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23. Dezember 2016

Gedanken zum Terror


Als wir im Dezember 2015 Paris besuchten, waren die dortigen Anschläge nur ein paar Wochen vergangen, unser Hotel befand sich sogar in Sichtweite des Stadiums. Überall in den Straßen liefen Soldaten in voller Kampfmontur herum, das Maschinengewehr in der Hand und man fühlte sich dadurch eher noch unsicherer. Was genau sollte denn ein Soldat mit Maschinengewehr machen wenn sich jemand vor ihm in die Luft sprengt - ihn erschießen?
In den Monaten danach geschahen die Anschläge von Brüssel, Nizza, Berlin. Mittlerweile ist man nicht mehr entsetzt oder geschockt, sondern akzeptiert das Schockierende als etwas Häßliches, das eben dazugehört, so wie Autounfälle. Meine Gedanken, Gefühle dazu schweifen regelmäßig ab, aber ich komme in den vergangen Tagen nicht ganz davon los.

Als ich in Potsdam studierte, war das ‚meine‘ Ecke von Berlin. Mit der RB von Potsdam West war man in 15 Minuten am Bahnhof Zoo, dann ging es zu Fuß weiter, bis hoch zum KaDeWe und zurück wurde der Weg über den Breitscheidplatz abgekürzt - im Idealfall hatte man dann alle Weihnachtsgeschenke zusammen. - Ich kannte den Namen des Platzes nicht einmal, oder hatte ihn wieder vergessen, das war eben die Kaiser Wilhelm Gedächtnis Kirche und fertig. Es gab dort einen Weihnachtsmarkt, er war nicht sonderlich bemerkenswert - aber wenn man von A nach B wollte, kam man zwangsläufig an dem von zwei Hauptstraßen flankiertem Platz vorbei.
Im Fernsehen sieht es auch so aus, als wenn man überall hätte langfahren können, aber es gibt dort eigentlich Treppen, die hinauf und hinunter führen. Man musste sich den Platz vorher ansehen, sonst könnte man auch leicht im Treppenaufgang zu den Toiletten steckenbleiben und keiner würde einem glauben, daß man gerade einen Anschlag durchführt.

Kann man einen Anschlag oder dessen Folgen verhindern? Gestern wurde im hr Fernsehen von einer Gasexplosion berichtet, die ein Haus zerstörte, die Wände fielen zur Seite weg, das Dach auf’s Nachbargrundstück und die beiden Leute, die sich im Haus aufhielten, ein Heizungsmonteur und die Eigentürmerin des Hauses wurden nicht verletzt.
Das erinnerte mich an den Anschlag am Brüsseler Flughafen, bei dem die meisten Leute durch herabstürzende Glasscheiben verletzt / getötet wurden und nicht so sehr der Explosion selbst... kann man Häuser also so bauen, daß sie ähnlich wie eine Knautschzone am Auto auch, Energie aus einer Explosion ableiten können? Oder den Innenausbau von öffentlichen Gebäuden so gestalteten, daß was auch immer herunterfällt vielleicht weh tut, aber nicht tötet? Es gibt z.B. in Erdbebengebieten Schulen und Häuser, die aus Karton errichtet wurden und wo selbst ein Zusammenbruch des Daches höchstens ein bißchen unangenehm ist.
Im deutschen Fernsehen wurde auch berichtet, daß man nicht alle Plätze mit Betonpollern schützen kann - aber warum eigentlich nicht? Es gab einmal einen dieser seltsamen Gerichtsprozesse in den USA, wo man die Schadenersatzforderung zuerst nicht verstehen kann. Eine Person verwechselte das Gaspedal am Auto, raste ungebremst auf das bis zum Boden reichende Fenster eines Schnellrestaurants und tötete dabei ein Kind. Die Familie verklagte das Restaurant und gewann. Warum? So eine Art von Unfall kann jeden Tag passieren, also muss das Restaurant dafür Sorge tragen, daß kein Auto das Glas erreichen kann - es müssen Betonpoller aufgestellt werden. Selbst ein ‚normaler‘ Unfall mit einem LKW kann Menschenleben kosten, was wenn der polnische Fahrer stattdessen ‚nur‘ einen Herzanfall gehabt hätte?

Ich habe noch weitere Gedanken hier formuliert, aber wieder entfernt, weil ich zu verärgert oder aufgebracht war. Wann immer ich mit zuviel Gefühl schreibe, trete ich mittlerweile lieber einen mentalen Schritt zurück und denke nach. Letztlich war ich nicht dort, und in der Natur der Medien liegt es nur ein einseitiges Bild der Lage zu zeichnen.


15. Januar 2008

Wahh der letzte Abend, Hilfe

... oh, es ist nur noch heute und ein bißchen morgen, der Streß ist groß und das Gepäck zu schwer, heute mussten wir eine Waage kaufen, dann 10 kg Gewicht reduzieren und hoffen, dass es nun endlich funktioniert, (und auf die Gnade der Flughafengötter hoffen.)
Also nehme ich gar keine (!) Jeans mit nach Indien und kaum Schuhe, konnte aber dafür mein metallenes Schmuckkästchen retten. Ob das ein guter Tausch war, wird sich zeigen. Leider hat das ganze Herumgewiege mir auch mein eigenes Gewicht sehr schmerzlich vor Augen geführt, was zusätzlich zum Streß noch zu unmotivierten Sofort-Sport führte, sowie tiefer Depression.
Abendbrot fällt heute aus, wegen is nich oder besser gesagt: iss nich :((

14. Januar 2008

Montag

Die letzte Party wäre überstanden, zwar mit Blessuren aufgrund dessen, dass ich vor ca. sieben Jahren das letzte Mal Bowlen war und meine Hände einfach dem Druck der Kugeln nachgaben (..Gott, ich bin alt...) und auch ein Tag herumsitzen und hindi hören anstrengend sein kann. Ich reime mir den Sinn aus den Worten zusammen, die ich kenne und hoffe in Verbindung mit den verwendeten englischen Worten richtig zu raten, bis ich dann irgendwann abschalte und nur noch ein Klangteppich um mich herum vernehme, aus dem ich wiederum aufschrecke wenn ich plötzlich energisch angesehen werde und mal wieder nicht mitbekommen habe, dass mein Gegenüber mich plötzlich auf englisch oder deutsch anspricht.
Als ich gestern in Krishnans Wohnung saß und durch den unteren vergitterten Teil des Fensters in die Sonne blickte, sowie auf die Taxameter/ Eierverkaufsfirma gegenüber, wurde ich selbst etwas melancholisch und dachte über Anands Freunde nach. Es sind mittlerweile soviele Augenblicke, die ich für mich als wertvoll gespeichert habe, soviele Menschen und Begegnungen, die ich nicht missen möchte - angefangen von Rohans erstem Geburtstag und meiner mir eigenen Sprachlosigkeit, der erste verkrampfte Restaurantbesuch mit Anands Mitbewohnern oder überhaupt Rohan und seine Eltern; der Ausflug an den Müggelsee- in meiner Erinnerung fast einer der wenigen schönen Sommertage 2007, Powershopping mit Aparna, Anands und mein erster gemeinsamer Geburtstag... wie kalt es war im August, und natürlich Gopi... meine Erinnerungen kommen leider nicht geordnet daher, sondern bunt durcheinander...- und doch konnte ich mich nie in dem Maße mitteilen, wie ich es gerne gewollt hätte, da sind zum einen die kulturellen Unterschiede/Sprachbarriere, aber auch meine Unfähigkeit mich auszudrücken, ich höre zu und warte, dass andere auf meine Meinung kommen und bin dann beruhigt, dass ich nichts sagen muss, ärgere mich aber, dass ich nichts sagen kann und wenn ich dazu gedrängt werde, fällt mir meine Antwort im Normalfall exakt eine Stunde später ein. Aber Herrgottnochmal, ich werde die ganze Bande vermissen.
Cut: so weit so gut, es folgt die Werbung:
Wenn irgendwer bis zum 26.Januar in Berlin sein sollte, bitte geht in diese Fotoaustellung im Willy-Brandt Haus:
http://www.willy-brandt-haus.de/cms/beitrag/1001365/111900/ es ist ein eintrittsfreies Projekt der Hochschule Bremen über die mittlerweile verfallenen Paläste reicher Inder aus dem Kalkutta des 19.Jahrhunderts, den Glanz kann man heute nur noch erahnen und renoviert wird voraussichtlich auch nicht, nur irgendwann abgerissen um Hochhäusern Platz zu machen...aber die Bilder sind einfach traumhaft und erinnern mich eher an Lothlorien und/oder Kuba; die vergessene kaum noch sichtbare Pracht, mittlerweile vergessener Familien. ...
Werbung Ende: Noch gute zwei Tage Deutschland, die Zeit verrinnt...ich muss packen....

13. Januar 2008

Auf Wiedersehen

Nachdem bei mir schon alles so weit erledigt ist, sind nun bei Anand die ganzen farewell-Parties im Gange und während ich durchaus annehmen darf, meine Familie und Freunde noch öfter zu sehen, geht es bei ihm darum, dass er manche Leute nie/nicht bzw. kaum wiedersehen wird.
Dementsprechend nostalgisch ist ihm derzeit zu Mute, er denkt über die Jahre in Berlin nach und wie sehr ihn die Stadt prägte, wie wohl er sich hier von Anfang an gefühlt hat.
Natürlich sind wir auch weiterhin im Stress um Geschenke zu kaufen (z.B. für die Nachbarsmädchen, Vater, Mutter, älterer Bruder, Schwägerin, Schwester, Schwager, mittlerer Bruder, Tante, Neffen, Nichte, der Sohn eines Freundes des Bruders usw.) Parties vorzubereiten und ein Auszug/diverse Abmeldungen sind nebenbei zu erledigen.

Hier ein Bild von Anands Bookclub-Farewell-Party

Über das zu lesende Buch: Gandhis Biographie wurde wenig gesprochen, es ging ergänzend um die Aussage, dass er so wie z.B. auch Nelson Mandela oder T. Roosevelt sich um ziemlich alles kümmerte, aber die eigene Familie nicht so wichtig war. Wie das dann halt so ist, kamen wir direkt von Gandhis Biografie zur Verschwörungstheorie um den 11. September, über den diesbezüglichen Zusammenhang denke ich noch nach.
Aber es war sehr interessant Anands Bookclub Freunde kennenzulernen. :-)
Auf der Abschiedsparty mit der Unitruppe war ich nicht dabei (war mein freier Freitag) und heute ist die letzte große Party angesagt, irgendwie reicht es dann auch. Ich wünsche einen wunderschönen, sonnigen Sonntag und leite über zum Frühstück.

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