17. April 2011

Sonntagsblumen


Was für ein Wochenende. Gerade haben wir unsere letzten spontanen Mittagsgäste verabschiedet und endlich wieder klar Schiff in der Küche gemacht. Nach drei Tagen fast durchgängig Leute im Haus bis nach Mitternacht wach und morgens früh in der Küche bin ich nun absolut erledigt, Linus schläft den ganzen Tag ohne sich aufzuregen, daß keiner mit ihm spielt und sogar Anand redet weniger als sonst. Wie machen das eigentlich Leute, die jedes Wochenende Besuch haben, schafft man daneben überhaupt noch irgendetwas anderes? Ich brauche jedenfalls die nächsten Tage um mich davon zu erholen und freue mich schon sehr auf das lange Osterwochenende. 


Mit den Sonntagsblumen sieht es in dieser Woche nicht so gut aus, denn kälteres Wetter hat die Weiterentwicklung vielfach verzögert. Die Narzissen, Tulpen, Hyazinthen sind immer noch am Fast-Aufgehen und nur an einer Stelle konnte ich bereits geöffnete Osterglocken fotografieren. (Leider nur von weit weg...)


Interessant fand ich auch dieses Schild vor einem Blumenladen, das zwar die tollsten Blumen - im Laden - versprach, aber nichts davon im Garten stehen hatte. Mit ein paar Tulpentöpfen davor, hätte man es vielleicht eher glauben können. 


Gefreut habe ich mich dagegen in dieser Woche endlich und unversehens Schneeglöckchen vor die Linse zu bekommen. Damit hatte ich schon nicht mehr gerechnet.
Insgesamt sind die Frühjahrsgärten aber recht einfach gehalten und viele Sorten, die in deutschen Gärten normal sind, wie z.B. Traubenhyazinthen - mittlerweile sogar in weiß und rosa erhältlich - gibt es gar nicht. Der Vermonter Garten hat zumeist keine Schneeglöckchen, Fragen nach gefüllten Sorten, Christrosen etc. erübrigen sich von daher. Das Frühjahr beginnt mit einfarbig gelben und lilanen Krokussen, gefolgt von rosanen und lilanen Hyazinthen, dann kommen einfache gelbe Narzissen, den Abschluß bilden rote Tulpen: Fertig. Dazu kann man aus dem Baumarkt noch Stiefmütterchen und Heidekraut dazukaufen. Wünschen würde ich mir dagegen Ranunkel, Buschwindröschen, von allen Versionen auch gefüllte Sorten und/oder verschiedene Farben, kleine Wildtulpen, Hornveilchen und ja, ich vermisse Traubenhyazinthen und wäre selbst mit der Lila-Urform zufrieden. 


Der Löwenzahn hat sich dagegen längst wieder eingefunden und macht das, was er am Besten kann und besiedelt selbst die letzten Ecken und Zwischenräume. Derzeit sind die Frühjahrs-Blättchen, wie auch bei den Brennesseln am ehesten geeignet um für Tees getrocknet bzw. für Salate blanchiert zu werden ... :)

16. April 2011

Couchsurfer

Unser erster Wochenend-Besuch ist schon wieder weg und heute abend geht es erst weiter. Bis dahin müssen wir es zwar noch zum Supermarkt schaffen, aber das wird schon alles werden. Der junge Mann war damit auch unser erster richtiger Übernachtungsgast in Burlington (bei einer von Anands Parties im November, als ich noch in Deutschland weilte, war jemand zu betrunken zum nach Hause gehen, aber ich habe ihn hier einmal nicht mitgezählt...) Nein, wir hatten einen schönen Abend, starteten zu Hause mit Bhel Puri (einer Art mumbaiker Salat mit Puffreis, Zwiebeln, Tomaten und Tamarind Chutney) weiter ging es in die Innnenstadt wo es am Freitag Abend im „Farmhouse“ Restaurant tatsächlich noch Sitzplätze gab und das Essen mit Ahornsirup-Mousse einen würdigen Abschluß fand. (Gäste sind toll, vorallem wenn man dann Essen geht :) Das Farmhouse hat auch eine interessante Geschichte, denn es war einst ein McDonalds Restaurant, das von der Innenstadt-Initiative aufgekauft wurde. Damit ist Burlington, die wahrscheinlich einzige größere Stadt in Nordamerika ohne Innenstadt-McDonalds. Die Gründe waren, daß man zum Einen die Burgerbude nicht neben den prämierten Restaurants der Innenstadt haben wollte und zum Anderen war diese kleine Nebenstraße zur Fußgängerpassage zum Treffpunkt von Obdachlosen geworden und die wollte man vertreiben. Das gelang hervorragend, denn seitdem treffen sich die Obdachlosen nicht mehr in der Nebenstraße sondern direkt in der Fußgängerpassage...
Isaac, Anands Kollege, hat seine Undergrad-Studien in Burlington abgeschlossen und erzählte uns was er seit Weihnachten gemacht hat. Darin enthalten waren Monate mutterseelenallein im kleinen Ferienhaus der Eltern an einem See in den Adirondacks. Als ihm der Winter auf die Nerven ging, setzte er sich eben ins Auto und fuhr durch bis New Orleans und seitdem tourte er die USA um sich Grad-Schools für das weitere Studium anzusehen. Er erzählte uns, daß die Unis vorallem damit werben, die zukünftigen Studenten so betrunken wie möglich zu machen... so begann der Morgen an der NY State University bereits mit Champagner-Empfang, in Boulder, Colorado (nach Ansicht vieler der Ort der mit Burlington am ehesten vergleichbar ist) schmissen die anderen Grad-Students eine Party und nur in San Diego gab es keinen Alkohol. Wo dann natürlich auch keiner hin will. Letzlich entschied er sich dafür in Seattle, Washington weiterzustudieren und bis zum Semesterstart im Herbst wird er wohl weiterhin die USA bereisen, den Sommer am See genießen und wenn andere Leute sagen: „Ach ich würde doch so gerne“ ... es einfach machen, was mir irgendwie typisch amerikanisch vorkam ...

15. April 2011

Flashback Friday

Heute bin ich aus irgendeinem Grund supernervös und gehe mir damit selbst gehörig auf die Nerven. Ich hoffe dennoch, daß ich diesen Artikel hier in Würde zu Ende schreiben kann, bevor ich (loshüpfe) mit Anand zum wöchentlichen Mittagessen im Krankenhaus verabredet bin. Ein Teil meiner Nervösität resultiert auch in der Tatsache, daß meine Flashback Bilder Ordner sich langsam aber sicher leeren und es ist ja nicht so, daß ich mal eben nach Hause fahren kann um neue zu holen. Wenn also jemand Lust hat, hier einmal eines seiner alten Bilder zu sehen, dann schickt doch bitte die Bilddatei mit kurzer Beschreibung an teodoraa26@hotmail.de Dazu braucht man nicht unbedingt einen Scanner (obwohl sich der bei Negativen gut macht), ein Abfotografieren ohne Blitz mit halbwegs ruhiger Hand reicht in den meisten Fällen aus. Das kann ich dann Aufhellen, Kontraste wieder einbauen, Horizont geraderücken und zurechtschneiden. In manchen Fällen repariere ich auch Fehler und Risse, obwohl man da immer aufpassen muß, denn man möchte ja nicht am Ende ein nagelneues Bild haben, dem man das Alter nicht mehr ansieht. Genauso sind jedenfalls die meisten Bilder in den Ordnern und auch die Fotos dieser Woche entstanden.


Kommen wir nun aber zu den Fotos. Sie sind ungefähr im Frühling 1993 auf dem Weg zur Insel Fehmarn bzw. auf der Fähre von Puttgarden nach Rødbyhavn entstanden. Die Familie mit der wir (meine Mutter, Schwester und ich) auf den Fotos zu sehen sind, sind nicht unsere Großeltern, obwohl sie den Titel in vieler Hinsicht ehrenhalber verdient haben. Familie Böhme waren die Nachbarn im Haus meines Vaters und nach dem viel zu frühen Tod von Kulack Senior wurden sie in vielerlei Hinsicht auch Ersatzfamilie und deren drei ältere Söhne (für meinen Vater) Spielkameraden und Vorbilder. Für mich bedeutete es, daß wir bei vielen Besuchen in Ahlbeck weiter nach Heringsdorf fahren würden. Mein Vater würde von seiner Kindheit erzählen, wo er im Sommer gearbeitet hat, vom Fußball spielen am Strand mit englischen und russischen Soldatenkindern und dann würden wir das letzte Haus der Strandstraße, direkt neben Promenade und Strand erreichen. Das Haus in dem mein Vater aufgewachsen war, wo ich mein erstes Lebensjahr fernab sämtlichen Straßenlärms verbracht hatte, wo das Vertiko im Flur herkam und wo Familie Böhme noch lange Zeit wohnte. Die Wände waren hoch, was ich wunderbar fand, aber schwer zu beheizen wurde mir erklärt, von außen bröckelte der Putz doch innen fand ich ein Wunderland an Möbeln, Einrichtungen und natürlich dem (Plastik-)Spiegelei an der Küchen-Decke vor. Das Wichtigste aber waren Herr und Frau Böhme selbst, denn sie hatten sich eine besondere Art der Liebenswürdigkeit füreinander und andere bewahrt, die ich selten bei anderen Menschen im gleichen Alter vorfand. Sie hatten nicht weniger gesundheitliche Probleme als andere und das Leben war auch nicht einfacher und doch hatte man immer das Gefühl Menschen vor sich zu haben, die einanden sehr zugetan waren, an der Hand hielten, sich Liebling und Kleine nannten. Gerne wurden Geschichten erzählt, die zu Anekdoten wurden...z.B. wie er aus dem Krieg kam und sie war so gewachsen, daß sie größer war als er oder als sie aus dem Venezuela Urlaub kamen und auch die letzten wohlwollenden Blicke meiner Eltern ob des Redeflusses langsam ermüdeten war ich mit Feuereifer dabei, die beiden waren einfach ein Gesamtkunstwerk. Ich nahm mir ganz fest vor, genauso werden zu wollen, wenn ich einmal ein ähnliches Alter erreichen würde. 
Wir kamen aber nicht nur zu Besuch, sondern sie besuchten uns auch und so geschah es, daß wir bei einem dieser Gegenbesuche zusammen einen Ausflug nach Schleswig Holstein unternahmen. Auf der Fähre war Herr Böhme als alter Seebär an allem interessiert und wir genossen die Zeit, die mit dänischem Eis einen Höhepunkt fand, ehe es zurück nach Dland ging. Auf dem Gruppenfoto sieht man auch, daß ich mich damals gerade in meiner monochromatischen Phase befand. Das war weder in Mode noch gefiel es mir besonders, ich wollte es einfach nur ausprobieren. Am gelben Outfit mochte ich, daß ich sogar gelbe Schuhe vorzuweisen hatte und die vielgescholtenen Gürteltaschen habe ich auf der letzten New Yorker Modewoche wieder bei vielen Designern gesehen. (Ja, sie kommen zurück.) In der Hinsicht muß ich sagen, daß meine Eltern und besonders meine Mutter mich nie daran hinderten „seltsame“ Kleidung zu tragen. Restriktionen kamen später durch Schule (im russischen Samtkleid zur Schule zu gehen führt z.B. zu erhöhter Verletzungsgefahr durch Neo-Nazistahlkappen-Schuhen in den Kniekehlen) und Gruppenzwang, doch von meinen Eltern kam nie ein, du musst jetzt so aussehen, weil alle das tragen ... :)

14. April 2011

Das Wort zum Donnerstag

Man merkt wirklich wie der Frühling immer mehr Einzug hält. Die Tulpen vor dem Haus arbeiten täglich ein wenig daran endlich aufzugehen. Man kann bereits erkennen, daß sie rote Blüten haben werden und die ersten Narzissen habe ich auch schon gesehen (wenn auch nicht fotografiert, denn es regnete.) 


Die Katzen sind ungeduldig wenn sie nicht nach draußen gehen können und rollen sich vor Freude auf dem Boden, wenn es endlich einmal trocken genug dazu ist. (Und natürlich muss man regelmäßig verhindern, daß sie dabei nicht die Tulpen zerstören ...) Mein soziales Leben, im Winter fast völlig zum Erliegen gekommen, erholt sich auch und so waren wir die ganze Woche beschäftigt. Das ist sehr gut für Anand, während ich das Gefühl habe, daß mir die Winter-Einsiedlerei ebenfalls liegt... Nun am Montag dachte ich nachdem das Wäsche Waschen erledigt war, kann ich etwas für den Blog schreiben, stattdessen kam mein Mann eher nach Hause um mich zu einem Kollegen mitzuschleppen, der Selbstaufbaumöbel gekauft hatte und kein eigenes Werkzeug besaß. Die Aufbaupläne waren kein Problem, schwieriger war es, daß das Holz in sich verzogen war und so waren wir bis gut in den späten Abend damit beschäftigt das Holz so geradezudrücken und zu halten, daß wir die Schrauben an die richtigen Stellen setzen konnten. 
Am Dienstag dann der große Tag... es ging auf zur Handtherapie am Ende der Stadt und endlich kam der lange erwartete Spruch: Die Schiene darf jetzt weggelassen werden und nur bei besonders rutschigen Wegen oder dem Heben von schweren Dingen, sollte ich sie auch in den nächsten Monaten noch zur Vorsicht tragen. Nächste Woche steht noch der Abschlußbesuch bei der Ärztin an und dann hoffe ich, daß das Thema Krankenhaus sich erledigt hat. Bei strahlendem Sonnenschein machte ich auch wieder einen kleinen Spaziergang in der Klinikgegend, über die Hausruine hinaus zur Nachbarsfarm. Dort sah ich eine wilde Truthhahnfamilie und jede Menge Kaninchen, die vor mir aus dem Feld sprangen. Ein paar der Bilder werde ich bald im Teodeco Blog zeigen, denn ich glaube dieser Blog hatte bereits genügend der Ruine-und Windrad Bilder im Angebot. 


Außerdem war Frei-Eis-Tag bei Ben & Jerrys (free cone day) doch die langen Warte-Schlangen vor den Läden schreckten mich ab. Anand sagte mir zwar, daß es an der Uni ziemlich schnell ging bis er sein Gratis Eis in der Hand hielt, da sie fünf extra Servierer vor Ort hatten für die eishungrige Meute. Aber in der Innenstadt standen sie die gesamte Straße hinunter und die Schlange schien sich nicht sonderlich vorwärts zu bewegen.
Gestern nun wartete ich einmal mehr vergebens auf den Hausmeister. Sein Ankündigungsschreiben lautete, daß er mit einem Banker die Modernisierungsmaßnahmen der Wohnungen besichtigen wollte, was zu hektischen Saubermachaktionen führte und dann wartete ich umsonst. Eigentlich muß ich nicht in der Wohnung sein, da Hausmeister und Vermieter die Wohnung auch ohne mich betreten dürfen und in Ottawa habe ich mich auch nicht so sehr darum gekümmert. Aber hier reagieren Linus und Shweta noch ziemlich panisch auf unangemeldete Besucher und vorallem der Hausmeister ist für sie jemand der nur unangenehme Geräusche wie Hämmern, Bohren, Rütteln etc. zur Folge hat.
Am Abend besuchten wir dann zum ersten Mal den deutschen Stammtisch, der einmal monatlich im „Das Bierhaus“ stattfindet. Wir hatten uns das bereits seit einer Weile vorgenommen, aber es kam aus verschiedensten Gründen nie dazu. Der Anfang war etwas turbulent und wir hatten ehrlich gesagt nicht erwartet, daß das eine solch große Veranstaltung à la Stehparty mit (+) 30 Gästen, die meisten weiblich und Deutsch-Muttersprachler werden würde. Es war schwierig den Überblick zu behalten und wir konnten auch nur mit einigen Leuten reden. Während wir mitten in der Gruppe an der Bar sitzend unser Abendessen aßen (Bratwurst mit einem Klacks Bratkartoffeln und Senf für 9 $, auweia...) kam die eigentliche Organisatorin der Gruppe und fragte jemand anderen, wer den nun eigentlich zum Stammtisch gekommen war. Diejenige deutete daraufhin auf uns und sagte laut auf deutsch: „Die Beiden gehören sicher nicht dazu.“ Ich konnte förmlich sehen, wie Anand zusammenzuckte und zu mir meinte: „Das ist bestimmt nur wegen mir... :(“ Ich fand das sehr unangenehm und wenn man die vielen leeren Tische im Raum sah, an denen wir als Nicht-Dazugehörige hätten sitzen können auch wenig durchdacht. Nun ja, als Resultat würde ich sagen, daß es sicher schön war einmal deutsch zu reden und ich wollte auch ein Gegengewicht zur indischen Studentenvereinigung haben, die bisher unser soziales Leben in Burlington dominiert. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob Anand nochmals mitkommen mag, was den zusätzlichen Sinn der Veranstaltung für uns, nämlich, daß er seine Deutschkenntnisse nicht verliert etwas untergräbt. Ich glaube unsere Gruppe in Ottawa, die zumeist aus Deutsch Lernenden bestand, war in der Hinsicht etwas offener. Doch vielleicht spielte mir auch nur einmal mehr meine soziale Unfähigkeit mich in großen Gruppenveranstaltungen wohl zu fühlen einen Streich.
Heute habe ich einen weitesgehend freien Tag, den ich dazu nutzen wollte mir die mit Schmelzwasser tobenden Wasserfälle in Winooski anzusehen. Aber nun ist alles wolkenverhangen, so daß ich nicht weiß was da noch an Regen nachkommen kann. Freitag und Samstag sind bereits ausgebucht mit unterschiedlichen Programmpunkten für tagsüber und abends, ich freue mich auf den nächsten bisher unverplanten Tag: Sonntag :)

10. April 2011

Sonntagsblumen

Die Frühlingsentwicklung verläuft mittlerweile im Sauseschritt... schauen wir also einmal was drei Tage Regen und vier Tage Sonnenschein für Auswirkungen hatten:

Zuerst noch einmal ein Blick auf den Osterstrauß. Diese Blüten haben ein seltenes Lob von Anand eingeheimst, der ihnen nämlich eine interessante Symmetrie bescheinigte.

Aber jetzt ab nach draußen: die Hyazinthen sind auf dem Weg nach ganz oben.

Der in Burlington sehr selten anzutreffende Blaustern ist bereits am Verblühen.

Krokusse im Gegenlicht, mit einer ersten kleinen Iris hollandica rechts unten.

Weiße Krokuspolster...

 ... und die Bienen sind auch schon ganz fleißig

So langsam wird das auch was mit den Forsythien. 

Ich bin schon ganz gespannt was die nächste Woche mit ihren wesentlich wärmeren Temperaturen bringen wird ... :)

Zwei Tage

Nachdem ich gestern dachte meine Kopfschmerzen halbwegs im Griff zu haben und deswegen am Nachmittag sogar einen kleinen Spaziergang am Seeufer wagte, hatte mich die Migräne am Abend fest im Griff. Ich wußte den ganzen Tag über, daß die Schmerzen noch da und nur unterdrückt waren, denn wenn man z.B. vor Erschöpfung wie ein Walroß schnauft wenn es nur ein paar Schritte bergan geht und sobald man den Kopf nach unten dreht mit kleineren Schmerzwellen bestraft wird, weiß man, daß etwas überhaupt nicht in Ordnung ist. Aber dann war da der erste warme Tag des Jahres, einfach zu schön um nur von drinnen bewundert zu werden.
Am Abend ging dann aber gar nichts mehr und ich war für Stunden verloren in diesem Schmerzimperium in dem sämtliche Sinneseindrücke wie durch eine Riesenlupe auf einen einstürmen. Licht ist zu hell, Geräusche zu laut, Temperaturen zu hoch, Gerüche zu stark, Druck zu hoch ... alles eine Kakaphonie der Schmerzen. Nachdem ich mit einer - durch Anand wie immer mißbilligten - Schmerztablettendosis endlich einschlafen konnte, wachte ich gegen 3 Uhr nachts auf und dachte das Schlimmste überstanden. Es gelang mir sogar ein Stück Brot zu essen. Aber ich hatte mich zu früh gefreut und neue Schmerzwellen warteten schon, die mich wieder auf eine endlose Wanderung durch die Wohnung schickten. Im Laufe des Tages ließ der Schmerz dann langsam nach und derzeit bin ich in einem Status des leisen Hoffnungsschimmers...

9. April 2011

Flashback Friday, Saturday Edition

Nun aber endlich, kehren wir zurück in die Gefilde meiner Kindheit, dem liebsten Spielplatz in Ahlbeck: Der Sandberg, denn direkt hinter dem Haus meiner Großeltern türmte sich eine urwüchsige Dünenlandschaft auf.
Einige Meter ging es in die Höhe, mein Großvater hatte daher einen Metallblechzaun installiert um den ständigen Sandfluß in den Garten zu erschweren. Auf der Kammhöhe dann befand sich ein kleiner Eichenwald mit Blaubeeren und Pilzen und nach dem Wald ging es steil nach unten zur weit tiefer gelegenen Straße. So einen Riesenberg Sand konnte man hinunterrollen, laufen, springen, schlittern und wieder nach oben rennen.... und nach mehrmaligem Wiederholen ließ man sich am Besten ziehen, wie auf dem Foto mit Silke, der Tochter einer Freundin meiner (Groß-)Eltern ... 


Wenn man neben der Straße nach oben lief, konnte man außerdem eine Wurzelhöhle entdecken, wo der Sand unter einem Baum so ausgespült worden war, daß ein Hohlraum entstand. Wenn ich genug in den Eichen umhergeklettert war und der Sandrutschbahn müde wurde, begann meine zweite Leidenschaft: Der Hausbau. Damit meinte ich zwar meist nichts annäherend Zeltähnliches, wenn ich Schatten benötigte reichte mir das Laubdach noch allemal, aber ein paar Dinge mussten als Basisausstattung angeschleppt werden um mich zufrieden zustellen. Ganz wichtig war mein Klapphocker aus Segeltuch, dazu ein paar Decken oder Handtücher und diverse unverzichtbare Spielzeuge wie ein Ball (Wasserball reichte auch), Keulen, Plastikzaunteile, die man zu einer „Krone“ zusammenstecken konnte und Hula-Hopp Reifen. Luxusausstattung war wenn man etwas zu Essen/Trinken ergattern konnte ohne dafür das „Haus“ abbauen zu müssen und man es sogar auf den Berg verschleppen konnte. 


Dann hatte man vom Piratenausguck - Hocker aus den Überblick über den Garten sowie einst sicherlich Störtebeker auch, von dem mein Großvater immer erzählte (und von dem ich jahrelang annahm, daß er im Wald um den steinernen Tisch herum lebte) und Verpflegung gabs dazu. Als ich älter wurde verkleinerte sich mein Lager auf Decke und Buch und irgendwann nach der Wende wurde der gesamte Sandberg und benachbarte Parkplatz abgetragen. Das entstandene Loch war so tief, daß das Haus meiner Großeltern Risse bekam. In diese Kuhle wurde dann die Ostseetherme mit Parkhaus gebaut und nur die Baumhöhle am Straßenrand blieb erhalten. Auf dem Dach der Therme pflanzte man zwar wieder eine Düne an, aber das war nur noch eine künstlich-erschaffene Kopie des Originals und außerdem durch hohe Zäune begrenzt. Doch während ich noch den Verlust meines Berges bedauerte, fand ich auch Vorteile darin direkt neben einer Schwimmhalle zu wohnen, denn Anziehzeiten konnte man auf ein Minimum reduzieren, Haare föhnen ging auch zu Hause, so daß man die Maximumzeit ausnutzen konnte um sich im Außenbecken, Dampfbad, Whirlpool oder eben auf der Rutsche 'sportlich zu betätigen' ... :)

Vorgeplänkel zum Flashback...

Ich bin einen Tag zu spät mit meiner Rückschau aber eine Reihe an Ereignissen hatte meine Zeit gestern so sehr in Anspruch genommen, daß ich über eine „Diaschau“ nicht hinaus kam. Zum Einen war da das wundervolle Frühlingswetter, ich machte einen langen Ausflug zu einem Teil der Universität in dem ich noch nicht war, dem Redstone Campus und fand einen kleinen windgeschützten Innenhof direkt neben den Proberäumen der Musikhalle und mit den Katzen war ich natürlich später auch draußen. Zum Anderen informierte man sich wo es ging über die Risiken und Folgen der möglichen Regierungsschließung, die gestern nacht um 11 Uhr endlich abgewendet werden konnte. So eine Schließung ist hier ganz anders als in Kanada, wo einfach die Parlamentarier für drei Monate in den bezahlten Urlaub geschickt werden, alles andere aber so weiter läuft wie bisher. Hier bedeutet Schließung, daß alle Behörden, Institutionen etc. auf Bundesebene geschlossen sind und die Mitarbeiter unbezahlt in den Zwangsurlaub geschickt werden. Da dann auch nicht über weitere Fonds der Universitäten bestimmt werden kann, hätte das das Aus für viele Forschungsprojekte, bzw. Gehälter (Anands Gehalt wird durch einen Fond bezahlt) u.a. der Physik Fakultät bedeuten können. Gottseidank konnten sich die Herren und Damen Politiker aber doch noch zu einer Entscheidung durchringen.
Alles in allem bestärkte es einmal mehr meine Meinung, daß dieses Land irgendwann völlig implodieren wird und man nur hoffen kann, daß China etc. dann stark genug sind um die Folgen für die Weltwirtschaft aufzufangen. Die USA haben vor 40 Jahren damit aufgehört irgendetwas in die öffentliche Infrastruktur zu investieren und langsam treten die Probleme an zu vielen Stellen gleichzeitig zu Tage als daß man sie alle stopfen könnte, sei es kaputten Straßen, Brücken, fehlende Energieversorgung, Kinderobdachlosigkeit und natürlich dem ewigen Thema von bezahlbaren Krankenversicherungen um nur einige zu nennen ... Am Abend erfuhr Anand zusätzlich, daß einer seiner Freunde mit Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, weswegen er ihn heute besucht. Mein Kopf hat dagegen auf den abrupten Wetterwechsel reagiert und mit der Präzision eines Uhrwerks auf Migräne umgeschaltet, die Tabletten haben zwar bisher recht gut geholfen, aber die Schmerzen sind  nur kurzfristig unterdrückt worden, insofern werde ich mir das Traumwetter wohl nur von drinnen ansehen können ...

8. April 2011

Stilleben aus der Nachbarschaft

Das sind ein paar Bilder von sonnigen Tagen im Old North End, dem eigentlichen Gründungsviertel von Burlington.
Ich fand insgesamt 13 Detailbilder aus jedem der drei Bereiche des Viertels wären genau passend für einen Freitag Nachmittag ;)
Welche Bereiche meine ich damit? Nun, mein Stadtteil beginnt mit den Restaurants und Kneipen der endenden Innenstadt, hat fast slumartigen Charakter in der Mitte mit der North St und ihren Ansammlungen von arbeitslosen Biertrinkern bei der Schule, Möchtegern-Gangsta-Rappern mit Monsterhunden und ihren blonden Freundinnen ein Stück weiter die Straße hinunter und einer Gruppe wunderschöner Mädchen im Vor-Teenager Alter, die sich gerne mit der Polizei streiten ... Wenn man die Straßen Richtung Riverside weitergeht wandelt sich der Charakter erneut und man findet reine Familienbezirke mit Menschen aus aller Herren Länder vor. Die Spielplätze sind wieder zum Spielen da und auf den Fußwegen findet sich zwar hin und wieder ein verlorener Schnuller, aber weniger Spritzen. 

Seit ein neues Gesetz die Hühnerhaltung in der Stadt wieder erlaubt, haben die Vorgartenhühner gerade unter der Studentenschaft rasant zugenommen. Da das offenbar die gleichen Studenten sind, die auch ihre Katzen einfach an die Luft setzen, wenn sie mit ihrem Studium fertig sind und wegziehen, gibt es seitdem die Gattung der wilden Straßenhühner.

Wer einen Ahornbaum in Garten hat, kann sich freuen... er bekommt den Saft direkt vom Baum :)

Meine Oldtimerliebe ist immer auf der Suche, vorallem bei solch farblich passenden Exemplaren.

Aber auch dem etwas rostigeren Modell wird noch die entsprechende Aufmerksamkeit zugewandt.

Es passte so gut zu den Autos.

Eine im Schnee verschwundene Couch tau(ch)t wieder auf.

Ein äußerst unfrohes Haus. Burlington hat eine der strengsten Denkmalschutz-Satzungen in den USA. Dadurch ergibt sich ein Problem, denn da die meisten Häuser im Old North End zum Einen sehr alt und zum Anderen die meisten Eigentümer nicht sehr reich sind und sich die historischen Baumaterialen nicht leisten können ziehen sich Baumaßnahmen in die Länge. Mitunter verhindert auch die Feuerschutzsatzung den Einsatz von historisch gefordertem Holz, so daß viele Häuser erst nach langem Ringen und Richterspruch weitergebaut werden können.

Katze im Schneerahmen

Frühlingszeit ist Bauzeit

Terrassentruck

Ja, ich mache immer noch Fotos von jedem bunten Haus im Viertel...

... Wie bitte? Gemüseparkplatz … ö_Ö

Und schlußendlich: Entdecke die Gänse im Bild.

7. April 2011

April, April ... der [...]


Die Tage dieser Woche gingen so schnell vorbei, ich kann kaum glauben, daß bereits Donnerstag ist... Dabei hat der April bisher sämtliche Register seines Könnens gezogen. Zwei Tage hatten wir Dauerregen und ich musste auf den Hausmeister warten, der aber nicht kam *grummel* Am Dienstag war selbst Linus bereits so genervt, daß er trotz des Regens nach draußen ging und dann eben naß wurde, hilft ja alles nichts. Gestern war wiederum Winter, es schneite bei Temperaturen um -3°C, manchmal schien auch die Sonne, diese konnte den Schnee aber nicht so schnell aufschmelzen. Dafür hatten die Katzen einmal mehr frischen Schnee zum Spielen, auch schön. Heute nun wachten wir in einem Raureif-Märchenland auf, das sich zum wunderschönen warmen Sonnentag mauserte. Ich war für eine Stunde mit den Katzen im Hinterhof, die sich so richtig im warmen Staub/Laub wühlten und dementsprechend aussahen. Joe, der Nachbar im kleinen Haus spielte Amelie und später etwas wesentlich komplizierter Klingendes auf seinem Klavier, was noch zum weiteren Entspannen beitrug. Sogar Doris - die alte Dame im Hinterhof - lief ein paar Schritte ihrer Treppe hinunter um mich besser unterhalten zu können. Es ist erstaunlich, daß sie sich tatsächlich die Vornamen aller Nachbarn, der umliegenden fünf Häuser merken kann, obwohl die Wohnungsinhaber so häufig wechseln. Da ihr Lieblingssender der Wetterkanal ist, erklärte sie mir auch, daß im Laufe des Wochenendes 21°C erwartet werden, bis sich das Ganze dann bei 10°C stabilisieren soll ...
Ansonsten hatten wir Freitag Nacht einen dubiosen Einbruch in der Erstsemester-WG unter uns zu vermelden. Dubios, da nur die Tür aufgebrochen, aber nichts gestohlen wurde. Die Mädchen meinten, daß es das Werk eines Ex-Freundes gewesen sein könnte, die anderen Nachbarn meinen, daß es auch ein bes. Betrunkener hätte sein können, der seine Tür nicht mehr fand, vielleicht war es ja ein betrunkener Ex-Freund. Jedenfalls waren alle froh, daß das so glimpflich abgelaufen ist und nun passen wir besonders sorgfältig auf, daß die Außentür zum Treppenhaus wirklich ins Schloß fällt und nicht nur angelehnt ist.
Außerdem bin ich diese Woche im Decken-Fund-und-Kauf Wahn. In regelmäßigen Abständen kaufe ich mir eine neue Decke zum einfach mal so in der Couch reinlümmeln oder auch dem gelegentlichen Mittagschlaf und genauso regelmäßig, werden deren Bestimmungen umgedeutet. 


Eine Decke wurde Bettüberwurf, eine Steppdecke ständiger Katzenkorbaufpolsterer oben drauf (sie können dort nicht ohne Decke sitzen, da scharfkantige Plastikteile im Weg sind, gleichzeitig ist der Platz aber der bequemste zum aus dem Fenster gucken), eine rot-schwarze Fleecedecke liegt nunmehr im Katzenkorb und eine weiße Fleecedecke ist sowieso Linus’ „Mama“, die Decke wird regelmäßig von ihm gereinigt, durchgeknetet und an neue Orte geschleppt, wenn der Stammplatz auf der Couch gerade mal nicht gut genug ist.
Als ich gestern auf dem Weg zum Supermarkt, spontan zum größten Second Hand Laden der Stadt weiterfuhr, fiel mir eine nahezu neue Häkeldecke (nicht für den Tisch) ins Auge. Ich habe mir schon öfter solche Decken angesehen und die Geduld bewundert, die es braucht eine gesamte Decke zu häkeln. Doch die meisten Decken fielen durch seltsame Farbkombinationen (schwarz-neongrün-lila z.B.) auf und man sah ihnen das Alter und den Gebrauch von nicht so hochwertiger Wolle an. Diese Decke war jedoch in blau-beigen Blockstreifen gehäckelt, weich, hatte keinerlei Abnutzungserscheinungen und kostete $ 1,50 ... Meine! Heute nun brachte ich - mit seiner Erlaubnis - einen ganzen Stapel von Anands alten T-Shirts zum Second Hand Laden um die Ecke und was sahen meine müden Augen: selbstgemachte, echte Quiltdecken. Ein paar der schönsten mit achteckig-zusammengenähten Stoffstücken waren leider auch schon zu abgenutzt und brauchten einiges an Reparatur, aber ein einfacher Quilt, mit rechteckigem Stoffmotiv war wie die Häkeldecke vom Vortag, neuwertig und wurde gekauft. Eine leuchtend royalblaue Picknickdecke mit wasserfestem Unterstoff sah ich mir dann lieber nur noch von weiten an. Mit dem Waschen der Decken hatte ich dagegen weniger Erfolg. Als der Waschgang der Häkeldecke beendet war, zeigte mir die Pachtmaschine im Keller die Fehlermeldung „Außer Balance“ an, was bedeutet, daß der Schleudervorgang nicht durchgeführt werden konnte. Das verwunderte mich zwar, denn die Decke füllte nicht einmal die Hälfte einer Waschladung, aber sie war schon ziemlich mit Wasser vollgesogen. Meine Vermutung ist zwar, daß die Maschine bereits vorher ein Problem hatte und irgendwie rufen unsere Nachbarn nie den Reparaturdienst an, das sind immer nur wir... aber ich werde wohl auch diesmal in den sauren Apfel beißen müssen und somit die Verantwortung für den Reparaturfall übernehmen. Ich habe nunmehr beschlossen, daß die sehr viel größere Quiltdecke nicht gewaschen werden wird, sondern nur ordentlich ausgelüftet und dann schaun’mer mal... :) Ich wünsche Euch allen einen wunderschönes Ende der Restarbeitswoche und morgen gehts hier auch gleich weiter...versprochen.

4. April 2011

Magic Kingdom


Die letzte Station unseres langen langen Disney Tages war endlich der älteste Park (eröffnet am 1.10.1971) auch wenn man es ihm nicht ansieht, denn Erlebnisparks dürfen natürlich nicht altern, Klischee Disneyland... das Magic Kingdom.

Das Dornröschenschloß wurde nach dem Prinzip der erzwungenen Perspektive erbaut, so daß dessen 55 Meter wesentlich höher aussehen...

Im Gedrängel der Main Street U.S.A. fällt einem sicher nicht auf, daß man sich bereits im ersten Stock der Gebäude befindet, denn Disneyland verfügt über eine komplette Untergrundstadt, in der Elektronik, Leitungen und Angestelltengänge untergebracht sind ... wie auf einer gigantischen Bühne.

Die Sonne ging bereits unter und es wurde so richtig kalt, aber wir sahen im schwindenen Licht doch noch die üblichen Verdächtigen wenn wir auch beide mehr oder weniger vergaßen noch irgendwelche Fotos zu machen, Mainstreet USA, Winnie Puhs Haus, Pirates of the Caribean, Liberty Square .... waren im Wilden Westen, begegneten den menschlichen Verkörperungen von „Tangled“ und dann ist da natürlich Das Schloß! Von den wenigen Fotos, die wir doch machten, waren ca. 50% allen Versionen der sich wandelnden Schloß-Laser-Farben vorbehalten, sieht es nicht toll aus in orange „click“ und in türkis erstmal und natürlich pink, grün usw.


Als die Sonne wahrlich und komplett untergegangen war, begann alsbald die erste Electrical Parade des Abends. Dazu wurden sämtliche anderen Beleuchtungen ausgeschaltet, so daß man quasi genötigt wurde an der Stelle an der man stand stehenzubleiben, denn sonst war es außerhalb der Läden zappenduster. Die Parade bestand aus rollenden Marienkäfern, Schmetterlingen, Häusern, Disneyhelden etc. die allesamt von einer Vielzahl von Glühbirnen beleuchtet wurden. Seit Umweltschutzgruppen anfingen sich über die Energieverschwendung zu beklagen, wurde dem Ganzen der Zusatz „historisch“ bzw. „traditionell“ angefügt... Schlimmer als die Energieprobleme fand ich aber die Lärmbelästigung, denn das gleiche elektronische Babylied mit genau zwei Variationen im 30 Sekunden Takt fast eine Stunde um die Ohren geplärrt zu bekommen ist schon eine Zumutung, meinetwegen sogar eine historische Zumutung.
Nach der erfolgreich beendeten Parade stand dann aber wieder das Schloß im Mittelpunkt und Disney zog alle magischen Register um eine Show, die in Teilen Lasershow in Teilen Feuerwerk und Akrobatik vereinte, zu zeigen. Das beeindruckte sogar mich alten Zyniker und das Ganze verlor auch nicht dadurch an Faszination, daß es täglich zwei Mal seit vielen Jahren stattfindet, denn es war ein gekonntes Spielen mit was ist wirklich und was nicht... So wurde z.B. Tinker Bell, die als Laseranimation ums Schloß tobte, plötzlich äußerst lebendig und sauste am Seil über die Köpfe hinweg, am Ende eines Lasers explodierte ein Feuerwerk und aus dem Nichts tauchte ein Kinderchor auf um zu singen, kitschig aber schön...


Nach dem Feuerwerk und bei Temperaturen von -1°C/30F flüchteten wir uns in die Geschäfte, probierten Mickey-und Minnie Hüte aus, aufgrund des vergleichbar geringeren Preises gab es zum Abendessen Hotdogs und dann war unsere Zeit (endlich) abgelaufen. Wir verließen den Park, nahmen den Transrapid zum Umsteigebahnhof und von dort ging es mit der zweiten Bahn zurück zum Anfangspark Epcot. Dort kaufte ich mir eine heiße Schokolade am Automaten, die angenehm groß war und solchermaßen zumindest mit warmen Magen und Händen ausgestattet, verging die Wartezeit auf den Bus, der uns zum Hotel brachte... dort ging es sofort ins Bett, denn wir waren absolut erledigt... drei Disney Parks an einem Tag kann man zwar machen, aber im Rückblick würde ich es als nicht sonderlich empfehlenswert einstufen... :)

3. April 2011

Sonntagsblumen und Sport


Gestern habe ich mir einmal die Tulpen vor dem Haus angesehen und denke, das wird schon bald etwas werden wenn die Katzen nicht zu sehr auf ihnen herumtrampeln. Ihre Lage ist leider etwas unglücklich, direkt auf einem Wildpfad für Straßenkatzen und den gesamten Vormittag über befinden sie sich außerdem im Kern-Schatten des Hauses. Erst im Laufe des Nachmittages kommt auch etwas Sonne bei ihnen an. 


Die Krokusse blühten dagegen die ganze Woche und sind vielerorts bereits am Verblühen, Schneeglöckchen habe ich noch keine gesehen und bin da auch nicht sehr zuversichtlich ...
Aber meine Blütensuche war gestern nebensächlich, denn wir befanden uns auf den Weg in die Universität um das Kricket Finale anzusehen. Der erste Plan lautete, daß wir dort mit Spielbeginn um 5.00 Uhr morgens auftauchen würden... ich lehnte dankend ab. Das fiel jedoch gottseidank aus wegen Bodennebel bzw. Anands Artikel an dem er schon seit Wochen schreibt und auch Freitag Nacht bis 4.00 Uhr daran arbeitete, was zu einem seelenruhigen Schlaf am Samstag morgen führte... Die Aussicht noch max. zwei Stunden Kricket anzusehen fand ich dann schon machbarer, ich steckte meine Nähsachen ein und los gings. 


Der kleine Raum mit Overhead-Projektor sah ein ständiges Kommen und Gehen von Leuten, während auf dem Rasen die indische Herren in Hellblau gegen Sri Lanka in Dunkelblau-Gelb spielten. Gerade in der Schlußphase gegen halb 2 war dann aber nur noch eine kleine Gruppe am Mitjubeln, so schnell hatte wohl doch keiner das Ende und Indiens Sieg gegen die Herren in den Ikea Farben erwartet... Nach 28 Jahren war Indien damit wieder Kricket Weltmeister, gewonnen außerdem in Mumbai, meinen herzlichen Glückwunsch.


Wir sahen uns noch eine Stunde lang Interviews, Reden und Medaillenvergaben an, interessanter Weise wurde dabei das gesamte nationaler Kricketkomitee ausgebuht. Es scheint sich also um ganz besonders respektierte Herrschaften zu handeln, daß man den Groll gegen sie selbst im Siegestaumel nicht vergisst. Danach wollten wir mit einem zünftigen Mittagessen den Sieg feiern, was sich als gar nicht so einfach herausstellte, denn die meisten Restaurants schließen halb drei und öffnen erst wieder ab 5... So landeten wir letztlich im „Skinny Pancake“ amerikanisch für Crêpe und aßen völlig überteuerte Crêpes mit verschiedensten Füllungen. Danach verabschiedeten wir uns von der Truppe und liefen am See entlang zurück nach Hause... Anands Artikel mit der nächsten winzigen Änderung und daraus folgender Nachtarbeit wartete schon... 


1. April 2011

Flashback Friday

Ich habe die letzten Tage versucht einen Beitrag darüber zu schreiben, daß meine Großmutter nachts in ihrem Haus überfallen und ausgeraubt wurde und jedesmal wenn ich anfing und nach Worten suchte um meine Sorge, Wut, Schmerz, Frustration nicht da sein zu können und letztlich auch Freude auszudrücken, daß sie lebt, fehlten mir die Worte. Stattdessen nahm ich nur die Schlüssel und machte lange Spaziergänge, die mich meist irgendwann an das Seeufer führten wo ich mich auf einen Stein setzte und blicklos auf die sich bewegenden Wasser-Eis-Massen starrte ...

Das sind die Nachrichten: http://www.ostsee-anzeiger.de/index.php?lg&m1=12&m2=0&type=det&cti=2562 und mehr werde ich dazu hier nicht schreiben.

Stattdessen habe ich dieses Bild gefunden... Sie wird das Foto wahrscheinlich nicht mögen, so wie sie die meisten Bilder von sich nicht mag, aber das ist die Oma meiner Kindheit, häufig in selbstgenähten Kleidern mit wilden 70er Jahre Drucken und zusammen mit meinem Großvater, der Ostsee, dem Haus und dem Sandberg hinter dem Haus, war sie das Gesicht all meiner Sommerferien...


Der größte Schatz im Haus (neben Opas Farbenschrank im Schuppen) waren ihre Kartons mit Stoffresten. Ich entsinne mich an zahllose Male, daß ich diese Kartons nach dem schönsten Stück durchsuchte um z.B. der Puppe eine Toga zu binden, denn Nähen konnte ich damals noch nicht.
Regelmäßig bekamen meine Schwester und ich Kleider und Röcke im Doppelpack genäht, die wir allesamt blöd fanden - Kleidung eben; ich hatte rappelkurze Haare und trug am liebsten Hosen, meine Schwester bevorzugte schon damals alles was gekauft und nicht selbstgenäht war. Ich erinnere mich an rosane Spitzenröcke mit Unterrock, an die Oma noch eine Schleifenbordüre aufgenäht hatte, auf der sie dann einzeln ausgeschnittene Spitzenblüten aufnähte und mit Perlen bestickte und wie geschossen ich darin aussah mit meinem militärischem Kurzhaarschnitt. Wenn ich an all die Zeit und Mühe denke, die es gekostet haben mag diese Röcke zu nähen, dann verkörperte ich das Wort „undankbar“ in Reinkultur. Und heute, wo ich die Arbeit schätzen gelernt habe, würde mir niemand mehr Spitzenröcke nähen und noch schlimmer, kann ich mir nicht einmal selbst Kleidung nähen, da ich nie die Bedienung einer Nähmaschine so erlernte, daß ich es behielt wo welcher Faden hin muß und wie man sich nach Möglichkeit nicht in die Finger näht. Ich nähe zwar einiges mit der Hand... aber das dauert und meine Projekte werden ewig nicht fertig.
Zurück zu dem Haus. Anand fragte mich, warum meine Oma überhaupt in einer so einsamen Gegend in Ahlbeck wohnt... aber das war nicht immer einsam... Es gab mit Frau Steudel unmittelbare Nachbarn, gegenüber befand sich das waldige Gelände eines Ferienheims des Mansfeld Kombinats, die dritte Seite war dem Parkplatz vorbehalten mit dem üblichen Kommen und Gehen und ganz toll den regelmäßigen Besuchen von Rummelplätzen und Zirkus. Nur die letzte Seite mit dem Sandberg war (m)eine kleine leere Wald-und Dünenregion über die ich im nächsten Flashback Friday schreiben werde. Mittlerweile sind Parkplatz und Sandberg verschwunden, stattdessen befindet sich jetzt dort die Therme samt Parkhaus mit Erdwällen und Hecken, die den Blick zum nächsten Nachbarn die Straße hinunter blockieren, das Ferienheim stand lange Zeit leer, in einem Teil befinden sich mittlerweile die Büros einer Reinigungsfirma, die wie die Therme nur am Tage besetzt sind. Das nächstgelegene Haus wurde zur Ferienwohnung einer Familie aus dem Norden Berlins, die höchstens am Wochenende und dann meist nur im Sommer vor Ort sind und schon kann man inmitten der zusammengewachsenen Orte Ahlbeck-Heringsdorf-Bansin leben und trotzdem nachts außerhalb der Rufweite von irgendeiner Menschenseele sein ...

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