14. Juli 2010

Stadtwildnis (Eingestellt am 13.07.2010)



Ich habe mich nie sehr für Mode-Blogs interessiert, von Zeit zu Zeit bin ich über einen gestolpert und habe mir die Bilder der ersten Seite angesehen, aber ich spürte nie den Impuls noch mehr zu wissen und einmal dorthin zurückzukehren, denn meine Vorstellung von Mode wich schlichtweg immer zu sehr von der gängigen Meinung ab.
Bis ich vor kurzem auf den Blog von Elizabeth aus Alaska stieß. Sie posiert für ihre Fotos in schönen Kleidern und Röcken inmitten der alaskanischen Wildnis und sieht mit ihrem Wust aus unbändigen roten Locken selbst ein bißchen wie eine Waldfee aus. Ihr Stil vereint in vielen Details, Dinge die ich ebenfalls mag, wie z.B. Sachen aus dem Second Hand-Laden und ‚vererbt’, selbstgemacht oder die aus ungewöhnlichen Online-Läden stammen, ohne zu altmodisch, kitschig oder übertrieben auszusehen. Sie wird mittlerweile von einer Reihe Modefirmen gesponsort um so ihren Traum - eine Fahrt mit einem alten Wohnmobil Winnebago durch die USA - wahrmachen zu können.
Durch sie fand ich ein ganzes Universum an gleichartigen Mode-Blogs, alles junge Mädchen mit einer Vorliebe für schöne Kleider, die in möglichst wilden, verlassenen Orten präsentiert werden. Und so begann ich ihrem und dem Blog von Rebecca aus dem Staat Washington regelmäßig zu folgen. Eine unmittelbare Folge war, daß ich all die Kleider, die für gute Gelegenheiten im Schrank hängen, herausholte und auch tatsächlich trug und zwar mittlerweile so häufig, daß ich mich fast schon nicht mehr erinnern kann, wann ich das letzte Mal Hosen getragen habe.
Aufgrund dieser Inspiration und dem Bild der Estée Lauder Enkelin Aerin mit ihren Kindern, das ich vor kurzem in Vogue Living entdeckt habe, wollte ich mich auch einmal an einem Wildnis und Kleid – Foto probieren. Kinder habe ich zwar leider noch keine, aber vielleicht kann ich irgendwann einmal Linus und Shweta überreden mit mir auf einem Foto zu posieren.

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Nun ist es gar nicht so einfach Wildnis in Ottawa zu finden, wenn man sich nicht nur in das Auto setzen und in den Gatineau Nationalpark fahren kann, weil - kein Auto. Es gibt hier zwar viele Parks, aber das Gras wird überall kurz gehalten und sieht damit selbst mit zerborstenen Bäumen dahinter maximal semiwild aus.

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Als ich dann eines Tages zu Walmart fuhr um nach Umzugsboxen zu schauen, entdeckte ich auf dem Weg dorthin diese verwilderte Buschlandschaft, durch die ein Trampelpfad führte. Es entsprach mit seiner Lage zwischen Bahndamm, Industriegebiet und Autobahn zwar nicht so ganz meinen Vorstellungen von meilenweit entfernt von jedweder Zivilisation, aber es genügte den Anforderungen für diesen Selbstversuch.




Während des Fotografierens, stellte ich fest, daß es gar nicht so einfach ist, Bilder von sich selbst zu machen. Sicher man hat Selbstauslöser, aber die Kontrollmöglichkeiten sind dennoch sehr gering. Meine Ausrüstung war natürlich ebenfalls suboptimal, ich habe kein Stativ und so ruhte die Kamera auf dem Fahrradsattel, was wider Erwarten funktionierte. Anand fragte mich jedenfalls etwas perplex als er die Fotos sah, ob er diese gemacht hätte... Nach dieser Erfahrung kann ich die Arbeit, die in den Modeblogs steckt nun etwas besser wertschätzen, denn es ist wirklich nicht so einfach jeden Tag ein neues Outfit aus seinen Sachen zusammenzustellen, diese an jeweils anderen verlassenen Orten zu fotografieren, dann etwas möglichst Interessantes dazu zu schreiben und das zusätzlich zu einen normalen Tagesablauf zwischen Büro und/oder Schule. Denn nur wenn man die entsprechenden Besucherzahlen auf seine Blogs locken (und halten) kann, gewinnt man Sponsoren, die man bei einem so kostspieligen Hobby dringend nötig hat.
Ich bewundere ihren Enthusiasmus, aber für mich wäre so viel Arbeit an meinem Blog eher nichts, ich liebe meine onlinefreien Tage an denen ich malen und nähen kann und so kehre ich gerne zurück in die Welt meines Alles-Mögliche Blogs als manchmal ziemlich fauler Blogger aus Leidenschaft.

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P.S. Am Wochenende habe ich noch einen kleinen Modeblog entdeckt, den ich schon wegen des Titels: Das Mädchen, das einen Bären geheiratet hat, ansprechend fand. Bisher habe ich mir zwar nur die Bilder von Milla und ihrem ziemlich verwilderten Garten mit Hängematte ansehen können und keinen der Texte gelesen, aber ich habe definitiv vor dorthin zurückzukehren sobald ich wieder frei über meine eigene Zeit verfügen kann und nicht gerade umziehe.

The Girl who married a bear http://prettysmartgirlart.blogspot.com/
Rebecca, State Washington http://theclothes.blogspot.com/
und Elizabeth aus Alaska kann man offenbar nicht verlinken, also einfach Delightfully Tacky in Google eingeben.

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