5. Juni 2011

Die Schlampenfrage


Ein großes Problem dieser Woche war, daß mein Mann mich in diesem Outfit sah und der Meinung war, daß -nein nicht ich- sondern die „braunen, extrem gewagten Standardplateau“- Schuhe mich wie eine Schlampe aussehen lassen würden. Danach folgten zwei Tage erhitzte Diskussionen, Streit und Drama bisher ohne Ergebnis, denn ich bin immer noch der Meinung, daß ich von niemanden, nicht mal oder schon gar nicht von meinem Mann so tituliert werden möchte, während er nachwievor denkt, daß man in einer Beziehung seine Meinung offen und ehrlich zum Ausdruck bringen können muß. Was zu dem Punkt führt ob man überhaupt so einen Meinung haben sollte ehrlich oder nicht, was unmittelbar dazu führt, daß meine negative Definition von Schlampe hinterfragt werden muss, denn schließlich gehören die Berufe solcher Damen (ja wir betreten gerade den Bereich Nutte) zu den ältesten Gewerben der Welt... das hat also Tradition. Was für mich nur ein anderer Begriff dafür ist, wie Männer gerade selbstbewußte Frauen seit Jahrhunderten „kleinmachen“ wollen... und ich bin noch nicht einmal selbstbewußt. Nach all den Tagen der Prinzipienreiterei ist mir der Ärger über die ganze Sache ausgegangen, das Wort Slut macht derzeit ohnehin überall News mit dem Slutwalk und sogar in diesem Comic tauchte es auf. Dieser traditionsbewußte Begriff wird mich also in Zukunft nicht mehr zusammenschrecken lassen, aber ein wenig Angst habe ich schon davor, was sonst noch aufkommen wird. Ich denke einfach, selbst wenn man eine „ehrliche“ Meinung zum Ausdruck bringen möchte, gibt es immer zwei Wege das zu tun und wenn man feststellt, daß der gewählte Weg verletzen könnte oder man sich vielleicht sogar eingesteht, daß man verletzten möchte, dann sollte man seine Formulierungen nochmals überdenken.
Vor kurzem habe ich diesen Spruch gelesen: Ein dummer Mann sagt einer Frau, sie soll die Klappe halten, wenn sie zuviel spricht, ein kluger Mann sagt ihr, wie schön sie doch aussehe mit geschlossenen Lippen... Was zuerst nach chauvinistischem Blödsinn erster Klasse klingt (haha, die doofen Frauen machen alles um schöner auszusehen), machte für mich etwas mehr Sinn nach den Problemen dieser Woche. In jedem Fall wird die Frau sofort verstehen was gemeint ist, doch während sie sich im ersten Fall frontal konfrontiert sieht, gibt ihr der zweite Fall die Möglichkeit das Gesicht zu wahren und sich einfach säuerlich lächelnd oder vielleicht sogar den eigenen Redeüberfluß realisierend wegzudrehen ...

Kommentare:

  1. Hallo Thea,

    liegt es "nur" an den Schuhen oder auch daran, dass Du fuer indische Verhaeltnisse "zuviel Bein" zeigst?

    Ich finde, kein Mann dieser Welt hat das Recht, eine - noch dazu seine eigene - Frau derart zu beleidigen. Eine Kleidung nicht angemessen zu finden, ist eine Sache, aber gewisse Woerter sollten vor allem in einer Beziehung tabu sein, da man vermuten koennte, dass der Mann a) die tiefere Bedeutung nicht wirklich kennt oder b) die Frau ganz bewusst beleidigen moechte. Bei Punkt a) koennte man vielleicht noch diskutieren und ihm erklaeren, was er angerichtet hat. Bei Punkt b) faellt mir nur wenig ein, ausser, dass er kein Respekt vor Dir oder Frauen im Allgemeinen hat, was ich auch sehr bedenklich finden wuerde.

    Gab es nicht vor ein paar Tagen auch eine Aeusserung, Du seist "zu fett"?

    Ich wuerde ihm unmissverstaendlich klar machen, dass er mit beiden Statements eine Grenze ueberschritten hat und es wuerde mir sehr schwer fallen, ihm zu verzeihen, vor allem, wenn er zur "Verteidigung" vielleicht noch Wortklauberei betreibt.

    LG
    Kerstin

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  2. Bei *DEN* Schuhen denkt er an *Schlampen"??! Häh?!! Verstehe ich überhaupt nicht. Also null-komma-null... Sind doch total normale, ordentliche Schuhe?

    "Schlampe" ist übrigens glaube ich nicht das selbe wie "Nutte". Eine Nutte macht das für Geld, und eine Schlampe macht einfach so mit jedem rum. ;)

    Und noch zum Beleidigen in Beziehungen: Den Satz "Boah, die Schuhe sind ja furchtbar... die sehen irgendwie schlampig aus." könnte ich glaube ich recht problemlos meiner Freundin sagen. Klar, sie wäre nicht erfreut, dass ich ihre Schuhe nicht mag, aber sie wäre wohl nicht persönlich beleidigt. Kommt aber halt auch drauf an, *wie* man es sagt, wie man dabei schaut usw., wie die Stimmung sonst gerade so ist ... - klar.

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  3. Liebe Dorothea,
    ein interessanter Beitrag. ich finde auch, dass die Schuhe überhaupt gar nicht "schlampig" sind. Wie hat er das denn begründet? Und, wie ist die Diskussion ausgegangen? Ziehst du die Schuhe jetzt gar nicht mehr an oder nur heimlich? ;)
    Und, dringende Bitte: mach bitte bitte Absätze! :)
    lg Anja

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  4. @Kerstin
    Ich glaube nicht, daß meine Kleidung zu kurz war, denn für Burlington im Sommer sehe ich ziemlich dezent aus (keine Hotpants; bekleidete Arme). Und mit den unmißverständlichen Aussagen habe ich so meine Probleme, insbesondere wenn das Englisch schwindet je irritierter ich werde... Ich bin einfach nicht für Wettbewerbsdiskutieren gemacht... Die Frage war ja gerade, ob nur meine negative Einstellung dem Wort gegenüber es zu einer Beleidigung machte... :)

    P.S. Es tut mir so leid um Mau. Ich hätte mich so gerne auf ein Happy End mit euch beiden gefreut. What a heartbreak... :(

    @H.
    Ich hätte es sogar verstanden, wenn er sich über die Socken zu den Sandalen aufgeregt hätte :D
    Nein, natürlich muß man auch einmal Kritik loswerden können und die wird meistens nicht sonderlich erfreut aufgenommen werden, aber man sollte in der Partnerschaft auch ein Gefühl dafür entwickeln wie man es sagt.. wie du schon meintest: generelle Stimmung, Augenkontakt... wie viel Gewicht man den Worten beimisst usw... :)

    @Anja
    Liebe Anja,
    ich ziehe die Schuhe derzeit nicht an, denn es gäbe jedes Mal schlechte Stimmung, aber ich trage noch andere Schuhe, die nicht nur „Flats“ sind :) Diskussion ging so aus wie immer Punktgewinn für Anand und wütender Blogeintrag von Thea... ich bin ein Loser... :D

    Ansonsten hast du völlig recht.... fehlende Text-Absätze. Man kann an meinen Absätzen immer erkennen, wie ich einen Text geschrieben habe. Wenn ich darüber lange nachdenke und an mehr als einem Tag schreibe, viele Absätze, stockend beschrieben... Wenn dagegen alles quasi in einem Wusch geschrieben wird, bin ich schon froh wenn ich nicht nur einen einzigen Megalangen Satz daraus mache ... ^^ Ich gelobe Besserung.
    Thea
    P.S. Müdigkeit und fehlende Fotos können meine Texte extrem lang (und langweilig) werden lassen.

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  5. Also fuer mich ist es ganz klar eine Beleidigung, da faellt mir gar nicht ein, wie man sich da herauswinden koennte (was ich ohnehin nicht anerkennen wuerde).

    Schade, dass Du Dich mit steigenden Emotionen nicht so recht verteidigen kannst, denn es bleibt immer etwas Haessliches zurueck, wenn der Gegenueber unter die Guertellinie geht.

    Ich wuensche Dir jedenfalls viel, viel Kraft!!

    Schau mal in meinen Blog, habe Dir geantwortet, scheint vielleicht doch in die Richtung zu gehen, die Du vorgeschlagen hast. Dafuer danke ich Dir.

    LG
    Kerstin

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