12. Juli 2010

Garage Sale (Eingestellt am 12.07.2010)


Am Samstag hatten wir endlich, unsere erste, lang vorbereitete Garage Sale und es war ein guter Tag, nicht der große Erfolg den wir uns erhofft hatten, aber auch nicht die befürchtete Katastrophe, denn es regnete nur zum Ende und es waren auch noch nicht alle Menschen im Sommerurlaub.
Eigentlich hätten wir wohl schon früher anfangen können, denn Samstag morgen gehen alle Leute zum Supermarkt und damit durch unsere Straße und 10:30 Uhr war dafür schon ein bißchen spät. So griffen wir aber noch alle Langschläfer auf dem Weg zum Wochenendeinkauf ab und hatten gute Kundschaft bis ca. 13:00 Uhr. Danach kamen nur noch vereinzelt Menschen die Straße entlang und sie waren auch nicht sonderlich in Kauflaune. Für Garage Sales gelten also die üblichen Flohmarktzeiten, wo die meisten Geschäfte vor 9 Uhr gemacht werden.
Unsere Nachbarin hatte aus dem unermeßlichen Figurenvorrat ihrer Wohnung einige Buddhas, chinesische Puppen und Bücher beigesteuert und unterhielt die Leute. Derweil radebrechte ich mich durch viele meiner Verkaufsgespräche in Französisch, denn schließlich ist Vanier immer noch das afrikanische Immigrantenviertel Nr.1, dabei entschuldigte ich mich permanent, daß mein Französisch so schlecht sei... jedenfalls hoffte ich, daß ich das sagte, denn leider fallen mir in solch unpassenden Momenten immer nur hindi-Vokabeln ein.




Als eine Dame jedoch darauf bestand nur in Spanisch mit mir zu sprechen, versagten dann doch sämtliche bescheidenen Kenntnisse, die eh nur von Hola bis ¿Cómo estás? bien, gracias, Adiós reichen. Glücklicherweise hat meine wunderbare haitianische Nachbarin einen kubanischen Vater und kann fließend spanisch sprechen und so konnten wir auch diese Hürde meistern und ein kleines Teeservice von ihr verkaufen. Sie hatte uns vorher gesagt, daß $ 100 an Einnahmen bedeuten, daß der Tag gut war, wir verkauften Dinge für $ 122, also können wir uns nicht beklagen. Meine rot-weiß und blau-weiß bemalten Möbel verkauften sich sehr schnell, nur für meine zwei orange-weiß bemalten Wohnzimmertischchen konnte ich keinen Käufer finden, das ist wohl derzeit keine Modefarbe. Dagegen konnten wir von allen unseren Büchern (je $1) nur ein einziges verkaufen, gelesen wird hier offenbar nicht sehr viel und das weder in englisch noch französisch. So tauschten wir ein paar Bücher zwischen uns aus, Yanick bekam je ein Buch über die westindischen Inseln und Mexiko von 1963 und ich nahm dafür ihre Ausgabe von „Autobiography of a Yogi“ und zwei CDs. Außerdem tauschten wir meinen mexikanischen Kerzenleuchter, den ich eigentlich gar nicht verkaufen wollte, gegen eine Tasche aus South Carolina, die sie eigentlich gar nicht verkaufen wollte. Der Kerzenleuchter hat in ihrem Zuhause auch zugleich einen Farbpartner gefunden, denn sie hatte vor kurzem einen buntbemalten Keramikwal aus Mexiko mitgebracht bekommen, der in ihrer eher dunkel gehaltenen Wohnung bisher keinen rechten Platz finden konnte. Jetzt sind sie immerhin schon zu zweit und ihre kleine Handtasche wird mich immer an sie erinnern... :)

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Eine kleine Anekdote war ein älterer Herr, wohl schon in seinen 80ern, der mich auszufragen begann, ob ich noch zu haben sei und sehr enttäuscht war, als er erfuhr, daß ich verheiratet war. Ich hatte meine liebe Mühe damit ihn freundlich lächelnd wieder in sein Auto zu bugsieren, während Yanick und Anand kaum noch ihr Lachen zurückhalten konnten. Als er endlich losfuhr, winkte ich ihm noch zu und er winkte zurück und schon prusteten die Beiden los – Kinder!



Am Nachmittag blieben die Leute langsam komplett aus und so wandelte sich unsere Garage Sale, in ein Picknick, es gab Pizza, wir unterhielten uns mit unseren anderen Nachbarn, Yanick bekam Besuch, der auch draußen unter der Linde empfangen wurde, Ania schaute kurz vorbei und den Mini-Regen gegen 4 Uhr nutzten wir dann als Vorwand um den Verkauf für diesen Tag und wohl das Jahr, zu beenden. Auch wenn wir die meiste Zeit nur unter der Hauslinde gestanden und gesessen haben, waren wir doch für lange Stunden der Hitze ausgesetzt und waren ziemlich erledigt. Während unsere Nachbarin soviel Energie durch den Tag bekam, daß sie gleich weitermachte, ihren Keller ausmistete und Wäsche wusch, schliefen wir beide für eine Weile. Am Abend dann sahen wir uns außerstande Essen zu kochen und so gingen wir in Finnegans Pub an der Ecke zur Hauptstraße und teilten uns einen üppigen Teller Poutine (Pommes Frites mit Soße und Käse) und ein (Light) Bier. Ich erinnerte mich daran, daß wir gerade in der Anfangszeit häufig bei Finnegans zu Besuch waren, und nun war es wohl das letzte Mal überhaupt.
Einige der Gäste überraschten mich mit der Frage wie die Garage Sale verlaufen sei obwohl ich sie am Tage nicht unter unseren Besuchern gesehen hatte, aber so ist das eben hier, ich bin das Mädchen mit den zwei weißen Katzen, man kennt sich.
....
Und, während ich am Tag mit meiner improvisierten Kasse, meiner Art Einnahmen aufzuschreiben und Verpackungsmaterial vorzubereiten, sehr an meine Mutter und ihre Sommerverkaufsstände denken musste, so erinnerte mich Finnegans Pub mit seinem Kaleidoskop an Menschen, Typen und Geschichten an meinen Vater. Nicht weil es eine Kneipe ist, sondern schlichtweg weil es eine sehr interessante, alte, familiengeführte Kneipe ist und ich mir ziemlich sicher bin, daß er es mögen würde.

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