26. Juli 2011

Heimweg

Nach den vier Tagen in der (mittelgroßen) kanadischen Hauptstadt hieß es am Donnerstag Abend Abschied nehmen von Ottawa. Ania kam mit mir mit, um die nächsten vier Tage mit uns in Vermont zu verbringen.
Wir nahmen den letzten Bus aus Ottawa und hofften, daß der An- und Abreisestress des langen Wochenendes (1. Juli Feiertag in Kanada, 4.Juli Feiertag in den USA, dazwischen Samstag, Sonntag) bereits abgeflaut sein würde und außerdem möglichst viele Menschen zum Kanada Tag nach Ottawa fahren würden und nicht von Ottawa weg. Auf dem ersten Teilstück nach Montreal sah es auch so aus, als ob unsere Rechnung aufgehen würde, der Bus war zwar gefüllt aber es gab noch freie Plätze.
Als wir gegen 20 Uhr in Montreal eintrafen, ging dann aber gar nichts mehr, statt der normalen 50 Leute, die auf unseren Bus nach Boston warteten (Burlington liegt auf dem Weg) standen dort 250 in der Schlange, nach New York wollten ca. 1000 Leute. Ehe alle auf Waffen kontrolliert und in den Bussen verstaut werden konnten, vergingen bereits zwei Stunden und wir mussten die ganze Zeit über mit dem Bus warten, denn es wurde ein extra Vermont Bus eingerichtet, so daß die Boston Busse ohne Zwischenstopp durchfahren konnten .... erst als niemand mehr in der Schlange stand, konnte man jedoch sicher sein, daß auch niemand davon nach Vermont wollte..
Nun ging es im Stop-and-Go über die Brücken von Montreal, denn die Stadt hatte die Highways jeweils auf eine Spur pro Richtung verkleinert um Wartungsarbeiten an den Brücken durchzuführen... (sicher der perfekte Abend um genau das zu tun...) und schuf so kilometerlange Staus nach Mitternacht.
An der Grenze ging diesmal alles überraschend schnell, die Leute von der Homeland Security hatten wohl auch keinen Bock mehr darauf zu genau zu kontrollieren.... müde schlurften wir durch die Kontrollen und erreichten nach Passieren des Grenzübergangs alsbald den Flughafen Burlington. 
Normalerweise stehen dort jede Menge Taxis, in dieser Nacht aber natürlich niemand und nirgends konnte man die Nummer eines Taxiunternehmens finden bzw. jemanden danach fragen. Also musste ich Anand aufwecken, der wiederum ein Taxi für uns bestellte und gegen 4:30 Uhr, drei Stunden später als geplant erreichten wir totmüde das Haus.
Anand wartete auf uns freudig, er hatte sogar Essen gekocht und dachte, jetzt würden wir uns gemütlich hinsetzen und erstmal eine Weile unterhalten. Ähm, ich glaube nicht, ich war über den Punkt von tot-totmüde schon hinaus und bereit mich überall sofort hinzuwerfen und in den Tiefschlaf zu versinken. Stattdessen musste ich den Abstellraum ausräumen (die Gästebettdecke ist in der Ecke hinter Kisten, Koffern und Weihnachtszeug verpackt) und mit letzter Kraft Anias Bett beziehen, irgendwelche Hilfe von Anand dabei? Nein. Hätte man das schon vorbereiten können? Nein, aber er hat schließlich gekocht...! Ich war zu müde um sauer zu sein und steuerte nur noch mein eigenes Bett an. Anand erinnerte mich daran, daß er ab 9 Uhr morgens für uns eine Tour über den Universitäts-Campus geplant hatte, ich bat ihn einen Blick auf die Uhr zu werfen und artikulierte Zweifel an seinem Geisteszustand und dann wurde es zappenduster. Gute Nacht, Thea.

Kommentare:

  1. Oh-je, das klingt nach einer Sau-anstrengenden Heimreise! :-/
    Aber Ottawa ist nach deiner Beschreibung ja wirklich eine Reise wert. Dass die Menschen in Kanada sehr freundlich und aufgeschlossen sind, habe ich auch schonmal festgestellt (in Vancouver).

    Aber warum Poutine?!! ;-)

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  2. Ja genau, sehr freundlich :)
    Es ist seltsam, die Länder USA und Kanada liegen so nahe beinander, die Herkunft/Geschichte der Menschen ist weitesgehend die gleiche aber zwischen den Mentalitäten liegen Welten... hier denkt jeder, daß sein Nachbar wahrscheinlich Massenmörder oder Pädophiler oder zumindest Terrorist ist und dort sind einfach alle nett. Natürlich gibt es auch da den ein oder anderen "nut case" aber es gibt sie einfach seltener.

    Und zumindest Parlaments-Architektur, Nationalmuseen und die Restaurants in Ottawa sind auf jeden Fall einen Besuch wert... vielleicht im Rahmen einer Ostküsten-Tour?

    Poutine ist ein typisch Quebecer Gericht, herzhaft wie ihre Erbsensuppe mit Speck und Ahornsirup, aber nicht ganz so schlimm... und die Idee Käse (oder Quark) über Pommes zu streuen ist so einfach, daß man sich fast wundert, warum es sie nicht schon längst gibt. Es hat eine Weile gedauert, bis ich diese Spezialität zu schätzen gelernt habe (wie bei so vielen Landesspezialitäten) aber jetzt möchte ich sie nicht mehr missen...
    Jedoch einmal im Jahr ist ausreichend, um den Poutine Appetit zu sättigen :)

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  3. Ok, ich muss zugeben, ich hatte erst einmal Poutine, und das war bei KFC. *lach* Also, vielleicht gebe ich dem Zeug nochmal eine Chance.
    Ostküsten-Tour klingt super... allgemein klingt Urlaub super! Hach. :-/ Naja, demnächst mal wieder, hoffe ich.

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