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14. Juli 2020

Euchen


In der letzten Woche bin ich mit dem Fahrrad nach langer Zeit einmal wieder einfach so ohne Ziel losgefahren: Zuerst über den ausgefahrenen Feldweg in Bardenberg, dann in Sichtweite der Rhein-Maas Klinik, und St. Sebastian an einer Landstraße entlang - und letztlich bin ich auf gut Glück der Abzweigung nach Euchen gefolgt. 


Das kleine Dorf gehört heutzutage eingemeindet zu Würselen, hat einen Speckgürtel an neuen Einfamilienhäusern, eine Bus-Endhaltestelle und einen alten Ortskern mit Höfen aus dem 18. Jahrhundert, sowie einer Kirche St. Willibrord, deren Gestaltung vor allem durch den Barock, sowie Anfang des 20. Jahrhunderts dann neugotisch geprägt wurde. 


An der Kirche befindet sich ein kleiner Friedhof, in dessen Mauer alte Grabsteine (u.a. aus dem 17. Jahrhundert) eingelassen sind. 
Dahinter befindet sich ein weiterer Friedhof, der jedoch nicht mit dem ersten verbunden ist, sondern man muss zuerst wieder auf die Straße zurückkehren und dann den zweiten Eingang wählen, wo ein farbiges Warnschild vor Metalldieben warnt.
Nach dem Besuch in dem kleinen Dorf ging es weiter nach Broichweiden, das schon von weitem mit dem flachen Kirchturm grüßt, der immer ein wenig so aussieht, als wäre man gerade in England gelandet. 


Ich stöberte am offenen Bücherregal, fand dieses Mal aber kein Buch für mich. 
Kurz vor einem Wolkenbruch flüchtete ich mich dann in einen Schnäppchenmarkt einer bekannten niederländischen Ladenkette, ehe es danach (und vor dem nächsten Regenguß) wieder zurück nach Hause ging :) 


23. Januar 2020

Donnerstag, 23.01.2020


Heute habe ich einiges geschafft, war am Ende aber selbst ziemlich erledigt. Ich hatte einige Wochen lang Dinge aussortiert und gesammelt, heute habe ich sie dann nach Merkstein zum Secondhand Kaufhaus gebracht. Altkleidung kann ich mittlerweile direkt hier im Haus an jemanden weitergeben, der für die Tafel in Würselen auch Kleidung sammelt, aber für Töpfe, Stoffreste, Becher, Deko im weitesten Sinne, ein paar ungenutzte Vasen usw. gibt es vor Ort keinen Abnehmer. Wann immer sich da genügend für eine Tour angesammelt hat, packe ich mein Fahrrad und los geht es nach Merkstein.
Die Fahrt ist nicht sehr lang, nur ca. 8 km, aber es gibt einige Steigungen zu bewältigen, ehe man den August-Schmidt-Platz erreicht.
Im Laden gab ich nicht nur meine Sachen ab, sondern musste mich natürlich auch umsehen: So gab es wunderbare Bambus-Canvas Lampen, die wie Zelte aussahen und mir gefiel auch ein äußerst bequemer (Sitztest bestanden) Ohrensessel mit Hocker - nur hätte dort der Stoff komplett erneuert werden müssen und das ist bei einem Ohrensessel nicht ganz so einfach. Bei den Büchern fand ich dieses Mal ausnahmsweise nichts, und im Kleiderraum standen die Zeichen auf Karneval.
Beim Geschirr nervte mich eine Dame, die eine Sache nach der anderen, vermutlich Ausversehen zerstörte, aber ungerührt über die Glasscherben schritt - als wenn sie das gar nichts anging. Natürlich bekommt dieses Projekt die Sachen gespendet, aber dann werden die Gläser geputzt, ins Regal geräumt, ausgepreist, es ist nicht so, daß man überhaupt keine Arbeit damit hätte.

Dann ging es zurück nach Würselen und plötzlich war ich so entkräftet. In letzter Zeit bin ich eher gelaufen als Fahrrad gefahren und schon haben da offenbar ein paar Muskeln abgebaut. Also habe ich mein Fahrrad dann eine Weile durch die heute ziemlich trübe und graue Gegend geschoben, und war sehr erleichtert, als ich endlich wieder zu Hause angekommen war. 

18. Juli 2019

Aqua II: Fahrradtour zum Blausteinsee


In Aachen gibt es nicht sehr viel Wasser, in Würselen sieht es noch trauriger aus. Natürlich befindet sich neben der kleinen Stadt das Wurmtal mit dem Flüsschen Wurm, das manchmal sogar über die Ufer tritt, doch meistens plätschert es eher auf Durchwate-Höhe dahin.
Leider kommt man selten in direkten Kontakt mit der Wurm, denn die Wanderwege führen eher an Hochufern daran vorbei oder verschwinden ohnehin im Wald - meist bekommt man den Flußlauf nur auf den Brücken einmal zu Gesicht. 
Es gibt jedoch einen künstlich angelegten See, der sich in nur 14 km Entfernung befindet - heutzutage der größte See der Städteregion, davor der Braunkohle-Tagebau ‚Zukunft‘: Der Blausteinsee.


Dieser wurde nach einer ehemaligen Gemarkung und Wegkreuz benannt, und der Name stand bereits fest, bevor die Dörfer für den Kohleabbau abgetragen wurden. Selbst ein erster Segelclub entstand 1979, drei Jahre vor der Umsiedlung der Bevölkerung.
Ab 1994 wurde dann mit der Befüllung des Sees begonnen, der im Jahr 2000 als Sport-See für den Wasser- und Tauchsport eröffnet, in der Folge vor Wildbadern geschützt werden musste, bis man ab 2004 auch zähneknirschend einen kleinen Badebereich erlaubte. Ab 2008 wurde sehr viel an Infrastruktur erbaut: neben dem Segelclub entstand eine Seebühne, dahinter eine Brücke, die an einen Förderbagger erinnern soll, nebst Restaurant, Imbiss, Spielplatz u.a.
Der kleine Badebereich wirkt immer noch wie ein geradeso geduldeter Bestandteil, mit wenig Sand, ohne Badeaufsicht, was ich angesichts der vielen Kinder etwas kritisch fand. Andererseits heißt keine Organisation auch keine Regeln - so daß die Leute mit ihren Hunden an den Strand und ins Wasser dürfen - und Eintritt bezahlt man auch nicht.


Man kann die Strecke Würselen-Blausteinsee mit dem Bus befahren (zumindest annähernd), das dauert mit Umsteigen ungefähr eine Stunde oder so, wir wollten stattdessen mit dem Fahrrad fahren, denn die direkte Gesamt-Strecke betrug 2 x 14 km. Das war zwar länger als alles was ich mir in diesem Jahr bisher zugetraut habe, aber wann, wenn nicht jetzt? 
Auf der Hin-Strecke besuchten wir außerdem den Flugplatz Merzbrück, ehe wir über St. Jöris und entlang der Kinzweiler Burg, den See erreichten.


Auf dem See wurde gesegelt, Kayaker waren unterwegs, Enten schwammen mit ihrem Nachwuchs vorbei, für einen Sonntag im Juli war es insgesamt erstaunlich ruhig - und ich begeistert endlich einmal eine genügend große Wasserfläche gefunden zu haben. 


Wir beschlossen auf dem Rundweg einmal um den See zu laufen, zuerst auf einem kleinen Pfad direkt am Seeufer entlang, was aber in vielen Schleifen den Weg endlos werden ließ. Letztlich liefen wir dann auf dem ausgewiesenen Rundwanderweg und sahen den See erst wieder am Ende der Tour. Das fanden wir doch ein wenig unglaublich, ein Rundwanderweg um einen See herum, ohne ein einziges Mal den See zu sehen - wer plant denn sowas?

Nach einem Eis, fuhren wir dann die 14 km bei starkem Gegenwind zurück nach Würselen, was mich teilweise ans Ende meiner Kräfte brachte. 
Aber ich hielt durch und war dann auch ziemlich froh auf die 28 km Fahrrad und 6 km See-Rundweg, die über den Tag zustande gekommen waren - und Muskelkater gab es nicht :) 

16. Juli 2019

Graues Wochenende

Bei Marken-, Titel- & Ortsnennungen: Werbung ohne Auftrag. 


Manchmal ist es doch ganz nett eine Burgruine in der Nachbarschaft zu haben. Für den dramatischen Effekt stört dann noch nicht einmal der graue Himmel: Burg Wilhelmstein, in Bardenberg.


Am Wochenende haben wir uns den Film ‚Photograph‘ von Ritesh Batra angesehen und sind immer noch ganz begeistert. Ich dachte mir schon, daß ich den Film mögen würde, schließlich fand ich auch ‚The Lunchbox‘ wunderbar - aber das funktionierte eher wie ein Briefroman, während in Photograph eine tatsächliche, sich leise entwickelnde Beziehung beschrieben wird.
Es ist natürlich auch ein typischer Festivalfilm, mit seinen Andeutungen, offenen Enden und diese Art Filterblase, die die Hauptfiguren vom Rest der Welt trennt.
Dazu spielt melancholische Klaviermusik, es gibt kein einziges, nervenaufreibendes Drama - der perfekte Film für einen verregneten Sonntag mit einer warmen Tasse Tee in der Hand :)

Gestern habe ich mich dann trotz grauem, kalten Himmel wieder aufs Fahrrad geschwungen. Es wurden zwar nur 24 km, bis zum nächsten Decathlon in Kerkrade und zurück, aber die bin ich völlig ohne Probleme, locker durchgefahren. Jetzt muss ich nur noch das Doppelte hinbekommen, dann schaffe ich es bis zum Ikea in Heerlen ^^
Außerdem befindet sich neben Decathlon ein Kwantum, für den ich seit ich in dieses Grenzland gezogen bin, Werbung auf dem Smartphone erhalte - und deswegen war ich auch endlich einmal dort. Der Laden funktioniert irgendwo zwischen Xenos und Ikea, wesentlich kleiner als Ikea, größer als Xenos, aber auch mit Möbeln, Stoffen, Teppichen, Kleinzeugs aller Art - nur wirklich preisgünstig. Beim nächsten Mal werde ich A. mitnehmen, wer weiß, vielleicht finden wir doch endlich einmal einen passenden Teppich für unseren Eßbereich.


31. März 2019

Mit dem Fahrrad im Wurmtal


Gestern schien die Sonne bei 18°C, es war fast nicht windig und perfekt zum Fahrrad fahren. Der März war bisher entweder dauerverregnet und/ oder zu stürmisch - und dementsprechend ist meine Kondition immer noch auf dem Nach-Bronchitis Niveau. 
Da es im Wurmtal häufig steile Auffahrten gibt, war es eigentlich kein Vergnügen im leichtesten Gang völlig außer Atem dort herumzueiern, aber der schöne blaue Himmel und die langsam erwachende Landschaft halfen natürlich auch.

Der gesprengte Bunker war einst Teil des Westwalls, dessen Spuren man überall um Aachen sehen kann.

Ich war auf dieser Strecke vorher nur einmal im Herbst unterwegs gewesen, und erinnerte mich daran, daß ich sie zu der Zeit auch bereits als komplizierter und länger erfuhr, als die reine Luftlinie (6 km bis Aachen) es vorgibt. 
Das kleine Flüßchen Wurm gräbt und mäandert sich jedenfalls ganz schön durch die Gegend und die letzten Überschwemmungen hatten auch wieder teils heftige Uferabbrüche zur Folge.

An einer anderen Stelle wird der Uferbereich derzeit durch tausende Sandsäcke gesichert, um das Abrutschen eines Abwasserkanals zu verhindern.
Der Baum mit Mut zur Lücke ...


Die logische Schlußfolgerung ist natürlich, daß ich jeden brauchbaren Tag konsequent nutzen sollte um mich durchs Wurmtal zu quälen, damit ich bald wieder Spaß am Radfahren habe und nicht nur die reine Kraftanstrengung bewältigen muss. 
Erst dann kann ich auch wieder längere Touren in Angriff nehmen, denn die steilen Auffahrten gibt es hier überall in der eigentlich nur lieblich hügeligen Gegend (wenn man die Eifel außen vorlässt).
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Buschwindröschen gibt es nur sehr vereinzelt ... und nicht in dichten Teppichen, wie ich es aus Frankfurt gewohnt war. Ich weiß nicht, ob das an dem zu trockenen, vergangenen Sommer liegt, oder ob sie insgesamt hier eher selten anzutreffen sind.


17. November 2018

Radtour nach Alsdorf

Burg Alsdorf

Gestern habe ich eine kleine Fahrradtour in eine Nachbargemeinde unternommen. Ich möchte mich gerne schon aus gesundheitlichen Gründen, nur noch auf das Fahrrad als Fortbewegungsmittel beschränken, aber das ist hier gar nicht so einfach. 
Durch die Landschaft verlaufen tiefe Einschnitte, wie z.B. das Wurmtal, neben dem wir wohnen und selbst wenn man dieses ‚Loch‘ (wie die Anwohner es nennen) vermeidet, so sind ähnliche Täler bei jedem Bächlein vorhanden und machen mir das Bergauffahren (oder Schieben) gerade als Asthmatiker schwer.


Nach Alsdorf war die Strecke jedoch recht angenehm, es ging langsam und gemächlich nach unten, bis man die Talsohle und den Broicher Bach erreichte.
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Dieser wurde in verschiedenen gefälligen Weihern aufgestaut, um die sich die Gehege des Alsdorfer Tierparks gesellten. Eintritt bezahlt man nicht, dafür lässt man sein Geld am Futterautomaten, denn vom ‚aggressiven‘ Mufflonschaf-Widder (mit extra Warnschild) bis zur niedlichen Zwergziege, sind alle wahnsinnig hungrig :)
Die Stadt selbst ist eher schlicht, so wie auch die Gebäude in Würselen, wenngleich ein wenig städtischer. Eine typische Arbeiterstadt, in der das Geld sicher nicht zu Hause war.


Im Gegensatz zu Würselen versucht man in Alsdorf jedoch sehr viel stärker, die Bergbautraditionen im Gedächtnis zu behalten. Ein alter Förderturm der Grube Anna wurde nicht abgerissen, sondern steht unter Denkmalschutz und die riesigen Bergehalden hinter dem Annapark, geben der Stadt ohnehin ein unverwechselbares Aussehen.
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Langhaus - ehemalige Gasturbinenhalle, jetzt Kultur- und Bildungszentrum

Die Halde Anna I ist die älteste und höchste der Halden. An den Seiten ist sie mittlerweile stark bewachsen, im Innern sorgen eine Vielzahl an Schwelbränden für Probleme mit der Standsicherheit.

Vergessen werden soll auch nicht das größte Grubenunglück im Aachener Kohlerevier, denn 1930 starben bei einer Schlagwetterexplosion in der Grube Anna, 299 Menschen. 


Nach diesem Ausflug in die jüngere Vergangenheit und einem Besuch in der ‚Kohle‘-Bäckerei ging es weiter zum eigentlichen Ziel meines Ausflugs. 
In der Altstadt befindet sich nämlich eine kleine ehemalige Wasserburg, die heutzutage der Stadt gehört und in deren Park gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut wurde. 


Einst gehörte diese Burganlage samt Ländereien zum Herzogtum Brabant, was insofern erstaunlich ist, als alles in der Gegend sonst entweder ein Teil von Limburg oder Jülich war.
Im Gewölbekeller der Remise wurden im Jahre 1775, übrigens 12 der sog. Bockreiter gefangen gehalten und warteten auf ihre Verurteilung.
Bevor wir nach Aachen gezogen sind, habe ich nie etwas über die Folklore / Sagen der Bockreiter gehört, seitdem begegnet sie mir jedoch sehr häufig. Es ist eine Art der Hexenverfolgung: Menschen, die möglicherweise zu einer Diebesbande gehörten und deswegen beschuldigt wurden, nachts auf einem teuflischen Ziegenbock fliegend in die Gebäude ihrer Mitmenschen einzubrechen. 
Wie auch bei den Hexenverbrennungen wurden auf die Art in erster Linie unliebsame Nachbarn, Länderstreitigkeiten u.ä. ‚geregelt‘, insofern ist es schwer zu sagen, ob jemals eine Bande bestand oder Einzelpersonen zu den Bockreitern zusammengefasst wurden.
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Nach einem kleinen Rundgang durch den Burgpark und angrenzendem kleinem Friedhof, ging es dann für mich zurück nach Würselen. 
Noch lange Zeit im Blick hatte ich dabei die drei Bergehalden, bis ich sie hinter mir ließ. Diese unterstehen immer noch der Bergwerksaufsicht und dürfen daher nicht betreten werden.


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