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22. Juli 2011

Ottawa, 2011


Für den Besuch in der altbekannten Stadt hatte ich mir viel vorgenommen... Ich wollte einige der gewohnten Dinge sehen und wiedersehen, aber auch Neue kennenlernen bzw. Dinge die ich immer schon einmal sehen wollte endlich aufarbeiten: namentlich die Parlamentsbibliothek von innen, Byward-Museum und das Naturkundemusem besuchen.
Als ich aufgrund der Vorbereitungen (und Absperrungen) zum Kanada Tag aber das Parlament schon gar nicht mehr betreten konnte, schwappte ich völlig zurück in meine Ottawa-Komfortzone aus der ich eigentlich ausbrechen wollte und sah mir die restlichen Tage nur Dinge an, die ich bereits kannte.

Blumenball, Minto-Brücken und Gemüse am Byward Market

 Die Rideau-Wasserfälle plätschern im Sommer ganz gemächlich.

Es war trotzdem schön nur nicht ganz was ich geplant hatte und so sah ich u.a. das Parlament von außen, die Schleusen am Rideau Kanal, hörte dem Jazzfest zu, war im Byward Market und an den Rideau Wasserfällen, kaufte Bettwäsche in Ikea (in Burlington kann man nur Lakensets kaufen, aber keine Bettbezüge) besuchte vier meiner sechs Lieblings-Second Hand Läden, meine beiden Lieblingscafés (Raw Sugar und Ideal) aß Chicken Shawarma und Poutine, war im indischen Restaurant, traff außer Ania auch noch meinen „Retter am Telefon“ Marek, hatte einen tollen deutschen Stammtisch und ging am letzten Tag der Ankunft von Prinz William samt Gattin aus dem Wege.


Auf der Neu-Seite standen der Erstbesuch beim mittlerweile vollendeten und eingeweihten Chinatown-Tor (bei dem sich immer noch alle wundern, warum es eigentlich in der Mitte von Chinatown steht und nicht am Eingang...), der Erkenntnis, daß unser früherer Supermarkt jetzt Fresh Co. heißt, sowie ein ausgiebiger Besuch der Universität von Ottawa, da ich am letzten Tag noch zwei Stunden Zeit totschlagen musste und eben nicht mit den Menschenmassen auf die Prinzenankunft warten wollte (wer weiß ob man da rechtzeitig wieder herauskommt...)
Insgesamt musste ich feststellen, daß ich Burlington nicht sehr vermisste und all das Stadtleben in Ottawa, selbst an den zentralen Bushaltestellen interessanter war, als ein Besuch in der Fußgängerpassage hier. Besonders am ersten Tag starrte ich Menschen an, denn nach fast einem Jahr in der fast-weißen Kleinstadt, war all die Menschen- Religionen- und Farbenvielfalt mit afrikanischen Röcken und indischen Gewanden so lebendig und neu, während ich sie in Ottawa lebend, nicht einmal mehr registriert hatte. Und alle Menschen sind freundlich, lachen... keiner guckt weg wenn man vorbeikommt oder hat Angst daß man ihm etwas tun will, im Gegenteil die Menschen sind enttäuscht, wenn man nicht wenigstens Hallo sagt. Die Leute sind seltener tätowiert, scheinen wesentlich weniger Drogen zu konsumieren und es gibt libanesisches Shawarma und Kebab an jeder Ecke... ein Hoch auf Ottawa.


Zum Album mit mehr Bildern geht es hier: Link.

Und ein Mini-Video über eine Minute am Rideau Canal findet man hier:

21. Juli 2011

Ottawa Anreise

 St.Lorenz Strom mit Blick auf Montreal

 Betonwüste

Es sind schon wieder ein paar Wochen ins Land gegangen und so wird es nun endlich an der Zeit über meinen Besuch in Ottawa zu schreiben bevor zuviel anderes passiert.
Das Dramatischste an dem Besuch war die Hinfahrt, denn ich sollte bei Ania übernachten, hatte aber ihre neue Adresse nicht und erreichte sie im Vorfeld weder per Telefon noch e-mail. Deswegen organisierten wir eine zweite Möglichkeit, aber wie immer ist es ohne Handy sehr schwer kurzfristige Veränderungen hinzubekommen, zum einen muß man eine Telefonzelle finden (und davon gibt es nicht mehr allzu viele) dann muß sie funktionieren und dann kosten außer Ort-Gespräche auch gerne mal 4,50 $ pro Minute (und das muß man als Kleingeld parat haben…)
Ich fuhr also bereits mit ungutem Gefühl los, die Kontrollen an der Grenze ließen mich nicht nur den ersten Anschlußbus nach Ottawa verpassen, sondern nur mit einem Sprint durch die Wartehalle schaffte ich es noch in den eine Stunde später startenden Bus um dann letztendlich Ottawa zu erreichen.
Nach dem Finden einer Telefonzelle im Rideau Center bekam ich zum ersten Mal Ania an die Strippe, sie sagte mir, daß sie dachte, daß ich am Dienstag statt Montag nach Ottawa kommen würde, gab mir ihre Adresse und dann ging ihr Handy nicht mehr. Das ist offenbar ein Problem ihres Anbieters und der Grund warum sie nie ans Telefon ging, es erklärte nur unzureichend warum sie auch nicht auf e-mails reagierte, aber nun gut, war mir in dem Augenblick schon fast egal. Ich rief Anand an und er suchte mir freundlicherweise die Adresse in google maps heraus und schickte mich auf den Weg. Leider habe ich keine Ahnung was er da gefunden hat, denn seine Angaben waren völlig falsch, ich lief die Straßen auf und ab ohne je zu dem Punkt zu kommen, den ich erreichen sollte. Keiner kannte die Straße nach der ich suchte, ich war mit meinen Nerven am Ende und sah mich schon auf einer Parkbank übernachten. Telefonzelle im Wohngebiet natürlich Fehlanzeige. Also lief ich mit meinem Gepäck (Rucksack, Isomatte, Tasche) bis zum nächsten Einkaufszentrum, fand eine Telefonzelle vor McDonalds, die war jedoch besetzt, aber böse Blicke konnten mich an dem Abend nicht mehr schocken, ich wartete. 


Für ein weiteres Telefonat mit Anand hatte ich weder Muße noch Geld, ein Anruf bei Ania verwies mich sofort zu ihrem Anrufbeantworter. Also rief ich einen gemeinsamen Freund an, der mir endlich helfen konnte. Er erklärte mir alle Straßen ab dem Punkt an dem ich stand, bis zu Anias Haus, welche Straßen ich passieren muß, wo ich rechts, wo ich links einbiegen muss (es war eine völlig andere Richtung, als nach Anands Infos, in der Nähe des Ottawa Rivers) und damit fand ich den Weg ohne Probleme.
(Notiz an mich selbst: Suche dir deine Wege in Zukunft immer, immer selbst heraus… )
Ania wohnt in einem kleinen Haus in der Nähe ihrer Arbeit und teilt sich dieses mit einer Mitbewohnerin und ihren zwei Hunden. Als ich ankam, hatte ihre Freundin gerade andere Mädchen zum Abendessen zu Besuch und es gab soviel, daß ich zum Mitessen genötigt wurde, aber das schien die Schüsseln kein bißchen zu leeren. Es gab Lobster, Muscheln und jede Menge Fleischspieße vom Griechen (denn ein Mädchen kam gerade aus Newfundland zurück und die andere hatte einen Freund mit griechischem Restaurant) dazu gab es Salate und eine Torte zum Schluß. Während des Essens wurde „The Bachelorette“ geschaut, professionell bewertet (die Mädchen sind Singles und gehen einmal die Woche zum Speed Dating) und dann landeten die 75 % des Mahls, die keiner beim besten Willen mehr schaffte im Kühlschrank.
Nach dem Abendessen lernte ich Anias derzeitigen Ex-Freund kennen (zwischen verschiedenen Beziehungen bleibt sie immer noch in Kontakt mit dem vorherigen Partner, vorallem wenn er ein Auto hat) und es wurde mir auch klar, warum er der Ex-Freund war. Er war nett, nahm Ania kein bißchen ernst (so was braucht sie) hatte aber leider nicht den nötigen hohen Bildungsstand, den sie sich bei einem Partner vorstellt (das braucht sie wohl auch.) Wir liefen zusammen zum Ottawa Fluß hinunter und in der dunklen Nacht sah ich zum ersten Mal in meinem Leben überall Glühwürmchen blinken. Wie Mini-Hubschrauber mit LED Lichtchen surrte es um uns herum. Ich weiß nicht, warum aber ich dachte immer, daß Glühwürmchen ein konstantes, warmes Licht erzeugen würden, während mir dieses kalte Bling-Bling fast schon unnatürlich vorkam.
Nach dem Spaziergang ging es für mich nur noch ins Bett und ich schlief überraschend gut, tief und traumlos.

20. April 2011

Abenaki Identität

Solange ich in Kanada wohnte, wurde man in den Zeitungen und auch sonstigen Nachrichten-Sendungen regelmäßig über den Status der Ureinwohner und deren Probleme informiert. Es gab Statistiken, die besagten, daß sie zwar zahlenmäßig sehr gering seien, gleichzeitig aber die höchste Prozentzahl an Gefängnisinsassen hätten, die höchsten Geburtenzahlen, die höchsten Selbstmordraten, die höchsten Raten an verschwundenen und ermordeten Frauen. Vieles konnte auf die Probleme der Vergangenheit und insbesondere die berüchtigten Internatsschulen zurückverfolgt werden, die - sollte man die Schulzeit überleben - man häufig als mißbrauchte (Jesuiten-Lehrer) gebrochene und von seiner Kultur und Sprache entfremdete Person verließ. Es gab Entschuldigungen seitens der Regierung und widerwillig gewährte Zuschüsse für Therapien und Hilfszentren. Viele dieser Handlungen, die von der UN als kultureller Genozid bezeichnet wurden, waren schrecklich und dennoch wurde mittlerweile offen darüber gesprochen.
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Als ich nach Vermont kam, las ich nirgends jemals etwas über die Frage der Ureinwohner... Es gab keinen einzigen offiziell registrierten Stamm im Staat. Sollten nur zwei Stunden von der kanadischen Grenze in einem dünn besiedelten Gebiet tatsächlich kein Ureinwohner übrig geblieben sein? Ich konnte es nicht glauben und suchte weiter. Im November dann fand ich zum ersten Mal spärliche Informationen über das Schicksal der vier großen Stämme im Staat den Elnu, Nulhegan, Koasek und den Missiquoi sowie kleineren Clans und Stammesteilen wie z.B. den Sokoki und Maquam und ihren mittlerweile jahrzehntelangen Kampf - im eigenen Land - als Stämme anerkannt zu werden. Die meisten gehören zum Stammesverband der Abenaki (übersetzt: Menschen, die am Sonnenaufgang wohnen), der wiederum zum Algonkin Stammesverband gehört, dem ehemals militärischen Gegengewicht zu den Irokesenstämmen. Die vier größten Stämme wurden 1976 zum ersten Mal offiziell von Vermonts damaligen Governeur Tom Salmon als Stamm anerkannt, dies wurde jedoch von seinem Nachfolger 1977 widerrufen. Seit 1993 nun arbeitet man an einem Gesetz, daß die offizielle Anerkennung von der Politik trennt, so daß diese nicht nach Lust und Laune widerrufen werden kann. Eine Kommission wurde gegründet, die Vermont Commission on Native American Affairs (VCNAA) welche Geschichte und Bräuche der Stämme hinterfragt, die Antragsteller mussten Beweise zur historischen Existenz u.a. von Traditionen, Familien-Verknüpfungen und Stammesorganisation vorlegen.
Mittlerweile wurden die Elnu und die Nulhegan vom Staat Vermont als Stamm anerkannt, während die anderen Stämme noch auf die Entscheidung der Kommission warten. Diese Entscheidung ist aber noch nicht offiziell, da sie wahrscheinlich vom Stamm Abenaki First Nation vor Gericht bestritten werden wird, die sich in der Frage seltsamer Weise mit dem U.S. Bureau of Indian Affairs zusammengefunden haben. Das Büro für indianische Angelegenheiten, das waren schon seit dem Massaker von Wounded Knee immer die Bösen und es ist eigentlich bezeichnend, daß der Name nie verändert wurde. Ging es früher darum den militärischen Widerstand der Ureinwohner entgültig zu brechen, so geht es heute um Geld. Land- und Schadensansprüche sollen verhindert werden, dazu kommen Ansprüche aus dem Bildungsfond für Ureinwohner und dem offiziellen „Native American“ Siegel unter dem Kunsthandwerk verkauft werden kann. Abenaki First Nations ist offenbar nicht der Meinung, daß sie mit neuen offiziellen Stämmen die knappen Fondgelder teilen wollen und sehen sich ohnehin als übergeordneten Stamm an, der die anderen Stämme lediglich zu Clans degradiert. Es steht den Stämmen also noch ein langer Weg bevor, bis sie ihren Namen bewiesen haben werden, ein Kampf, den in Kanada bei allem Leid niemand führen musste.
Auch etwas was ich erst durch diese Berichte gelernt habe, ist, daß ab 1931 bis ’46 tausende Abenakis in Vermont nach dem Gesetz zum besseren Menschsein „Law for Human Betterment“ „freiwillig“ zwangssterlisiert wurden. Gottseidank liegt es nicht an mir zu entscheiden ob eine gestohlene Identität oder ein gestohlenes Leben schwerwiegender sind. 

Links:
Nulhegan Blog
Gegen den Nulhegan Stamm
Und in den Zeitungen: Bangor Daily News

Interessanter Weise ist in den meisten Artikeln die Kommentarfunktion nicht erlaubt bzw. später geschlossen worden, zumeist ein Hinweis darauf, daß es immer noch weitverbreitet ist über die Ureinwohner rassistische Kommentare abzugeben. Meine oben gezeigte Karikatur ist in dieser Hinsicht natürlich ebenfalls als bedenklich anzusehen, aber mitunter ist es schwierig politisch korrekt zu handeln.

3. Januar 2011

Sonntagsblumen





Letzte Woche, auch was schreibe ich denn, letztes Jahr hatte ich euch echte Blumen zu diesem ersten Sonntag im Jahre 2011 versprochen und es gibt neben dem Neujahr sogar noch einen weiteren Anlaß, denn heute ist der Geburtstag von meiner Oma aus Schwedt. (Die Karte wird wohl noch nicht eingetroffen sein, denn ich habe sie erst nach Weihnachten abgeschickt.)




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Ich habe tief in meinen Kanada Ordnern gewühlt und diese Bilder vom Byward Market gefunden. Der Byward Market in Ottawa ist der älteste durchgehend am gleichen Ort stattfindende Markt in Kanada. Einst befand sich hier das Familienlager der Leute, die unter dem Befehl von Colonel By den Rideau Kanal zwangsbauen mussten und viele dieser Familien blieben auch nach Beendigung des Kanals in dem Sumpfgebiet der sog. Lower Town wohnen. Im Gegensatz zu den anglikanischen britischen Beamten der jungen Hauptstadt, die auf dem gegenüberliegenden Hügel wohnten, lebten in der Bystadt die armen, ungebildeten, katholisch irischen und französischen Immigranten. Byward Market war ein Ghetto, ein stinkender Slum (aufgrund eines offenen Drainage- und Abwasserkanals,  dem By Wash der erst vor gut 50 Jahren entgültig verfüllt wurde) mit Speklunken, Bordellen wo die Holzfäller ihr Geld durchbrachten und sich im Suff verprügelten (Bystadt hielt auch die Spitzenposition in den Mordstatistiken) sowie dem täglich dort stattfindenen Bauernmarkt (zu dem die britischen Beamten natürlich nur ihre Bediensteten schickten). Die an der Südseite vierspurige Straßengestaltung stammt noch von Colonel By selbst, der so Staus bei der Zulieferung für den Markt vermeiden wollte.
Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Lage etwas, die Holzfäller verschwanden und die Bystadt wurde Industriestadt mit vielen kleineren Fabriken, in den Häusern wohnten deren Arbeiter. Später waren es vor allem die neuen Immigranten, die in den alten Häusern lebten. Dann verschwanden die letzten der alten Fabriken und den Menschen fiel auf, daß unter all dem Ruß und Dreck sehr schöne alte, kleine Häuser zu finden waren. Nun bezogen Studenten und Künstler das Viertel, das sich in den 1990er Jahren erneut neu erfand und seitdem Ottawas Touristenattraktion Nr. 1 darstellt mit gebobenen Restaurants, Pubs und Appartmentanlagen, für die man mittlerweile viel Geld auf den Tisch legen muß. Doch nachwievor findet man dort im Sommer täglich den Bauernmarkt.

 Hier hat schon Barack Obama einen Beavertail (Bieberschwanz: Riesenmutze meist mit Zucker bestreut) gegessen. 

 Läden und Snackbars im Innern des Hauptgebäudes

 Riksha Läufer warten auf neue Kundschaft

Das Grüne sind Fiddleheads, die Anfängekringel einer Farnsorte und kanadische Gemüsespezialität.
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 Tomatenpflanzensorten
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27. Juli 2010

Ein Tor für Chinatown (Eingestellt am 27.07.2010)



Ottawas Chinatown war bisher eine kleine Ansammlung von chinesischen Restaurants und Läden entlang der Sommerset Street West, fast schon beim Vorbeifahren zu übersehen, wenn nicht an jedem Laternenpfahl eine Fahne mit der Aufschrift „Chinatown“ hängen würde und die Bank mit chinesichen Schriftzeichen warb. 
So geriet die Stadt ein wenig in Verlegenheit als China anbot ein Eingangstor für Ottawas Chinatown zu erbauen, denn keiner wußte so richtig, wo Chinatown eigentlich anfing und wo sie endete. Also entschied man sich das Tor in die Mitte des chinesischen Viertels zu setzen, denn dort war auf jeden Fall alles ziemlich chinesisch und der Platz auf dem die Stadtteilfeste stattfanden, war ebenfalls nicht weit entfernt.


Seit Mai nun waren die chinesischen Handwerker am Werk und so beschlossen wir uns den Fortgang der Arbeiten einmal von Nahen anzusehen und meinem direkt daneben gelegenen, äußerst unchinesischem Lieblingscafé einen letzten Besuch abzustatten. 



Bei einer sehr guten Lemontarte, Kräutertee und einem Standard - Nainamobar sahen wir den Arbeitern zu, die bei den hochsommerlichen Temperaturen in ihren grauen Anzügen, Sicherheitswesten und roten Helmen schwitzten – wahrlich nicht zu beneiden. Die Vollendung des Tors wird für den Herbst erwartet und dann sicherlich mit einem großen Fest eingeweiht... Ab dann wird sicher niemandem mehr entgehen, der durch die Straße fährt, daß er sich in Ottawas Chinatown befindet.

Gänse im Park (Eingestellt am 27.07.2010)


Die Kanada - Wildgans, eines der bekanntesten kanadischen Nationaltiere, gilt mit ihren im Frühling und Herbst im klassischen V - Flug fliegenden Truppenverbänden, als das Zeichen der Immigration zu Kanada schlechthin.
Die schwarz-weiß graue Gans wird in Liedern besungen, auf Tellern und Bildern dargestellt, eine Kanadagans schmückt sogar die 1- Dollar Münze und doch wird sie von immer mehr Menschen nicht mehr als wichtiger Teil der nationalen Identiät, sonden einzig als Belästigung wahrgenommen. Wie konnte es so weit kommen?
Im 19. Jahrhundert war die Kanada Gans weitesgehend in den südlichen Provinzen ausgerottet worden und viele Menschen sahen die Gänse tatsächlich nur hoch oben auf dem Durchflug von den Brutgebieten in der Arktis zu den Winterquartieren und zurück.
Ein in den 1960ern gestartetes Brutprogramm sollte dem Abhilfe schaffen und die südlichen Nationalparks und Naturschutzgebiete wieder mit brütenden „Giant Canada“ Gänsen füllen.
Nun, das Programm war erfolgreich, sehr erfolgreich sogar und so freuten sich alle darauf, die Gänse alsbald in den Nationalparks zu sehen. Doch das war der weniger erfolgreiche Teil des Programms, denn die Gänse zogen, wie so viele Menschen dieser Zeit in die Stadt... genauer gesagt siedelten sie in den Grünanlagen, Golf- und Sportplätze sowie Flughäfen der Städte. Die Gründe lagen nicht nur in der Fütterung durch wohlmeinende Menschen, sondern auch das kurze Gras neben Flüssen und Seen, das ihnen zu einem besseren Überblick und damit Schutz vor nahenden Raubtieren, wie Koyoten und Füchsen verhalf, während andere Feinde wie Steinadler und Virginia - Uhu selten in den Städten anzutreffen waren. So wurden Stadtparks aber auch viele Golfplätze zu wahren Gänseparadiesen auf Erden. 




Für ihre menschlichen Park - Mitnutzer bedeutete das nicht nur sich bei jedem Parkbesuch einer geschulten bettelnden Meute gegenüber zu sehen, sondern auch deren Hinterlassenschaften, schließlich produziert jede erwachsene Gans ca. 500 g Dung täglich. Das führte bereits zu zahlreichen Strandsperrungen, da die Wasserqualität an manchen Seen zu schlecht wurde und einer Beeinträchtigung des Trinkwassers, denn viele Städten, wie z.B. auch Ottawa entnehmen ihr Wasser aus den Flüssen. Gefährlich waren natürlich auch die Gänse auf den Flughäfen, die sich mit ihren Abflugzeiten nicht immer an die Startpläne hielten und so manches Mal für Triebwerksausfälle sorgten. So war z.B. auch das Flugzeug, das im letzten Jahr auf dem Hudson River wasserte, mit einem Zug Kanadagänse zusammengestoßen.
Wie sollte man also mit der Gänseflut umgehen? Die zahlreichen Schilder, daß man die Gänse nicht füttern sollte, erwiesen sich als genauso sinnlos, wie die Idee mit Hunden die Gänse aufzuscheuchen. Die Gänse gewöhnten sich so an die Hunde und daran, daß diese ihnen nichts tun würden, daß sie kurz aufflogen und fünf Minuten später an gleicher Stelle saßen, als wäre nichts geschehen. Eine Jagd inmitten der Stadt verbat sich von selbst.
Die Stadt Mississauga plannte 1997 die Keulung von 3.500 Gänsen was einen öffentlichen Schrei der Entrüstung verursachte. Die Provinz New Brunswick, die damals noch sehr wenig Gänse hatte, übernahm die Tiere.
Nicht überraschend hat die größte Stadt in New Brunswick, Moncton mittlerweile ebenfalls ein Gänseproblem. Dort fand man jedoch heraus, daß die Gänse es nicht mögen, wenn sie nass werden und installierte Sprinkleranlagen, die jeweils lossprühten, sobald die Tiere es sich bequem gemacht hatten. Andere Lösungen für kleinere Gärten, waren die Versprühung von Weintraubenkern - Extrakten, denn die Gänse können den Geschmack nicht ausstehen, Lautsprechern mit wahlweise Koyoten- oder Eulenrufen sowie der wohl einfachsten Lösung: Das Gras nahe dem Wasser einfach nicht zu mähen. 
Während in New Brunswick also weiter an der besten Lösung geforscht wird, wie man den Gänsen zum Umzug in die Nationalparks verhilft und diese aus den Städten heraushält, muß man sich in Ottawa weiterhin mit den tierischen Mitbewohnern arrangieren und somit immer aufpassen wo man seine Picknickdecke ausbreitet ...

Museum für Zivilisation (Eingestellt am 27.07.2010)



Das „Museum of Civilisation“ ist das meistbesuchte Museum in Ottawa. Jedes Jahr zieht es die Touristenschwärme an und das wahrscheinlich auch zu Recht.
Wenn man auf dem Parliament Hill steht, so sieht man direkt gegenüber auf der Gatineauer Seite das markante Gebäude dessen Dach wie eine Ansammlung an abstrakten Pilzen neben einer Welle aussieht. Wenn man dagegen vor dem Gebäude steht, so meinten bereits einige Besucher, der zentrale Eingang würde wie die Maske von Darth Vader aussehen.
Das Gebäude wurde 1989 von dem indianischen Architekten Douglas Cardinal erbaut, auch um ein Zeichen für die Verbindung / Aussöhnung von Moderne und Geschichte zu setzen. Ein bißchen schade finde ich, daß das Gebäude nur aus Glas, Beton und Stahl, mit der entsprechenden Verklinkerung besteht, was mir nicht sehr nachhaltig oder umweltbewußt vorkommt, ich hätte zumindest einen hölzernen Teil irgendwo erwartet, zumindest wäre es mir sehr kanadisch vorgekommen ... aber das sind wohl die Zeichen der Zeit.


Im Innern des Museum erwartet den Besucher u.a. ein IMAX Theater, ein großer Museumsshop, das Postmuseum.. im Untergeschoß wird die Geschichte der Ureinwohner entsprechend ihrer Lebensräume erklärt. 



So gibt es Abteilungen zu den Fischern, Farmern, Jägern und den Bewohnern der Arktis, sowie thematisch aufbereitet all das Unglück, daß ihnen seit der Besiedlung durch die Weißen widerfuhr. Im mittleren Geschoß, befindet sich das Kindermuseum mit dem tollsten Bus überhaupt und im Obergeschoß findet man ein „Freilicht“ - Museum unter Glas. Dort kann man alles von der Ankunft der Wikinger, vom ersten Trapperzelt, zur Walfängerbuchte und der Kirche der geflohenen Sklaven in Saskatchewan besuchen, fotografieren, anfassen... etwas das Geschichte tatsächlich auf leicht verständliche Weise unterhaltsam für Kinder und Erwachsene präsentiert. Diese Ausstellung endet mit Teilen der Innenausstattung eines 1960er Air Canada – Flugzeugs und Flughafens.
Ich habe das Museum besucherbedingt ein paar Mal gesehen, denn es ist einfach sehr geeignet für die Kombination Tourist und schlechtes Wetter. Wenn ich es nicht jemanden hätte zeigen wollen, hätte ich das Museum aber sicher nicht mehr als einmal besichtigt, denn irgendwie war ich nach einem Besuch – anders als bei der Nationalgalerie – nicht neugierig auf mehr. Aber das mag eine subjektive Einstellung sein, denn ich kenne Familien mit Kindern, die eine Jahreskarte für dieses Museum besitzen.
Es gibt noch drei weitere große Museen in Ottawa, die ich allesamt bisher nicht gesehen habe. Da wäre z.B. das Technologiemuseum, wo zumindest der Aussenbereich mit Lokomotiven und Leuchttürmen interessant gewesen wäre, das nach langer Renovierung gerade neueröffnete Naturkundemuseum, dessen Nicht - Besuch ich sehr bedauere und das protzige Kriegsmuseum, dessen Nicht - Besuch überhaupt nicht bedauere... dazu habe ich es ebenfalls nicht zum MacKenzie King Estate im Gatineau Nationalpark geschafft, das mit seinen Gärten und romantischen Ruinen ebenfalls sehr reizvoll sein soll. Aber vielleicht komme ich irgendwann einmal als Tourist nach Ottawa und dann hole ich all das nach... :)

Nationalgalerie Ottawa (Eingestellt am 27.07.2010)



Die „Nationalgallery of Canada“ (NGC) befindet sich in einem eigens für diesen Zweck entworfenen Gebäude am Ende des Major Hill Parks mit Blick auf den Ottawa River. Vor der Galerie steht eine häßliche Spinne, die unlängst zu einem der beliebesten Fotomotive in Ottawa gekürt wurde (ich frage mich warum), gegenüber befindet sich die Basilika Notre - Dame und in Sichtweite auf der anderen Seite des Flußes sieht man das Museum für Zivilisation in Gatineau, QC.


Jeden Donnerstag ab 16:00 Uhr hat man dort freien Eintritt und so wurde die Galerie auch zum von mir am häufigsten besuchte Museum in Ottawa. Mein erster Besuch dauerte über vier Stunden und wurde abgebrochen, da ich nicht im Geringsten mehr aufnahmefähig war. Danach nahm ich mir einzelne Abteilungen vor und besuchte z.B. nur die Halle mit Inuit – Kunst oder nur die alten europäischen Meister. Besonders im Winter war ich so häufig in der Galerie, das mich die Wärter schon mit Kopfnicken begrüßten. Später dann besuchte ich nur noch meine Lieblingsbilder von Zeit zu Zeit und überlegte ob ich das ein oder andere Poster im Museumsshop käuflich erwerben soll. Aber die Drucke wiesen teilweise so starke Farbunterschiede zum Original auf, daß ich meist davon absah.


Im Innern ist die Galerie in eine Vielzahl kleiner, fast schon altmodisch wirkender Räume aufgeteilt, die häufig in dunkelrot gestrichen sind mit einem Dach in Segelform. Die äußere Glasfassade mit der markanten Kristallschnittform überdeckt damit wie ein Zelt das eigentliche Gebäude, in dem auch eine kleine Kirche integriert ist, deren Inneres bei einem Abriß gerettet wurde.
Die Ausstellung beginnt mit der Entwicklung kanadischer Kunst, von den Anfängen der Ureinwohner, über erste europäische Maler bis zur Moderne und Postmoderne. Ein Seitenflügel ist den Großraum - Instellationen vorbehalten, von denen mir am ehesten ein Lampenschirm – Zelt im Gedächtnis geblieben ist.
Ein großer Teil der Ausstellung ist der bekanntesten Künstlergruppe Kanadas gewidmet, der Gruppe der Sieben.
Das waren Maler, die sich ab 1920 vom Impressionismus beeinflussend, in die Nationalparks gingen, um die Schönheit Kanadas auf die Leinwand zu bannen. Dabei entwickelten sie immer mehr einen eigenen, teilweise holzschnittartig vereinfachenden Malstil und trugen so zum Entwickeln eines eigenständigen kanadischen Stils bei. 


Die Maler zogen regelrecht in Sommer – Zeltlager um, genossen das Leben und malten den Sommer über Heftblattgroße – Bildchen, im Winter im Atelier dann entstanden die großformatigen Werke. Da in der Galerie teilweise Sommerbildchen neben dem Wintergemälde hängt, kann man mitunter interessante Unterschiede zwischen spontaner Skizze und fertigem Bild entdecken. So tauschte ein Maler jedes Mal konsequent die Farbe von Himmel und Bäumen aus und aus z.B. einem Bild mit blauem Himmel und gelben Bäumen wurde dann ein gelber Himmel mit blauen Bäumen.


Eine Sonderrolle fällt Emily Carr zu. Sie wird zu der Gruppe der Sieben dazugerechnet, war aber eigenständig an der Westküste Kanadas unterwegs und malte, meist in großformatigen Aquarellen das Leben der Ureinwohner in ihren Hallenhäusern mit den bekannten Totempfählen am Eingang. Weitere Abteilungen der Galerie sind u.a. die europäischen Meister mit einer für mich etwas bestürzend großen Anzahl an Vergewaltigungsszenen, amerikanischer Malerei und kleineren Abteilungen zu asiatischen und südamerikanischen Kulturen.
Die derzeitige Sonderausstellung beschäftigt sich mit dem Pop – Phänomen, als solche einzigartig usw. in Nordamerika und ein so großer Besuchermagnet, dass ich bisher keine Lust zum Schlange stehen hatte. Diese Ausstellung machte bei der Eröffnung jedoch Negativschlagzeilen, da sie in Teilen erst ab 18 Jahren freigegeben wurde ... da wunderte ich mich doch ein wenig wie lange die alten Meister noch ungestört ohne Altersbeschränkung vor sich hin morden u.a. dürfen.
Wenn man sich also ein wenig für Kunst in Kanada interessiert, dann sollte man einen Besuch der Nationalgalerie auf keinen Fall verpassen. Vielleicht lernt man dabei mehr darüber was Kanadier an ihrem Land über die Jahrhunderte faszinierte, als bei einem Besuch des Parlaments und eine halbwegs bezahlbare Cafeteria zum Kräftetanken mit Panorama - Ausblick auf den Ottawa River findet man ebenfalls dort ... :)

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