20. Februar 2018

Wetzlar an der Lahn

Die Brückenpfeiler der alten Lahnbrücke wurden einst mit Eisbrechern verstärkt.


Ich erwähnte bereits in meinem letzten Artikel, daß wir am Sonntag in Wetzlar/Lahn waren.
Die Stadt ist wie auch Limburg ein Teil der Deutschen Fachwerkstraße, und gehört zu einer ganzen Reihe von Orten, die ich gerne entlang der Lahn besichtigen wollen würde.
Wetzlar ist jedoch etwas Besonderes für mich, denn dort lebte einst ein Teil meiner Familie und im Wohnzimmer meiner Großeltern hing immer ein Foto mit der alten Lahnbrücke darauf. Anders als in Limburg reichte jedoch in Wetzlar die Lahnbrücke nicht aus, um als Stadt reich und bekannt zu werden. Im Mittelalter blieb die Stadt eher ärmlich, so wurde z.B. um den romanischen Dom ein gotischer Neubau errichtet, aber nie vollständig beendet. 


Erst 1690 brachte die Wende, als das Reichskammergericht, das höchste Gericht des gesamten Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, seinen ständigen Sitz in Wetzlar erhielt. Es wurde quasi zum Karlsruhe seiner Zeit und mit ihm zogen Juristen, adlige Vertreter, Interessenvertreter der Kaufleute usw. in die Stadt.
Aufgrund des Gerichtes kam 1772 auch ein junger Frankfurter nach Wetzlar: Goethe, der mit einem Praktikum seine juristische Ausbildung vervollständigen sollte. Bei Gericht hat man ihn aber eher selten gesehen, stattdessen feierte er gerne mit anderen jungen Juristen, verliebte sich in Charlotte Buff, wurde zurückgewiesen - und als er von einem Bekannten hörte, der sich in ähnlicher Lage das Leben nahm, schrieb er stattdessen den Briefroman: Die Leiden des jungen Werther - und kehrte nach Frankfurt zurück.


Wir kamen an diesem sonnigen Februartag mit dem Zug aus Frankfurt am Bahnhof an. Dort folgten wir dem Lauf der Lahn bis zur 700 Jahre alten Lahnbrücke (heutzutage nur für Fußgänger nutzbar), die in die Altstadt führt. Das Fachwerk ist eher streng schwarz/weiß gehalten, mit grauem Schieferdächern und auch Schieferwänden. Nach einem kurzen Rundgang über Eisen- und Fischmarkt erreichten wir den Dom, in dem gerade die Sonntagsmesse endete.
Danach ging es durch die Pfaffengasse zum Lottehaus, einst Deutschorden-Herberge, war ein Verwaltungsgebäude später das Haus der Charlotte Buff. Unser Rundgang ging weiter zum Kornmarkt, wo wir zum Mittagessen einkehrten.
Via Jerusalemhaus (Karl Wilhelm Jerusalem war das tragische Vorbild für Goethes ‚Werther‘) und jüdischem Friedhof erreichten wir dann den Rand der Altstadt, wo sich die Industrie-Gebäude der optischen Firma Leitz/Leica befinden. Dahinter lag unser nächstes Ziel, die Reichsburgruine Kalsmunt auf einem 256 m hohen Basaltkegel. Der erhalten gebliebene Turm wurde im 19. Jahrhundert zu einem Aussichtspunkt über das Lahntal umgebaut. 


Wenn man dem Weg intuitiv ab Altstadt geradeaus hoch bis zum Turm folgt, kommt man automatisch auf den richtigen Aufstieg, wir folgten jedoch den Schildern, die uns in eine völlig andere Richtung führten, so daß wir letztlich hinter dem Hügel in einem Wohngebiet landeten.
Dort schlugen wir uns auf gut Glück in den Wald und fanden letztlich den Pfad, der uns zum Turm der Kalsmunt führte. 

Gegenlicht Selfie ^^

Die Lage des Hügels war schon zu keltischer und römischer Zeit als strategisch bedeutend angesehen worden, letztlich war es dann Karl der Große, der eine erste befestigte Burg bauen ließ, die später von Barbarossa ausgebaut wurde. Doch bereits im 16. Jahrhundert wurde diese militärisch unwichtig und verfiel.
Wir hatten an diesem Tag Glück mit dem Wetter und nachdem wir die Turmtreppen bis zum Dach bewältigt hatten, konnten wir weit in die Lande blicken und sahen mindestens zwei ähnliche Türme alter Festungsanlagen.


Danach ging es für uns zurück zum Bahnhof, denn ich war aufgrund meiner voran gegangenen Grippe noch zu erschöpft für längere Touren.
Jetzt kam ein Teil, den ich gerne weglassen würde, aber weil es das letzte Erlebnis in der Stadt war, war es auch prägend, denn mein Mann und unsere Freunde wurden von einer Frau am Bahnhof rassistisch beleidigt: Es handelte sich offenbar um eine sehr einfache, nicht sehr kluge Frau, aber sie trat so aggressiv auf, daß es schon herausstach. Zum einen wusste sie sofort, daß wir allesamt afghanische Flüchtlinge seien, denen ohnehin alles in den A***h gesteckt wird. Als mein Mann leicht pikiert darauf hinwies, wissenschaftlicher Mitarbeiter und außerdem Inder zu sein, war ihr das gleich: indische Studenten und afghanische Flüchtlinge sind ohnehin dasselbe. In der Folge verkündete sie lautstark allen Mitreisenden, daß wir offensichtlich schwarz fahren wollen, woraufhin mein Mann wieder nicht an sich halten konnte und sagte, daß wir sehr wohl über ein Hessenticket verfügen, daß alle Universitätsmitarbeiter erhalten. Jetzt hatte sie natürlich erst recht ihr Thema, afghanische Flüchtlinge, die sogar noch umsonst (und außerdem am Sonntag, der Teil störte sie besonders) mit der Bahn fahren dürfen.
Wir waren jedenfalls froh, als der Zug endlich kam, und wir dieser unangenehmen Situation entkommen konnten. Solches Verhalten begegnet einem zumindest selten in der Multikulti Stadt Frankfurt :) 


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