21. Juli 2011

Ottawa Anreise

 St.Lorenz Strom mit Blick auf Montreal

 Betonwüste

Es sind schon wieder ein paar Wochen ins Land gegangen und so wird es nun endlich an der Zeit über meinen Besuch in Ottawa zu schreiben bevor zuviel anderes passiert.
Das Dramatischste an dem Besuch war die Hinfahrt, denn ich sollte bei Ania übernachten, hatte aber ihre neue Adresse nicht und erreichte sie im Vorfeld weder per Telefon noch e-mail. Deswegen organisierten wir eine zweite Möglichkeit, aber wie immer ist es ohne Handy sehr schwer kurzfristige Veränderungen hinzubekommen, zum einen muß man eine Telefonzelle finden (und davon gibt es nicht mehr allzu viele) dann muß sie funktionieren und dann kosten außer Ort-Gespräche auch gerne mal 4,50 $ pro Minute (und das muß man als Kleingeld parat haben…)
Ich fuhr also bereits mit ungutem Gefühl los, die Kontrollen an der Grenze ließen mich nicht nur den ersten Anschlußbus nach Ottawa verpassen, sondern nur mit einem Sprint durch die Wartehalle schaffte ich es noch in den eine Stunde später startenden Bus um dann letztendlich Ottawa zu erreichen.
Nach dem Finden einer Telefonzelle im Rideau Center bekam ich zum ersten Mal Ania an die Strippe, sie sagte mir, daß sie dachte, daß ich am Dienstag statt Montag nach Ottawa kommen würde, gab mir ihre Adresse und dann ging ihr Handy nicht mehr. Das ist offenbar ein Problem ihres Anbieters und der Grund warum sie nie ans Telefon ging, es erklärte nur unzureichend warum sie auch nicht auf e-mails reagierte, aber nun gut, war mir in dem Augenblick schon fast egal. Ich rief Anand an und er suchte mir freundlicherweise die Adresse in google maps heraus und schickte mich auf den Weg. Leider habe ich keine Ahnung was er da gefunden hat, denn seine Angaben waren völlig falsch, ich lief die Straßen auf und ab ohne je zu dem Punkt zu kommen, den ich erreichen sollte. Keiner kannte die Straße nach der ich suchte, ich war mit meinen Nerven am Ende und sah mich schon auf einer Parkbank übernachten. Telefonzelle im Wohngebiet natürlich Fehlanzeige. Also lief ich mit meinem Gepäck (Rucksack, Isomatte, Tasche) bis zum nächsten Einkaufszentrum, fand eine Telefonzelle vor McDonalds, die war jedoch besetzt, aber böse Blicke konnten mich an dem Abend nicht mehr schocken, ich wartete. 


Für ein weiteres Telefonat mit Anand hatte ich weder Muße noch Geld, ein Anruf bei Ania verwies mich sofort zu ihrem Anrufbeantworter. Also rief ich einen gemeinsamen Freund an, der mir endlich helfen konnte. Er erklärte mir alle Straßen ab dem Punkt an dem ich stand, bis zu Anias Haus, welche Straßen ich passieren muß, wo ich rechts, wo ich links einbiegen muss (es war eine völlig andere Richtung, als nach Anands Infos, in der Nähe des Ottawa Rivers) und damit fand ich den Weg ohne Probleme.
(Notiz an mich selbst: Suche dir deine Wege in Zukunft immer, immer selbst heraus… )
Ania wohnt in einem kleinen Haus in der Nähe ihrer Arbeit und teilt sich dieses mit einer Mitbewohnerin und ihren zwei Hunden. Als ich ankam, hatte ihre Freundin gerade andere Mädchen zum Abendessen zu Besuch und es gab soviel, daß ich zum Mitessen genötigt wurde, aber das schien die Schüsseln kein bißchen zu leeren. Es gab Lobster, Muscheln und jede Menge Fleischspieße vom Griechen (denn ein Mädchen kam gerade aus Newfundland zurück und die andere hatte einen Freund mit griechischem Restaurant) dazu gab es Salate und eine Torte zum Schluß. Während des Essens wurde „The Bachelorette“ geschaut, professionell bewertet (die Mädchen sind Singles und gehen einmal die Woche zum Speed Dating) und dann landeten die 75 % des Mahls, die keiner beim besten Willen mehr schaffte im Kühlschrank.
Nach dem Abendessen lernte ich Anias derzeitigen Ex-Freund kennen (zwischen verschiedenen Beziehungen bleibt sie immer noch in Kontakt mit dem vorherigen Partner, vorallem wenn er ein Auto hat) und es wurde mir auch klar, warum er der Ex-Freund war. Er war nett, nahm Ania kein bißchen ernst (so was braucht sie) hatte aber leider nicht den nötigen hohen Bildungsstand, den sie sich bei einem Partner vorstellt (das braucht sie wohl auch.) Wir liefen zusammen zum Ottawa Fluß hinunter und in der dunklen Nacht sah ich zum ersten Mal in meinem Leben überall Glühwürmchen blinken. Wie Mini-Hubschrauber mit LED Lichtchen surrte es um uns herum. Ich weiß nicht, warum aber ich dachte immer, daß Glühwürmchen ein konstantes, warmes Licht erzeugen würden, während mir dieses kalte Bling-Bling fast schon unnatürlich vorkam.
Nach dem Spaziergang ging es für mich nur noch ins Bett und ich schlief überraschend gut, tief und traumlos.

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