragen sollte... aber dann verwarf ich den Gedanken wieder, zum Einen würde ich wahrscheinlich für verrückt gehalten werden, wenn ich fragen würde, ob die Abenaki Indianer von einer Bedrohung an der Wegbiegung neben dem Wald wussten, zum Anderen fürchtete ich mich davor, daß die Antwort: Ja! lauten könnte. Also weg-erklärte ich mein Erlebnis, denn wahrscheinlich war ich nur traurig aufgrund der Zerstörungen des Flusses, stellte mir die Schlammlawinen zu lebhaft vor, hatte Kopfschmerzen oder bekam eine Erkältung und das erzeugte eine Illusion der Bedrohung. 
Im Hinterkopf dachte ich jedoch auch darüber nach, daß Physiker derzeit an Neutrinos forschen, deren Energiefelder sich verändern, ohne mit anderen Partikeln in direkten Kontakt zu kommen, was vielleicht einmal sogenannte „Geister-Erscheinungen“ erklären könnte, denn letzlich ist alles nur eine Frage der Energie. 
Ein wenig dachte ich auch darüber nach, wieviele Menschen im Laufe der Jahrhunderte dem Lockruf des fruchtbaren Intervale-Landes gefolgt waren um Ackerbau zu betreiben (laut Museum konnten 700 Jahre landwirtschaftlicher Nutzung nachgewiesen werden). Heutzutage wohnt niemand mehr dort und es handelt sich nurmehr um ein finanzielles Grab... doch wieviele Menschen starben früher bei den Versuchen sich aus den rapide steigenden Fluten des Winooskis zu retten? 
Als ich nach Hause kam suchte ich trotz Gänsehaut nach Abenaki Geschichten aus der Gegend und fand die Sage von M-ska-gwe-demoos, der Frau aus dem Sumpf... deren Beschreibung mich sehr an die irischen Banshees... Moorhexen erinnerte.

11. Oktober 2011

Das Haus


Als wir letzte Woche nach New York City fuhren, dachte ich, daß ich in den Morgenstunden wenn alle noch schlafen... jeweils an meinen Boston Abenteuern weiterschreiben könnte. Nun, wie man an dem verwaisten Blog unschwer erkennen kann, geschah das nicht. Stattdessen quälte ich mich durch lange Tage in Manhattan. 
Eigentlich ist die Stadt wirklich toll aber die Kombination aus maximal 6 Stunden Schlaf und dann 12 Stunden plus auf den Beinen, hielt ich nicht lange aus. Ich lebte von Kaffee und Schmerzmitteln und selbst das half nur ein paar Tage. Danach meinte ich zu Anand: Mach viele Fotos, so daß ich mir später anschauen kann, wo wir überall waren. Als wir mit dem Bus zurück fuhren, verschlief ich folglich fast die gesamten 9 1/2 Stunden Fahrt, kurz darauf folgten 10 Stunden Dauerschlaf zu Hause und erst danach begann ich mich langsam wieder wie ich selbst zu fühlen. 
Diese Fotos mag ich mir jetzt aber noch gar nicht angucken und so kehre ich stattdessen zu unserem beschaulichen Boston Ausflug zurück:


Unsere sehr preisgünstige Privat-Unterkunft in Cambridge, MA hatten wir... ich hatte es bereits erwähnt über airbnb gebucht. Wir waren durch die Internet-Kommentare der vorherigen Besucher vorgewarnt worden, daß das Haus von außen (und in recht großen Teilen auch innen) "wild" aussah, aber egal wieviele Gegenstände überall herumstanden, das Chaos hatte System und es war überraschend sauber, (mit Ausnahmen) selbst in der letzten Ecke. 


Es war klar erkennbar, daß der Herr des Hauses viele Ideen hat und diese sofort umsetzen wollte, nur an der Beendigung dieser Baumaßnahmen scheiterte es in vielen Bereichen, wahrscheinlich weil voller Ungeduld schon neue Ideen umgesetzt werden mussten. So hingen offenbar schon länger Dachplatten auf den Leitern, die zum Dach führten, hatten manche der irren Einbauregale, den Pinsel zum Fertig-Ausmalen noch daneben liegen, wurden Dinge mit kunstvoll umwickelten Gewebeband zusammengehalten und ein Oberlicht konnte auch problemlos nur aus Plastikplanen bestehen. All das war jedoch auch furchtbar interessant und befriedigte meine Neugierde darüber, wie andere Menschen eigentlich leben. 
Manche der Baumaßnahmen waren richtig gut, z.B. alte Türblätter, die zu Standspiegeln umgemodelt wurden, ein Küchenregal aus Glasquadersteinen, das gleichzeitig als Wanddurchbruch Licht für den ansonsten fensterlosen Flur spendete, die Mosaikarbeiten im Bad, das sonnige Frühstückszimmer usw. Und das Bett in unserem Zimmer war toll. 


Zusätzlich zu den Bauarbeiten kam jedoch ein exzessives Sammelinteresse, was etwas problematischer war, da was immer Gäste ins Haus bringen, es dieses offenbar nicht mehr verläßt. So gab es sechs offene Cornflakes Packungen in der Küche... die Lebensmittel in einem der übervollen Kühlschränke stanken schon verdächtig vor sich hin und eine Riesenauswahl an Duschgel und Haarshampoos aus aller Herren Länder im Bad erinnerte uns daran nichts im Haus wegzuwerfen, was vom Hauseigentümer der Sammlung hinzugefügt werden könnte. Stattdessen nahmen wir selbst unsere halbleere Frühstücksmarmelade mit nach Hause, wohlwissend, daß sie ansonsten bis in alle Ewigkeit in der Küche vor sich hinrotten würde.
An unserem letzten Tag wurden wir mit einer sehr spirituellen Schlüsselübergabe verabschiedet und schüttelten einmal mehr verwundert und leicht amüsiert den Kopf. 


Wir würden diese Unterkunft vermutlich nicht noch einmal wählen, aber sie war definitiv einen Besuch wert... :)

2. Oktober 2011

Boston Anfahrt

 Blick aus dem Busfenster


Ein Jahr lang warteten wir auf den perfekten Zeitpunkt um nach Boston zu fahren, denn es sollte nicht zu heiß, nicht zu kalt, nicht zu regnerisch sein und so fiel unsere Wahl auf Ende August-Anfang September. Zeitgleich fanden wir ein Bus-Sonderangebot (mit Megabus), so daß unsere 5 stündige An+Abreise jeweils nur 2 $ kostete, perfekt. 
Unsere Unterkunft buchten wir über airbnb, wo man Gästezimmer von Privatpersonen mieten kann. Wir fanden so ein Zimmer in Cambridge, direkt an der U-Bahnstation Central Square gelegen. Die Familie besaß ein Haus mit zwei Wohnungen in einer ruhigen Sackgasse und während sie unten mit ihren Katzen wohnten, vermieteten sie die obere Wohnung bei airbnb. Es gab drei Schlafzimmer, Bad, großzügige Küche und Wohnzimmer und wir mieteten davon ein kleines rot-grünes Eckzimmer. Das gemeinschaftlich genutzte Bad machte mir am Anfang etwas Sorgen, aber wir konnten uns gut mit den anderen Gästen arrangieren (die gemeinsame Sprache: deutsch, half dabei ^^).
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Die Busfahrt fand eine Woche nachdem Hurrikan Irene Vermont verwüstete, statt und obwohl der Highway nach Boston zumeist unbeschädigt blieb, war es schon ein seltsames Bild durch den südlichen am stärksten getroffenen Teil des Landes zu fahren. Die Berge waren so grün wie immer, aber in den Tälern stimmte das Bild nicht mehr. Man fuhr durch graue, schlammverkrustete Landschaften wo einmal Felder und Wiesen waren, angeschwemmte Baumstämme türmten sich auf den noch stehenden Brücken auf und selbst das Leben schien irgendwie stillzustehen, denn man sah keine Menschen, Autos, Kühe... die sonst zum Standardbild dazugehören. Bald verließen wir jedoch diese gespenstische Szene und nach New Hampshire kam alsbald Massachusetts (mit freien Internet im Bus, verging die Zeit wie im Fluge). Die Städte wurden größer, die Hochhäuser höher und dann erreichten wir Bostons South Station. Mit der U-Bahn ging es in unsere Unterkunft und schon waren wir frei die Stadt zu erkunden. 

                                                                                                       Das schielende Haus

Statt mit der Bahn beschlossen wir uns Cambridge zu erlaufen (wir saßen schließlich schon den ganzen Tag herum.) Cambridge ist ein eigenständiger Vorort von Boston und zumeist bekannt als Sitz der Universitäten Harvard und M.I.T. 
Nach einigen guck-mal da-die Kirche Umwegen, erreichten wir Harvard Square, wo am Freitag Abend Volksfest-Atmosphäre herrschte und die Menschen sich versammelten um Breakdancern und Gauklern zuzusehen. 


Wir machten unseren Pflichtbesuch an der Statue von John Harvard, erkundeten den Campus und die schönsten Gebäude. Ich versuchte begeistert zu sein, aber eigentlich kam mir alles sehr steif und pompös vor, voller Vorschriften und Verbote, z.B. das nicht betreten, dort nicht hineingehen, es gibt keine öffentlichen Toiletten usw. ... Natürlich ist das ein Resultat dessen ein Touristenmagnet zu sein, aber die Uni wird auch überall massiv als Attraktion beworben und dann erwartet man zumindest irgendeine Art von Entgegenkommen. Aber nein, man darf als Nicht-Harvard Mensch kein Gebäude betreten außer den Museen und ansonsten heißt es igitt Touristen. Nach diesem eher ernüchternen Erlebnis erfreuten wir uns dennoch am strahlend-warmen Licht der Abendsonne und statt dem obligatorischen Harvard Sweatshirt kaufte ich mir einen Strickjacke zwecks sofortigen Gebrauchs. (Später kam dann doch noch ein T-Shirt hinzu... aber nur weil die Boston T-Shirts selbst allesamt zu bunt waren...) 


Nachdem wir den Ausgangspunkt Central Square wieder erreicht hatten, kauften wir in einem Biomarkt etwas zum Frühstück ein (Vermont hat zumindest in der Hinsicht auf uns abgefärbt) und suchten uns aus der reichen Anzahl an indischen Restaurants eines aus, in dem wir essen würden. „Shalimar“ ist das schlechteste indische Restaurant in Burlington, der Cambridger Namensvetter war aber guter indischer Standard und solchermaßen gesättigt und müde, endete unser erster Abend in der großen Stadt. 


30. September 2011

Flea Flashback Fl(r)iday


In dieser Woche war es einmal mehr Shweta, die im Mittelpunkt der Gesundheitsprobleme stand, denn seit der Flohinvasion im Juli, kämpfen wir mit dem leidigen Thema. Die Wohnung ist flohfrei, Linus ist flohfrei, Shweta nicht. Nach jedem Hof-Spaziergang muss die Katze auf neue schwarze Punkte abgesucht werden, denn jeder übersehende Floh kann eine neue Invasion bedeuten und so langsam bin ich es wirklich leid jeden zweiten Tag zu staubsaugen. 
In Kanada gab es mit „Revolution“ ein sehr gutes Mittel, das einmal alle 6 Wochen in den Nacken getröpfelt wurde, auf Alkoholbasis war und solange man die Routine halbwegs einhielt, hatte man überhaupt keine Probleme mit Ungeziefer. Die US-Versionen davon kommen von Frontline und Advantage, sind beide teurer und auf Ölbasis. Das bedeutet, daß nach dem Auftragen, die Katzen eine Woche lang mit öligen Nacken herumlaufen und diese Mittel scheinen insgesamt nicht sehr wirksam zu sein z.B. schützt keines der Tropfen vor Herzwürmern und offenbar nur bedingt vor Flöhen. Sämtliche Nachforschungen meinerseits, wie man das kanadische Mittel in den USA erhalten könnte, brachten Preise ab $25 pro Einmal-Packung zum Vorschein und das erschien mir bisher zu teuer. 
Stattdessen folgte ich der altmodischen Version und verpasste Shweta zusätzlich ein Flohhalsband. Das hat jahrelang bei allen unseren Katzen funktioniert, also warum nicht... und es schien auch zuerst erfolgversprechend. Sie hatte keine Flöhe. Leider entwickelte sie eine Kontaktallergie mit großen roten, entzündeten Stellen und nach einem kurzen Panikanfall meinerseits... Aaaaah, Ringwürmer? kamen wir recht schnell auf das Flohhalsband als Übeltäter. Ein Blick im Internet bestätigte das, ja, Hartz 3-in-1 Flohbänder sind bekannt für ihre allergischen Reaktionen insbesondere bei Angora Katzen. Ich wusste doch, daß ich einer Firma mit „Hartz“ im Namen nicht hätte trauen dürfen... 
Nun sind wir also wieder beim Flohabsuchen angekommen und hoffen, daß Shwetas Entzündungen ohne Tierarztbesuch von alleine heilen. 


All das erinnerte mich in dieser Woche an unseren ersten Kater Willie, dessen Flohprobleme einmal die gesamte sommerheiße Wohnung vereinnahmten und uns schmerzlich bewusst machten, daß Flöhe keinen Wirt benötigen um zu schlüpfen. (der Kater war mit uns im Sommerurlaub...) 
Die Aufräumaktionen und der Insektenspraymittel-Verbrauch der folgenden Tage ist jedenfalls fast 20 Jahre später immer noch legendär ... :)

100 Videos und immer weiter

Nun ist schon fast wieder eine Woche vergangen, seltsam wie die Zeit manchmal zu rennen scheint, und ich war einmal mehr busy, busy, busy.... ich beendete zwei Bilder, arbeite an einem gelben Schal, fand eine neue Fahrradstrecke entlang der UVM Farm und heute durfte ich den ganzen Tag ein indisches Kostüm ändern, welches am Samstag einer XXS kleinen Person nicht nur passen muss, sondern sie muss darin auch tanzen können ... toi toi toi, das Stretch-Pailetten-Glitterzeugs war das Schlimmste an was ich seit langem herumgenäht habe und da ich nur Baumwollgarn zu Hause hatte, habe ich arge Bedenken, ob das auch alles so hält. 
Auf der positiven Seite habe ich gestern nach diesem Rezept ein perfektes Thai-Curry gekocht, das von Anand spontan auf Platz 2 der besten je von mir gekochten Rezepte gestellt wurde (Platz 1 ist meatpie). 


Und wenn hier im Blog manchmal Flaute herrscht, so gibt es neben Teodeco, Twitter, Facebook und Tumblr auch immer noch meinen Youtube Account. 
Dort feierte ich vor kurzem mein 100. Video und wenn man Lust hat sich die Videos aus dem Blog noch einmal anzusehen, bzw. die Videos zu entdecken, die es aus verschiedensten Gründen nie in den Blog geschafft haben, dem empfehle ich einen Blick auf meinen Seite: http://www.youtube.com/user/teodoraa26

Wie z.B. das Weihnachtsvideo vom letzten Jahr (bei dem Regenwetter wird einem schon ganz feierlich zu Mute.... :D dieses Video z.B. wurde im Blog vergessen, da ich es erst im Juni gepostet habe... ^^

 

25. September 2011

Konzert

Den Freitagabend verbrachten wir einmal mehr in der UU Kirche zum vorerst letzten Konzert der Church Street Concert Series. Die Standardanzahl von eine Handvoll Leuten pro Konzert, macht es der Kirche unmöglich, die Anreisen der auftretenden Pianisten zu bezahlen. An diesem letzten Konzerttag waren es immerhin 12 Leute im Publikum. 
Dazu muss man aber auch sagen, daß diese Konzerte zu den am schlechtesten beworbenen Konzerten in Burlington gehören. Man hört einmal ein Datum... irgendwann Wochen später soll ein Konzert stattfinden und dann kommt nie wieder was, selbst am Konzerttag rätselt man noch, ob das Konzert überhaupt stattfindet. Das machte die Serie zu einem so geheimen Geheimtip, daß schlichtweg niemand davon erfuhr.

Der Pianist des Abends, Dr. Nicholas Phillips fühlte sich sichtlich unwohl, ein Duzend Leute im Publikum war natürlich sehr wenig, es war heiß und stickig in der Kirche und zwei Lichter über dem Altar gingen an und aus, an und aus... ein offenes Fenster half etwas und ohne weitere Einführung, ohne „Hallo ich bin..“Worte setzte sich Herr Phillips ans Klavier und spielte Mozarts Sonate in F-Dur (K.332).
Bei den vorherigen Konzerten war es für das Publikum sehr interessant zu erfahren warum ein vermeintliches Standardwerk von einem Pianisten für das Programm gewählt wurde, was es für ihn/sie bedeutete, das war hier nicht möglich und so gab es auch keine Möglichkeit sich für die Person des Auftretenden zu begeistern. Da saß eben einfach jemand am Klavier und spielte Mozart. 
Zu den nächsten Stücken hörten wir immerhin ein paar Worte von ihm, denn die Musik des kroatischen Komponisten Boris Papandopulo ist schlichtweg völlig unbekannt. Ein wenig hörte man aus diesen Worten eine besondere Freude heraus neue Musik und Komponisten zu finden und in den USA bekannter zu machen, aber das kann auch von mir hineininterpretiert worden sein. Vor allem die drei Stücke aus Acht Tempo Studien von 1956 waren sehr toll, mit dem Stück Vivacissimo (welches mit der rechten Hand nur in den höchsten und der linken Hand nur in den tiefsten Tönen gespielt wurde) als Höhepunkt. 
Leider bewirkte zu dem Zeitpunkt bereits das offene Fenster seine Magie und hunderte Mücken überfielen die Kirche und ihre wehrlosen Opfer. Anstelle uns auf die Musik konzentrieren zu können, versuchten alle mit dezenten Abwehrbewegungen der Plage her zu werden...mit wenig Erfolg. Nach ca. 10 Mückenstichen und nachdem ich bereits im Schneidersitz auf der Kirchenbank saß, die Beine so gut es ging unter dem Rock begraben, bemerkte ich, daß die Pause bereits begonnen hatte und der Pianist nicht einmal mehr im Raum war. 
Nach der Pause ging der Abend mit Robert Schumanns Symphonischen Etüden zu Ende. Dabei bemerkte das Publikum immer häufiger ein gewisses charakteristisches Zucken des Pianisten. Auch er wurde von den Mücken nicht verschont... und ab dann hasste er vermutlich den Abend. Trotzdem kam er tapfer durch alle Etüden, bis zur letzten der 12. ab der plötzlich alles schief zu gehen schien. Ich kenne diese Stück von Schumann nicht, bin aber recht vertraut mit seiner Harmonik und da funktionierte einiges nicht mehr. Leider scheint Herr Phillips jemand zu sein, der wenn er einmal anfängt falsch zu spielen auch den Rest des Stückes komplett verhaut und so klang das Finale wesentlich „moderner“ als vom Komponisten geplant... nunmehr hasste sich der Pianist wohl auch selbst. Nach dem Schlußakkord verließ er fluchtartig den Raum und fühlte sich erst nach einer Minute in der Lage zurückzukehren und das unschlüssig auf den Sitzen verweilende Publikum zu verabschieden. 
Nach diesem seltsamen Ende, verließen wir im Nieselregen die Kirche, unsere übliche Kneipe war zu voll und so probierten wir eine andere aus (traue nie leeren Kneipen an einem Freitag Abend.) Es gab nur Flaschenbier, das teilweise schon mehr als eine Jahr überlagert war, das Essen (selbstgemachte Kartoffelspalten mit Chili con Carne und Käsesoße) war interessant, aber der nächste Tag quittierte mir das alte Bier mit einer megadicken Migräne... Fazit: In dem Abend war wirklich der Wurm drin. 

Nicholas Phillips spielt Boris Papandopulo:

24. September 2011

Grattis på födelsedagen


Nach den Geburtstagsposts der vergangenen Jahre fällt es langsam etwas schwer Neues zu (er)schreiben, dafür teilt mir aber sogar Skype mit, welcher Tag heute ist :) Insofern Herzlichen Geburtstag zum 55., Papa.


Im letzten Jahr freute ich mich heute auf ein baldiges Wiedersehen im Oktober, in diesem Jahr bleibt mir nur mit einem Seufzen die Christian Heinze Radierungen über dem Schreibtisch anzuschauen und zu hoffen, daß das Telefon später funktioniert. Ich kann mir zwar ein wenig vorstellen, daß das letzte Jahr ein ganz besonders Schwieriges war und es wird wahrscheinlich noch härter im nächsten, bis es endlich besser werden kann, aber auch das geht vorbei :) 
Wie es dir dabei geht, kann ich nur schwer vermuten, denn zwischen den (fast) ‚alles super’ Meldungen von Mutti und den Horrorgeschichten einer gewissen Ärztin aus Rostock liegt die Wahrheit wohl wie immer irgendwo dazwischen. 
Insofern unterhalte ich nunmehr mit einer Liste an schlechten Dingen, die ich von Dir geerbt haben soll (es dürfen Dinge hinzugefügt werden) und wünsche Dir im nächsten Jahr ganz viel Gesundheit :) 
Ich wurde mit vielen Talenten und Interessen gesegnet, die ich allesamt verschwende und nicht mit der nötigen Zielstrebigkeit verfolge, z.B. da mich nie etwas lange genug interessiert… 
Ungeduld… ich bin der ungeduldigste Mensch, den ich kenne, meine Aufmerksamkeitsspanne beträgt ca. 5 Minuten, in Warteschlangen wohl eher 5 Sekunden. 
Mein Haare sind unkämmbar, strohig und kompliziert widersetzen sie sich den meisten Versuchen etwas anderes aus sich machen zu lassen, außer einfach nur so herumzuhängen. 
Ich betrüge Ärzte um gesünder zu erscheinen als ich bin. 
Ich reagiere auf Streitigkeiten mit eisigem Schweigen. 
Ich gehe nicht manchmal mit dem Kopf durch die Wand sondern fast immer… nur manchmal suche ich nach der Tür. 
Ich werde immer schwerhöriger. 
Ich habe Heuschnupfen. 
Ich vertrage keinen Kaffee. 
Wie sehr ich mich auch bemühe, ich bin eigentlich nie pünktlich. 
Wenn ich ein Buch lese, bin ich für den Rest der Welt verloren. 

Die vollständige Liste aller guten Dinge wird im nächsten Jahr erscheinen, drei Dinge die ich nicht geerbt habe umfassen: Du bist wesentlich toleranter anderen Kulturen gegenüber. Du bist der bessere Zuhörer. Und natürlich lernst du Sprachen wesentlich schneller :) 

(erstellt in Zusammenarbeit mit Anand Sharma) 


Unabhängigkeitstag (mit 2 1/2 Monaten Verspätung)


Während ich noch mit meinen Boston Berichten beschäftigt bin, fiel mir auf, daß ich den Ausflug von Ania nach Vermont eigentlich nie richtig beendet habe... laut Blog ist sie sozusagen immer noch hier und nicht schon am 4.Juli wieder zurück nach Ottawa gefahren, denn ich habe das bisher vergessen zu schreiben, hmm hmm... dabei gäbe es eigentlich nicht mehr viel zu beschreiben.
Aber der Ordnung halber... wie Ania aus Vermont abfuhr:


Am Abend des 3.Julis sahen wir uns das Feuerwerk zum Unabhängigkeitstag an (welches aus irgendeinem unverständlichen Grund jeweils am Vorabend des 4.Juli stattfindet) und stellten fest, daß wir noch nie soviele Menschen auf einem Fleck in Burlington versammelt gesehen haben.
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Erfreulicherweise neigen die Leute hier aber nicht zum patriotischen Verkleiden, so daß uns keine rot-weiß-blaue Sektentracht erwartete, sondern ganz normale Menschen in Vorfreude auf das folgende Feuerwerk. Selbiges dauerte eine halbe Stunde, war sehr schön und das Bier danach in einer äußerst leeren Church Street Tavern ebenfalls. (Wir sind schnell den Berg hochgelaufen, um vor den Massen in den Restaurants zu landen... oh, es war so leer und dann ganz schnell voll ;)

 Für ein Spiel Triomino ist eigentlich immer Zeit. 

Am letzten Tag ihres Besuchs gings ab an den Strand, danach wollte Anand noch etwas spektakulär-indisches kochen bzw. jede Menge Rezepte mit Ania teilen, aber dazu kam es nicht, denn das Klavier des ausziehenden Nachbarn musste von seiner Terrasse in den LKW geschoben werden.


Der war damit schon den ganzen Tag beschäftigt und langsam etwas verzweifelt (auch aufgrund der vielen hilfreichen Ratschläge von Doris), so daß Anand zwei weitere Freunde zum Mitschieben verpflichtete und sie den historischen Flügel schnell und sicher verladen konnten. Ania war zwar etwas traurig, daß das Ende ihres Besuchs damit etwas hektisch und kurz wurde, aber das war dann leider nicht mehr zu ändern... beim nächsten Mal versprachen wir hoch und heilig, wird alles besser :)

Nochmals alle „Ania in Vermont“ Bilder finden sich hier oder wem das zu schnell geht, der kann stattdessen direkt im Web Album vorbeischauen: Link.
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