25. Mai 2011

Restaurantbesuch: Farah’s Café

Seit letzte Woche in unserer Straße ein kleines persisches Restaurant eröffnet hat, waren wir gespannt auf das dortige Essen. Anders als in Kanada muß man hier die ethnischen Essensoptionen durchaus noch mit der Lupe suchen und findet meist nur chinesisch bzw. italienisch neben den Burger-Optionen vor. Das Café befindet sich in den ehemaligen Räumen der NorthEnd Rotisserie, ein Hähnchengrill-Geschäft, daß im letzten Jahr für kurze Zeit geöffnet hatte. Wir haben dort nie etwas gekauft, zum Einen wurde in der Zeitung kritisiert, daß die Grillhähnchen (Broiler) zu fettig sind und kein bißchen knusprig und zum Anderen hatten sie eine überlebensgroße gelbe Huhnfigur vor dem Laden stehen, mit Augen wie frisch aus einem Hühner-Zombie Film. Das schreckt ab, mich zumindest. Jedenfalls hatte die Rotisserie vor Eröffnung das gesamte Restaurant renoviert, so daß die neuen Besitzer außer einziehen und beginnen nichts weiter machen mussten. Haben sie auch nicht, denn das Rotisserie Schild hängt immer noch vor dem Geschäft.
Als wir die Gaststätte gestern abend betraten, war es recht voll, einige Leute warteten an der Theke auf ihr Take-Out Essen, die einzige Kellnerin unterhielt sich irgendwo auf der Strecke mit Gästen und es machte einen leicht chaotischen Eindruck. Von der netten Besitzerin/Köchin zum Hinsetzen ermuntert beschlossen wir im Restaurant zu essen, anstelle das Essen mit nach Hause zu nehmen. (Der lange Weg nach Hause beträgt eine Minute Fußweg...) Nun begann das Warten auf die Kellnerin, die offenbar als Mitglied dieser persisch-österreichischen Familie zu dem Job genötigt worden war und sich durch besondere Trägheit und Vergeßlichkeit auszeichnete. Nachdem sie ein paar Mal um die Ecke schaute und sah, daß wir auch nach zehn Minuten immer noch an unserem Tisch saßen, nur eben schon recht genervt waren, beschloß sie es wäre unvermeidlich uns einen Besuch abstatten zu müssen. Wir bestellten unser Essen und bekamen sogar Wassergläser auf den Tisch gestellt. (Es gibt zahlreiche Tee-Optionen, auf die wir an diesem Abend verzichteten, die aber offenbar in echten türkischen Teegläsern serviert werden...., das Restaurant hat keine Alkohollizenz, wer etwas trinken will, bringt seine eigene Flasche Wein mit.)
Als unser Essen eintraf: Ich hatte Kofte-Meatballs bestellt und Anand Hähnchen, betraten vier junge Mädchen das Restaurant und setzen sich an den Nebentisch. Die Kellnerin kam und informierte sie als erstes, daß jedes Essen mit Suppe oder Salat serviert wird... Nanu entfuhr es uns unvermittelt, gut zu wissen... also rief Anand sie erneut zu unserem Tisch und wir bekamen auch unsere Suppe mit auf den Tisch gestellt: eine leicht cremige Minz-Gersten Suppe, die ich so garantiert in meinem ganzen Leben noch nie gegessen habe. Die Kofte waren mit einer weichen Masse gefüllt, die ich zuerst für Linsen oder Bohnen hielt, auf Nachfrage bei der Chefin entpuppten sie sich aber als Rosinen, das Hähnchen war noch leicht rosa. Aber Anand meinte, daß das in Indien auch der Fall wäre, denn leicht rosa bedeutet frisch und nicht schon den ganzen Tag wiederaufgewärmt. Dazu gab es Reis und Fladenbrot. Das Fladenbrot war fast das Beste des ganzen Essens, frisch duftig aus dem Backofen mit einem ganz leichten Zitronenaroma und garantiert selbstgemacht. Obwohl wir beide definitiv keinen Platz mehr dafür hatten, beendeten wir das Essen mit einem Baklava, welches ebenfalls anders war als sonst. Statt Blätterteig bestand es aus frittiertem Vermicelli mit einem dominanten Zimtaroma und erst dann bemerkte man die üblichen Baklava-Verdächtigen Zuckersirup und Nüsse, in diesem Fall Walnüsse.
Während wir aßen, beobachteten wir den Fortgang der Servierkunst am Nebentisch, Anand war ein wenig erleichtert, daß die Mädchen genauso schlecht bedient wurden wie wir, ich fand es dagegen schon grob unhöflich. Sie bekamen ihre Salate als eine große Platte serviert, die Kellnerin versprach ihnen dazu Teller zu bringen und verschwand. Nach einiger Zeit und viel Lachen ihrerseits mit anderen Gästen, versuchten die Mädchen den Verbleib der Teller zu erfragen und bekamen nur ein lapidares ‚Ach, die muß ich doch noch waschen’ zu hören ... Ja, dann mach das.
Wir bezahlten für unser Essen an der Theke und verließen den Laden. Anand konnte sich leider nicht dazu durchringen mehr als 10 % Trinkgeld zu geben, was für lange Gesichter sorgte, denn +15 % sind hier üblich, aber trotz gutem Essens war der Service einfach zu schlecht.
Insgesamt war es aber ein interessantes Erlebnis. Ich glaube nicht, daß Minzsuppe je zu meinem Lieblingsessen werden wird, aber es war einmal etwas ganz anderes und ich bin mir ziemlich sicher, daß man ähnliches Essen so auch im Iran finden könnte, denn die Gerichte waren noch zu unangepasst an amerikanische Essensgewohnheiten. Beim nächsten Mal werde ich vielleicht nur Hummus und Fladenbrot bestellen und wir machen es wie viele andere, rufen vorher an und holen das Essen ab, wenn es fertig ist.
Eigentlich bräuchte man in so einem kleinen Lokal auch gar keine Kellnerin, denn ohnehin steht jeder vor der Theke sobald er den Laden mit seinem Schnellrestaurant-Charakter betritt, dann kann er auch dort bestellen, bezahlen sich an seinen Tisch setzen und braucht nur noch einen Essenservierer oder wird kurz an die Theke gerufen und holt sich sein Essen selbst ab, denn mit der derzeitigen Kellnerin schreckt man Gäste genauso ab, wie vorher die Rotisserie mit ihrem Huhn.

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