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16. Dezember 2024

Besuch und Fußball


Am Wochenende hatte A. zum ersten Mal eine Kollegin eingeladen, die dann mit ihrer Mutter zu Besuch kam. Da die Mutter nur Hindi gut spricht und Englisch versteht, war die Unterhaltung etwas schwieriger für mich, aber immerhin verstand ich doch, dass Deutschland sehr kalt und Paris sogar noch kälter war.
Sie fanden auch unsere Wohnung schön, was ich insofern toll fand, weil ich mich manchmal zu sehr auf das was noch fehlt konzentriere und weniger auf alles was wir seit Oktober geschafft haben. Als sie zum Abschied meinten, jetzt möchten sie auch ihre Wohnung weihnachtlich dekorieren, hatte ich jedenfalls das Gefühl etwas richtig gemacht zu haben.
 

Gestern nun war ich mit dem Mann beim Fußballspiel 1.FC Saarbrücken gegen Alemannia Aachen. 
Da wollte A. eigentlich mit einem Freund hingehen, der dann aus gutem Grund nicht kommen konnte, und auf der Arbeit hatten alle Leute, die Interesse an Fußball haben, ohnehin Dauerkarten. 
Zunächst überlegte ich mir Strategien, wie ich auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt (in der Nacht zuvor hatte es sogar noch geschneit) so warm angezogen bin, dass ich das 90 Minuten lang sitzend aushalte. Also Leggings, plus Thermo-Jeans, Wollsocken, Merinohemd und eine Kombination aus zwei Jacken. Der Mann schlug dann noch meine Canada-Olympiamütze vor, immerhin meine wärmste – und ich hatte sie auch schon zu Eishockey-Spielen getragen. 
Leider interessiere ich mich weder für Fußball noch Eishockey, noch mein langweiligster Besuch: Baseball und das ging auch noch vier Stunden lang, aber es half letztlich, dass der Herr im Stuhl neben mir mir quasi ununterbrochen ins Ohr rief, so dass ich halbwegs mitkam: Handspiel, Schiri doof, verdammt warum treffen die denn selbst nach so guten Chancen nicht das Tor. 
Letztlich endete das Spiel 1:1, was auch meinen Mann freute, denn so musste er sich nicht entscheiden, für welche Mannschaft er denn nun eigentlich ist. 
 
Die Aachener Fans schossen sich derweil durch ein gesamtes pyrotechnisches Sortiment und beleidigten die gegnerischen Fans mit fast schon poetischen ,Hurensöhne’ Gesänge, was die Saarländer mit einem schlichteren ‚Wichser‘ beantworteten. Immerhin kamen zum Ende auch noch ‚Weihnacht‘-Rufe, dann wurde es fast besinnlich - während wir nach Schluß im böigen Nieselregen so schnell wie möglich hinunter vom Stadion zum Bahnhof stolperten, den ersten Zug nach St.Ingbert mit noch wenigen Fans bekamen und kurz nach 22 Uhr zu Hause waren. 

 

13. Dezember 2021

Montag, 13.12.2021


Gestern waren wir am verkaufsoffenen Sonntag in der Stadt, denn uns fehlten schon noch ein paar Geschenke. Vorher dachten wir nur, an einem Adventswochenende kann man auf keinen Fall einen Laden betreten (wir wollten eigentlich zum Gartencenter weiterfahren), aber es war ruhig und erinnerte fast an einen normalen Wochentag. 
Natürlich wurde man überall kontrolliert und trug seine Maske, aber es gab kein Gedränge, keine langen Schlangen, es war fast entspannt. In den Regalen fehlte zwar einiges an Waren, aber diese Lieferschwierigkeiten kennt man mittlerweile selbst von den Supermärkten, wo Aktionsware erst Wochen später auf den Verkaufstischen landet.
Ein paar Punkte konnten wir tatsächlich von der Liste streichen und vor der Tür gab es noch eine Portion Churros mit Vanillesauce für A. und eine Portion Maronen für mich auf die Hand, ehe es mit dem Bus zurück nach Hause ging. Aufgrund des mittlerweile sehr milden Regenwetters waren Winterjacke, Schal und warme Stiefel zwar kein Vergnügen mit FFP2-Maske im ÖPNV, aber auch das konnte letztlich bewältigt werden. 
 
Zu Hause las ich mir noch die neuesten Einschätzungen zur neuen Corona-Variante Omnikron durch, offenbar kann die Welle gar nicht mehr gestoppt werden und wird die beherrschende Variante bis Ende Dezember. Die Anpassung im Impfstoff wird frühestens im März zur Verfügung stehen, d.h. also - alles war bleibt ist der Booster, denn damit können laut ersten Studien bis zu 75% der Symptome vermieden werden, nur der Infektion selbst wird kaum mehr einer entkommen können.
Omnikron gilt als relativ milde Version, so daß sich erste Hoffnungen darauf richten, daß es sich um die sog. Exitwelle handeln könnte, wonach diese Pandemie zur harmlosen Erkrankung wird, die (fast) alle überleben können. 
Bis dahin wird es aber noch einmal sehr viel schlimmer werden, denn relativ mild und sehr, sehr ansteckend heißt, daß alle zur gleichen Zeit erkrankt sein werden - und von Wirtschaft bis Gesundheitswesen wird es Ausfälle in riesigem Ausmaße geben, ehe es dann hoffentlich endlich besser werden wird. 
Natürlich werden in diesen Hoffnungen gewisse Punkte nicht berücksichtigt, z.B. wie es bei Omnikron mit Long Covid aussieht, bzw. ob weitere Mutationen auch wieder weniger mild sein könnten, und natürlich ob es überhaupt noch in nennenswertem Umfang Pflegepersonal und Ärzte geben wird, die bereit sind sich im Jahr 3 der Pandemie weiter aufzuopfern. 

 

12. Dezember 2021

Dritter Advent


Es ist wieder einmal eine ganze Menge passiert, seit ich das letzte Mal hier etwas geschrieben habe. Das Stromproblem wurde bis auf eine nicht mehr funktionierende Steckdose gelöst. Da unser Raumthermostat auch an diesem Stromkreis hing, dauerte es noch einen Monat länger, bis dafür eine Lösung gefunden werden konnte und so lange hatten wir eben für einige Zeit keine Heizung. 
Sämtliche Untersuchungen der Wand führten später zu der Erkenntnis, daß kleine Mengen Wasser von außen zur Korrosion der Leitung führten und nicht wir als Mieter Steckdosen gewässert hatten. 
In der Zwischenzeit habe ich sehr viel genäht und dann eine ganze Zeit als Ausgleich überhaupt nicht mehr genäht, stattdessen gemalt und dekoriert. Jetzt habe ich einige neue Stoffe zum Black Friday erstanden und es kribbelt wieder in den Fingern, mit dem Nähen anzufangen. Aber zuerst muss ich ein paar Weihnachtsgeschenke nähen und malen, bevor ich mit den schönen neuen Stoffen, die eher wieder von Frühling und Sommer künden, beginnen kann. 
 
In dieser Woche bekamen A. und ich auch unsere Boosterimpfung, und hängen seitdem noch ein bißchen durch. Aber es war nichts Dramatisches, etwas erschöpft und Gliederschmerzen - insgesamt doch besser als eine lebensgefährliche Erkrankung :) So sind wir jetzt hoffentlich gerüstet um mit den üblichen Abstands- und Hygieneregeln, sowie FFP2 Masken, gut durch den nächsten Corona-Winter zu kommen. 

 

7. März 2021

Sonntag, 07.03.2021


Guten Morgen neues Jahr 2021, nach meinem Sturz im letzten Jahr bin ich eine ganze Weile abgetaucht und auch immer noch nicht wieder ganz. Meine Zahnreparaturen, von Zähnen, die beim Sturz beschädigt wurden, beginnen erst in der nächsten Woche und auch sonst mache ich vieles immer noch in Etappen, Fenster putzen z.B. Da habe ich gelernt nach Möglichkeit aufzuhören bevor es anfängt zu schmerzen.  
Und auch wenn mir das Nähen an meinen zwei Nähmaschinen nach wie vor sehr viel Spaß macht - auch wenn ich stets weiterlernen muss -, kann ich nicht tagelang nähen. Also wird alles aufgeteilt und zum Glück funktioniert das gut.
Gestern sind wir den kleinen 7 km Rundweg durchs Wurmtal gewandert, den wir im Vorjahr ziemlich genau zur gleichen Zeit kaum bewältigen konnten. Neben der extremen Erschöpfung begannen damals die Lungenschmerzen und Probleme, die mich noch weit bis in den Sommer hinein begleiten sollten.   
Gestern war es nun einfach nur ein schöner kleiner Spaziergang - und trotzdem nicht einfach, da zumindest ein recht steiler Anstieg, wieder heraus aus dem Wurmtal und hinauf zur Burg Wilhelmstein, dabei war. 
Ich hoffe sehr, daß ich in dieser Wandersaison wieder mehr Spaß am Wandern haben werde, als die Plackerei, mit der ich letztes Jahr häufig zu kämpfen hatte. 
 
 
 

27. Dezember 2020

Sonntag, 27.12.2020


Das Jahr neigt sich langsam dem Ende entgegen, draußen braust ein Sturm und in der Eifel wird es heute schneien - hier erwartet man dagegen nur Regen. 
Gestern haben wir endlich unsere Geschenke ausgepackt, vorher sind wir nicht dazu gekommen. Es gab einige Bücher, 2 m wunderschönen Stoff mit passendem Bündchen, aber auch zwei Paar Ohrringe, die ich sogar mochte. 
Unser Weihnachtsfest war ohnehin schon immer sehr eingeschränkt, was die Personenzahl anging, so daß wir daran auch im Coronajahr nur wenig ändern mussten: Am Heiligabend haben wir meine Schwester in ihrem zwei Erwachsene - zwei Kinder unter 14 Jahren Haushalt besucht, und am ersten Weihnachtsfeiertag kamen sie zu uns. Nur das stündliche Stoßlüften wurde neu eingeführt.
 

In unserer Nachbarschaft haben dagegen so einige ihre Terrassen und Balkone so gut es geht winterfest gemacht und bei Temperaturen um null Grad in eisigen Windböen ihre Gäste draußen bewirtet. 
Das sah selbst mit dem extra aufgestellten Windschutz nicht so richtig gemütlich aus. 
 

Zum Jahresende fange ich eigentlich auch mit dem Bloggen wieder etwas ernsthafter an, vor allem in meinem Teodeco-Blog, aber in diesem Jahr machte mir ein Sturz im Bad einen Strich durch die Rechnung, denn ich fiel ungünstig auf den rechten Ellenbogen und Kiefer. 
Gebrochen war zum Glück nichts, aber ich habe seitdem noch Schmerzen im Arm und der Hand, so daß vieles nur in Etappen erledigt werden kann, z.B. Fensterputzen oder gar nicht: Klavier spielen, war bisher noch nicht schmerzfrei möglich. 
Insofern fasse ich mich hier auch kurz, kommt gut und leise ins neue Jahr 2021 und ich hoffe, die Weihnachtsfeiertage waren wunderschön und vielleicht sogar etwas entspannend :) 
 

 

10. März 2020

Monschau


Überall dort, wo wir in den letzten Jahren gelebt haben, hatten wir uns den einen Ort für eine kleine Alltagsflucht mit Wiederholungscharakter gesucht: Nur einen Tagesausflug ins touristische Gewusel einer kleinen, historisch-gut erhaltenen Stadt in schöner Umgebung, mit tollen Restaurants und Lädchen für das ein oder andere Stück, das man garantiert nicht braucht - und abends entkommt man dem Touri-Dorf wieder und fährt satt und zufrieden zurück nach Hause.
Hierher bringen wir Freunde und Bekannte, wenn sie uns besuchen, und nutzen den Ort als Ausgangs-/Endpunkt für Wanderungen.
Stowe war dieser Ort, als wir noch in Vermont gewohnt haben, Rüdesheim war es in Frankfurt und Monschau ist es hier in Aachen. Rüdesheim schaffte es trotz unserer regelmäßigen Besuche nicht in meinen Blog, Monschau soll nicht das Gleiche passieren ^^


Als wir nach Aachen gezogen sind, dachten wir eigentlich, daß Valkenburg in den Niederlanden ‚unser‘ Touri-Ort werden wird. Aber etwas Unveränderbares wie das Wetter spielt eben auch eine Rolle für den subjektiven 'Wohlfühlfaktor'.
Bei unserem ersten Besuch in Valkenburg, regnete es ununterbrochen, so daß wir nur eine der berühmten Mergelhöhlen besichtigten und mehr wollte man gar nicht unternehmen.

Winter und (früher) Herbst in Monschau

In Monschau hatten wir stattdessen bisher immer Glück mit dem Wetter, weswegen es dort viele Museen, Werkstätten usw. gibt, die wir noch nicht besichtigt haben - schlichtweg, weil es draußen immer viel zu schön und sonnig war. 
Das soll keine Aufforderung sein, daß es beim nächsten Besuch doch bitte in Strömen regnen mag ^^, aber selbst bei schlechtem Wetter hätten wir noch einiges zu erkunden.


Meistens fahren wir mit dem Bus von Aachen in den kleine Eifelort, laufen durch die verwinkelten Fachwerkhaus-Gassen, kaufen etwas von den Bäckern und dann geht es hinauf in die umgebenden Hänge, um sich Monschau von oben anzusehen. Zum Mittagessen sind wir wieder in der Stadt, danach steigen wir hinauf zur Burg, um die Stadt und das Flüsschen Rur auch von der anderen Seite zu bewundern - ehe es zurück nach Hause geht.
Monschau (Montjoie) war früher, als es durch die Feintuchmacher-Industrie zu einigem Reichtum gekommen war, sicher kein so idyllischer Ort, die Mühlenhäuser der Altstadt, wurden regelmäßig überschwemmt und mussten eben doch am Wasser bleiben, die Vorratslager befanden sich deswegen eher in Hanglage oder höheren Kontoren- doch das Leben in der ohnehin armen Eifelregion war wohl kein Einfaches.


Mit dem Beginn der Romantik, wurden dann Ausflügler auf den Eifelort in schöner Lage aufmerksam und es entwickelte sich eine erste Touristenindustrie mit Hotels und Gaststätten, die vielfach bis heute existieren. Dadurch entkam Monschau der Moderne nach den Weltkriegen, denn anderswo wurden selbst Innenstädte, die nicht im zweiten Weltkrieg zerstört wurden, gesprengt um Platz für eine schöne vierspurige Straße mittendurch zu machen.
Ein anderer wirklich schöner Ort in der Gegend ist Stolberg, zu dem wir sogar mit dem Fahrrad fahren können, doch dort ist der Strukturwandel von Industrie hin zu Tourismus und Aachener Vorstadt noch in vollem Gange. Schöne historische Gebäude kann man auch dort besichtigen, und das sogar völlig ohne Touristen - zur Alltagsflucht reicht es jedoch noch nicht so ganz :)


5. März 2020

Donnerstag, 05.03.2020


Der März ist angebrochen und mit ihm irgendwie spürbar längere Tage, die gab es zwar auch schon Ende Februar, aber jetzt fällt es zumindest mir häufiger auf. Auch wenn es in dieser Woche eher kühler und nasser ist, so freue ich mich doch schon auf die ersten warmen Frühlingstage.

Mittlerweile ist auch der Coronavirus (das Virus in der Fachsprache, laut Duden ist aber auch ‚der‘ möglich, denn die Endung -us von Virus ist maskulin) zahlreich in der Region angekommen. Gestern waren es jedenfalls 33 bestätigte Fälle, mindestens 5 davon aus Würselen. 
Gleichzeitig hat die Städteregion beschlossen nur noch die Menschen zu testen, die mit infizierten Kontaktpersonen mehr als 15 Minuten verbrachten und daraufhin auch Symptome entwickeln, d.h. symptomfreie Überträger fallen aus dem System - in erster Linie um dieses zu entlasten und sich auf die schwereren Fälle zu konzentrieren. Problematisch finde ich, daß viele der möglichen Überträger in Krankenhäusern arbeiten, aber das liegt wohl in der Natur der Sache. Es ist aber auch eine Art der Kapitulation, denn damit wird - jedenfalls hier - nicht mehr versucht, die Ausbreitung einzudämmen.
In den Supermärkten hat sich die Panik gegeben, stand man gerade in den Discountern am Freitag vor leeren Regalen, gibt es jetzt wieder alles im Markt, selbst Toilettenpapier, Bananen und Nudeln ^^

27. Februar 2020

Donnerstag, 27.02.2020


Gerade fällt den zweiten Tag hintereinander in diesem Winter Schnee(regen), ich dachte schon wir bekommen gar kein Weiß zu sehen - und dann so kurz vor Frühlingsanfang fällt doch noch etwas. Es bleibt jedoch nicht so viel liegen.
Nachher muss ich mit Amiya noch zum Tierarzt, damit sie ihre letzte Impfung bekommen kann (dann ist sie mit allen Impfungen durch, die ein Kätzchen so benötigt) und ich hoffe sehr, daß der Wintereinbruch nicht zum Schneechaos auf den Straßen führt.


In der letzten Woche fand auch bei uns Karneval statt, am Donnerstag sah ich mir die Rathauserstürmung zwecks Schlüsselübergabe in Würselen an, außer den Leuten, die vor Ort sein mussten, waren noch ein paar Rentner mit Rollator gekommen, alle anderen feierten den Beginn des Straßenkarnevals lieber woanders, in Aachen oder gleich in Köln.
Zum Glück gab der Bürgermeister nicht so schnell auf, sondern der Schlüssel wurde versteckt und musste gefunden werden, während ein Mitarbeiter der spärlichen Menge erklärte, daß man heutzutage Chipkarten und gar keine Schlüssel mehr für das Rathaus benötigt ^^
Am Sonntag dann sahen wir uns bei Sturm und Regen die kleine Parade im Ort an, und bekamen dabei Unmengen an ‚Kamelle‘ zugeworfen, ohne darum gebeten zu haben :) In Würselen werden gerne ganze Schokoladentafeln verteilt, die zu durchaus schmerzhaften Wurfgeschossen werden können. Am Rosenmontag hatten A. und ich dann keine Lust uns den Umzug in Aachen anzusehen, es regnete einfach zu viel und zu lange.
Am Veilchendienstag ging es dann jedoch wie schon im letzten Jahr nach Köln, zum Stadtteilumzug in Junkersdorf mit meiner Schwester und ihren Kindern. Das Wetter war trocken und sonnig, und die Kamelle flog auch hier zahlreich, verteilt von den vielen Schul- und Vereinsgruppen, die vorbeimarschierten. Wer weiß, vielleicht werden wir hier schon im nächsten Jahr dem Neffen zujubeln, statt mit ihm am Straßenrand zu stehen.

Jetzt sind die tollen Tagen vorbei und wir sorgen uns alle um das Coronavirus, was in immer mehr Nachbargemeinden auftaucht. Ich vermute, daß es auch in unserer Stadt längst angekommen ist, nur noch nicht mit so schwerem Verlauf, als daß es jemandem aufgefallen wäre.

19. Februar 2020

Herzogenrath


Als wir 2018 gerade nach Würselen gezogen waren, führte uns einer der ersten Wochenendausflüge nach Herzogenrath und Kerkrade. Wir wollten ausprobieren, ob es wirklich so einfach ist mit dem Fahrrad in die Niederlande zu fahren. Es war bis auf den tiefen Einschnitt des Wurmtals - wo ich mein Fahrrad bergan schob - tatsächlich kein Problem und so sahen wir uns Herzogenrath nur flüchtig an und konzentrierten uns dann auf die Abtei Rolduc in Kerkrade und ein kleines Wasserschloß.
Seitdem hatte ich zwar des Öfteren vor, den Ort etwas genauer zu erkunden, aber es kam nie dazu. Derzeit lese ich nun ein Buch, dessen Sagen & Kurzgeschichten genau in der Gegend spielen und so fuhr ich gestern mit dem Bus nach Herzogenrath. Das Wetter sollte laut Vorhersage aufgelockert stürmisch mit einem Sonne - Wolken Mix sein, es war aber natürlich hauptsächlich grau mit gelegentlichem Sprühregen ^^ 


Zuerst lief ich zu den kleinen Stauweihern des Broicher Bachs, die wir - im Gegensatz zur Stadt - des Öfteren besuchen, denn Wasser ist in der Aachener Gegend selten in größerer Menge zu finden.
Danach ging es weiter in die Stadt hinein, mit erstem Blick auf die Burg. 


Die Innenstadt besteht wie überall aus einer Vielzahl an leeren Geschäften und einigen, die es noch schaffen zu existieren, dann ging es über die Brücke des Flüsschens Wurm, die außerdem von einer Eisenbahnbrücke überquert wird.
Die kleine Wurmbrücke war früher der Grenzpunkt zwischen der Provinz Limburg, zu der Herzogenrath bereits gehörte und den anderen Herzogtümern und Reichsgebieten der näheren Umgebung. Hier wurden Gebühren und Zoll fällig, so daß bereits 1104 eine kleine Ansiedlung mit Höhenburg entstand - durch Waldrodung: Burg Rode.


Nahezu zeitgleich entstand die Abtei Rolduc, die u.a. den ersten dokumentierten Steinkohleabbau in Mitteleuropa betrieb - ab 1113 und die Chorherren damit sehr reich machte.
Hinter der Wurmbrücke befindet sich ein schönes Restaurant mit Biergarten, eine große neo-barocke Kirche und einige ehemalige Güter, mit ihren großen Toreinfahrten, ehe man zum Burghügel gelangt. 


Dort kann man der Treppe folgend, die Vorburg (mit moderner Bühne) erreichen, die einen schönen Rundum-Blick auf die Stadt, viele Abraumhalden und Rolduc bietet, ehe es ganz hinauf in den Burghof geht.
Diese Anlage ist vor allem durch die Legende der Bockreiter bekannt geworden, verschiedene Banden im 18. Jahrhundert, die angeblich mit dem Teufel im Bund waren und nachts auf Ziegenböcken durch die Luft flogen um Kirchen und Güter auszurauben. Viele Menschen wurden als Bockreiter diskreditiert, auf der Burg gefoltert und Hexenprozessen ähnlich verurteilt, ohne daß ihre Schuld bewiesen werden konnte.
Heutzutage ist man sehr stolz auf die Bockreiter, es gibt Bockreiterstatuen, Bockreiter-Zentrum, Taxi, Seniorenheim usw.


Nachdem ich dort oben vom Wind ordentlich durchgepustet worden war, ging es zurück in die Stadt, noch ein Stück an der teilweise laut tosenden Wurm entlang und schon nahm mich der nächste Bus zurück nach Würselen. 
Das nächste Mal werde ich die Stadt - bei hoffentlich schönerem Wetter - wieder mit dem Fahrrad besuchen :)


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