5. Dezember 2010

Mikey



Im Deutschunterricht hieß es früher immer, beginne nie einen Satz mit „Und“. Also Frau Engel, Herr Box... : Und, es geht weiter mit meinen Berichten aus dem Hohen Norden Deutschlands....
Eines meiner liebsten Ziele auf der Heimfahrt nach Poel war es, den mittlerweile einjährigen Border Collie meiner Eltern kennenzulernen. Ich wußte nicht, was mich erwarten würde, denn ich habe eigentlich Angst vor (größeren) Hunden und brauche immer einige Zeit um mich an einen Hund zu gewöhnen. 
Zum Glück war das kein Problem für Mikey, der spielend sämtliche Grenzen, die ich versuchte zu ziehen überwand und ein Gefühl der Fremdheit vom ersten Tag an gar nicht erst aufkommen ließ. Ich gehörte in das Zimmer in das er sonst nicht hinein durfte und da wir quasi beide zur Familie gehören (ein Rangverhältnis konnte sich ja zwischen uns nicht aufgebaut haben) war das nun also auch sein Zimmer (aus dem Bett konnte ich ihn (meistens) erfolgreich heraushalten). 


Nachts schloß ich dagegen die Tür, was er sich für einige Nächte gefallen ließ, doch dann bollerte es plötzlich eines Nachts an der Tür. Ich wurde wach, dachte es ist etwas passiert und öffnete die Zimmertür, Mikey machte ein Runde durchs Zimmer und legte sich wieder auf seinen Stammplatz vor der Treppe in den Flur. Ich schloß die Tür. Kurz darauf bollerte es wieder gegen die Tür und das Schauspiel wiederholte sich. Tür geöffnet, Hund läuft hinein, wieder hinaus, legt sich vor die Treppe... Diesmal ließ ich die Tür offen und konnte von Stund an ungestört weiterschlafen. Danach blieb die Tür meistens einen Spalt offen und nur die Tatsache, daß sie morgens sperrangelweit offen stand, machte mir bewußt, daß der Hund wohl wieder Kontrollgänge absolviert hatte.
Ich wurde aber nie von ihm geweckt. Stören durfte man mich erst, wenn meine Mutter bereits erwacht und mit ihm einen ersten Toilettengang unternommen hatte. Danach sprang er neben mich aufs Bett und überzeugte mich mit seiner liebevoll ruppigen Art, daß es nun auch für mich höchste Zeit sei aufzustehen.
Während des Vormittags, wenn keiner Zeit für ihn hatte, schlief er auf seiner Couch eingekuschelt oder schleppte sich mit meinem Vater zum Arbeiten Zugucken ins Gartenhaus, bis ihm auffiel, daß ich ja eigentlich so völlig unbeschäftigt war. Ich räumte nur mein Zimmer auf, blätterte durch Zeitschriften, las Krimis, schrieb etwas für den Blog, machte Fotos; lauter völlig unsinnige Dinge also und es war an der Zeit mir zu helfen. Also kam Hund von nun an regelmäßig mit einem Spielzeug im Maul vorbei und versuchte mich zum Spielen zu überreden. So ganz einfach war die Sache nicht, denn eigentlich war es gut und richtig, daß er gelernt hatte, daß der Vormittag Ausruhzeit war. Ich dagegen war ja nur für eine begrenzte Zeit da und wollte den Hund nicht zu sehr an mich gewöhnen. Aber diese vernünftigen, lobenswerten Grundsätze habe ich dann doch nicht eingehalten, wer kann das schon, wenn man diesen bittenden Hundeblick vor sich hat, sondern mich auf den Boden gesetzt und wir haben gespielt. An einen Grundsatz habe ich mich dagegen gehalten: Er hat von mir kein Futter bekommen. 

 Hör auf zu Lesen und Spiel Mit Mir!

Beim Spielen gilt, daß man den ganzen Tag mit diesem Hund spielen kann, am Ende todmüde ist und Mikey nicht einmal annähernd erschöpft. Er steht nur vor einem mit dem Lieblingsspielzeug im Maul, fiept und klappert mit den Zähnen: Spiel weiter! Diesen Spielen fielen auch ein Paar meiner Socken zum Opfer, die genüßlich durchgekaut wurden, um sie mir dann wieder aufs Kopfkissen zu legen (ja, dieser Hund weiß, daß ihm die Socken nicht gehörten...) Wenngleich das nichts gegen die vernichteten Plüschrobben - Armee im Hause eines Freundes der Familie war... ö_Ö 



Willkommene Abwechslung boten somit die Besuche des Nachbarhundes Charly, der so viel Ähnlichkeit mit unserem alten Hund Struppi hat, daß es mich jedes Mal verblüffte. Wenn Charly da war, konnte ich mich wieder meinen Beschäftigungen widmen und mußte nur hin und wieder als Streitschlichter eingreifen. Am Nachmittag dann ging es zum Gang mit dem Hund, entweder im Dorf herum oder wir fuhren zu einem der Strände. Als echter Inselhund ist Mikey kein bißchen wasserscheu und sobald jemand etwas für ihn ins Wasser wirft, oder ins Wasser zu werfen scheint (Touristen beim Muschelsuchen aufgepasst) gibt es für ihn kein Halten mehr: In einer speziellen Bocksprungtechnik wird das Wasser durchpflügt. 
Wer nun erwartet, daß der Hund den geworfenen Stock wieder aus dem Wasser fischt... nein, nicht direkt, aber er zeigt dir immerhin an, wo du den Stock finden könntest, wenn du ihn denn noch brauchst. 


Insgesamt bin ich bei aller Begeisterung für diesen Hund doch ein ganz klein bißchen froh, daß ich mich nicht jeden Tag um ihn kümmern muss. Ich bewundere meine Eltern für die Energie, die man benötigt um so einen aktiven Hund großzuziehen und bin absolut zufrieden mit meinen beiden Katzen. Sicher bemühen Katzen sich nie wirklich, dich zu verstehen, gehorchen schon gar nicht... aber sie sind eben auch sehr viel unabhängiger als Hunde, können sich lange genug alleine beschäftigen und wissen, wann es an der Zeit ist sich einfach einmal zu entspannen.
Als ich am Ende meines Urlaubes anfing meine Koffer zu packen, schwante dem Hund Schlimmes... als ich dann aber jeden Tag ein bißchen packte und wieder umpackte (um nicht über die 23kg Grenze von Delta Airlines zu kommen) gewöhnte er sich daran. Sie packt eben gerne.
Am letzten Abend dann aber kam Pinky, der mittlerweile uralte, zahnlose Kater der Familie in mein Zimmer, inspizierte den Koffer und setzte sich neben mich aufs Bett. Das berührte mich sehr, denn hatte sich der Kater früher regelmäßig in mein Bett geschlichen, so hatte er diesmal wenig Notiz von mir genommen. Sein Leben bestand aus dem warmen Schlafplatz in der Küche und einer regelmäßigen Futterzufuhr, während er sich sonst mit chronischem Katzenschnupfen herumquälen musste. Was aber wußte er nun, war es das letzte Mal, daß wir uns sehen würden?
Der Hund wußte dagegen nicht wirklich, wie er mit dem ungewöhnlichen Verhalten des Katers umgehen sollte und setzte sich mit großen Augen neben den Koffer. So verbrachten wir dann die Nacht. Pinky neben dem Kopfkissen schniefend, Mikey auf dem Teppich zu meinen Füßen das Gepäck bewachend. In einer herzzerreißenden Abschiedsszene verabschiedeten wir uns am nächsten Morgen am Bahnhof, mein Vater ein wenig verärgert, daß ihm der Abschied am Flughafen vorenthalten wurde, meine Mutter still und in sich verschlossen, so daß ich den Impuls unterdrücken musste sie in den Arm zu nehmen und nicht mehr loszulassen und Mikey, der überhaupt nicht verstehen konnte, warum ich im Zug stand und er nicht.... Ich vermisse euch und hoffe, daß wir uns ganz sicher, ganz bald wieder sehen werden ... :)

Videos:

 Mikey - Weinbergschnecke: Größenverhältnisse

4. Dezember 2010

Zwischenbericht aus Burlington: Nicht so einfach, dieses Grün

Da die Adentszeit begonnen hat, dachte ich, daß ich so wie in jedem Jahr ein wenig Tannengrün käuflich erwerben würde, um damit diverse Blumenvasen zu befüllen. Außerdem wollte ich etwas echtes Grün zwischen Türkranz, Adventsgesteck und Türgirlande stecken um die Plastiknadeln auch etwas natürlicher aussehen zu lassen. Gesagt, getan wollte ich eben dieses Tannengrün kaufen, als ich an den diversen Standorten bemerkte, daß man es eben nicht kaufen kann, denn die Möglichkeit kleine Äste zu kaufen gibt es hier nicht. Entweder man kauft den fertigen Kranz oder einen Weihnachtsbaum (alles Made in Canada) oder Nichts. Einige Zeit überlegte ich, ob ich in einen Kranz investieren sollte und den dann auseinanderpflücke, aber Preise die bei 14 $ für den einfachsten Kranz anfingen, schreckten mich davon ab. Also kam ich in meiner Verzweiflung auf die Idee Tannengrün zu stehlen, doch selbst das war kompliziert, denn die meisten Vorgärten haben nur Zedern oder Eiben im Angebot, die sich zwar gut als Friedhofsgrün machen aber eher schlecht in der Adventsvase (ja, ich weiß, daß es militante Lebensbaum - Befürworter gibt, die das anders sehen). Nun war guter Rat teuer, denn ich wollte auf meine Vasen nicht verzichten... hatte ich doch sogar eine neue metallene, unkaputtbare und nahezu katzensichere Vase gekauft und die sollte nun endlich in Einsatz kommen.
Da erinnerte ich mich an das Waldstück inmitten von South Burlington, wo ich auf meinen ersten Streifzügen durch den Ort der sog. Marktstraße folgte und plötzlich in einem ziemlich wüsten Stück Wald stand. Dorthin begab ich mich also vorgestern. Die wenigen Kiefern in dem eigentlichen Laubwald waren bereits sehr hoch gewachsen und so konnte man nicht einfach etwas abreißen oder schneiden, aber der letzte Sturm hatte ein paar Ästchen abgebrochen, die ich fleißig aufsammelte. Da ich nicht wußte wem der Wald gehörte und ob man überhaupt etwas aus dem Wald mitnehmen durfte, nahm ich nur soviel, wie ich in meine Tasche stopfen konnte, ich mußte schließlich mit dem Bus zurück fahren und so war meine Ausbeute eher kläglich. Gestern nun fand ich hinter dem Gebäude der „Sisters of Mercy“ (katholische Einrichtung der ‚Gnadenschwestern’) ein kleines Kiefernwäldchen. Mittlerweile geübt im Entwenden von Tannengrün, aber nicht ohne Skrupel ließ ich mich von den zahlreichen „Nicht Betreten“ - Schildern irritieren und nahm nur ein paar ganz wenige Kiefernstämmchen von dem von herrlichen Kiefernästen übersähten Waldboden mit. Aber an der Grundstücksgrenze der Sisters befand sich eine kleine, dunkle (echte) Tannenreihe ohne erkennbare Grundstücks/ Besitzzuordnung. Dort lagen ebenfalls viele Ästchen am Boden, nicht ausreichend für eine Vase, aber perfekt für Gestecke und obwohl ich dort Slalomhüpfen durch endlose Hundehinterlassenschaften veranstalten musste, war ich nun endlich zufrieden und stapfte nach Hause zurück. Im Überschwang meines Glückes fand ich auf dem Rückweg wunderschöne Tannenzapfen auf einem Grundstück, die ich sogleich aufsammelte, nur um dann zu sehen, daß direkt vor mir drei Polizeiwagen am Straßenrand standen. Gottseidank interessierten sich die Herren Polizisten nicht für gestohlene Tannenzapfen und so ging ich mit meinem nicht versteckbaren grün-nadligen Tannenastbündel, möglichst unauffällig aussehend an den Polizisten vorbei und machte drei Kreuze als ich endlich zu Hause war... nun kann das Schmücken endlich anfangen.

Flashback Friday


Ich habe beschlossen diese kleine Rückblende – Rubrik, die sich auf einigen Blogs gewisser Beliebtheit erfreut, frech zu übernehmen und in loser Folge mehr oder minder regelmäßig alte Bilder am Freitag (erneut) vorzustellen. 
Auf den Bildern muß nicht immer ich zu sehen sein, wenn ihr hier euer Bild sehen wollt, schickt einfach eine e-mail mit Anhang und einer kleinen Beschreibung dazu an teodoraa26@hotmail.de. Den Anfang mache ich heute aber doch, auf diesem Bild zusammen mit meiner Schwester im roten Skianzug im Vordergrund, von einem Wintertag in Ahlbeck. Schnee ist in meinen Kindheitserinnerungen immer ein besonderes Ereignis gewesen, denn so häufig gab es keinen Neuschnee im Winter (allzu oft regnete es oder es reichte gerade mal für etwas Frost, Scheeflaum und Raureif), so daß dieser jedes Mal sofort ausgenutzt werden musste, mit Schlittenfahrt und Schneemannbau. So geschah es offenbar auch in diesem Bild, wo wir trotz der einbrechenden Dunkelheit mit dem Kugelbau im nassen – gut backenden (wie es in der Schneemannbau - Fachsprache heißt) - Schnee beschäftigt waren. Die Temperaturen können +10°C nicht überschritten haben, warum ich offenbar dennoch nur im Pullover unterwegs war, entzieht mich meiner Kenntnis (vielleicht sieht das auch nur so aus), aber Kinder sind da ja eh nicht so kälteempfindlich ... :)

2. Dezember 2010

Wismar - Die Stadt


Mittlerweile habe ich alle meine Deutschland Bilder sortiert und geordnet... nun ist es höchste Zeit etwas darüber im Blog zu schreiben bevor soviele andere Dinge passieren und mein Urlaub so sehr in den Hintergrund gedrängt wird, daß ich vergesse, darüber noch weiter zu berichten (das passiert mir leider des Öfteren, wie Anja das Phänomen Blogfaulheit bereits hier treffend beschrieb, wenn man nicht gleich über etwas schreibt, dann läßt das Interesse nach und der Beitrag kommt u.U. nie zustande ...) 




Die Hansestadt Wismar kommt für mich, dem Ausdruck Heimatstadt am Nächsten (wenn ich denn so etwas per se überhaupt habe), denn nachwievor habe ich die längste Zeit meines Lebens an einem Ort dort verbracht, nämlich von meinem 5. bis zum ungefähr 15. Lebensjahr und selbst danach, bin ich als dann schon Inselbewohner regelmäßig zum Schulbesuch zurückgekehrt. Solange ich in der Stadt wohnte, bestand der mittelalterliche Stadtkern (seit 2002 völlig zu Recht Unesco Weltkulturerbe) für mich aus einem Haufen alter Steine, nicht schlecht, aber auch nicht sonderlich beeindruckend. Erst mit meinem Wegzug auf die Insel begann ich mich mit der Geschichte der Stadt zu beschäftigen und kam im Laufe der Jahre mit immer mehr Fotos zurück, von den Kirchen, Rathaus und Wasserkunst und einem meiner Lieblingsthemen, der (mittlerweile ehemaligen) Musikschule in deren Innenhof einst der Stummfilm Nosferatu gedreht wurde.
So überraschte mich dann doch etwas der Überschwang, mit dem ich auf Spurensuche in der Innenstadt unterwegs war und auch wenn ich die Klassiker diesmal zumeist links liegengelassen habe (wirklich kein einziges Bild von der Wasserkunst habe ich unter meinen Fotos gefunden) so waren es doch die vielen, kleinen Details der Häuser, Straßen und Giebelfassaden, die mich immer wieder zur Kamera haben greifen lassen. 


So gibt es wieder-renovierte Häuser und solche, die nur mehr aus ihrer Fassade bestehen, während es andere einzig noch in meiner Erinnerung gibt. Wahrscheinlich hätte mich dieser Kulturhunger nach dem amerikanischen Holzhausexil nicht überraschen sollen, aber so war das Gefühl, vieles von dieser Stadt, die ich Heimat nenne nicht zu wissen, oder nicht (mehr) zu kennen, ein überwältigendes. Ich sog förmlich alles Wissen ein, alles was in der Kürze der Wochen zu erfahren war: Vom leerstehenden Elektrizitätswerk, das wie eine alte Mühle aussieht, der Vollendung der jahrzehntelangen Renovierung der St. Georgenkirche, der neuen Musikschule, der Solaranlage auf der ehemaligen Müllkippe usw. es war wie ein Rausch... ein Rausch, der nun ein bißchen vorhalten muß, bis es zum nächsten Mal zurück in die fast unmerklich , doch stetig fremdwerdende Heimat geht. 



Die Bilder in diesem Beitrag sind zumeist völlig unrepräsentativ für die Touristenstadt Wismar und nur meinem ganz eigenen Blick auf die Stadt geschuldet.
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Es werden (hoffentlich) zwei weitere Artikel folgen:
Wismar - Ehemalige „Russenkasernen“ 

28. November 2010

Sonntagsblumen


Nachdem wir nun drei Tage hintereinander jeden Abend woanders zu Besuch waren, ist meine ohnehin recht schwach ausgeprägte gesellige Ader weitesgehend erloschen und ich habe heute nicht vor das Haus zu verlassen. Also sehe ich mir anläßlich des ersten Advents youtube videos an, wie man noch schönere Papiersterne basteln kann, überlege ob man diese auch in Filz nachgestalten könnte, nasche mich durch mein gerade eingetroffenes Weihnachtspaket und hoffe, daß es Mikey, dem Border Collie meiner Eltern – derzeit erkältet - schon recht bald wieder gut geht.


27. November 2010

Feucht Nass Kalt, Keller



Ich hatte mich schon seit geraumer Zeit über unseren Keller beschwert, in dem die Waschmaschinen stehen und mich nun endlich einmal dazu aufgemacht ein paar Bilder von dem Elend zu zeigen. Das Fundament besteht aus bröckeligem Etwas- das vielleicht einmal Zement war und regelmäßig bei viel Regen etwas verschlammt und daß der einzelne hölzerne Stützpfeiler, der neben den Außenmauern einen Großteil des Vorderhauses alleine stützt, in diesem nassen Boden steht, trägt nicht gerade zu meiner Beruhigung bei.
Ich frage mich immer noch, ob ich die Wohnung immer noch gemietet hätte, wenn ich den Keller gleich bei der ersten Besichtigung gesehen hätte. Bisher konnte ich mich noch auf keine Antwort festlegen, denn zu der Zeit hatten wir buchstäblich keine Wahl. Ein Gutes hat es natürlich, denn daß sich in diesem feuchten Loch je ein Feuer entwickeln würde, ist eher unwahrscheinlich, Fragen der Schimmelpilzbelastung sind da angesichts meines Asthmas schon eher angebracht. Aber dann leben wir zum Glück erst in der zweiten Etage über dem Keller. Ich verstehe auch, daß der Vermieter nur diesen Platz hatte um die kommerziellen Waschmaschinen darin unterzubringen, aber da sich keines der Fenster öffnen lässt, trägt das erheblich zum Nässeproblem bei, abgesehen davon, daß die Technik (wie auch die der Heizung) regelmäßig aufgibt, da keiner daran gedacht hat die Maschinen vor nassen Füssen zu bewahren und auf ein Podest zu setzen ... 



24. November 2010

Himmel, noch mal



Eigentlich wollte ich zuerst meine Deutschlanderlebnisse zusammenfassend im Blog darstellen, aber irgendwie denke ich, daß das ein wenig durcheinander geraten wird, denn das muss jetzt einfach vorgeschoben werden, bevor ich es vergesse: Der Abendhimmel war heute einfach nur atemberaubend schön.
Die Wolken sahen aus, als wenn sie in Flammen ständen oder für eine besonders kitschige Ansichtskarte posieren würden und kündeten von der eiskalten Nacht, die wohl nun folgen wird. 



Ich nähere mich ansonsten immer mehr der Normalzeit an, heute wurde ich z.B. erst um halb 6 wach. Die Schonzeit ist auch abgelaufen und so ging es ans Wäsche waschen und Wohnung auf Vordermann bringen. Daß wir in einem alten Haus wohnen, daran wird man auch mit schöner Regelmäßigkeit erinnert, denn irgendwas ist immer. Die Ausflüsse verstopfen im Monatstakt, bei Sturm fegt es durch das Geschoß, als hätten wir alle Fenster geöffnet, das Haustürschloß funktioniert nur, wenn ihm mal so ist, manch andere Türen kann man dagegen gar nicht schließen und seit heute wird auch wieder an der Heizung herumgedoktort, nachdem sie die letzten Tage jeweils in der Nacht den Geist aufgab.... aber toi toi toi, zumindest die Waschmaschine funktioniert zur Zeit. 


Heute habe ich mich zu meinem Lieblingssecondhand- Laden aufgemacht, ich wollte einmal mehr die Schreibtisch/ Tisch/ Stühle - Lage sondieren und ein wenig im Weihnachtsangebot stöbern. Im letzten Jahr hatte ich nach der Saison einiges aussortiert, da ich nicht wußte, wo wir hinziehen würden, das muss „natürlich“ aufgefüllt werden.
Ich habe zwar keine tollen Möbel entdeckt, aber tatsächlich ein paar schöne Weihnachtsartikel gefunden z.B. Plätzchendosen mit drei getrennten Abteilen und eine hingebungsvolle Madonnenfigur aus Porzellan. Ich wollte schon immer eine haben und wer kann bei 50 Cent schon nein sagen? Bilder folgen bald in meinem Teodeco - Blog.
Aber natürlich habe ich meine Poel usw. Artikel noch nicht vergessen und zum Beweis führe ich dieses kleine Video von Mikey und Charly, dem Nachbarshund an. Ich bin von der Qualität des Videos begeistert, meine neue Kamera ist wirklich etwas wert. Mit der Hintergrundmusik bin ich dagegen noch nicht zufrieden... ich wollte eine haben, weil es sonst ein wenig langatmig wirkte, mir das Copyright aber passendere Songs verbat... nun ist es also Paganini geworden, vielleicht ändert sich das aber noch ... :)

21. November 2010

Sonntagsblume(n)


Das ist immer noch meine Lieblingsrose: Nostalgie und nostalgisch fühle ich mich schon, jetzt wo ich zurück in Vermont bin und mich erneut mit der Zeitverschiebung herumschlagen muss. War ich in Deutschland noch bis weit nach Mitternacht wach, so schaffe ich es jetzt meist nur bis 18:00 Uhr, zwinge mich mühsam ein - zwei Stunden länger wach zu bleiben und wache spätestens um 4:00 Uhr morgens wieder auf.
Es ist seltsam wie sehr ich gerade auch meine letzte Station: Berlin vermisst habe, ich wußte das selbst nicht, bis ich die Kamera praktisch nicht mehr aus der Hand legte und das obwohl ich es in meinem straffen Besuchsprogramm zu keiner typischen Berlin Touristenattraktion geschafft habe. Stattdessen habe ich Jugendstilfassaden und Graffitis fotografiert, bin in meinem ersten Berliner Viertel in Prenzlauer Berg (gewollt) umhergeirrt, habe Hinterhöfe in Wilmersdorf erkundet und habe mich auf dem Flughafen dann stilecht mit Berlin Tourismus Artikeln, wie Berlin-Mütze und Magneten eingedeckt ( zum Kleingeld loswerden, wie ich mir sagte... ). Zu sagen, daß ich Vermont nicht mag, wäre übertrieben... es ist ein schönes Reiseziel, mit niedlichen Bauernhöfen, Bio-Supermärkten, den sanften Bergketten drumherum und vielen Ferienhäuschen. Ich bin mir sicher, daß ich hier gerne für eine Woche oder so zum Ausspannen (so wie die Pferde von der Kutsche) herkommen würde und nach der Woche würde ich wohl genauso gerne wieder zurückfahren, in die Stadt. Ich weiß nicht, wann aus mir ein Stadtmensch wurde, aber das Leben in diesem kleinen Ort macht mich nervös und ängstlich zu schnell zu gelangweilt zu werden. Vielleicht sind es die Berge... ich bin am Meer aufgewachsen und dessen spezielle Ödnis der endlosen Wasserflächen bis zum Horizont. Doch kann man süchtig nach dem Horizont werden? Als ich nach Potsdam zum Studieren ging, war es was mich am Anfang so besonders störte, daß der Blick immer irgendwo endete, an einem Baum, ein Haus und hier in Vermont sind es eben die Berge, die einfach überall um diesen schmalen See herumstehen und absolut erhaben darüber sind, daß ich sie mir mitunter wegwünsche...
Von Albert Einstein habe ich einmal gelesen, daß er als Bergliebhaber aufwuchs und sich irgendwann völlig änderte und offene, weite Landschaften wie Ozeane und Wüsten bevorzugte... vielleicht war ich einfach schon immer der „wüste“ Typ oder könnte ich umgekehrt lernen die Berge zu lieben? 


10. November 2010

Frostblumen



Das ist ein Sonntagsblumen Spezial am Mittwoch.
Ich habe den ersten Raureif auf der Insel zum Anlass genommen, um mich mit Fotoapparat bewaffnet auf Spurensuche zu begeben und jede Menge weiß überzuckerter Rosen glänzend im ersten Sonnenlicht des Tages einzufangen. 
Natürlich gab es im Rest des Landes schon längst erste Bodenfrost Tage, aber hier auf der Insel, hatte die noch wärmere Ostsee ein entsprechend ausgleichendes Mikroklima geschaffen. Mittlerweile ist die See jedoch soweit herunter gekühlt, daß sie vor Bodenfrost nicht mehr schützen kann und eine kalte Nacht mit wunderschön dramatischem Sonnenuntergang brachte dann diesen ersten Vorgeschmack auf Winterwunderland am nächsten Morgen. 





Das ist natürlich nicht so schön für jeden der mit dem Auto unterwegs sein muss, Scheiben freikratzen, Bremstest, kaltes Auto, von innen beschlagene Scheiben etc. jetzt geht das wieder los. Aber wenn man mit seiner Kamera im Garten unterwegs ist und nach Motiven sucht, wo die Sonne zwar schon alles schön zum Glitzern bringt, aber noch nichts weggeschmolzen hat, dann wird plötzlich alles zu etwas Besonderem: 





Die frische klare Luft, die Gräser, an deren Rispen gleichsam wie schon geschmolzen die Eiströpfchen hängen, die gelben Ginkoblätter, jede Maserung weiß hervorgehoben, im gleichsam weiß-umrandeten grünen Gras, Samenstände abgeblühter Sommerstauden, selbst die Taubnesseln und natürlich die vielen Rosen im Garten, wobei eine einfache Beetrose genau so verzaubert wirken kann, als jede gefüllte Edelrose, (obwohl die natürlich auch toll aussehen, siehe die unten abgebildete Nostalgie.) Magischer Raureif eben ... :)


1. November 2010

In den Salzwiesen


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Heute ist das Wetter grau und nebelig und genau so, wie man sich typisches Novemberwetter an der Küste vorstellt.
Von meinem Fenster aus kann ich einen kleinen Zipfel der Salzwiesen erspähen, die den offenen Charakter unseres Dorfes, ja der ganzen Insel so sehr prägen.
Und an diesen schummrigen Tagen, an denen es niemals richtig hell wird und die Sonne wie eine Mondscheibe durch die Nebelschwaden durchschimmert, kommen weiter entfernte Bäume wie drohende dunkle Riesen daher und man kann plötzlich alle Sagen und Märchen glauben oder sich zumindest vorstellen, wie sich einst Geschichten von Dükermutter, Feuerball und dem Moort entwickelt haben…. Auch die sumpfigen Salzwiesen haben von jeher die Fantasien der Inselbewohner angeregt, umso schöner ist es, daß die Wiesen heutzutage unter Naturschutz stehen und somit weitestgehend unbebaut erhalten bleiben…




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Die Insel Poel besitzt keine Deiche um sich vor Hochwasser zu schützen und so finden sich an manchen Stellen natürliche Methoden des Hochwasserschutzes wie z.B. Dünen, zumeist findet man aber Ausgleichsflächen, wo die Natur schalten und walten darf wie sie will. Zu diesen gehören neben den Landverlustflächen der Steilküsten auch die Landgewinnungsgebiete der Salzwiesen, wo nach und nach Sand angespült und im Laufe der Jahre von krautigen Gewächsen, Binsen und verschiedensten Schilfsorten bewachsen wird. Diese haben sich an das Salzgehalt des Ostseewassers angepasst und schaffen eigentümliche Graslandschaften, die regelmäßig überflutet werden.
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Zwischen unserem- dem ersten Dorf der Insel, Fährdorf und dem Festland besteht seit 1927 eine durchgehende Straßenverbindung, die über einen Damm und eine kleine Brücke führt, die den Durchstich zum „Breitling“ genannten schmalen Buchtbereich westlich der Insel überbrückt. Links und rechts des Damms haben sich im Laufe der Jahrzehnte ausgedehnte Salzwiesen entwickelt, die als Vogelschutzgebiet insbesondere den durchfliegenden Wildgänsen als Rastplatz dienen. Im Winter sammeln sich außerdem die Höckerschwäne in der Bucht, um so im Schutz der Gruppe durch die kalte Jahreszeit zu kommen.
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Wildgänse bevorzugen ihre Rastgebiete mit ausreichend, aber kurzem Gras um so ihre natürlichen Feinde, hier sind das vor allem die Füchse rechtzeitig sichten zu können.

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Zur Pflege der Salzwiesen werden keine Rasenmäher eingesetzt, die wohl auch auf den sumpfigen Wiesen versinken würden, sondern die Flächen wurden an verschiedene Bauern vergeben, die darauf ihre Schafe, Rinder und Pferde weiden lassen. Das ist nicht völlig unproblematisch, denn zum Einen müssen auch die Tiere mit dem Salzgehalt der Weiden zurechtkommen und zum Andern muß bei jeder drohenden Sturmflut abgeschätzt werden, ob die höheren Stellen der Weiden ausreichend sind, oder man die Tiere rechtzeitig auf höher gelegene Weiden umsetzten muß, damit sie nicht plötzlich im Wasser stehen.
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Die Bilder dieses Artikels stammen von weitaus sonnigeren Oktobertagen vom Weg zwischen Groß Strömkendorf und Fährdorf, sowie aus Wangern.

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