Teil II des Road Trip 2015, in der Woche vor Weihnachten: Da wir den vorherigen Tag im Kinderkrankenhaus verbracht hatten, sollte in diesen einen Tag nun soviel Paris Sightseeing wie nur möglich gepackt werden.
Leider wachte ich bereits mit einer ausgewachsenen Migräne auf. An jedem anderen Tag hieße das, hat sich erledigt der Fall, denn so ein fortgeschrittenes Stadium kann man mit Tabletten nicht mehr bekämpfen... doch dieses Mal ging das nicht, es sei denn ich würde den ganzen Tag im Hotel bleiben und mich selbst bedauern.
Ich habe es nicht so mit dem Selbstmitleid und deswegen mussten die Tabletten ausreichen. Mitunter gelang es mir damit im Laufe des Tages den Schmerz sogar etwas zu dämpfen, aber meistens versuchte ich einfach nur das Gesicht nicht zu offensichtlich zu verzerren.
Mein Frustrationslevel war dementsprechend niedrig und so kümmerte ich mich überhaupt nicht um den Protest der Eltern, dem Baby wurden Schuhe gekauft und angezogen.
Ich weiß, daß Babies, die noch nicht laufen können, keine falschen Schuhe anziehen dürfen... aber er sollte darin ja gar nicht laufen, sondern nur warme Füße haben - denn seine Socken konnte er schon längst selber ausziehen. Die Eltern kauften ihm dann noch eine warme Daunenjacke und endlich war das Baby gerüstet für den europäischen Winter. (Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich einen Schneeanzug mit Fußteil gekauft, und wir hätten uns das ganze Drama sparen können - aber ausgerechnet so einen Anzug konnte man in Paris nicht auf die Schnelle finden.)
Unsere Einkäufe fanden übrigens auf der Champs-Élysées statt, auf der wir bis zum Arc de Triomphe liefen, um ein paar Touristenziele abzuhaken.
Die Leute, die oben auf dem Arc stehen und fotografieren, kann man von unten fast gar nicht sehen.
Nach dem ausgedehnten (italienischen) Mittagessen ging es dann auf zum Eiffelturm.
Wie der Rest der Stadt wurde auch dieser von zahlreichen Soldaten und Soldatinnen (ja, tatsächlich) streng bewacht.
Da es zu kalt war (und die Schlangen vor den Eingängen zu lang) sahen wir uns den Turm nur von unten an und machten die üblichen, wenig überraschenden Fotos von allen Seiten und Blickwinkeln.
Als letzten Punkt des Tages ging es dann nach Montmartre, um die schöne Kirche Sacré-Cœur zu besuchen. Es war mittlerweile wieder dunkel, so daß man oben auf dem Kirchhügel, das wandernde Licht des Eiffelturms (nicht den Turm selbst) gut über der Stadt sehen konnte.
In Sacré-Cœur mussten alle Leute voller Andacht und Stille sein, was dem Baby so seltsam vorkam, daß es stattdessen fröhlich anfing loszuplappern und sogar zu tanzen. Eine Nonne schenkte ihm zur Ablenkung einen kleinen Pappanhänger der Kirche, in den er sofort biss. Offenbar hatte er einen Keks erwartet ^^
Danach war unser Tag in Paris bereits zu Ende - zum Abendessen besuchten wir ein nahe dem Hotel gelegenes französisches Burger Restaurant (mit ausgedehntem Kindermenü), dessen Essen furchtbar war und das wir frühzeitig verlassen mussten, da sich die Bediensteten durch das zu dem Zeitpunkt weinende Baby gestört fühlten.
Zurück im Hotel schlug ich mich dann den Rest der Nacht mit meinen Souvenirs aus dem Kinderkrankenhaus herum: Ich hatte eine Magen-Darm Grippe, und einen aggressiven grippalen Infekt, der alle Merkmale einer Rippenfellentzündung aufwies.
In der Hotel-Lobby
Am nächsten Morgen wollten unsere Gäste noch einmal in die Stadt, um
wenigstens Notre-Dame zu besichtigen, aber das war mir sehr egal, ich
betrachtete es als persönliche Bestleistung, daß ich aufrecht stehen
konnte, und sogar ein wenig von dem Wasser und Weißbrot, das ich zum
Frühstück aß, im Magen behielt.
Ich hätte mit Freuden im Hotel
gewartet, doch irgendwie wurde das zur ‚Alle oder Keinen‘ Frage
hochstilisiert und da ich schlichtweg kaum mehr als drei Schritte laufen
konnte, ging unsere Fahrt weiter nach Plan. Nächster Halt: Brügge.

