30. März 2011

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Seit Anand wieder da ist, habe ich eigentlich fast keine freie Minute mehr, denn er schafft es problemlos alles zuzuplanen... „damit mir nicht langweilig ist“ Danke! Am Sonntag musste ich einmal mehr einem halboffiziellen Treffen der indischen Studentenvereinigung beiwohnen: Thema Holi. Wie immer endete das damit, daß ich stundenlang aus dem Fenster starrte, denn je nach Gruppe spreche ich weder Bengali, Hindi, Punjabi noch Telugu, wohne nicht im Studentheim, habe keine Ahnung von Laborbedingungen und konnte wegen meiner Hand nicht einmal beim Kochen helfen aka. Vorwand haben zumindest nicht im großen Raum alleine herumsitzen zu müssen. Gestern durfte ich Wäsche waschen und dann sah ich mir Möbel in einem Second Hand Kaufhaus an, machte ein paar Bilder für ihn, aber wie immer ist unser Geschmack viel zu verschieden um zu einer Übereinstimmung zu kommen. Heute war mein Tag komfortabel mit Arztbesuch und Lebensmittel einkaufen gefüllt. Wichtig ist, daß ich ihm am Ende des Tages etwas vorzeigen kann was dennoch nicht nach der mir stetig unterstellten Verschwendungssucht aussieht.
Wie immer wenn wir längere Zeit voneinander getrennt sind, wird es kompliziert. Als er 2008 zwei Monate länger in Indien war als ich, lautete seine Aussage nach dem Landen, daß unsere Ehe sowieso keine Chance auf Zukunft hätte, er sei sich da nun ganz sicher. Als ich im November von meinem Deutschlandbesuch zurück kam, musste er mir täglich auf die Nase binden, wie glücklich er doch ohne mich gewesen wäre, wie toll das Leben war. Seine Kollegen bestätigten mir, wie gut es ihm doch ging. Meine irgendwann entnervte Antwort, daß er dann doch bitte die Konsequenzen ziehen solle, wenn er mit mir so unglücklich sei, wurde mit eisigem Schweigen quittiert. Nun nach einer Woche Dallas, musste er mich sofort fragen, wann ich denn das letzte Mal auf der Waage stand, schließlich hätte ich schon wieder deutlich zugenommen. Ich hatte keine Lust ihm entgegen zuhalten, daß ich gerade erst glücklich festgestellt hatte, daß es zwei Kilo weniger seien, stattdessen maulte ich nur zurück, geht nicht, die Waage ist kaputt, ich habe sie Ausversehen im Wasser ertränkt. Das war mir zwar mit dem Küchenzeitmesser passiert, aber zum Glück fragte er nicht nach, wie man denn eine 30x30cm Waage versenken kann. Nun die Zeit in Dallas hatte er mit der viel jüngeren und hübscheren, ehemaligen Kollegin aus Ottawa verbracht, die natürlich schlanker, sozialer, intelligenter und viel mehr Geschmack hat, was Mode betrifft. Vergessen die Zeiten, wo er jeden Tag nach Hause kam, um sich über eben diese Kollegin bitter zu beschweren, die viel zu kindisch und begriffsstutzig sei und ganz schlimm: keine Ahnung von Mathematik hat. Das einzig Gute ist, daß sie als echte Polin auch dementsprechend Alkohol verkonsumiert und er – sein letztes Lieblingsthema- nun plötzlich nicht mehr der Meinung ist, daß mein Alkoholverbrauch (eine Flasche Wein verteilt auf ca. 10 Tage) völlig außer Kontrolle geraten sei. Er hat mir sogar eine neue Flasche gekauft. 
Wie immer ist meine einzige Chance jetzt viel Geduld ... und abwarten bis er wieder normal ist, obwohl ich immer mehr Verständnis für meine Großmutter aufbringe, die mitunter berühmt-berüchtigt dafür war vor lauter Frustration auch mal eine Kaffeekanne samt Inhalt an die Wand zu donnern. Stattdessen heißt es lieber Tee trinken und darüber nachdenken, ob es zwecks Streßvermeidung nicht sinnvoller wäre, meinen Mann nicht länger als ein paar Tage irgendwo alleine hinfahren zu lassen.

Kommentare:

  1. Hi Thea...wie hälst Du das bloß aus?! Du hast ja schon öfter mal in Deinem blog etwas durchblicken lassen von Deiner Ehe. Dein Mann sollte sich mal bei Dir ganz doll bedanken, dass Du mit ihm durch die Welt gondelst damit er seine Karriere voranbringt während Du zu Hause sitzt und nicht an Deinem beruflichen Fortkommen arbeiten kannst. Ich wünsche Dir viel Kraft! Lg von Abby, einer stillen Leserin Deines blogs

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  2. Hii Abby,
    ich habe über deine Worte nachgedacht und das ist der Versuch einer Antwort:
    ich denke Beziehungen sind nicht immer nur schön, toll und Sonnenschein sondern auch schwierig, tun weh und sind manchmal selbstzerstörerisch... Ich habe einmal gelesen, daß eine Beziehung eine gute ist, wenn man zumindest 50 % als gute Zeit ansehen kann... Insofern hoffe ich, daß die gute Hälfte wenn schon nicht größer, so doch zumindest immer mehr Gewicht haben wird. Natürlich zweifle ich auch, denke nach, ob es all den Ärger überhaupt wert ist... bisher mit positiver Antwort :)
    Ich finde es auch im täglichen Leben sehr einfach, einen Mann zu haben, der immer die Wahrheit sagt und sich in keinster Weise diplomatisch oder angepasst verhält. Es kann sich so kein Groll ansammeln ... dafür muß ich dann aber auch damit zurechtkommen, wenn man im Lieblingskleid vorm Spiegel steht und knallhart gesagt bekommt: You are too fat one day you will burst...

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  3. Hallo Thea, es ist gut, dass Du dich damit arrangieren und über vieles hinwegsehen kannst. Vielleicht hört es sich im blog auch viel schlimmer an als es eigentlich ist. Ich dachte nur beim Lesen, dass er ganz schön fies und gemein ist. Es ist mir übrigens schon bei vielen Indern aufgefallen, dass sie wenig Einfühlungsvermögen und nicht selten echte Kommunikationsschwierigkeiten haben. Dazu kommt noch das das Wort 'reflektieren' im indischen Wortschatz nicht vorkommt und das macht allen Beteiligten das Leben schwer.

    Das hat bestimmt auch etwas mit der oftmals unterdrückerischen indischen Kindererziehung zu tun - was manche Inder(innen) zu Hause erlebt haben würde sich in der westlichen Welt für ein Kinderschutzverfahren qualifizieren.

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  4. Ja, das stimmt, ich weiß, daß ich bei meinem Mann noch gegen andere Dämonen ankämpfe, die aus seiner Kindheit stammen, als das von der Mutter ungewollte Kind, das immer um Liebe, Aufmerksamkeit betteln musste, verlangt er immer nach Liebes-Beweisen, ist eifersüchtig auf die Katzen und "weiß" doch ganz genau, daß ich ihn gar nicht lieben kann... es verlangt häufig mehr Geduld als ich habe und manchmal auch der Erkenntnis, daß es von ihm kommen muß, wenn er irgendwann glauben will, daß ich nicht nur aus irgendwelchen negativen Gründen entschieden habe, bei ihm zu bleiben... aber ja, manchmal kracht es dann auch ganz gewaltig :)

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  5. Findest du eigentlich, dass es ein Problem ist, dass ihr nicht die gleiche Muttersprache habt? Ich habe da neulich mit Freunden drüber diskutiert. Ich weiß nicht, ob ich mir das vorstellen könnte. Am schlimmsten wäre für mich glaube ich, wenn ich die "gemeinsame" Sprache deutlich besser könnte, also wenn meine Partnerin Deutsch lernen würde. Ich glaube ich wäre dafür zu ungeduldig. Sprache ist halt ein Mittel, um Gedanken auszutauschen - das muss für mich einfach reibungslos funktionieren. Aber vielleicht gewöhnt man sich auch dran?

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  6. @H.

    Ich glaube nicht, dass unterschiedliche Muttersprachen eine Barriere darstellen, wenn beide Partner eine gemeinsame Sprache haben in der sie fließend sind und alle Emotionen, Probleme etc ausdrücken können.

    @Thea

    Wenn indische Leser oder naive Indienliebhaber meinen Kommentar lesen, könnte ich mir leicht verbale Haue einfangen, aber genau was Du schreibst kann ich aus eigenen Erfahrungen und Beobachtungen bestätigen. Indien wird als Sinnbild für die umsorgende und beschützende Familie verstanden, aber eigentlich ist dem gar nicht so. Leider haben die meisten indische Eltern wenig Kapazität darüber zu reflektieren wie sehr sie durch schlechte Behandlung incl. Gewalt, unter (Leistungs-)Druck setzen, vergleichen mit anderen Kindern u.s.w. den Lebensweg ihrer Kinder erschweren wenn nicht sogar versauen. Eigentlich könnte man sagen, dass Anand nichts dafür kann, dass er so ist wie er ist, weil er einfach nicht die Sicherheit und Liebe erlebte, die Kindern hilft sich aufs Leben vorzubereiten. Anderseits könnte man meinen, dass er jetzt reif ist und eigene Verantwortung übernehmen kann und muss - und das könnte zum Beispiel bedeuten sich ernsthaft mit seinem Verhalten und den darunterliegenden Gründen zu befassen oder sich Hilfe zu suchen. Aber es kostet Kraft und Zeit sich selbst einzugestehen ein Problem zu haben und dann nach einer Lösung zu suchen.

    Hast Du Anand mal daruf angesprochen und ihm Deine Beobachtungen mitgeteilt? Aber das musst Du sicher auch mit Fingerspitzengefühl angehen, weil es sonst so aussieht als ob Du schlecht über die Mutter sprechen willst.

    LG

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  7. @H. Ich glaube es hat von Anfang an geholfen, daß wir uns quasi automatisch auf Englisch als gemeinsame Sprache einigen konnten, es hilft auch in einem Land zu leben, das weder seines noch meines ist :) Aber Nostalgie ist eine schwierige Sache und Kindheitserinnerungen... aus dem Nichts erinnert man sich an etwas und hmmt z.B. die Melodie von Biene Maja und vom Partner käme nie ein wissendes Lächeln sondern nur ein Erklär-Mir Ausdruck und manchmal möchte man einfach ohne große Worte verstanden werden ...

    @Abby Ich konnte einiges an indischem Verhalten kennenlernen, das mir ziemlich sauer aufstieß und quasi das Gegenteil der geltenen Meinung darstellte wie z.B. Wir Inder zeigen Respekt ggü. Älteren, bedeutet, daß man die Füße anfässt, wenn man sie trifft und dann noch nicht mal zuhört, wenn die Großmutter etwas erklärt... sie ist schließlich alt und jeder weiß, daß Alte verrückt sind... Die Füße anzufassen mag für mich aus den falschen Gründen nur eine erzwungene Demütigung sein, aber dafür setze ich mich eben zu älteren Leuten und höre einfach hin, umarme sie, bin da ... und ehrlich gesagt habe ich schon von Paartherapie geredet, bevor wir überhaupt verheiratet waren... :o und nein, das kam eher nicht so richtig gut an, denn mentale Probleme hat man nicht, das ist nur eine Frage von fehlender Kontrolle über sich selbst... :)
    Anands Mutter ist auch keine typische indische Mutter, sie war Analphabetin, hat aber mit ihren Kindern zusammen Lesen, Schreiben und sogar English gelernt, hilft sovielen Menschen, liebt sogar mich... aber mit Anand ist es schwierig. Sie hatte ihre Gründe nach drei Kindern nicht noch ein viertes zu bekommen und um seine Zeugung kann nur spekuliert werden, aber laut Aussage seines nächsten Bruders schlug der Vater und schnitt ihr die Haare ab, das letztlich daraus entstandene Kind wurde zwar versorgt und ich glaube ihr, daß sie ihn lieben wollte, aber es half ihm auch nicht viel fast wie eine identische Kopie des Vaters auszusehen...

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