26. Februar 2015

Notizen

Mittlerweile wohnen wir schon eine Weile in der Stadt, kennen unsere täglichen Wege und entdecken die Schleichwege. 
Die Wohnung ist zum Teil noch Baustelle, so fehlen weitgehend die Bilder an den Wänden, eine Kommode muss her und eine Wand im Schlafzimmer wartet auf ihren Neuanstrich, aber man könnte schon Gäste einladen. - Eigentlich war das auch so geplant, kurz bevor A. dann am Sonntag wieder Richtung USA fliegen sollte, um einen Vortrag auf der diesjährigen APS Konferenz zu halten - aber er bekam kein Visum und so läuft derzeit alles ein wenig anders und leicht desorientiert ab. 
In solchen Momenten fällt einem auf, wie viele Vorteile man doch dadurch hat, daß man mit einem westlich klingenden Namen, weißer Hautfarbe und deutschen Pass geboren wurde. Zumeist weiß man noch nicht einmal von diesem Vorteil, sondern nimmt es wie selbstverständlich hin, daß man natürlich überallhin verreisen kann und wenn nicht, erwartet man eine stichhaltige Erklärung. Als indischer Doktor der Physik, der jahrelang legal und gesetzestreu in den USA gelebt hat, und mittlerweile eine gesicherte Stelle in Deutschland hat, die er garantiert nicht aufgeben würde um in Amerika unterzutauchen, hat man keine Rechte auf Erklärungen und Visa, stattdessen muss man es hinnehmen, daß der eigene Vortrag eben nicht stattfinden wird und wie selbstverständlich die z.T. nicht erstattungsfähigen Flüge verfallen. 
Natürlich bekommt er das Meiste von seinem Arbeitgeber zurückerstattet, so daß der eigene Schaden nur bei ca. 200 € liegt, doch es schmerzt schon wenn man sieht, wie das System einmal mehr Menschen in erste und zweite Klasse einteilt.

Kommentare:

  1. Boah wie doof :( Das System ist echt kaputt! Hoffentlich schadet es weder der Karriere noch der Psyche zu sehr...

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    1. Ja, es ist derzeit ein wenig ‚schwierig‘ mit meinem Mann, der sich nach außen nichts anmerken lassen will. Der Karriere schadet es auf jeden Fall, er kann sein unmittelbares Netzwerk nicht weiter pflegen, was schließlich irgendwann einmal zu einer Festanstellung (!) helfen soll, quasi dem Goldenen Vlies, dem jeder Wissenschaftler hinterherjagt und auch für die Uni hier wird er zum Risiko mit noch unabsehbaren Folgen für die Zukunft… wird er im nächsten Jahr überhaupt noch die Gelder für eine USA Reise genehmigt bekommen? Werden seine Vorträge angenommen werden, wenn man nicht wissen kann ob sie stattfinden? Wir hatten vorher schon von ähnlichen Problemen gehört, PhD Studenten, die im Heimaturlaub plötzlich strandeten, weil die Verlängerung ihres Studienvisas plötzlich drei Monate statt zwei Tage dauerte, aber das war dann direkt in Indien - wir hatten damit nicht in Frankfurt gerechnet.

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  2. Das ist echt übel... bei Wissenschaftlern ist ja jeder Kongress wichtig, um sich einen Namen zu machen.

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    1. Man fühlt sich sehr hilflos, die Uni selbst hat auch versucht sich an die Botschaft zu wenden, aber sie konnten leider nichts erreichen.

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