11. Februar 2012

Spieleabend, mißglückt

Gestern abend waren wir zu einem Pot Luck Dinner mit anschließendem Kartenspielen eingeladen. Zu einem Pot Luck bringt jeder etwas zu Essen mit, so daß die Gastgeber nicht so viel kochen müssen, perfekt für größere (indische) Gruppen. 
Obwohl ich so ein Vorher-Koch-Projekt etwas sinnlos am Freitag Abend fand, war es für mich egal, da ich nicht arbeite und Zeit habe etwas zu Kochen. Leider konnte ich in der Nacht zuvor nur sehr schlecht schlafen und gab um 5 Uhr die Schlafversuche komplett auf, so daß ich wusste, daß ich am Abend früh müde sein würde. Aber ich dachte mir, Essen hinbringen und essen... sollte noch funktionieren und dann können wir auch früh wieder gehen. 
Durch einen dummen Zufall verpasste ich das Mittagessen, so daß ich wirklich hungrig wurde, als ich unser Essen zubereitete und mich später ärgerte, warum ich nicht sofort etwas davon aß. 
Gegen 19:30 Uhr erreichten wir das Haus unserer Freunde, es gab sofort ein Glas Rotwein und wir unterhielten uns... dazu gab es Chips (die ich nicht esse) und eine Frühlingsrolle. 
Dann wurde es 21 Uhr und ich sehr müde, auch aufgrund des Rotweins auf halbleeren Magen. Nun wurden die Spielkarten hervorgeholt und ich guckte ungläubig auf die Uhr: es ist spät! A. meinte zwar, wenn du hungrig bist, geh doch einfach und nimm dir etwas zu essen. Aber das ist genau das was jeder tun würde... als einzige nicht-indische Person im Raum, gehe ich mal eben zum Buffett und bediene mich, während sonst niemand hungrig ist ... no way. 
Also versuchte ich mich mit der angebotenen Cola light aufzupimpen - nur um festzustellen, daß es koffeinfrei war. Ich trank es trotzdem und hoffte auf irgendwelche psychologischen Wirkungen aber koffeinfreie Cola ist einfach nur braunes Chemiewasser und ich wurde zu müde um noch zusammenhängend englisch sprechen zu können. Für alle anderen muß ich zu diesem Zeitpunkt bereits als betrunken gegolten haben, aber ein Likörglas voll Rotwein schafft das selbst bei mir nicht. 
Wie immer wenn mein Mann sich mit der offenbaren Blödheit seiner Frau auseinander setzen muss, reagiert er sehr ungehalten... und so auch dieses Mal. Auf meinen müden Kopf prasselte die Dauerfrage: Sollen wir nach Hause fahren? Und irgendwann beantwortete ich das mit ‚Ja’, denn es ging wirklich nicht mehr weiter. Die Antwort, die er von mir jedoch hatte hören wollen war diese: ‚Och nö, ich sehe doch, mit wieviel Freude du Poker spielst, ich halte schon noch irgendwie durch.’ Aber einmal mehr schaffte ich es ihn auch darin zu enttäuschen. Meine Gedankenlese-Fähigkeiten sind mit müdem Kopf und grummenden Magen noch schlechter als sonst. Natürlich sprach er dann schon nicht mehr mit mir und nahm sich nur etwas vom Buffett mit (für sich) und anstelle mit dem Bus zurückzufahren (meine Wahl) wurden wir von einem Freund nach Hause gefahren (so macht man das laut A.). 
Vorher verabschiedete er sich noch bei jedem und entschuldigte sich für seine kranke Frau, was in mir den irrationalen Wunsch hervorrief zu schreien: Ich bin nicht krank, nur todmüde und am Verhungern. 
Das tat ich nicht. 
Stattdessen versuchte ich mich an einem: ‚I am well, just tired.’ Abschiedswort an die Gastgeberin, was gesprochen völlig anders herauskam, als gedacht... die Worte waren vermischt. In diesem Augenblick wäre ich gerne wirklich betrunken gewesen, denn dann bekommt man immerhin nicht mehr mit was man sagt. Stattdessen mummelte ich mich nunmehr sprachlos in meinen Pullover (wenn ich müde und hungrig bin, wird mir auch immer kalt) und ging zu Hause schnurstracks ins Bett... nur um die nächste Lektion vom lieben A. zu hören. Er gibt den Katzen jeden Abend das Katzenfutter, an diesem Abend erwartete er von mir jedoch, daß ich diese Aufgabe als „Bestrafung“ zu erledigen hätte. Ein Hoch auf verständnisvolle Ehemänner. Dann aß er sein Abendessen und starrte grimmig auf seinen Computerbildschirm - ich hatte schließlich seinen Abend versaut - während ich meinen Ärger versuchte auszublenden um endlich in die Traumwelt zu entschwinden. Das mir das so schnell gelang, zeigte einmal mehr, wie müde ich wirklich war und sieben Stunden später wachte ich mit fürchterlicher Migräne auf. Sie muß sich bereits beim Schlafen entwickelt haben... die 800mg Ibuprofen, die ich sofort einnahm, entfalteten jedenfalls so viel Wirkung, wie das Glas Wasser, das ich dazu trank. 
Dazu erwarte ich heute einmal mehr die Standardvorträge vom Mann i.S. von Ich bin wirklich nicht mehr glücklich mit dir, und wenn ich das gewusst hätte... so daß ich das Wochenende bereits am frühen Samstag Morgen als erledigt ansehen kann. Ach ja und es hat geschneit.

Kommentare:

  1. Liebe Thea,

    vergiss in Zukunft Deine Hoeflichkeit, dass "man" in einer ind. Gruppe immer zusammen isst. Dies funktioniert nur, wenn Du wenn Du relativ satt auf solch einer "Party" erscheinst, ansonsten kannst Du warten, bis Du schwarz wirst und es Dir am Ende gesundheitlich nicht gut geht.

    Ich kenne diese Konstellation von mehr oder weniger jeder einzelnen indischen Feier, auf der ich bisher war. Dies hatte ich nach einiger Zeit raus und habe entweder schon vorher etwas gegessen oder mich sofort ueber das Essen vor Ort hergemacht - als Einzige wohlgemerkt. Nach einer Weile kannten sie die "komische Deutsche" schon und haben sich daran auch nicht mehr gestoert. Der Vorteil ist, dass man laenger durchhalten kann, ohne seine Begleitung sozusagen zu stoeren und man selber besser drauf ist.

    Inder trinken immer erst und essen dann irgendwann in der Nacht und wir machen es genau umgekehrt. Ich kann mit der indischen Konstellation auch gar nichts anfangen, denn dann bin ich entweder schon nach kurzer Zeit heillos betrunken (weil Alkohol auf nuechternen Magen) oder werde im Laufe der Zeit grantig (so wie Du), weil ich auf das Essen warte, damit ich "endlich" trinken kann oder ueberhaupt, weil ich einfach s**hungrig bin.

    Ich denke, dies ist uebrigens auch mit ein Grund, warum Inder schneller betrunken werden als Deutsche. Erstens essen sie nicht vor dem Trinken und zweitens trinken sie oft nur harte Sachen, die schneller in den Kopf gehen. Im nuechternen Zustand oder nach einigen "Selbstversuchen" versichern sie mir zwar immer wieder, dass die "deutsche Variante" eigentlich die bessere ist, dies funktioniert aber in groesseren Gruppen nicht, weil sie es halt so gewohnt sind.

    Das mit dem Nachhausefahren kenne ich auch, meistens aber umgekehrt, dass wir (ich) das "Taxi" sind. Auch daran habe ich mich inzwischen gewoehnt, denn ich weiss, dass es auch fuer mich gelten wird, sollte ich es mal brauchen.

    Also schmeiss entweder Deine gute Kinderstube in diesen Momenten ueber den Haufen oder iss vorher etwas, Deine Gesundheit und Dein Seelenfrieden mit A. werden es Dir danken.

    LG
    Kerstin

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  2. ... mir faellt noch etwas ein: Lies mal bei Anja, ihr ging es mal aehnlich. Als sie dachte, die Feier sei nun beendet, schliesslich war es schon spaet und alle eigentlich sichtlich muede, ging's erst richtig los. Dies halten "wir" nur durch, wenn wir gut gestaerkt sind oder uns eben abseilen (was ich auch schon manchmal gemacht habe).

    Ich hoffe, Dir geht es heute wieder besser
    LG
    Kerstin

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  3. Oh je, das späte Essen, ich weiß ja, daß es normal ist... aber mitunter erstaunt es mich doch, wenn 9 Uhr für mich auch nicht unbedingt superfrüh ist :) und ja, ich habe den Artikel von Anja gelesen. Ich glaube, daß hätte ich nicht durchgehalten. Mein Körper gibt sehr klare Warnsignale dessen aus, was ich abkann und wenn ich diese nicht befolge, dann breche ich zusammen, werde ohnmächtig, muß mich übergeben, Herzkrämpfe u.s.w. zusammenreißen funktioniert da nicht mehr. Fehlende Selbstkontrolle wie A. es nennen würde...

    Ich hoffe, daß die Migräne weitesgehend eingedämmt ist, aber gestern hat sie mich schon ziemlich geärgert. Ich denke auch nicht, daß sie unbedingt streßbedingt war, sondern eher eine Kombination von Wetteränderung (von +10 auf -15°C), Rotwein auf leeren Magen, zu wenig Schlaf und eine verrenkte Schulter. Das Gute war, daß ich die gesamten Vorträge meines Mannes i.S. von wieviel er mir gibt und wie undankbar ich bin, ich ihn ausnutze und ganz schlecht, wie wenig akkurat meine Angaben in 46,759 % aller Fälle sind, sowie ein paar zu persönliche Tiefschläge, mit einer erfrischenden Distanz erlebte: Er verdarb mir nicht den Tag, der Tag war eh schon schlecht.
    Was mich an dem Freitag Abend so überraschte, war, daß wir bereits mind. vier Mal (keine akkurate Angabe) bei der gleichen Familie eingeladen waren und es gab jedes Mal zuerst das Essen und später wurde Poker bzw. Uno gespielt. Dazu hatten sie nie koffeinfreie Cola im Haus und meistens gab es sogar noch Chai - all das fiel an dem Abend weg.
    Ich dachte auch Freitag abend ... alle sind k.o. von der langen Woche, aber was ich vergaß, sie sind alle bei der Uni und folgen dem Rythmus, der außer Mittagessen noch häufig zweites Frühstück und Kaffee am Nachmittag im Programm hat, so daß keiner auch nur annähernd so hungrig war, wie es z.B. an einem Samstag der Fall wäre, wenn sie auch arbeiten müssen, aber viele Kantinen geschlossen sind.
    A.s Lösung des Problems: In Zukunft geht er zu solchen Abenden alleine, dann kann man peinliche Auftritte der Angetrauten vermeiden. Viel Spaß ;)

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  4. oh, das find ich aber nicht so toll von deinem mann... :(
    ist der immer so? kannst du damit umgehen?

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    1. Ja, er ist immer so... ich arbeite daran, damit umzugehen.
      Inder sind in der Hinsicht noch in einem sehr starren Rollenbild verankert, in dem die Frau alles tut, was der Mann ihr sagt, selbst wenn es idiotisch sein sollte. Mein Mann hasst das, verfällt aber auch immer wieder selbst in den Trott.
      Es ist schwierig, aber zu wissen, daß ich nicht ein besonders kompliziertes "Exemplar" erwischt habe, sondern alle indischen Männer so sind hilft :)
      Vor kurzem habe ich diesen Ratschlag gehört: A. picking my battles. B. If his request isn't too outlandish just doing it. C. Ignore him. ... mal sehen obs hilft :)

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  5. Hallo Thea,

    zum Thema, zu solchen Abenden geht er in Zukunft alleine, rate ich Dir eindeutig: NEIN. Das schleift sich im Laufe der Zeit ein und Ihr macht ausser einkaufen und zu Hause sein, nichts mehr mit einander.....Diese Phase hatten wir auch, klar durch mich provoziert, hat mir aber im Laufe der Zeit nicht mehr gefallen und ich habe mir andere Alternativen gesucht, was mein Verhalten betrifft.

    Wir hatten gestern auch Gaeste, die "bestimmt in 15-20 Minuten" hier sein wuerden. Zeit ist ja immer so eine Sache bei Indern, also habe ich mir lieber ein paar Brote gemacht, denn am Ende haben wir erst 1 Uhr morgens gegessen, angesagt waren die Gaeste fuer ca. 11 Uhr abends. Es kam im Buero etwas dazwischen, was nicht der Punkt ist. Der Punkt ist, es kommt IMMER etwas dazwischen und ich habe gelernt, Zeitangaben nicht zu trauen und essensmaessig "mein eigenes Ding" durchzuziehen. Als wir dann zusammen assen, hatte ich zwar trotzdem Hunger, war aber nicht am Ende meiner Kraefte und damit unausstehlich, denn auch mein Koerper zeigt mir klare Grenzen, wenn es um zu spaete Nahrungsaufnahme geht (Kopfschmerzen, Schwindel, Gereiztheit, wesentlich mildere Symptome als Deine, aber immerhin). Da mich die Leute hier inzwischen kennen, wurde mir sogar angeboten, dass ich als Erste essen koenne, was ich ablehnte, da ich ja schon Brote vorab hatte.

    Hat uebrigens mit fehlender Selbstkontrolle nichts zu tun, wenn man bedenkt, dass unser Koerper nunmal nur mit Essen und Trinken ueberlegen kann, also mach Dir keine Sorgen. Ausserdem reagiert jeder Koerper anders, einige koennen viele, viele Stunden ohne Essen und Trinken auskommen, andere halt einfach nicht!!

    Schade ist nur, dass immer nur WIR nach Kompromissen und Alternativen suchen muessen, aber das liegt genau daran, was Du auf Sabrinas Fragen geantwortet hast, dem unterschiedlichen Rollenverstaendnis.

    Aber jetzt scheint ja alles wieder gut zu sein, das freut mich.

    LG
    Kerstin

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  6. Danke Kerstin :) Ja zur Zeit geht es einmal wieder... bis zum nächsten Mal. Ich denke auch, daß ich nicht immer nicht mitgehen werde, aber eben auch nicht jeden Freitag, Samstag, Sonntag... jedes zweite Wochenende mich ein paar Stunden hinsetzen und langweilen, weil ich eh nur die Hälfte verstehe, reicht eigentlich :) Und in Zukunft werde ich jedes Mal vorher etwas essen, schlafen und meine eigene Cola mitbringen. Liebe Grüße Thea

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