13. März 2012

Teil 2


Am Sonntag hatten wir perfektes Frühlingswetter zu bestaunen... gerade rechtzeitig um uns weniger über die Zeitumstellung und die „geklaute“ Stunde zu beschweren. Wir nahmen die Katzen zum ersten Mal seit Monaten mit hinaus in den Hinterhof und dort gab es bereits einiges zu entdecken. Rex und Garfield - der freche rote Nachbarskater - jagten sich gegenseitig,
Linus spielte Verstecken mit den Eichhörnchen... die waren ihm natürlich wie immer haushoch überlegen und Shweta inspizierte alles sehr ordentlich und gründlich, sogar Rex’ Wohnquartiere. Gut, daß die Anti-Floh-Mittel schon einsatzbereit in der Schublade liegen.
Dazu kam auch Mishti vorbeispaziert und gesellte sich zu uns. Er präsentierte sich einmal mehr sehr lieb, nett und gesund... und bekam dafür ein wenig Trockenfutter spendiert.
Danach spielte A. mit ihm und Mishti war so begeistert, daß er ihm daraufhin die gesamte Zeit über folgte wie ein kleiner Hund und wartete, daß der Stock nochmals durch die Luft wedelte.


Dabei stellten wir nur einmal mehr fest, daß er tatsächlich überhaupt keine Koordinationsschwierigkeiten hat. 
Ich glaube, wenn Mishti wüsste, daß er all diese Aufmerksamkeit zwei kleinen Kratzern zu verdanken hat... er würde jeden Nachbarn kratzen oder Katzenratgeber schreiben zum Thema: Gute Katzen kommen auf die Couch und Böse überall hin :) 


.
Nachdem mein Waschprogramm am Montag Mittag beendet war, begab ich mich brav zur Sprechstunde des Gesundheitszentrums und zufällig hatte meine eigentliche Hausärztin sogar noch einen freien Termin 5 Minuten später. Während ich also darauf wartete aufgerufen zu werden, meinte eine Frau zu mir: „Oh, was haben Sie denn im Haar?“ Ich fasste nach hinten und bekam einen Stich in den Finger... die Frau nahm ein Tempotaschentuch und zerdrückte die Wespe, die mich offenbar eine Weile begleitet hatte.
Ich reagiere auf Insektenstiche aller Art allergisch, nicht im Sinne von Atemnot oder sonst irgendwas, die Beulen werden einfach nur für eine Weile beeindruckend groß. So wurde ich dann aufgerufen und die Behandlung erstreckte sich im Folgenden auf den Wespenstich. Ich bekam Medikamente und ein Eispack, während die mittlerweile gutverheilte Kratzverletzung nur einen flüchtigen Blick wert war. Kratzen überträgt keine Tollwut, da war sich die Ärztin sicher (leider hatte ich im Internet gerade das Gegenteilige gelesen), zudem hat sie seit Jahren von keiner einzigen tollwütigen Katze in Burlington gehört. 
Nun muß ich also einfach weiter warten und schauen wie es Mishti so geht... denn solange er keine Probleme hat, kann ich sie auch nicht bekommen ...

11. März 2012

Mishti


Ich wurde nunmehr bereits ein paar Mal darauf angesprochen, ob ich denn beim Arzt war nachdem ich von Mishti gekratzt wurde (weil ich ihn hochhob und er das blöd fand, da ich ihn von Rex Futter wegtragen wollte) und ich muss es leider verneinen. Ich weiß nicht genau warum ich nicht gehe schließlich ist Tollwut eine ziemlich grausige Art zu sterben wahrscheinlich weil ich dem Personal des Health Centers nicht wirklich vertraue und solche Probleme nach der Tetanusimpfung hatte, aber wohl auch, weil ich keinen Grund habe anzunehmen, daß der Kater tatsächlich Tollwut oder irgend eine andere Krankheit hat. 
Die Kratzspuren sind mittlerweile verheilt, den Kater sehe ich ca. zweimal pro Woche und es geht ihm blendend, keinerlei Wesensveränderungen, kein aggressives Verhalten, keine Lähmnungen nichts.
Da er sich offenbar sehr darüber zu freuen scheint, daß ich mich mittlerweile jedes Mal so überschwänglich freue, wenn ich ihn sehe ... es geht dir gut - das bedeutet also auch, daß es mir gut geht, super, kommt er mir schon vom vierten Haus die Straße entgegengerannt, wenn er mich nur erspäht. Am Donnerstag brachte er sogar einen struppigen Freund mit.
Mishti ist wie alle kastrierten Kater ein wenig auf der fülligeren Seite - ein Hobby braucht man schließlich - und freut sich sehr, wenn er ein bißchen Trockenfutter von mir abgreifen kann. Auch wenn A. bereits meinte, ob wir ihm nicht auch Dosenfutter geben wollen, denn Trockenfutter ist nicht gut für die Nieren... :)

P.S. Habe mich gerade noch einmal kurz in die Problematik Kratzspuren durch Katzen eingelesen und werde jetzt wohl doch zum Arzt gehen - man, die können einem Angst machen. Gottseidank habe ich das damals, als ich vom Eichhörnchen gebissen wurde, nicht gelesen.
Jedenfalls habe ich zwischen zwei Wochen bis zwei Jahren Zeit bis so eine Infektion überhaupt ausbrechen könnte... da ich am 1.März gekratzt wurde, muß ich es also vor dem 15. zum Arzt schaffen - kriegn ma hin :)
Das Gute mit Impfung wäre natürlich, daß ich mir danach von möglichen zukünftigen verrücktem Waschbär- bis Eichhörnchenbissen keine Sorgen mehr zu machen bräuchte.

10. März 2012

Rassismus?


Als wir nach Vermont kamen, stellten wir alsbald fest, daß das Leben nicht so war, wie in Kanada. 
Dort waren die Menschen weitesgehend aufgeschlossen gegenüber Neukommern und Einwanderern, in den USA waren sie jedoch im positivsten Fall ignorant - ansonsten verärgert. 
Das lag nicht nur daran, daß z.B. gemischte Ehen wie die unsere, in vielen Staaten der USA bis vor wenigen Jahrzehnten nicht einmal erlaubt waren, sondern auch daran, daß Vermont der zweitweißeste Staat der USA (hinter Maine) ist. Es gibt hier schlichtweg kaum Nicht-Weiße und so reagieren die meisten Leute zwar nicht generell verärgert oder ungehalten auf andere Hautfarben, aber verlegen. Sie sehen lieber weg, als zu starren und sind darin so gut geworden, daß sie die meisten Menschen anderer Hautfarbe völlig ausblenden können. Zum Schutz der illegalen Farmarbeiter gibt es sogar eine Polizeiparole, die weggucken besagt, solange die Arbeiter nicht versuchen sich im öffentlichen Leben zu integrieren. Solange die Farmen sie ausbeuten können, wird ihre Anwesenheit geduldet, beginnen sie politisch aktiv zu werden, bzw. sind krank fliegen sie aus dem Land....  Toleranz, eben.
Vermonter glauben in der Tat, daß sie äußerst tolerante Menschen sind, hinterfragen diese Einstellung aber sehr selten. 
Wenn man sich jedoch mit der Geschichte des Landes auseinandersetzt und feststellt, daß Italiener in den 1950ern genauso als Slumbewohner und Abschaum behandelt wurden und vor ihnen Franzosen und Iren, in den 1990ern Bosnier ihnen offenbar den Untergang des Abendlandes bedeuteten, wie heutzutage Bhutani, Iraker und Kongolesen zu kämpfen haben - so fragt man sich unwillkürlich, wieviel Rassismus steckt eigentlich in dem Verhalten. Die Leute sind äußerst veränderungsresistent, wie das bei vielen Landbewohnern der Fall ist... und rauhes, grobes Verhalten wird auch gegenüber der jungen, weißen Mutter an den Tag gelegt, die ein Tattoo am Arm hat oder ein Piercing im Gesicht. Daß die Arme hoch und runter tätowiert mittlerweile selbst bei Bankangestellten in den größeren Städten normal sind und die filigranen Kunstwerke Tausende an Dollarn verschlingen, interessiert niemanden, sie wird dennoch wie gerade aus dem Gefängnis entlassen behandelt. 



Ich kann in dieser Welt relativ unsichtbar unterwegs sein, bevor ich nicht mit deutschem Aktzent spreche, falle ich nicht auf... doch A. geht hinaus und ist sofort als Ausländer sichtbar. Einige schlechte Erfahrungen haben ihn dermassen sensibilisiert, daß er Verrat und Rassismus mittlerweile überall sieht und erkennt. Vielleicht ist es auch so, daß die Verkäuferin ihn nicht grüßte, weil sie Ausländer hasst und nicht nur, weil sie keine Ahnung hat, ob er überhaupt ihre Sprache spricht und sich bequemer Weise fürs übersehen entschieden hat. Vielleicht ist es so, daß sich derjenige im Bus auf einen anderen Platz gesetzt hat, weil er es nicht ertragen kann neben ihm zu sitzen und nicht nur, weil er gerne zwei Plätze für sich und seine Tasche alleine haben wollte, vielleicht guckt der technische Angestellte im Gang der Universität auch nur in eine andere Richtung weil er Ausländer in höheren Positionen als seiner nicht mag und nicht weil als er A. an früheren Tagen versuchte zu fragen, ob sie zusammen Mittag essen könnten eine Abfuhr erhielt. Ich weiß es nicht... ich weiß nur, daß im Alltag häufig nicht die Zeit ist um Menschen aufzuklären und ihnen deutlich zu machen, daß ihr unbewusstes Verhalten mißverstanden bzw. verletztend wirken kann. Das funktioniert nur, wenn man Leute besser kennenlernt und sie Stück für Stück Vorurteile abbauen können.... zuerst i.S. von alle Ausländer sind doof, aber A,B und C kenne ich, die sind ganz in Ordnung und dann ganz langsam kommt ihnen die Erkenntnis, daß vielleicht in der Grundeinstellung ein Denkfehler vorliegt.... vielleicht kommen sie auch nie zu dieser Erkenntnis, vielleicht kommen ihre Kinder aber dahin, deren Schulgefährten aus Vietnam, Bosnien, Sudan, Somalia, Türkei, Kongo, Burundi, Irak, Bhutan und Burma stammen (die kürzlichen Haupteinwanderungs-Länder nach Vermont). 
Die extreme Rassen-Sensibilisierung meines Mannes vergiftet ihn selbst jedoch immer mehr. Am Abend kommt er nach Hause um von den Verbrechen des Tages zu berichten, begangen an Nicht-Weißen, oder zumindest nicht so gut des Englischen mächtigen. 
Vor zwei Tagen kam er z.B. damit: Ein junger schwarzer Mann steht zur Mittagszeit in der Kantine, ist an der Reihe und die Verkäuferin übergeht ihn und bedient die hinter ihm stehende Frau, die daraufhin zu ihm meint, warum steht er denn hier herum, wenn er eh nichts kaufen will. Daraufhin versucht er mit mangelnden Englischkenntnissen auszudrücken, daß er in der Tat etwas bestellen möchte. Für meinen Mann ist der Fall klar, Rassistenschweine alle beiden Weiber... Fuck you... möchte er ihnen zurufen, beschränkt sich jedoch auf finsteres Anstarren, was -Erfolgserlebnis- zumindest die Verkäuferin zurückzucken lässst. Zu Hause dann berichtet er lange und ausführlich von dem Vorkommnis und ein ganz klein wenig beginne ich mich zu fragen, ob es ihm überhaupt aufgefallen wäre, wenn stattdessen ein weißer Amerikaner im Mittagschaos vor der Theke vergessen worden wäre. Vielleicht ja, vielleicht hätte er auch gedacht, oh gemein - aber das kann passieren, bei all den Leuten, die hier herumstehen und gehen. 
Meine Aufrufe zur Mäßigung und dem Versuch seine „Beweise“ auch in anderem Lichte zu sehen, prallen ab, ich möchte seine Erlebnisse auch nicht kleinreden obwohl mir das sofort unterstellt wird. Doch Schritt für Schritt widerfährt meinem Mann etwas, was auch anderen vor ihm geschehen ist: Er wird zu dem, was er bekämpft. 
Es gibt natürlich auch offensichtliche Diskriminierungen, die man weder in anderem Lichte noch zurechtreden kann... so hat z.B. die chemische Fakultät der Universität nur weiße, amerikanisch-geborene Männer in ihren Professorenriege. 

7. März 2012

Fetter Samstag


Am vergangenen Sonnabend fand in Burlington die „Mardi Gras“ Parade statt.


‚Mardi Gras’ oder ‚Fetter Dienstag’ bezieht sich auf den katholischen Brauch einen Tag vor Aschermittwoch noch einmal so richtig reinzuhauen und alles zu essen und zu trinken, was man sich dann in der Fastenzeit bis Ostern versagen muß.
In New Orleans ist Mardi Gras der Haupttag des Karnevals mit den dominierenden Hausfarben Gold, Grün und Lila, die angeblich auf das Wappen eines russischen Aristokraten zurückzuführen sind. Dort trinken die Leute viel und gerne, die einzelnen Viertel präsentieren sich auf den Wagen in der Parade und Damen, die sich zu sehr entblößen bekommen dafür Ketten geschenkt. Früher mit Glasperlen und heutzutage aus Plastik.
Dieser Tag wurde zur Marke und wird heute gerne in ganz Amerika und so auch in Burlington gefeiert. Hier entblößen sich zwar nur ein paar der völlig sturzbetrunkenen Herren, doch Plastikketten in gelb, grün und lila gibt es trotzdem (zumindest gelb und grün kann man bei der nächsten Parade - zum St. Patricks-Day am 17. März gleich wiederverwenden).
Wenn man also über den Punkt hinauskommt, daß dort eine Parade namens „Fetter Dienstag“ an einem Sonnabend zwei Wochen nach Aschermittwoch gefeiert wird, dann kann man sich das Spektakel auch einfach ansehen.


Im vorherigen Jahr kamen wir nicht dazu, da es am Paradetag in Strömen regnete, das tat es an diesem Tag auch, aber kurz vor der Parade hatte der Wettergott ein Einsehen, die Wolken teilten sich und es herrschte von Stund an strahlender Sonnenschein.

 Mit Chewbacca als Begleitung eröffnete der Bürgermeister Bob Kiss die Parade. 


Die Stadt war voller gutgelaunter Menschen, viele Kinder waren verkleidet und die - recht kurze -Parade verlief reibungslos. Wir bekamen die Plastikketten aus den Wagen zugeworfen, auch wenn ich mich eher über die Champlain Schokoladenkugeln freute, die sind nämlich ziemlich lecker :)

....

 Danach setzen wir uns zum Rekapitulieren des Ereignisses mit Freunden ins Café und hörten zum Abschluß dem Reggae-inspiriertem Konzert auf der Bühne zu, da verging die Winterstimmung auf jeden Fall.
Währenddessen versuchten alle anderen dem Hauptziel des Tages näher zu kommen: sturzbetrunken zu werden. Das gelang offenbar sehr gut, so daß wir lieber alsbald nach Hause zurückkehrten.


Ein wenig wunderte ich mich über die Masse der Plastikketten, die über die gesamte USA in ähnlichen Veranstaltungen verteilt wird und unweigerlich einen Tag später im Müll landen. Könnte man stattdessen nicht recyclebare, buntbedruckte Papier- oder Kartonketten verteilen?

5. März 2012

Eine schlechte Woche

In dieser Woche erfuhr ich vom Tod meiner Großmutter, 
 von der Todgeburt einer Freundin, die im 6. Monat schwanger war, 
von der fristlosen Kündigung eines Ingenieurs, dessen vier Kinder sich gerade in verschiedenen Stadien der Ausbildung befinden. Eine neue Stelle in Vermont zu finden... nahezu unmöglich. 
Von einer Mieterhöhung in unserer Wohnung, nach dem Einbau des Sprinklersystems, die uns wahrscheinlich zum Auszug zwingen wird... 
... und ich mache mir Sorgen um die Kratzstellen von Mishti. Diese verheilen nämlich nicht und als ich mir durchlas, was für frühe Sympthome Tollwut haben kann, fühlte ich selbstverständlich daß ich alles davon habe, alles. Den Besitzer des Katers konnte ich auch nicht ausfindig machen und fragen ob er seinen Kater impfen läßt. 
Es macht mich verrückt. 
Gottseidank ist die Woche jetzt vorrüber und morgen überlege ich mir, ob ich zum Arzt gehe um den Spritzenreigen der Tollwutimpfung zu beginnen... nur um sicher zu sein oder einfach abwarte und hoffe, daß ich mich nicht irre.

2. März 2012

Im Märzen ein Schneesturm


Gestern ereilte uns einer dieser Schneestürme für die der Spätwinter so berüchtigt ist... Temperaturen um den Gefrierpunkt und dicke Wolken, die an einem Tag einen Meter schweren, nassen Schnee auf die Landschaft werfen können. Da es wirklich sehr warm war, taute es sofort wieder weg - so daß letzlich 20 cm liegen blieben.
Es war schön. Wir hatten eine schneearme Saison und so machte es Spaß mit dem Schnee zu spielen, denn der klebte wie von selbst zusammen, perfekt für Schneemänner bzw. Schneekatzen. Meine Beiden hatten ebenfalls ihren Spaß mit dem frischen Schnee, auch wenn es schnell sehr nass an den Pfoten wurde.

 Am Nachbarshaus wird auch Schnee gerollt... 

Nicht so viel Freude hatte Streunerkater Rex an all dem weißen Nass... zum Frühstück stand er miauend auf dem Zaun und traute sich nicht direkt hinein in den Schnee. Was nun? Daß er nicht getragen werden will, wusste ich schon, also lief ich zu ihm hinüber und stapfte mit Minischrittchen einen Trampelpfad für ihn, der ihn halbwegs trockenen Fußes zum Frühstück brachte. Brandon - der Mieter des kleines weißen Hauses, hatte sogar noch etwas lauwarme Fleischbrühe für ihn bereit gestellt. Happy cat :) 
 Leider war Mishti auch auf die Brühe scharf. Mishti ist ein Kater, der lange Zeit von uns Nancy gerufen wurde, bis wir feststellten, daß er eben ein er ist. Er ist ein sehr kleiner Kater, offenbarer Russian Blue Mix (das sind die Sheba Katzen) und da er sehr frech ist, hat er alle anderen Kater unter seiner Kontrolle (Linus hat er auch einmal eine blutige Nase verpasst) daher wurde er erst in Mischief umgetauft... was sich langsam zu Mishti umwandelte und offenbar „süß“ auf Bengali bedeutet... und süß ist er wirklich, der freche Mini-Kater. Um Mishti von der Brühe wegzubringen, nahm ich ihn auf den Arm, als alles andere nicht half (mit dem Besen und Schneeschieber wegschubsen) und bekam von ihm eine blutige Schramme an der Hand verpasst... hoffentlich ist sein Besitzer mit der Tollwutimpfung auf dem neuesten Stand. Als ich ihn deswegen in den Schnee herunterplumpsen ließ, folgte er mir aber doch zur Haustür, wo er eine kleine Ration Trockenfutter bekam und dann abzog... All das Drama gab Rex immerhin genug Zeit um sein Frühstück zu beenden :)

 Original und Fälschung
Ansonsten blieb ich zu Hause arbeite an Projekten, die sicher bald im Teodeco Blog erscheinen werden, denn es war keine Freude in dem Scheematsch herumzulaufen, dazu kam, daß der beständig fallende Schnee wirklich nass machte. 
Zweimal musste ich noch hinunter um Doris Treppen freizuräumen, denn die Dame, die ihr das Mittagessen bringt (mein Mädchen Peggy, wie Doris immer sagt) und Gesellschaft leistet, ist selbst schon über 70 Jahre alt und sollte auf der steilen Außentreppe nicht ausrutschen. Dazu braucht Doris mich nicht einmal anzurufen (wir haben ihr seit langem verheimlicht, daß wir ein Telefon besitzen) seitdem sie sich damals ausversehen mit der Gehilfe im Schlafzimmer verbarrikadiert hatte, weiß sie es reicht im Schlafzimmer zu stehen und laut: ‚Dorothea - Juhu’, zu rufen. Da sie sich jedes Mal so ausgesprochen freut, wenn ich komme, nehme ich an, daß sie noch viel öfter ruft als ich zu Hause bin.

Und heute nun scheint die Sonne wieder, der Himmel klart auf, der Schnee poltert in Lawinenabgängen von den Dächern und alsbald wird wohl auch der letzte weiße Schneerest wieder verschwunden sein... es ist einfach kein Winter mehr :)

28. Februar 2012

038378 22288


Als ich mich durch die schwerste Zeit der Pubertät quälte war neben der Tori Amos CD „Under the Pink“ und lautem aggressiven Klavierspiel von eigentlich sanften R. Clayderman Klassikern, eine Sache wichtig zum offenbaren Überleben... die Telefonnummer meiner Großmutter. Unter Tränen, wütend, verängstigt war ich stets noch in der Lage die nächste Telefonzelle zu finden um die Nummern blind einzuhämmern und zornig über die Ungerechtigkeit des Daseins mit dem einzigen Menschen zu sprechen, der mich zu verstehen schien. Die Nummern hatten sogar Farben für mich... gelb und lila... ich bin zumeist kein Synästhetiker, aber manche Worte und Zahlen sind mit Farben verbunden, mein Name ist z.B. Rot-Grün. Kontraste, wenn ich Farben sehe... sehe ich offenbar Kontraste - aber ich weiche vom Thema ab.
Meine Großmutter konnte mir immer den Gesamt-Zusammenhang zeigen, nicht nur ich als verängstigtes Kind, sondern auch unsichere Lehrer, Eltern, Großeltern, daß alle Menschen Fehler haben... aber das heißt nicht unbedingt, daß sie gut oder böse sind... ich bekam nicht nur die sprichwörtliche andere Seite der Medaille zu sehen, sondern auch den Rand drumherum bis zur Einbettung von drei Generationen Verhalten - Ursache - Wirkung rückwärts.
Sie sagte mir nie, du musst so handeln; sie sagte mir nur, die anderen handeln so, weil ... Es war eine Offenbarung für mich, wenn Dinge plötzlich wieder Sinn machten, wenn auch nicht immer den den ich mir erhoffte...
In vielen Dingen fühlte ich mich meiner Großmutter immer sehr ähnlich, ihrer Vorliebe für unkonventionelles Verhalten und Kleidung - auch wenn ihr die Blicke der Leute nie peinlich zu sein schienen, was bei mir nicht immer so ganz klappt :)
Ihre vielen chronischen Krankheiten, von denen ich leider auch einen ganzen Stapel mit mir herumschleppe.
Meine Größe Kürze.
Katzen.
Ihr Interesse und Beruf als Schneiderin... ich wünschte wirklich außer meiner Vorliebe am Stoffe sammeln, hätte ich auch irgendwann gelernt wie man eine Nähmaschine bedient.
Selbst die vielen Geschichten aus der Kindheit auf dem Forsthof in Schlesien waren interessant für mich und weckten ein Interesse an Geschichte, an der Geschichte von Plätzen und Dingen, die mich umgaben.
Ein großer Unterschied war jedoch das Temperament. Während ich im Hintergrund warte und es liebe Menschen zuzuhören und sie zu beobachten... so war sie immer in der ersten Reihe und unterhielt die Party...
 ich frage mich nur, wen rufe ich denn jetzt an, wen ich dringend einmal wieder alles in seiner Gesamtheit sehen muss.


Mein Blog verliert mit dem Tod meiner Großmutter auch seine treueste Leserin. Über Jahre druckte meine Mutter die Computerseiten aus um sie mit nach Ahlbeck zu nehmen und bei Telefonaten zwischen uns ging es zumeist nicht um ein einfaches „Wie geht es dir“ da wusste sie ja schon alles, sondern sie fragte in Details nach und kannte manche meiner Artikel besser als ich selbst. Ich werde sie über alles vermissen.

25. Februar 2012

Flashback Friday


Ab heute nachmittag kam ein Schneesturm in unsere Landen und so sieht es einmal mehr aus, wie auf diesem Bild…tief weiß verschneit.
Wie lange sich das halten wird, weiß ich zwar nicht - vielleicht ist schon Morgen früh von der nassen, schweren Pracht nichts mehr zu sehen, aber gerade sieht es noch sehr schön draußen aus... so sauber :)
Das Bild entstand Ende der 1980er Jahre - ich tippe auf 1987 - und zeigt meine Schwester und mich mit den tollen Mützen, die meine Mutter immer strickte. Damals fand ich diese zu altmodisch und wollte lieber eine ganz einfache Schalmütze haben (ohne Einstrickmuster) doch heutzutage finde ich sie eigentlich ziemlich süß :)

23. Februar 2012

Tür


Unsere Tür wurde endlich repariert. Der Hausmeister setzte ein neues Stück Holz ein und wiederverwendete alle alten Leisten; gesplitterte Teile der anderen Türbestandteile (jenseits des herausgebrochenen Türblatts) wurden verleimt und verschraubt... das sollte jetzt alles - zwar nicht bombensicher, aber immer trittsicher(er) sein :)
Am nächsten Montag wird noch gemalert und dann ist es wahrscheinlich wieder so wie vorher.
Da der Hausmeister an unserer Tür und dem Türrahmen des Mädchens oben zur gleichen Zeit arbeitete, waren auch beide Türen sperrangelweit offen. Für einige Zeit sperrte ich unseren Kater ins Schlafzimmer, aber da er sämtliche Bauarbeiten immer mit großem Interesse verfolgte, ließ ich ihn letztlich zugucken (eine halbe Stunde Protestmiaue ging mir irgendwann zu sehr auf die Nerven). Nunmehr beaufsichtigte er Brian beim Zusägen, wechselte jedoch alsbald auf unseren Kühlschrank zum gewohnten Mittagsschlaf. Das zieht sich normalerweise bis ca. 15 Uhr hin und so dachte ich mir nichts dabei, als von seiner Seite nichts weiter kam... aber wie bei Kindern gilt auch hier, zu ruhig ist verdächtig. Stattdessen landete er offenbar irgendwann in Jodys Wohnung (ich hoffe sehr mit ihrer Zustimmung, zumindest war sie ca. 2 Stunden während der Bauarbeiten auch zu Hause.) Als der Hausmeister dann seine Arbeiten beendete, meinte er zu mir, ob ich nicht den Kater aus ihrer Wohnung holen könnte... . Nun, Linus schlief seelenruhig in ihrem Bett hinter einem Berg Kissen und duckte sich neben einem Riesen Teddybär, als ich seinen Namen rief.

Am Wochenende unterhielten wir uns auch einmal mit Ian, dem Nachbarn, der oben lebt und all das Drama um den Jungen im Drogenwahn hautnah miterleben musste. Seines Standes Reservist der Nationalgarde, kam er zu der gleichen Einschätzung wie wir, daß der Junge zu ausgetickt war um noch in irgendeiner Form funktionieren zu können. Er hätte wohl jemanden lachend umbringen können und es wäre nicht weiter aufgefallen. Daher stand Ian nachdem er die Polizei gerufen hatte, hinter der Tür mit seiner 45er und er hätte geschossen, wenn es dem Jungen gelungen wäre durch die Tür zu kommen. Ich kann nicht sagen, ob er im Ernstfall absichtlich daneben geschossen hätte, denn ein Verwundeter wäre vielleicht entgültig jenseits von Gut und Böse gewesen.
Am vergangenen Freitag rief uns auch die Polizistin an, die fragte, ob wir als Geschädigte irgendwelche Ansprüche stellen wollen (wollten wir nicht, die Tür ist Eigentum des Vermieters) sie erzählte uns, daß es ein schweres Stück Arbeit war, den Jungen in seine Zelle zu bekommen, so daß er noch ein paar Mal getasert wurde. Was da alles hätte passieren können, denn man wusste nicht, was er alles genommen hatte... da hätten die andauernden Elektroschocks auch zum Herzanfall führen können. Aber es ist eben einfacher jemanden so zu kontrollieren, als daß man ihn erst zusammenschlägt. Jedenfalls erwachte er am nächsten Morgen im Gefängnis und wusste von nichts. Das wundert mich nicht.
Als Auflage darf er sich dem Haus nicht mehr bis auf 250 yards nähern. Das ist ein 228 m „Rettungsring“ für uns, dessen Einhaltung zwar niemand kontrolliert, aber wenn ich ihn hier sehe, würde ich nunmehr sofort die Polizei rufen :)

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