12. Dezember 2010

Kurzbesuch in Ahlbeck




Während meiner Zeit auf der Insel Poel machten wir einen Wochenendausflug auf die Insel Usedom um meine Großmutter zu besuchen. 
Meine ersten vagen Erinnerungen von Strand, Sand und Wellenbewegungen stammen von dieser Insel, die die Heimat meiner Eltern war und all die Jahre, die wir in Wismar wohnten, hatte Usedom auch den Titel Ehrenheimat bei mir inne, so verliebt war ich in die breiten Strände, Promenaden, Villen mit Türmchen und Erkern, großen Eisbechern, der Konzertmuschel und all die Geschichten, die mein Großvater mir erzählte, von der Zeit der feinen Berliner Damen während seiner Kindheit, die nur auf Holzstegen über den Sand schritten, bis zu der Zeit als er Bürgermeister in Ahlbeck war und um den Erhalt der Baudenkmäler kämpfen musste.
Als ich noch sehr jung war, stellte ich mir jedes Mal beim Abreisen vor, daß ein Regenbogen von der Insel bis zu meinem Herzen führte, der wie ein Gummiband immer stärker gespannt wurde, je weiter wir reisten und der mich sicher in jeden Ferien zurück auf die Insel katapultieren würde. Erst mit dem Umzug nach Poel änderte sich das, denn die kleine stürmische Insel hat ihre ganz eigene Art sich heimlich ins Herz zu schleichen und seitdem führte mich ungefähr ab drei Vierteln der Strecke ein zweiter, kleinerer Regenbogen sicher zurück nach Fährdorf. 



Seit den 1990er Jahren hat sich Usedom sehr verändert. Die alten Villen wurden saniert, die umgebenden Parks mit viel Beton zugebaut und aus Wohnungen wurden wieder Hotels und Ferienwohnungen. Es ist schön und teuer geworden und ein bißchen auch Opfer des eigenen Erfolges, denn eine Nachsaison gibt es nicht mehr. Zu jeder Jahres- und Tageszeit laufen die Berliner Völkerscharen am Strand auf und ab, selbst im Herbst kann man noch Strandkörbe mieten (gibt es die Herbststürme etwa auch nicht mehr... ?) und Läden haben auch schon mal Schilder an der Tür hängen, die besagen, daß man ohne Kaufabsicht den Laden gar nicht erst betreten sollte (so gesehen an der ehemaligen Bücherei in Heringsdorf.) Aber dann gibt es sie doch noch die magischen Momente, wie ein Morgen im warmen Sonnenschein nach stürmischer Nacht, wo außer allen Hundefreunden, Joggern usw. die Urlauber noch am Frühstückstisch sitzen und man den Strand sich nur mit ein paar Dutzenden Anderer statt vielen teilen muß und alles plötzlich wieder wunderschön ist. 




Da mittlerweile die Grenze zum polnischen Teil der Insel für Autos geöffnet wurde und nicht wie früher nur aus einem Fußgängerübergang bestand, fuhren wir vor unserer Rückfahrt nach Swinemünde/ Świnoujście. Entlang der Polenmärkte mit ihrem altbekannten Sortiment für den geneigten deutschen Käufer, mit Zigarettengroßpackungen, gefälschten Markenartikeln, Käse, CDs und Lammfellprodukten (aber mittlerweile recht hohen Preisen) ging es in die Innenstadt und dann der Laune nach in die umliegenden Viertel. Soweit bin ich in Swinemünde bisher nicht herumgekommen, denn zu Fuß schaffte man es nur auf der geraden Strecke Grenze – Innenstadt und zurück. 


So fuhren wir duch Einfamilienhaus - Gegenden mit Netto - Supermarkt, die sich bis auf die Straßennamen nicht mehr von ihren deutschen Äquivalenten unterschieden, Betonsiedlungen, eine verfallene Straße mit Jugendstilvillen, dem Kurpark und neuerrichteten Hotelburgen entlang der Promenade, die wie auf der anderen Seite der Grenze auf die Urlauber (vor allem) aus der deutschen Hauptstadt warten. Eines der nächsten Projekte wird eine durchgänge Promenade zwischen den deutschen und polnischen Seebädern sein, welche die Orten noch weiter zusammenrücken und hoffentlich auch zusammenarbeiten läßt.




Ansonsten habe ich mich natürlich gefreut, daß es meiner Großmutter trotz aller gesundheitlicher Probleme verhältnismäßig gut geht, habe mich auf Schatzsuche in Haus und Garten begeben und Fotos von all den Dingen gemacht, die außer mir wohl sonst niemanden interessieren (und Bildern) und natürlich auch meine Portion des scharfen, klaren Witzes meiner Großmutter mitbekommen, der jeweils zitierfähig, aber nicht immer diplomatisch ist. (Und, jetzt kann ich es ja zugeben, ich habe das Radio mit Absicht erst am nächsten Morgen repariert... :)

Das obligatorische Mikey-am-Strand Video, Ahlbeck Edition:

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