28. März 2020

Homeoffice


Mein Mann hat zwar seinen eigenen Schreibtisch, aber am Liebsten arbeitet er auf der Couch sitzend, gerne bis tief in die Nacht. Deswegen war der Schreibtisch zwar immer Abstellfläche für was auch immer u.a. den Drucker, ansonsten aber Deko. Darunter steht das Zweit-Katzenklo für Amiya, weil sie nicht so lange warten kann, wenn jemand das Bad zu lange blockiert. Außerdem ist es abends wichtig, wenn wir die Katzengruppe trennen, so daß Linus und Shweta in Ruhe schlafen können, während Amiya richtig aufdreht und ganz viel spielen muss.

Jetzt aber  - im Zuge der Pandemie-Lebensveränderungen - ist das Homeoffice plötzlich zum echten Arbeitsplatz aufgestiegen: Mein Nachttisch ist nun der ‚Beistelltisch‘ für den Drucker, damit auf dem Schreibtisch mehr Platz ist und hinter den Schreibtisch haben wir eine Gardine an die Decke getackert, damit A. immer einen neutralen Bildschirmhintergrund bei seinen Video-Anrufen hat. 
Ihn würde auch der normale Wohnzimmerblick überhaupt nicht stören, aber ich kam mir doch etwas seltsam vor, mitten in (ziemlich langen) Besprechungen durch das Bild in die Küche zu tapsen.
Eigentlich haben wir auch noch ein Gästezimmer, aber in diesem Anfang-90er Stahlbeton-Decke, Massivbau-Gebäude ist der beste Wlan Empfang eigentlich nur direkt neben der Fritzbox garantiert (unser Repeater ist gerade durchgeschmort).
Und weil Amiya auch diese Videohintergrund-Gardine mitten im Wohnzimmer total spannend findet, wird die Gardine zu ihrer eigenen Sicherheit bei Nicht-Nutzung aufgerollt. 


26. März 2020

Neue Normalität


Wie bereits erwähnt, haben wir uns in diesem Winter ohnehin eingeschränkt, so daß ich gesund durch die Erkältungszeit komme. Reisen, die länger als ein Tagesausflug waren, unternimmt A. schon seit Dezember nur alleine, bereits im Februar haben wir überlegt was noch möglich ist: Natürlich der 1. Geburtstag der Nichte wurde in Köln trotz einer Übernachtung nicht verpasst, und ja, ich war danach zwei Wochen lang erkältet. Zum Karneval fuhren wir nicht zum Rosenmontagszug, sondern waren am Dienstag auf einem Familien-Stadtteilumzug in Junkersdorf mit genügend Abstand zu anderen.
Im Zug nach/ab Köln konnte man eher weniger auf Abstand gehen und so beschloss ich für die nähere Zukunft darauf zu verzichten. Deswegen sagten wir auch ein Treffen Anfang März mit einem Freund aus den USA, der auf Dienstreise in NRW war, lieber ab.
In Aachen war A. natürlich noch auf den Bus angewiesen, um zur Arbeit zu gelangen und auch wenn wir am Wochenende den Bus so wenig wie möglich nutzten, waren wir doch hin und wieder damit unterwegs. 

Am 10. März, ein Dienstag war dann Holi in Indien und A. etwas traurig. Ich kann das verstehen, denn egal wie lange man in einem anderen Land lebt, die Feiertage sind schwierig ohne die Familie. Also beschlossen wir am Abend wenigstens ein indisches Restaurant in Aachen zu besuchen. Da ich erst nach 19 Uhr mit dem Bus fahren würde, dachte ich, daß das Risiko kalkulierbar ist, schließlich fahren die meisten von Aachen nach Hause, und nicht Richtung Aachen. Leider war der Bus trotzdem voll und gefühlt schniefte jeder zweite vor sich hin. Das war also auch mein letzter Tag an dem ich mit dem Bus unterwegs sein würde.
Das Restaurant, das wir besuchen wollten, war ohne Angabe von Gründen geschlossen - so mussten wir leider auf ein anderes ausweichen. Alle indischen Restaurants in Aachen haben Bewertungen von Leuten, die feststellen mussten, dort das schlechteste Essen ihres Lebens gegessen zu haben, zu überteuerten Preisen natürlich - nur das Restaurant, in das wir ursprünglich wollten, hat überraschenderweise ausschließlich positive Bewertungen. Jetzt gingen wir in ein Restaurant, was immerhin okay sein sollte, leider war es wirklich nicht gut, das Curry war sauer, das Knoblauch-Naan kam ohne Knoblauch, der Masala Chai ohne Zucker und auch die normalen Gewürze schienen zu fehlen. Immerhin war das Restaurant recht leer, so daß es einfach war Abstand zu den Mit-Gästen einzuhalten. Und ja, selbstredend war das unser letzter Restaurantbesuch. 

Nach diesem Besuch begann das Warten, hatten wir uns angesteckt? 
Am Freitag bekam ich intensive Stirnkopfschmerzen, ähnlich denen einer Erkältung nur langgestreckter von Schläfe zu Schläfe, okay dachte ich, Kopfschmerzen sind kein Merkmal einer Coronavirus-Erkrankung, nicht schön, aber alles okay. 
Am Samstag machten wir eine kleine Runde im Wurmtal und ich war so erschöpft, am Abend begannen die Schmerzen in der Lunge, nicht unähnlich einer Rippenfellentzündung. Zuerst konnte ich das gar nicht richtig einordnen, Muskeln, Brustkorb irgendwas? Geht das wieder weg in der Nacht? - Nun, es wurde schlimmer und mit schmerzendem Brustkorb wacht man auch bei jedem Herumdrehen wieder auf. War das COVID? Ohne bestätigter Kontaktperson, Reise in ein Risikogebiet und gleichzeitig schwerer Symptome würde mich niemand testen und so hieß es abwarten und Abstand halten. Eine Woche blieben die Symptome gleich (ich war außerdem fieberfrei und hustete nicht), nur wo es am meisten schmerzte änderte sich täglich. A. hatte auch für zwei Tage leichte Symptome, danach nichts mehr. Ich las, daß statistisch gesehen, sich bei den meisten Erkrankungen an Tag 9 und 10 entscheidet ob sie kritisch werden, am Tag 8 war ich völlig erledigt mit der Welt. Dann kam Tag 9, 10 … die Schmerzen konzentrierten sich nunmehr nur noch auf den rechten Lungenflügel - und dann wurden sie weniger.
Mittlerweile bin ich bei Tag 12, mein Brustkorb ist immer noch druckempfindlich, und ich könnte ganze Tage und Nächte verschlafen, aber die Schmerzen sind meistens nicht mehr störend.

Die Fragen bleiben: War das jetzt wirklich Coronavirus oder irgendetwas anderes lungenmäßiges? War das die Erkrankung selbst oder bekomme ich nur die Inkubationszeit stärker mit, wegen der ohnehin durch Asthma vorgeschädigten Lunge?
Falls ich das Virus hatte: Bin ich jetzt geheilt oder hat meine Lunge einen Schaden genommen, so daß jede kleine Erkältung, Allergie usw. jetzt ein Problem werden könnte? Ich wünschte Tests wären einfacher für alle erhältlich und gleichzeitig denke ich mir, gut die zwei Tage schaffe ich jetzt auch noch, und dann sind die 14 Tage in denen man ansteckend ist vorbei - und danach möchte ich nicht noch in Quarantäne müssen. In England entwickeln sie gerade Tests zum Nachweis von Antikörpern für zu Hause - das hätte ich dann gerne einmal ^^ 

20. März 2020

Leben und Pandemie


In dieser Woche durfte auch A. endlich ins Homeoffice gehen, was mich sehr beruhigt ihn hier bei mir zu wissen. Natürlich ist das nicht völlig problemlos, weil wir unser beider Alltag an diese Situation anpassen müssen, aber immerhin er muss in keinem Bus mehr zur Arbeit in der Stadt pendeln.
Seine Uni rechnet bereits damit, daß sie womöglich das gesamte Semester online unterrichten müssen. Jetzt wird versucht so schnell es geht, die technischen, datenschutzrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, so daß die Arbeit für alle weitergehen kann und auch die Studenten kein Semester verlieren.


Für mich geht es dagegen ganz normal weiter, eigentlich hatte ich ‚social distancing‘ ja schon seit Dezember betrieben, um gesund durch die Erkältungszeit zu kommen und dafür sogar meinen traditionellen Januar Urlaub bei den Eltern auf der Insel Usedom auf Ende März verschoben.
Daraus wird nun auch nichts, denn die Inseln sind zum Schutz vor dem Virus abgeriegelt worden und ich kann nur hoffen, daß diese Vorsorge Wirkung zeigt, denn vor Ort gibt es dort kein Krankenhaus.
Hier in Würselen, kann ich dagegen zur Not zu Fuß das nächste Krankenhaus erreichen und hoffe natürlich, daß das nicht notwendig sein wird. Lieber ärgere ich mich mit allen anderen wegen des fehlenden Toilettenpapiers ^^
Lange Zeit sah es so aus, als wenn diese Form der Sammelwut nur am Wochenende stattfindet, in der Woche konnte man selbst beim Discounter noch alles bekommen - doch seit Schließung der meisten Läden, ist auch hier überall alles leer. Nun denn, ich habe einst in Indien gelernt, wie es auch ohne geht - und so ist es nur eine von so vielen Sachen der letzten Wochen, mit denen man sich eben arrangieren muss.
Die Leute hier im Ort sind sehr vernünftig, man sieht nirgends Menschenaufläufe, der Kinderspielplatz ist leer und auch die Jugendlichen treffen sich nicht zu irgendwelchen Parties im Park.
Gleichzeitig ist es für mich jedoch sehr wichtig in die Natur zu kommen und zumindest jeden zweiten Tag Lunge und Kopf einmal auszulüften und den Sorgen (und auch Trauer) für eine Weile zu entkommen. Wir haben Glück, daß unsere Straße direkt ins Wurmtal führt, so daß man immer schnell im Wald sein kann - aber auch dort muss man aufpassen, daß man keinen Menschen begegnet, so daß ich an sonnigen Tagen lieber um ein Feld laufe, als anderen aus dem Weg gehen zu müssen.



10. März 2020

Monschau


Überall dort, wo wir in den letzten Jahren gelebt haben, hatten wir uns den einen Ort für eine kleine Alltagsflucht mit Wiederholungscharakter gesucht: Nur einen Tagesausflug ins touristische Gewusel einer kleinen, historisch-gut erhaltenen Stadt in schöner Umgebung, mit tollen Restaurants und Lädchen für das ein oder andere Stück, das man garantiert nicht braucht - und abends entkommt man dem Touri-Dorf wieder und fährt satt und zufrieden zurück nach Hause.
Hierher bringen wir Freunde und Bekannte, wenn sie uns besuchen, und nutzen den Ort als Ausgangs-/Endpunkt für Wanderungen.
Stowe war dieser Ort, als wir noch in Vermont gewohnt haben, Rüdesheim war es in Frankfurt und Monschau ist es hier in Aachen. Rüdesheim schaffte es trotz unserer regelmäßigen Besuche nicht in meinen Blog, Monschau soll nicht das Gleiche passieren ^^


Als wir nach Aachen gezogen sind, dachten wir eigentlich, daß Valkenburg in den Niederlanden ‚unser‘ Touri-Ort werden wird. Aber etwas Unveränderbares wie das Wetter spielt eben auch eine Rolle für den subjektiven 'Wohlfühlfaktor'.
Bei unserem ersten Besuch in Valkenburg, regnete es ununterbrochen, so daß wir nur eine der berühmten Mergelhöhlen besichtigten und mehr wollte man gar nicht unternehmen.

Winter und (früher) Herbst in Monschau

In Monschau hatten wir stattdessen bisher immer Glück mit dem Wetter, weswegen es dort viele Museen, Werkstätten usw. gibt, die wir noch nicht besichtigt haben - schlichtweg, weil es draußen immer viel zu schön und sonnig war. 
Das soll keine Aufforderung sein, daß es beim nächsten Besuch doch bitte in Strömen regnen mag ^^, aber selbst bei schlechtem Wetter hätten wir noch einiges zu erkunden.


Meistens fahren wir mit dem Bus von Aachen in den kleine Eifelort, laufen durch die verwinkelten Fachwerkhaus-Gassen, kaufen etwas von den Bäckern und dann geht es hinauf in die umgebenden Hänge, um sich Monschau von oben anzusehen. Zum Mittagessen sind wir wieder in der Stadt, danach steigen wir hinauf zur Burg, um die Stadt und das Flüsschen Rur auch von der anderen Seite zu bewundern - ehe es zurück nach Hause geht.
Monschau (Montjoie) war früher, als es durch die Feintuchmacher-Industrie zu einigem Reichtum gekommen war, sicher kein so idyllischer Ort, die Mühlenhäuser der Altstadt, wurden regelmäßig überschwemmt und mussten eben doch am Wasser bleiben, die Vorratslager befanden sich deswegen eher in Hanglage oder höheren Kontoren- doch das Leben in der ohnehin armen Eifelregion war wohl kein Einfaches.


Mit dem Beginn der Romantik, wurden dann Ausflügler auf den Eifelort in schöner Lage aufmerksam und es entwickelte sich eine erste Touristenindustrie mit Hotels und Gaststätten, die vielfach bis heute existieren. Dadurch entkam Monschau der Moderne nach den Weltkriegen, denn anderswo wurden selbst Innenstädte, die nicht im zweiten Weltkrieg zerstört wurden, gesprengt um Platz für eine schöne vierspurige Straße mittendurch zu machen.
Ein anderer wirklich schöner Ort in der Gegend ist Stolberg, zu dem wir sogar mit dem Fahrrad fahren können, doch dort ist der Strukturwandel von Industrie hin zu Tourismus und Aachener Vorstadt noch in vollem Gange. Schöne historische Gebäude kann man auch dort besichtigen, und das sogar völlig ohne Touristen - zur Alltagsflucht reicht es jedoch noch nicht so ganz :)


8. März 2020

Wurmtal und Soers


Eigentlich wollten wir gestern ein Stück durch die Eifel wandern, um den einzigen halbwegs sonnigen Tag der Woche gebührend zu würdigen. Aber nach tagelangem Regen konnten wir uns dann doch die Matschpartie vorstellen, aus denen viele der Wald- und ohnehin sumpfigen Wiesenwege geworden sein müssen - und so wurde das auf trockenere Tage verschoben. Stattdessen liefen wir durch das Wurmtal und die Wiesenlandschaft Soers nach Aachen, um dort in den Möbelgeschäften nach einem Schuhschrank Ausschau zu halten.
A. hat einige Veränderungen in der Wohnung teilweise veranlasst (und ich habe geräumt^^), teilweise selbst durchgeführt, so daß wir jetzt ein fast leeres Gästezimmer wieder sinnvoll füllen müssen. Eine Idee war unser Billy-Schuh-Regal ins Gästezimmer zu verschieben und für den Flur einen Schuhschrank zu kaufen, jetzt bleibt unser Schuhregal vermutlich wo es ist und für das Gästezimmer suchen wir ein schmales Sideboard.

Die Wege im Wurmtal sind meist mit Schotter befestigt, beziehungsweise führen über kleine Straßen, so daß man dort auch nach sehr nassen Tagen entlanglaufen kann.
Ein Problem war jedoch der Zubringer, denn auf der weichen Wiese laufen diverse Pferde entlang, so daß man sich zuerst durch eine zertrampelte, weiche Pampe quälen musste. Auf dem steinigen Weg hinunter ins Tal rutschte ich dann aus, denn an meinen Stiefeln klebte noch zu viel Matsch. Dabei fiel ich so ungünstig auf mein linkes Knie, daß die Kniescheibe sich seltsam bewegte - doch mit ein paar Dehnungen und Drehungen wurde das Problem behoben und es ging sehr viel vorsichtiger weiter hinunter zum schnell dahinfließenden, aber noch nicht die Wiesen überschwemmenden Flüsschen Wurm. Der viele Regen selbst hatte allerdings ein paar flache Seen entstehen lassen, die bereits von Graureiher und Gänsen dankbar angenommen wurden.


Der Weg vom Wurmtal zur Soers führte dann kurzfristig durch den Wald und wir mussten über zahllose umgestürzte Bäume steigen, oder uns einen Weg darunter hindurch suchen. Leider befindet sich an manchen Stellen links und rechts ein Zaun, so daß man nicht um die Hindernisse herumgehen kann. Eine Buche war absolut gigantisch und doch hatte der Sturm sie regelrecht gesplittert.
Obwohl wir keine Pause eingelegt hatten, kamen wir doch beschwingt in Aachen an, die Suche in den von zahlreichen Menschen frequentierten Möbelhäusern erschöpfte uns dagegen sehr. Zum Mittag ging es ins Sandwichhaus, was mich kurzfristig wieder aufweckte, aber spätestens im Baumarkt war alles verloren und wir liefen beide nur noch wie ferngesteuert durch die Regale. Immerhin erleichtert das Entscheidungsfindungen ganz ungemein und nach Hause ging es schnell mit dem Bus.
Trotz dessen, daß es mittlerweile 55 Coronavirus-Fälle in und um Aachen gibt, scheint das auf das öff. Leben kaum einen Einfluß mehr zu haben, im Baumarkt gab es sogar Desinfektionstücher zu kaufen, direkt an der Kasse …

5. März 2020

Donnerstag, 05.03.2020


Der März ist angebrochen und mit ihm irgendwie spürbar längere Tage, die gab es zwar auch schon Ende Februar, aber jetzt fällt es zumindest mir häufiger auf. Auch wenn es in dieser Woche eher kühler und nasser ist, so freue ich mich doch schon auf die ersten warmen Frühlingstage.

Mittlerweile ist auch der Coronavirus (das Virus in der Fachsprache, laut Duden ist aber auch ‚der‘ möglich, denn die Endung -us von Virus ist maskulin) zahlreich in der Region angekommen. Gestern waren es jedenfalls 33 bestätigte Fälle, mindestens 5 davon aus Würselen. 
Gleichzeitig hat die Städteregion beschlossen nur noch die Menschen zu testen, die mit infizierten Kontaktpersonen mehr als 15 Minuten verbrachten und daraufhin auch Symptome entwickeln, d.h. symptomfreie Überträger fallen aus dem System - in erster Linie um dieses zu entlasten und sich auf die schwereren Fälle zu konzentrieren. Problematisch finde ich, daß viele der möglichen Überträger in Krankenhäusern arbeiten, aber das liegt wohl in der Natur der Sache. Es ist aber auch eine Art der Kapitulation, denn damit wird - jedenfalls hier - nicht mehr versucht, die Ausbreitung einzudämmen.
In den Supermärkten hat sich die Panik gegeben, stand man gerade in den Discountern am Freitag vor leeren Regalen, gibt es jetzt wieder alles im Markt, selbst Toilettenpapier, Bananen und Nudeln ^^

27. Februar 2020

Donnerstag, 27.02.2020


Gerade fällt den zweiten Tag hintereinander in diesem Winter Schnee(regen), ich dachte schon wir bekommen gar kein Weiß zu sehen - und dann so kurz vor Frühlingsanfang fällt doch noch etwas. Es bleibt jedoch nicht so viel liegen.
Nachher muss ich mit Amiya noch zum Tierarzt, damit sie ihre letzte Impfung bekommen kann (dann ist sie mit allen Impfungen durch, die ein Kätzchen so benötigt) und ich hoffe sehr, daß der Wintereinbruch nicht zum Schneechaos auf den Straßen führt.


In der letzten Woche fand auch bei uns Karneval statt, am Donnerstag sah ich mir die Rathauserstürmung zwecks Schlüsselübergabe in Würselen an, außer den Leuten, die vor Ort sein mussten, waren noch ein paar Rentner mit Rollator gekommen, alle anderen feierten den Beginn des Straßenkarnevals lieber woanders, in Aachen oder gleich in Köln.
Zum Glück gab der Bürgermeister nicht so schnell auf, sondern der Schlüssel wurde versteckt und musste gefunden werden, während ein Mitarbeiter der spärlichen Menge erklärte, daß man heutzutage Chipkarten und gar keine Schlüssel mehr für das Rathaus benötigt ^^
Am Sonntag dann sahen wir uns bei Sturm und Regen die kleine Parade im Ort an, und bekamen dabei Unmengen an ‚Kamelle‘ zugeworfen, ohne darum gebeten zu haben :) In Würselen werden gerne ganze Schokoladentafeln verteilt, die zu durchaus schmerzhaften Wurfgeschossen werden können. Am Rosenmontag hatten A. und ich dann keine Lust uns den Umzug in Aachen anzusehen, es regnete einfach zu viel und zu lange.
Am Veilchendienstag ging es dann jedoch wie schon im letzten Jahr nach Köln, zum Stadtteilumzug in Junkersdorf mit meiner Schwester und ihren Kindern. Das Wetter war trocken und sonnig, und die Kamelle flog auch hier zahlreich, verteilt von den vielen Schul- und Vereinsgruppen, die vorbeimarschierten. Wer weiß, vielleicht werden wir hier schon im nächsten Jahr dem Neffen zujubeln, statt mit ihm am Straßenrand zu stehen.

Jetzt sind die tollen Tagen vorbei und wir sorgen uns alle um das Coronavirus, was in immer mehr Nachbargemeinden auftaucht. Ich vermute, daß es auch in unserer Stadt längst angekommen ist, nur noch nicht mit so schwerem Verlauf, als daß es jemandem aufgefallen wäre.

19. Februar 2020

Herzogenrath


Als wir 2018 gerade nach Würselen gezogen waren, führte uns einer der ersten Wochenendausflüge nach Herzogenrath und Kerkrade. Wir wollten ausprobieren, ob es wirklich so einfach ist mit dem Fahrrad in die Niederlande zu fahren. Es war bis auf den tiefen Einschnitt des Wurmtals - wo ich mein Fahrrad bergan schob - tatsächlich kein Problem und so sahen wir uns Herzogenrath nur flüchtig an und konzentrierten uns dann auf die Abtei Rolduc in Kerkrade und ein kleines Wasserschloß.
Seitdem hatte ich zwar des Öfteren vor, den Ort etwas genauer zu erkunden, aber es kam nie dazu. Derzeit lese ich nun ein Buch, dessen Sagen & Kurzgeschichten genau in der Gegend spielen und so fuhr ich gestern mit dem Bus nach Herzogenrath. Das Wetter sollte laut Vorhersage aufgelockert stürmisch mit einem Sonne - Wolken Mix sein, es war aber natürlich hauptsächlich grau mit gelegentlichem Sprühregen ^^ 


Zuerst lief ich zu den kleinen Stauweihern des Broicher Bachs, die wir - im Gegensatz zur Stadt - des Öfteren besuchen, denn Wasser ist in der Aachener Gegend selten in größerer Menge zu finden.
Danach ging es weiter in die Stadt hinein, mit erstem Blick auf die Burg. 


Die Innenstadt besteht wie überall aus einer Vielzahl an leeren Geschäften und einigen, die es noch schaffen zu existieren, dann ging es über die Brücke des Flüsschens Wurm, die außerdem von einer Eisenbahnbrücke überquert wird.
Die kleine Wurmbrücke war früher der Grenzpunkt zwischen der Provinz Limburg, zu der Herzogenrath bereits gehörte und den anderen Herzogtümern und Reichsgebieten der näheren Umgebung. Hier wurden Gebühren und Zoll fällig, so daß bereits 1104 eine kleine Ansiedlung mit Höhenburg entstand - durch Waldrodung: Burg Rode.


Nahezu zeitgleich entstand die Abtei Rolduc, die u.a. den ersten dokumentierten Steinkohleabbau in Mitteleuropa betrieb - ab 1113 und die Chorherren damit sehr reich machte.
Hinter der Wurmbrücke befindet sich ein schönes Restaurant mit Biergarten, eine große neo-barocke Kirche und einige ehemalige Güter, mit ihren großen Toreinfahrten, ehe man zum Burghügel gelangt. 


Dort kann man der Treppe folgend, die Vorburg (mit moderner Bühne) erreichen, die einen schönen Rundum-Blick auf die Stadt, viele Abraumhalden und Rolduc bietet, ehe es ganz hinauf in den Burghof geht.
Diese Anlage ist vor allem durch die Legende der Bockreiter bekannt geworden, verschiedene Banden im 18. Jahrhundert, die angeblich mit dem Teufel im Bund waren und nachts auf Ziegenböcken durch die Luft flogen um Kirchen und Güter auszurauben. Viele Menschen wurden als Bockreiter diskreditiert, auf der Burg gefoltert und Hexenprozessen ähnlich verurteilt, ohne daß ihre Schuld bewiesen werden konnte.
Heutzutage ist man sehr stolz auf die Bockreiter, es gibt Bockreiterstatuen, Bockreiter-Zentrum, Taxi, Seniorenheim usw.


Nachdem ich dort oben vom Wind ordentlich durchgepustet worden war, ging es zurück in die Stadt, noch ein Stück an der teilweise laut tosenden Wurm entlang und schon nahm mich der nächste Bus zurück nach Würselen. 
Das nächste Mal werde ich die Stadt - bei hoffentlich schönerem Wetter - wieder mit dem Fahrrad besuchen :)


13. Februar 2020

Donnerstag, 13.02.2020


Das Wetter ist heute ein seltsames, die ganze Woche stürmte es - dagegen ist es heute ruhiger, aber der Regen folgte nicht der Vorhersage. Am Morgen sollte es grau, im Laufe des Nachmittags dann regnerisch werden - also ging ich am Vormittag in die Stadt - und plötzlich regnete es so stark, meine Jacke, Leggings, selbst meine Schuhe waren völlig durchnässt. Und kurze Zeit danach kam die Sonne heraus - während ich triefend im Bus stand, um so schnell wie möglich wieder nach Hause zu gelangen, möglichst ohne mich zu verkühlen.
Nachdem ich Ende Januar für zwei Tage in Köln war, um die Kinderküche meiner Nichte zu ihrem Geburtstag umzugestalten, steckte ich mich dort mit einer fiesen Erkältung an - mittlerweile geht es mir besser, nur die recht schmerzenden Hustenanfälle kann ich noch nicht abstellen - deswegen möchte ich jetzt unbedingt gesund werden und bleiben.
Neben meiner Erkältung beschäftigten uns in den vergangenen zwei Wochen auch die Tierarztbesuche, denn unsere drei Katzen mussten alle dorthin: Amiya zur Sterilisation, Linus um die durch Forl-Schwund zerstörten Zähne zu entfernen und Shweta als Notfall, wegen ihrer letztlich wohl chronischen Blasenentzündung. Wir fanden eine Tierärztin in unserer Nähe, mit Samstagsöffnungszeiten, die Shwetas gesamte Ernährung umstellte - wir sind noch skeptisch, aber vielleicht hilft es ja doch.
Jetzt hoffen wir auf einen ruhigen Rest-Februar, ohne Krankheiten und Arztbesuche - vielleicht sogar mit ein paar Winterwanderungen, falls das Wetter es zulässt :) 


28. Januar 2020

Irgendwas mit Energie

Werbung ohne Auftrag wegen Orts- & Namensnennung in einem privaten Blog.

Das Foto ist ein Ausschnitt eines Kunstwerks im Ludwig Forum.

In meiner Twitter Timeline und auf Facebook tobt einmal mehr der Kampf gegen die erneuerbaren Energien, an vorderster Front wird gegen die Windenergie gewütet.
Ich finde es immer interessant, daß die Leute wissen wie gefährlich und voller massiver Probleme nicht zuletzt für unser Überleben die derzeitigen Formen der fossilen Energiegewinnung sind und deswegen muss das alles am besten Vorgestern abgeschaltet werden, aber sämtliche erneuerbaren Alternativen werden ebenfalls abgelehnt. - So wird dann quasi als ‚kleineres Übel‘ achselzuckend akzeptiert, daß die Kraftwerke weiterlaufen - wir brauchen schließlich Strom aus der Steckdose, statt mit den vergleichsweise geringen Nachteilen (z.B. ‚ist häßlich‘) der erneuerbaren Energien zurechtzukommen.
Bei Wasserkraft müssen Dörfer umgesiedelt und Täler geflutet werden, das geht gar nicht - und findet deswegen auch seit Jahrzehnten nicht statt, bei Solarfeldern werden Flächen verschandelt und überhaupt ein Hagelsturm und die Teile sind nutzlos. Allerdings sind Solarzellen auch tatsächlich noch zu wenig wirkungsvoll mit einem großen Verlust beim Weitertransport der gewonnenen Energie, aber das ist noch einmal eine ganz andere Problematik - schließlich werden die erneuerbaren Energiegewinnungsformen nachwievor von der Industrie als Nischenprodukt behandelt.
Wind- und Solarenergie haben ohnehin das Problem, daß sie kleinere und Kleinsteinheiten bilden, die Strom in ein europaweites Netz einspeisen, das eher darauf ausgelegt ist einzelne Riesenmengen zu bewältigen. Kleinere Netze wären weniger störanfällig, bräuchten auch keine riesigen, tausende Kilometer umfassende Hochspannungsleitungen mehr - aber dann kann eben europaweit-vernetzte Energie immer und überall nicht mehr garantiert werden.

Die Argumente am Beispiel der Windenergie im Einzelnen:

- Sie töten Vögel
Ja, das tun sie und auch Fledermäuse, aber bei weitem nicht in dem Umfang, wie es prognostiziert wurde und nicht im Geringsten vergleichbar mit den Vögeln, die täglich auf den Straßen getötet werden.
Vielleicht sollten wir endlich alle Autos stillegen - für den Vogelschutz. Was selbstverständlich nicht geht, schließlich haben wir dieses Land spätestens seit den 1960ern so ausgebaut bzw. den Öff. Nahverkehr und sonstige Infrastruktur weitgehend entfernt, daß große Bereiche besonders im ländlichen Raum nur noch mit dem Auto als einzigem Fortbewegungsmittel überhaupt benutzbar sind. Auf die Art sind wahre Versorgungswüsten entstanden.

- Machen Geräusche
Yep, so wie Hochspannungsleitungen übrigens auch - und jetzt rate mal wovon es sehr viel mehr gibt, und wo die Abstandsregelungen für Siedlungen usw. bei weitem nicht so massiv geregelt werden, wie für Windkraftanlagen?

- Sind häßlich
Ansichtssache: Ich mag Windmühlen, ich mag auch Windräder, schon immer - man stelle sich mal den Holland-Urlaub vor, Gott, schon wieder eine Windmühle, müssen die überall in der Gegend herumstehen? - Natürlich ist alles was gehäuft auftritt mitunter nervig, aber sieh mal, saubere Energie, einfach so mit Wind - ist das nicht ein toller Ausblick?
Alternativ könnte man den eigenen Bedarf einschränken, wenn das alle machen würden, bräuchte man nicht so viele Windkraftanlagen. Aber was machen wir? Das Gegenteil, jetzt erst recht einen SUV, und die Kreuzfahrt powered by Schweröl, und dieser billige Flug nach Thailand und natürlich brauchen wir jetzt ein Smart Home, in dem noch das kleinste Bißchen von Tür öffnen, Toilettenspülung betätigen bis Fenster verdunkeln Strom benötigt, um überhaupt zu funktionieren.

- Haben Konstruktionsfehler
Ja, sie brennen leicht ab, bei Blitzeinschlägen, wie eine Fackel. Sie haben auch giftige Teile, die nach Ende der Laufzeit kompliziert entsorgt werden müssen - aber wenn man sich einmal die Kohle-und Ölkraftwerke ansieht, dann ist das im Vergleich der Abfallprodukte dort, wenig erwähnenswert.
Und wie bereits am Beispiel der Solarindustrie ausgeführt: Wenn die Industrie Windkraftwerke einmal ernst nehmen würde, und nicht nur mit dem ausgestrecktem Arm ein paar Forschungsgelder investiert, könnten wir bereits auf einem ganz anderen technischen Stand sein.

- Für sie wird Wald abgeholzt
Das Argument kommt meistens von Leuten, die ohne Kommentar an den breiten Schneisen der Hochspannungsleitungen vorbeifahren, die die Wälder kreuz und quer, den Berg hinauf, hinunter durchqueren - um sich dann über jeden gefällten Baum für eine Windkraftanlage aufregen.

- Vernichten Arbeitsplätze
Nun, in den letzten Jahren wurden durch die restriktiven gesetzlichen Einschränkungen eher massiv Arbeitsstellen in der Windindustrie abgebaut. Dennoch wird man im Fernsehen keinen Bericht sehen, der das traurige Leben eines ehemaligen Windkraft-Arbeiters und seiner Familie zeigt - im Vergleich zu was auch immer mit Kohle.

Am Ende bleibt es bei ein paar einfachen Wahrheiten, wir müssen uns einschränken, weniger produzieren, weniger Müll verursachen, denn nein, Recycling ist nicht die Antwort auf alle Fragen. Wir müssen weniger wollen - und mit den Problemen, die das verursachen wird zurechtkommen, denn unser Wirtschaftssystem - und damit Steuern, der Staat- und Solidarsystem - ist auf einer Utopie aufgebaut: Unendliches Wachstum bei endlichen Ressourcen … 

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